Gottes Maßstäbe sind andere als die, die unter uns Menschen gelten. Ihn bitten wir:
Bitten
A: Nimm uns an, du unser Vater.
– Mit unseren Fehlern und Schwächen. – Mit unserem Kleinmut und unseren Ängsten. – Mit unserer Hoffnung und Zuversicht.
A: Nimm uns an, du unser Vater.
Vaterunser
Oration
Allmächtiger Vater, komm in unser Herz und erleuchte es durch dein Licht, damit wir deine Weisungen erkennen und dir als unserem König folgen auf dem Weg, den du uns führst. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, aus dem Morgengebet vom 30.1.2026
Seid alle eines Sinnes, voll Mitgefühl und brüderlicher Liebe, seid barmherzig und demütig! Vergeltet nicht Böses mit Bösem noch Kränkung mit Kränkung! Statt dessen segnet; denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erlangen.
Fürbitten
Lasst uns für die Kirche bitten, das Haus Gottes unter den Menschen:
V: Heiliger dreifaltiger Gott, A: wohne in unserer Mitte.
– Dass in der Gemeinschaft der Glaubenden etwas von deinem unergründlichen Geheimnis spürbar ist. – Dass sich die Menschen von deinem Evangelium angesprochen fühlen. – Dass deine Liebe und dein Erbarmen in der Kirche leben und unsere Welt durchdringen. – Dass unsere Verstorbenen sich ewig an deiner Gegenwart freuen.
V: Heiliger dreifaltiger Gott, A: wohne in unserer Mitte.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet vom 29.1.2026
In jener Zeit sprach Jesus: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter? Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er! Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Impuls zum Evangelium
Licht, das wissen wir, macht nur Sinn, wenn es sichtbar ist. Licht im Verborgenen, dort wo es niemandem nützt, wo es nichts erhellt, ist nutzlos. Im heutigen Evangelium erinnert Jesus daran, dass alle Menschen etwas in sich haben, das leuchten und ausstrahlen kann – Mitgefühl, Achtsamkeit, Gaben und Fähigkeiten. Warum lassen wir sie so oft nicht strahlen, hinausstrahlen zu den Mitmenschen und in die Welt? Warum verstecken wir – gleich dem Licht unterm Bett –, was Gott in uns gelegt hat und was eigentlich zu leuchten bestimmt ist? Aus Bequemlichkeit, Angst, Vorsicht oder anderen Gründen? Jesus erinnert daran, das (eigene) Licht ausstrahlen zu lassen, und ermahnt zugleich, aufs Hören, auf Maßstäbe und den mitmenschlichen Umgang zu achten. Er traut jedem und jeder von uns zu, zu leuchten, sichtbar zu sein, wahrhaftig, mutig und einmalig. Nicht perfekt, aber echt. Und unsere Zeit braucht Menschen, die Licht machen, die Licht sind – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 29.1.2026
Da wir die Fülle der pastoralen Sorge tragen, ruft uns die Liebe Christi unablässig dazu auf, für das Wohl der ganzen Kirche zu sorgen. Zwar liegt uns das Heil aller Gläubigen am Herzen, doch mahnt uns in besonderer Weise die Güte Gottes, auch für einzelne Teilkirchen Hirten zu bestellen, die geeignet sind, das Volk Gottes zu leiten.
Denn unser Herr Jesus Christus wollte, dass jeder einzelne Hirt seiner Herde vorstehe, nicht aus eigener Kraft, sondern im Dienst des Evangeliums, damit er mit wachsamer Sorge die ihm anvertrauten Seelen leite und sie auf dem Weg des Heils begleite.
Nachdem nun der bischöfliche Stuhl von Wien vakant geworden war, haben wir mit väterlicher Umsicht nach einem Mann gesucht, der durch Glauben, Klugheit und bewährten priesterlichen Dienst geeignet ist, diese hohe Aufgabe zu übernehmen. Dabei haben wir den Rat zuständiger Stellen eingeholt und sorgfältig erwogen, was dem Wohl der Kirche dient.
So haben wir dich, geliebter Sohn, der du aus dem Klerus dieser Erzdiözese hervorgegangen bist und dich in vielfältigen pastoralen Aufgaben bewährt hast, für würdig erachtet, dieses Amt zu übernehmen. In dir sehen wir einen Priester, der mit menschlicher Reife, geistlicher Tiefe und seelsorglicher Hingabe den Menschen nahe ist.
Darum ernennen wir dich kraft unserer apostolischen Vollmacht zum Erzbischof von Wien, mit allen Rechten und Pflichten, die diesem Amt nach den heiligen Canones zukommen.
Wir gewähren dir die Vollmacht, die bischöfliche Weihe zu empfangen, sofern du sie noch nicht empfangen hast, und wir beauftragen dich, das Volk Gottes in der dir anvertrauten Kirche zu lehren, zu heiligen und zu leiten, in Treue zur Lehre der Kirche und in Gemeinschaft mit dem Nachfolger des heiligen Petrus.
Wir empfehlen dich der Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, der Mutter des Erlösers, sowie des heiligen Josef und des heiligen Stephanus, und bitten inständig, dass der Heilige Geist dich leite, stärke und mit seiner Weisheit erfülle.
Nimm die Melodie des Herrn in dich auf, damit dein Wort und dein Leben im Einklang stehen mit dem Evangelium Christi und du den Menschen Hoffnung, Orientierung und Frieden schenkst.
Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am siebzehnten Tag des Monats Oktober im Jahr des Herrn zweitausendfünfundzwanzig, im ersten Jahr unseres Pontifikats.
„Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“
David Hume (schottischer Philosoph und Ökonom, 1711–1776)
• Das Muster der Schneeflocken, eine schillernde Regenpfütze, die verschiedensten winterlichen Farbtöne, ob in Blau oder Grau – habe ich ihre Schönheit heute wahrgenommen? • Wenn schon die Welt so schön ist – wie schön muss Gott sein, der sie aus dem Nichts erschaffen hat?
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet am 26.1.2026
„Entweder ich glaube Christus – oder ich glaube ihm nicht. Dass ich einen Teil glaube und einen anderen nicht, hieße: Christus ist geteilt. Und das kann nicht sein.“
Univ.-Prof. Dr. Thomas Möllenbeck in seiner Predigt am 25.1.2026 im Wiener Stephansdom
Ausgehend von einer ökumenischen Erfahrung in der Woche der Einheit der Christen stellt Prof. Thomas Möllenbeck eine scheinbar einfache, aber grundlegende Frage: Kann man mehr oder weniger glauben – und dennoch Christ sein?
Anknüpfend an ein theologisches Streitgespräch bei John Henry Newman (Verlust und Gewinn) verneint er dies für den Kern des Glaubens. Der christliche Glaube ist kein abgestuftes Für-wahr-Halten einzelner Inhalte, sondern ein persönlicher Glaubensakt: jemandem glauben.
Mit Thomas von Aquin formuliert er: Glauben heißt, jemandem etwas glauben. Am Ende dieses Vertrauens steht Christus selbst – der Einzige, der den Vater aus eigenem Wissen kennt. Darum gilt: Wenn Christus wahr ist, dann ist er ganz wahr. Ein teilweises Glauben würde Christus teilen – und ihn damit seines göttlichen Anspruchs berauben.
Paulus bringt dies im ersten Korintherbrief auf den Punkt: „Ist Christus denn geteilt?“ Für Möllenbeck ist klar: Christus ist nicht geteilt – und die Kirche ist es ihrem Wesen nach auch nicht, sofern sie der fortlebende Christus in der Geschichte ist.
Unterschiede im Verstehen, im Reifegrad oder im sakramentalen Zugang räumt die Predigt ausdrücklich ein. Ein Mehr oder Weniger gibt es im Erkennen – nicht aber im Glauben als Akt.
Ökumene bedeutet daher nicht Reduktion, sondern gemeinsames Hören: einander ernsthaft zuhören, was der andere glaubt – mit der gemeinsamen Ausrichtung auf den einen, ungeteilten Christus.
Geschmeidige Prediger gibt es auch heute. Manche ziehen Massen an, ihre Homebase ist oft stattlich – aber wen verkündigen sie?
Die Frage steht ganz obenauf bei den Christen von Korinth. Es steht nicht gut um Frieden und Geschwisterlichkeit.
Worauf kommt es an – auf den smarten Boten oder die Botschaft? Jesu Botschaft dient, verbindet und stärkt Menschen. Sie schafft Frieden und grenzt niemanden aus.
Lasst uns beten für alle Menschen, die sich von Gott verlassen fühlen:
V: Du unser Licht in der Nacht, A: bleib uns nah.
Für alle, die sich schwertun, ihren Platz im Leben zu finden; – lass sie Halt finden bei nahestehenden Menschen und zugewandten Seelsorgern. Für alle, deren Glaubensvorstellungen ins Wanken geraten sind; – lass sie in der Begegnung mit anderen Glaubenden neue Sicherheit gewinnen. Für alle, die in einer Notsituation der Verzweiflung nahe sind; – erweise ihnen deine Treue, wenn selbst das Gebet ihnen nicht weiterhilft. Für alle, die von Depression geplagt sind und keine Kraft mehr haben; – dass sie sich auf ihr Umfeld verlassen können und in kleinen Schritten zurück ins Leben finden. Für alle, denen am Ende ihres Lebens alles zu zerrinnen scheint, worum sie sich abgemüht haben; – lass ihnen im Tod der Sinn ihres Einsatzes aufgehen und schenke ihnen die Fülle deines Lebens.