Autor: Harald R. Preyer

  • Der Kochtopf und die Patchwork-Familie

    Gedanken zur Zukunft von Familie und Kirche

    zur Predigt von P. Johannes Paul Abrahamwicz OSB
    am Fest der Heiligen Familie 2025
    in der Pfarrkirche St. Veit im Gölsental

    ein Kommentar von Harald R. Preyer

    Diese Predigt löst das Fest der Heiligen Familie aus dem engen Rahmen eines Ideals. Die biblische Familie ist keine heile Welt, sondern eine gefährdete: Flucht, Unsicherheit, Improvisation. Gerade darin liegt ihre Wahrheit.

    Was früher verschwiegen wurde, wird heute tröstlich: dass Familien unvollkommen sein dürfen – und Kirche ebenso. Der Pfarrverband als Patchwork-Kirche ist kein Mangel, sondern eine ehrliche Gestalt von Gegenwart. Heiligkeit zeigt sich nicht im Perfekten, sondern im Annehmen dessen, was uns zufällt.
    Die Metapher vom Kochtopf ist pastoral klug: Konflikte brauchen Sprache, bevor sie eskalieren. Annahme braucht Kommunikation. Und Vertrauen findet seine Form im Gebet – nicht als Ersatz fürs Handeln, sondern als geteilte Verantwortung.

    Entspricht nicht von jeher das Bild von Kirche eher dem, was wir heute als Patchwork-Familie kennen denn der idyllischen Trias von Vater – Mutter – Kind?

    Südaltar mit großem spätgotisches Kruzifix um 1510/1520
    Pfarrkirche St. Veith an der Gölsen

    Nach seinem Tod hinterlässt Jesus in unserer Welt: eine Mutter Maria in großer Trauer, einen vermutlich traurigen Stiefvater Josef, viele enttäuschte Freunde, die an ihn geglaubt haben und ein trügerisches Gerücht: er sei von den Toten auferstanden…

    Dann kommt Ostern. Dann kommt Auferstehung. Dann kommt Heiliger Geist. Und so entsteht Kirche – als eine stetig wachsende Gruppe von Menschen, die an die Liebe glauben, diesen Glauben teilen und erlebbar machen. Bis heute.

  • Credo

    Wir sehn uns wieder,
    irgendwann,
    getragen still
    von Gottes Plan.

    Dann wird, was war,
    zu Nähe weit:
    Wir sind einander
    Leib und Zeit.

    Ich glaube.



    HRP, Stift Göttweig am Fest der Heiligen Familie 2025

  • Christtag

    Innehalten am Abend

    Im Glauben finden wir Licht und Trost für alles.

    Emilie Engel (Mitgründerin der Schönstätter Marienschwestern, 1893–1955)

    • Wofür brauche ich im Moment Licht und Trost? Ich darf es dem göttlichen Kind anvertrauen.
    • Was bedeutet für mich der Glaube, dass Gott als Kind zur Welt kam?


    Lesung    1 Joh 1, 1–3

    Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.


    Fürbitten

    Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, du bist selbst Kind geworden. Wir bitten dich:

    V: Sei unser Licht,   A: bleib uns nah.

    Segne alle Kinder, die heute geboren werden;
    – lass sie gesund heranwachsen und spüren, dass sie Kinder deines Vaters sind.
    Sei mit allen, die heute Weihnachten feiern;
    – lass dein Licht sie erfüllen und von ihnen ausstrahlen auf die Menschen in ihrer Umgebung.
    Sieh gütig auf jene, die dich nicht kennen,
    – und lass sie deine Liebe und deinen Segen spüren.
    Gedenke der Kinder im Heiligen Land;
    – hilf den Mächtigen, sie besonders zu schützen und im Frieden heranwachsen zu lassen.
    Komm auf alle zu, die heute sterben;
    – lass sie sich ewig mit dir freuen.

    V: Sei unser Licht,   A: bleib uns nah.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 12-2025, Abendgebet am 25.12.205

  • R.I.P. Pater Hartmann OSB

    Requiem und Begräbnis von + Pater Hartmann Scheuhammer OSB am 20.12.2025 in der Stiftskirche Göttweig


  • Alma redemptoris mater

    Alma redemptoris mater ist die marianische Antiphon, die im Stundengebet der katholischen Kirche in der Advents- und Weihnachtszeit entweder zum Abschluss der Vesper oder der Komplet gesungen wird, je nachdem, welche dieser beiden Horen die letzte ist, die in Gemeinschaft gefeiert wird.

    Jan van Eyck, Madonna in der Kirche (1426), Gemäldegalerie Berlin

    Alma Redemptoris Mater,
    quae pervia caeli | porta manes
    et stella maris,
    succurre cadenti, |
    surgere qui curat, populo:
    tu quae genuisti, | natura mirante,
    tuum sanctum Genitorem, |
    Virgo prius ac posterius,
    Gabrielis ab ore | sumens illud Ave,
    peccatorum miserere.

    Erhabne Mutter des Erlösers,
    du allzeit offene Pforte des Himmels
    und Stern des Meeres,
    komm, hilf deinem Volke,
    das sich müht, vom Falle aufzustehn.
    Du hast geboren, der Natur zum Staunen,
    deinen heiligen Schöpfer.
    die du, Jungfrau davor und danach,
    aus Gabriels Mund vernahmst das selige Ave,
    o erbarme dich der Sünder.

  • Fürbitten vor Weihnachten

    Menschliches und Göttliches, die Logik der Macht und die Gabe der Liebe liegen in unserer Welt oft im Widerstreit. Josef öffnet sich dem göttlichen Bereich. Wir rufen zu Gott, der die Herzen kennt, und bitten um seinen Beistand:

    V: Du unsere Zukunft,   A: sende uns deine Engel.
    – Für alle, die in einer schweren Konfliktsituation stehen.
    – Für alle, die auf ihre innere Stimme hören wollen.
    – Für alle, die Widerstände zu überwinden haben.
    – Für alle, die die Logik der Macht und die Zwänge der Tradition überwinden und auf dein Wort hören.
    V: Du unsere Zukunft,   A: sende uns deine Engel.

    Vaterunser

    Oration

    Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

    Der Herr des Friedens schenke uns den Frieden zu jeder Zeit und auf jede Weise. Der Herr sei mit uns allen.
    Vgl. 2 Thess 3, 16

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch 12/2025

  • Winter

    Tag 355

    Ein Obdachloser stirbt in der Gosse. Ein Baum bricht in der Kälte: Ein entsetzlicher Klang. An der Wintersonnenwende ist der Tag am kürzesten und die Nacht am längsten. Es kann auch eine Zeit bitterer Kälte sein.

    Der Wind ist eiskalt und zerschneidet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Schnee und Eis sind tödlich. Obdachlose sterben an Erfrierungen.

    Selbst die mächtigsten Bäume können durch den Temperaturabfall brechen. Ein Baum, der bricht, klingt wie eine schallende Ohrfeige. Die Schrecken, die Tragödien, die dieser Tiefpunkt mit sich bringt!

    Der Winter quält die Welt mit seinen eisigen Peitschenhieben und wer schwach ist, wird unter seinen eisigen Absätzen zermalmt.

    Manchmal wagen wir es nicht einmal, jene zu betrauern, die im Winter sterben, aus Angst, dass unsere Tränen im Gesicht gefrieren. Aber wir sehen und hören. Wir rücken näher ans Feuer und geloben zu überleben.

    Ganz gleich, wie sehr wir von Unglück betroffen sind, wir müssen uns vor Augen führen, dass dies der tiefste Punkt ist, den das Rad erreicht. Die Dinge können nicht endlos abwärts gehen. Alles hat Grenzen – selbst die Kälte und die Dunkelheit und der Wind und das Sterben. Sie nennen diesen Tag Winteranfang, doch in Wirklichkeit ist er der Anfang des Wintertodes. Von nun an können wir der wärmeren und helleren Jahreszeit entgegensehen.

    Quelle: Deng, Ming-Dao. 365 Tao: Meditationen für jeden Tag des Jahres

  • Kurz vor Weihnachten

    Fürbitten

    Christus Jesus, Schöpferwort des ursprunglosen Gottes, wir bitten dich:
    A: Vollende das Werk der Erlösung.
    – Führe die Menschen, die in Schuld verstrickt sind, zur Umkehr.
    – Begeistere Menschen durch die Faszination deiner Gerechtigkeit und Liebe.
    – Richte gerade, was in Jahrtausenden Menschheitsgeschichte an Unheil geschehen ist.
    – Belebe die Leiber neu, die im Schoß der Erde auf unvergängliches Leben warten.
    A: Vollende das Werk der Erlösung.

    Vaterunser

    Oration

    Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
    Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
    Vgl. 2 Kor 13, 13

    Quelle: Aus dem Abendgebet vom 21.12.2025 in Magnificat – das Stundenbuch.

  • Bist Du es?

    Bist du es, der da kommen soll?
    Bist du’s, den wir erwarten?
    Bist du, der uns die Freiheit schenkt,
    die Seher offenbarten?
    Wir sind gefangen, sind verstrickt,
    wir brauchen Aussicht, die erquickt,
    und Glauben, der beflügelt.

    Bist du es, der da kommen soll,
    der heilt, dass Blinde sehen?
    Bist du, der satt macht und der hilft,
    dass Lahme wieder gehen?
    Wir sind gebunden, sind zu schwach,
    das Blatt zu wenden, ruf uns wach
    und schenk uns neue Hoffnung.

    Bist du es, der da kommen soll,
    der spricht, dass Taube hören?
    Bist du, der gute Nachricht bringt,
    an der sich Herrscher stören?
    Durchbrich die Mauern, hilf uns auf,
    aus Todeskampf wird Lebenslauf
    und Liebe, die nicht endet.

    Eugen Eckert (zu Mt 11, 1 ff.), © Dehm Verlag, Limburg

  • Die Weisheit der Bewegung

    „Das Leben ist wie eine Sanduhr. Bewusstsein ist der Sand. Stellen wir uns eine Sanduhr vor. Ihre Form ähnelt dem Symbol für Unendlichkeit. Ihre Silhouette ähnelt der Doppelhelix der DNA. Ihre beiden Hälften repräsentieren Polarität: Das Materielle auf der einen Seite, dass Immaterielle auf der anderen. Das Männliche auf der einen Seite, das Weibliche auf der anderen. Heiß und kalt, positiv und negativ, oder jede andere Dualität. Der Sand rinnt in einem Strahl – es ist derselbe Strahl wie der Energiefluss, der die Wirbelsäule hinaufsteigt, derselbe Strahl, der unser Lebensweg ist. Die Bewegung des Sands ist das, was wir Tao nennen. Unser Bewusstsein wechselt zwischen den verschiedenen Zuständen ab, die durch die Sanduhr dargestellt werden. Es ist genauso schwierig zu fassen wie ein Sandstrahl. Deshalb ist es töricht, die Dinge bis ins kleinste Detail zu untersuchen. Es ist nicht weise, sich auf das Materielle zu konzentrieren. Weise ist es, die Bewegung zu verstehen.“
    — Deng Ming-Dao, 365 Tao


    Dieses Bild nimmt dem Leben die Härte des Festgeschriebenen. Nicht die Form entscheidet, sondern der Fluss. Trauer, Liebe, Angst, Hoffnung – sie sind keine Gegensätze, die sich ausschließen, sondern Zustände derselben Bewegung.

    Wer im Abschied Halt sucht, findet ihn nicht im Festhalten am Gewesenen, sondern im Verstehen des Übergangs. Weisheit zeigt sich dort, wo wir dem Wandel trauen und den eigenen Lebensstrom wahrnehmen, ohne ihn kontrollieren zu wollen.


    Faksimile aus Deng Ming-Dao, 365 Tao.

    Dieses Buch haben wir in unserer Männerrunde im Jahr 2025 gelesen. Tag für Tag haben wir über WhatsApp nur miteinander ausgetauscht, dass wir die Doppelseite gelesen haben. ✅

    Einmal im Monat haben wir einander dann in einer persönlichen Runde in einer Videokonferenz eine Stunde lang aufmerksam zugehört. Ohne zu kommentieren, ohne Ratschläge, ohne störende eigene Inputs.

    Seit fünf Jahren darf ich ein Teil unserer fünfköpfigen Runde sein und ich freue mich immer wieder auf unser Jahres-Treffen in der realen Welt. Mit Umarmungen, Spaziergängen, gutem Essen und so mancher brillanten Idee aus der Runde.