Lasst uns beten für alle, die sich in einer Notlage befinden:
V: Herr, erbarme dich. A: Christus, erbarme dich.
– Dass sie mit deiner Hilfe finden, was ihre Not wende – Dass sie aus der Nähe zu dir ein starkes Selbstwertgefühl empfangen. – Dass sie durch die Begegnung mit Menschen, die ein Leben in Armut gewählt haben, innerlich reich werden. – Dass sie in der Solidarität mit anderen Menschen Halt und Lebenssinn finden. – Dass sie dir am Ende ihres Lebens getröstet entgegengehen.
Ihr sollt sein wie Fenster, durch die Gottes Güte in die Welt hineinleuchten kann.
Edith Stein (Karmelitin, Philosophin, 1891–1942)
• In welchen Momenten habe ich Gottes Güte in meinem Leben deutlich gespürt, vielleicht auch erst im Nachhinein? • In welchen Situationen fällt es mir schwer, ein „Fenster“ für Gottes Güte zu sein?
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet am 16.1.2026
Bei der feierlichen Urnenbestattung einer Grande Dame im Jänner 2026 am Friedhof Ober St. Veit haben Lukas Kobermann und Thomas Hillebrand den Trauerzug von der Aufbahrungshalle bis zum Grab mit Trompetenklängen begleitet.
Wenn Musik den Trauerzug trägt
Die beiden Musiker hatten auf einem Hügel Stellung genommen. Ihre Klänge waren weit über den Friedhof hörbar – wehmütig, sehnsüchtig, getragen.
Der ganze Ort wurde still. Ein Trauerzug, der nicht einfach ging, sondern von Musik gehalten wurde. Berührend. Andächtig ruhig. In einer Intensität, wie ich sie nur sehr selten erlebt habe.
Musik kann Räume öffnen. Und manchmal hält sie eine Gemeinschaft für ein paar kostbare Minuten zusammen.
Gepriesen sei Gott, der heute wie jeden Tag zu uns sprechen will. Lasst uns bereit sein für ihn und rufen:
V: Rede, Herr, A: dein Diener hört.
In unserer Zeit sind deine Worte selten geworden; – gib, dass wir dein Wort annehmen und es weitersagen. Menschen mit Visionen braucht unsere Zeit mehr denn je; – gib uns Einsicht in das, was du mit uns vorhast. Dein Licht ist noch nicht erloschen; – öffne uns die Augen für deine Gegenwart auch dort, wo wir dich nicht vermuten.
V: Rede, Herr, A: dein Diener hört.
Diese Bitten sind kein lautes Fordern, sondern ein stilles Bereitsein. Sie gehen davon aus, dass Gott spricht – nicht nur gestern oder in außergewöhnlichen Momenten, sondern heute, im Gewöhnlichen. Die eigentliche Frage richtet sich nicht an Gott, sondern an uns: Sind wir hörfähig geworden? In einer Zeit, die von Meinungen übervoll ist, wird Hören zur geistigen Disziplin. Visionen entstehen nicht aus Lautstärke, sondern aus Aufmerksamkeit. Wer sich dem Licht anvertraut, lernt, Gegenwart auch dort zu erkennen, wo sie nicht erwartet wird. Glaube zeigt sich hier nicht im Besitz von Antworten, sondern im Mut, Zeuge zu sein – durch Haltung, Wahrhaftigkeit und ein Leben, das aus dem Licht kommt.
Ein letztes Werk – und ein großes menschliches Zeugnis
Das Requiem in d-Moll, KV 626 von Wolfgang Amadeus Mozart gehört zu jenen Werken, die uns nicht nur als Musik begegnen, sondern als menschliche Erfahrung. Es ist Mozarts letzte große Komposition – unvollendet geblieben, fragmentarisch überliefert, und gerade deshalb von einer besonderen Dichte.
Entstanden ist das Requiem im Jahr 1791, in den letzten Monaten von Mozarts Leben. Der Auftrag kam von einem anonymen Boten; erst später stellte sich heraus, dass Graf Franz von Walsegg das Werk zum Gedenken an seine verstorbene Frau bestellt hatte. Für Mozart war es zunächst ein Broterwerb unter vielen. Doch je weiter die Arbeit fortschritt, desto mehr rückte das Requiem ins Zentrum seines Schaffens.
Ein letztes Aufleuchten mit 35
Mozart war zu dieser Zeit erst 35 Jahre alt – ein Alter, in dem heute kaum jemand an Abschied denkt. Und doch war sein Leben von Gegensätzen geprägt: großer schöpferischer Energie auf der einen Seite, gesundheitlicher Erschöpfung, finanziellen Sorgen und äußerem Druck auf der anderen. Neben dem Requiem entstanden noch die Zauberflöte, La clemenza di Tito und das Ave verum corpus. Es war kein Rückzug, sondern ein letztes, intensives Aufleuchten.
Schuld, Hoffnung, Bitte und Vertrauen.
Dass Mozart das Requiem für sich selbst geschrieben habe, gehört ins Reich der Legenden. Wahr ist jedoch: Er schrieb es als Mensch, der um die Zerbrechlichkeit des Lebens wusste. Vielleicht liegt darin die besondere Kraft dieses Werkes. Es ist keine kalte Totenmusik und kein moralisches Drohbild, sondern eine zutiefst menschliche Auseinandersetzung mit Schuld, Hoffnung, Bitte und Vertrauen.
Gottes Liebe trägt
Mozarts große Botschaft ist dabei erstaunlich klar: Nicht das Gericht hat das letzte Wort, sondern das Erbarmen. Nicht die Angst, sondern das Licht. Das Requiem führt durch Dunkelheit und Klage – und kehrt immer wieder zurück zur Bitte um Ruhe, um Frieden, um Geborgenheit in Gott.
So ist dieses Werk Vermächtnis in einem doppelten Sinn: musikalisch eines der bedeutendsten Werke der Sakralmusik – und menschlich ein stilles Zeugnis dafür, dass selbst angesichts von Tod und Unvollendung Vertrauen möglich bleibt.
Introitus – Requiem aeternam
Requiem aeternam dona eis, Domine, et lux perpetua luceat eis. Te decet hymnus, Deus, in Sion, et tibi reddetur votum in Jerusalem. Exaudi orationem meam, ad te omnis caro veniet.
Ewige Ruhe gib ihnen, Herr, und ewiges Licht leuchte ihnen. Dir gebührt der Lobgesang, Gott, auf Zion, dir erfüllt man Gelübde in Jerusalem. Höre mein Gebet, zu dir kommt alles Fleisch.
Der Tod wird von Beginn an in Ruhe und Licht eingebettet. Nicht das Ende steht im Zentrum, sondern Gottes Gegenwart, die alles Leben umfasst. Gedämpfter Anfang in Moll, schwebende Chorstimmen über ruhigem Puls – eine Klangwelt des getragenen Vertrauens, nicht der Dramatik.
Der Mensch steht ohne Rechtfertigung da. Kein Argument, kein Rückblick – nur Vertrauen auf Erbarmen. Strenge Fuge, dicht verwoben – als würde die Bitte aus vielen Stimmen zu einer einzigen Not zusammengezogen.
Sequenz – Dies irae
Dies irae
Dies irae, dies illasolvet saeclum in favilla, teste David cum Sibylla.
Tag des Zorns, jener Tag, der die Welt zu Asche auflöst, wie David und Sibylle bezeugen.
Gericht meint nicht Rache, sondern das Vergehen alles Vorläufigen. Was nicht trägt, bleibt nicht bestehen. Scharf akzentuiert, vorwärtsdrängend – ein Aufrütteln, das keinen Abstand zulässt.
Tuba mirum
Tuba mirum spargens sonumper sepulcra regionum, coget omnes ante thronum.
Wunderbar erschallt die Posaune durch die Gräber der Erde, ruft alle vor den Thron.
Niemand bleibt vergessen. Gericht ist Begegnung mit Gott, nicht Anonymität. Beginn mit Soloposaune, dann menschliche Stimmen – das Jenseitige tritt ins Menschliche ein.
Rex tremendae
Rex tremendae majestatis, qui salvandos salvas gratis, salva me, fons pietatis.
König voll Majestät, der uns umsonst rettet, rette mich, Quell des Erbarmens.
Gottes Größe zeigt sich in Gnade, nicht im Zwang. Rettung ist Geschenk. Mächtige Akkorde wechseln mit bittenden Passagen – Majestät und Demut stehen einander unmittelbar gegenüber.
Recordare
Recordare, Jesu pie, quod sum causa tuae viae: ne me perdas illa die.
Gedenke, gütiger Jesus: ich bin der Grund deines Weges. Verliere mich nicht an jenem Tag.
Christlicher Kern: Christus ist für den Menschen gegangen – nicht an ihm vorbei. Warm, fast kammermusikalisch – eine innige Zwiesprache statt öffentlicher Anklage.
Confutatis
Confutatis maledictis, flammis acribus addictis, voca me cum benedictis.
Zu den Verworfenen, dem brennenden Feuer verfallen, ruf mich mit den Gesegneten.
Angst wird nicht beschönigt. Doch sie mündet in eine klare Bitte um Zugehörigkeit. Scharfe Männerstimmen gegen flehende höhere Stimmen – Spaltung und Hoffnung im direkten Klangkontrast.
Lacrimosa
Lacrimosa dies illa, qua resurget ex favilla judicandus homo reus. Huic ergo parce, Deus: pie Jesu Domine, dona eis requiem. Amen.
Tränenreich ist jener Tag, da aus der Asche aufersteht der schuldige Mensch zum Gericht. Darum schone ihn, Gott: gütiger Herr Jesus, gib ihnen die Ruhe. Amen.
Der Mensch erscheint verwundbar und wahrhaftig. Tränen sind kein Scheitern, sondern Ausdruck der Hoffnung auf Erbarmen. Weite Bögen, fallende Linien – ein kollektives Weinen, das in Ruhe mündet.
Sanctus
Sanctus, Sanctus, Sanctus Dominus Deus Sabaoth. Pleni sunt caeli et terra gloria tua. Hosanna in excelsis.
Heilig, heilig, heilig ist der Herr, Gott der Heerscharen. Himmel und Erde sind erfüllt von deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe.
Der Horizont weitet sich vom Tod zum Lobpreis des Ganzen. Himmel und Erde gehören zusammen. Festlich und strahlend – ein Durchbruch ins Licht nach der Schwere der Sequenz.
Benedictus
Benedictus qui venit in nomine Domini. Hosanna in excelsis.
Gesegnet sei, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe.
Christus ist der Kommende – auch über den Tod hinaus. Zarter, beweglicher Charakter – Erwartung statt Triumph.
Agnus Dei
Agnus Dei, qui tollis peccata mundi, dona eis requiem, dona eis requiem sempiter nam.
Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinweg nimmt, gib ihnen Ruhe, gib ihnen ewige Ruhe.
Die letzte Last liegt nicht beim Menschen, sondern bei Christus. Rückkehr zur Schwere des Anfangs – Klage verwandelt sich in Bitte.
Communio – Lux aeterna
Lux aeterna luceat eis, Domine, cum sanctis tuis in aeternum, quia pius es.
Ewiges Licht leuchte ihnen, Herr, mit deinen Heiligen in Ewigkeit, denn du bist gütig.
Das Requiem schließt, wie es begonnen hat: Licht – Gemeinschaft – Güte Gottes. Beruhigte Wiederaufnahme des Anfangs – ein Kreis schließt sich, ohne hartes Ende.