Autor: Harald R. Preyer

  • Fürbitten im Advent

    Jesus, du Urgrund unseres Glaubens, wir bitten dich:

    A: Erfülle uns mit deiner Liebe.
    – Dass alle, die deinen Namen tragen, glaubhafte Zeugen deiner Güte sind
    – Dass die Suchenden den Weg zum Sinn ihres Daseins finden.
    – Dass die Armen und Unterdrückten Helfer und Fürsprecher finden.
    – Dass die Glaubenden aller Kulturen gemeinsam dem Frieden dienen.
    – Dass unsere Verstorbenen unvergängliche Freude genießen.
    A: Erfülle uns mit deiner Liebe.

    Gott des Erbarmens, du hast allen Völkern der Erde das Heil zugesagt. Lass uns voll Freude das Fest der Geburt Christi erwarten und das große Geheimnis seiner Menschwerdung feiern, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet vom 9.12.2025

  • Veni, redemptor gentium

    Du Heiland aller Völker, komm
    und zeig dich als der Jungfrau Sohn,
    dass Staunen fasse alle Welt
    ob solchem Wunder der Geburt.

    Der Sonne gleich tritt nun hervor
    aus dem Gemach der reinen Braut
    und eile strahlend deine Bahn
    als Held, der Gott und Mensch zugleich.

    Von deinem Vater gehst du aus,
    gehst siegreich wieder zu ihm ein;
    bis in die Hölle dringst du vor
    und kehrst zu Gottes Thron zurück.

    Ruhm, Ehre, Macht und Herrlichkeit
    sei Gott dem Vater und dem Sohn,
    dem Geiste, der uns Beistand ist,
    durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.


    Nach: Veni, redemptor gentium (Intende qui regis Israel); Ambrosius, † 397 – Melodie: GL 230 · GL 1975 116 · KG 309 · EG 3

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch 12/2025

  • Übergroße Gnade

    20 Das Gesetz aber ist dazwischen hineingekommen, damit die Übertretung mächtiger werde; wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden, 

    21 damit, wie die Sünde durch den Tod herrschte, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. 

    Röm 5, 20-21

  • Freiheit, die von Gott kommt

    Maria als Anfang der Erlösung

    Gedanken zum Hochfest der „Ohne Erbsünde empfangene Jungfrau und Gottesmutter Maria“

    Montag, 8. Dezember 2025

    Was bedeutet „ohne Erbsünde empfangen“ wirklich?
    Zwei Predigten – in Göttweig und im Stephansdom – zeigen uns heute, dass es nicht um Biologie geht, sondern um das größte Geschenk Gottes: Freiheit in Freundschaft mit ihm.

    Beide Predigten habe ich so gut ich konnte sinngemäß übertragen.

    Du wirst nicht zweifeln

    Evangelium und Predigt von P. Johannes Paul Abrahmowicz OSB gehalten in der Krypta der Siftskirche von Göttweig.

    Weil heute so viele Kinder da sind, möchte ich meine Gedanken ein bisschen umdrehen.
    Schaut euch die Kinder an: Sehen sie ihren Eltern nicht ein bisschen ähnlich?

    Das ist ganz normal – und genau so hat Gott gedacht.

    Wenn Gott seinen Sohn auf die Erde schickt, geboren von einer Frau – ganz Mensch und zugleich Gottes Sohn –
    dann wird dieses Kind seiner Mutter ähnlich sein.
    Von Jesus sagen wir, dass er Maria wirklich ähnlich gesehen hat.
    Aber es geht nicht nur um das Äußere.

    Wir alle werden geprägt von den Menschen, die uns erziehen – meistens von unseren Eltern.
    Und so hat Gott gesagt:

    „Ich will, dass die Mutter meines Sohnes nie an mir zweifelt.
    Ich will, dass Jesus – als Mensch – nie an meiner Güte zweifelt.“

    Darum hat Gott Maria, im Augenblick ihrer Empfängnis, eine besondere Gnade geschenkt:
    dass sie nie an Gott zweifelt.
    Denn: Der Zweifel an Gott, an seiner Liebe, ist der Ursprung jeder Sünde. Also hat sie die „Ursünde“ nie gehabt.

    Darum sagen wir:
    Maria war ohne Erbsünde empfangen.
    Nicht, weil sie „mehr“ wäre als wir – sondern weil Gott wollte, dass die Mutter seines Sohnes ein Herz hat, das völlig offen ist für ihn.

    Vielleicht können wir das so verstehen:
    Stellt euch vor, eure Mütter oder Väter würden nie an Gott zweifeln.
    Zu Hause wäre ein Wunder nach dem anderen.
    Aber wir sind Menschen – und Gott sei Dank sind unsere Zweifel meist klein.
    Darum sind auch unsere Lieblosigkeiten klein, und man kann sich oft mit einem Blick oder ein paar Worten wieder versöhnen.

    Heute schließen wir alle ein, die größere Lieblosigkeiten tun –
    oft, weil sie an der Liebe Gottes zweifeln.

    Wir sind – wie Maria – von diesem Zweifel befreit,
    aber bei uns geschieht das durch die Taufe.
    Bei Maria geschah es schon am Anfang, bevor Jesus überhaupt durch seinen Tod und seine Auferstehung das Geschenk der Taufe gestiftet hat.

    Lasst uns also weiterleben in diesem Vertrauen:
    Dass wir möglichst wenig – es wird nie hundertprozentig gelingen –
    aber doch möglichst wenig zweifeln,
    dass Gott uns wirklich liebt,
    dass seine Allmacht Liebe ist,
    dass seine Liebe stärker ist als der Tod,
    und dass wir uns letztlich vor nichts fürchten müssen.

    Denn sobald wir uns fürchten,
    zweifeln wir schon wieder ein bisschen an seiner Liebe.
    Er verzeiht uns – weil es uns liebt.

    Amen.


    Freiheit, für die wir geschaffen sind

    Für Univ.-Prof. Dr. Thomas Möllenbeck, Domkurat in St. Stephan war das Hauptthema heute die „Freiheit“. Er meinte in der Orgelmesse um 12:00 Uhr sinngemäß:

    Ich habe in Münster bei einem bekannten Professor für Kirchengeschichte studiert, der in Prüfungen sehr heftig werden konnte. Die wichtigste Warnung an die Studierenden lautete deshalb:
    „Verwechsele niemals die Immaculata Conceptio!“
    Denn viele Erstsemester dachten, es gehe dabei um die jungfräuliche Empfängnis Jesu. Doch die unbefleckte Empfängnis meint etwas anderes: nicht ein naturwissenschaftliches Wunder, sondern ein Wunder der Freiheit.

    Maria erhielt von Gott im ersten Augenblick ihres Daseins eine besondere Gnade: Sie konnte ihre Freiheit immer in Freundschaft mit Gott gebrauchen. Sie ist die einzige Frau der Menschheitsgeschichte, die das dauerhaft konnte. Das Tagesgebet sagt: Gott hat sie „im Vorhinein erlöst“ durch das, was in Jesus Christus geschehen ist – durch seine Geburt, sein Leben, seine Predigt, sein Leiden und seinen Tod, seine Auferstehung und die Sendung des Heiligen Geistes. Weil Gott über der Zeit steht, konnte diese Erlösung an Maria wirken, bevor Jesus überhaupt geboren war.

    Die erste Lesung zeigt das Gegenteil dieser Freiheit: Adam und Eva, die Gottes Gebot missachten, sich schämen, Ausreden suchen und die Schuld abschieben. Das beschreibt eine Freiheit, die sich gegen Gott stellt und die Nähe des Freundes verliert. Die Vertreibung aus dem Paradies zeigt genau diesen Zustand der Menschen, die nicht mehr unmittelbar in Gottes Gegenwart leben.

    Auch wir werden in eine Welt hineingeboren, in der Gott nicht unmittelbar erfahrbar ist, und deshalb missbrauchen wir unsere Freiheit immer wieder, trotz aller Bemühungen. Doch die „frohe Botschaft“ bleibt: Der Epheserbrief sagt, dass wir in Christus „auserwählt sind, heilig und makellos zu leben“.

    Paulus schreibt:
    „Der Herr ist der Geist; und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“
    Erst wenn wir vom Geist Gottes bestimmt sind, wird unsere Freiheit wirklich frei. Dieser Geist verwandelt uns „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ in die Gestalt Christi.

    Das christliche Leben besteht also darin, Schritt für Schritt jene Freiheit zu erlernen, die Maria von Anfang an besaß. Gott kennt uns vor aller Zeit und weiß, wer sich auf seine Einladung einlässt. Wenn wir wie Maria sagen: „Mir geschehe nach deinem Wort“, wächst in uns die Freiheit, für die wir geschaffen sind.

  • Was ich bete?

    In letzter Zeit haben mich einige Menschen gefragt, warum, was und wie ich bete. Manchmal sage ich darauf: „Dankbar, voller Vertrauen und wie ich manchmal mit meinem Vater oder meiner Mutter gesprochen habe.“ Wenn die Fragestellerin dann mehrmals nachfragt und es genauer wissen will, dann zeige ich ihr auf meinem Handy diese Rosette.

    Es gibt Orte, an denen Glauben plötzlich sichtbar wird — nicht als Satz, nicht als Gedanke, sondern als Licht. Die moderne Trinitätsrosette der neoromanischen Kirche von Saint-Antoine-des-Quinze-Vingts in Paris gehört für mich zu diesen Orten. Ich öffne dieses Bild manchmal auf meinem Bildschirm. Es ist ein Foto auf schwarzem Hintergrund, das leuchtet. Ich habe es hier in voller Auflösung gespeichert. Wenn Du darauf klickst, kannst Du alle Details sehen oder einfach im Vollbild eben nur die Rosette und alles andere auf dem Bildschirm wird dunkel – wird unwichtig.

    Ein Kreis aus Glas, aus Farben, aus Symbolen: die Gnadenstuhl-Trinität im Zentrum, umgeben von Engeln und den Evangelisten. Eine ganze Theologie in einem einzigen Blick. Den Heiligen Geist sehe ich mehrfach. Explizit als Taube zu Füssen des Vaters, aber auch überall, wo der Künstler die Farbe Rosa verwendet.

    So wie diese Rosette die Dreifaltigkeit ins Licht setzt, so setzt das tägliche Gebet mein eigenes Leben in ein ruhiges, verlässliches Licht.

    Am Morgen bete ich mit dem Magnificat. Dieses monatlich erscheinende dünne Büchlein habe ich abonniert. Früher in Papierform, seit einigen Jahren digital, weil ich die größer einstellbare Schrift am Handy besser lesen kann.

    Das ist keine Routine — eher eine sanfte Ausrichtung, bevor der Tag sich öffnet. Die Legenden der Tagesheiligen und Erklärungen zu den Festtagen, die Psalmen, die Lesungen, das Evangelium und die kurzen Betrachtungen erinnern mich daran, dass Gott zuerst spricht und ich erst danach handle.

    Mittags bete ich den Angelus. Wenn Yuliya und ich zuhause sind, tun wir das gerne gemeinsam. Das erinnert uns an das Dreieck unseres Lebens: Gott – Yuliya – Harald. Innerhalb dieses „Herzens-Dreiecks“ sind unsere Lieben. Und rundum haben wir beide im Stillen die Menschen, die wir sonst noch kennen – außerhalb aber immer noch im Blick und im Gebet verbunden.

    Für einen Moment wird die Welt still. Das Gebet unterbricht nicht — es sammelt. Es holt mich zurück zur Mitte.

    Irgendwann im Laufe des Tages, wenn gerade Raum ist, lese ich die Texte der Eucharistiefeier. Dann höre ich die Worte, die ich sonst im Gottesdienst mitvollziehe: das Evangelium, die Lesungen, die Gebete. Die Liturgie wird zu einem inneren Grundklang, der auch außerhalb des Kirchraums weiterklingt. Mir fällt es leichter, diese Texte in ihrer ganzen Tiefe annähernd zu erfassen, wenn ich sie inmitten einer Gottesdienst Gemeinschaft höre und dann eine gute Predigt dazu Stellung nimmt.

    In diesen Minuten mache ich mir gerne bewusst, dass viele Millionen Menschen heute in ihren Sprachen genau die gleichen Texte gelesen haben oder noch lesen werden wie ich. Einer der mehr als einer Milliarde Katholiken betet sie vermutlich gerade jetzt gleichzeitig irgendwo auf dieser Welt. Und ich fühle mich besonders mit jenen Freunden, die Diakone oder Priester sind, eng verbunden. Als hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche haben sie sich bei ihrer Weihe verpflichtet, die täglich wechselnden Texte der Eucharistiefeier zu lesen. Ich bin als Laie dazu nicht verpflichtet. Und vielleicht lese und bete ich gerade deshalb so gerne: Weil ich das nicht tun muss, sondern tun darf und dabei spüre, dass es mir gut tut.

    Abends, im Wohnzimmer, frage ich mich, wofür ich heute dankbar bin und manchmal notiere ich mir die Antworten am Handy. Diese Notiz habe ich angepinnt. Sie kommt daher als eine der ersten, wenn ich die Notizen öffne und sie hat schon mehrere hundert Einträge.

    Dann bete ich das Abendgebet aus dem Magnificat.
    Es ist mein täglicher Rückblick: Nicht streng, nicht prüfend, sondern dankbar. Ein guter Tag, ein schwieriger Tag — beides darf sein.

    Und kurz vor dem Einschlafen spreche ich die vertrauten Worte, die mich seit meiner Kindheit begleiten:
    ein Vater unser, ein Ave Maria, ein Kindheitsgebet und das Gebet des Jabez.
    Mehr braucht es nicht. Oft schlafe ich nach wenigen Sekunden ein.
    Vielleicht, weil diese Worte nicht nur Gebet sind, sondern Geborgenheit. Sonst bete ich diese Worte bis ich einschlafe. Ich kann mich in den letzten Jahrzehnten an keinen einzigen Tag erinnern, an dem ich nicht nach spätestens drei Minuten gut schlafe.

    Das Glaubensbekenntnis bete ich nur einmal in der Woche — bei der Sonntagsmesse.
    Welches Credo gesprochen wird, entscheidet der Priester. Aber das Nicäno-Konstantinopolitanische berührt mich am meisten: feierlich, weit, meditativ. Es trägt die Größe und die Schönheit einer Glaubenserfahrung, die älter ist als jede Kathedrale — und doch jeden Sonntag neu wird.


    Die Rosette, das Credo und der Rhythmus des Tages

    Wenn ich die Trinitätsrosette betrachte, sehe ich mein eigenes Beten darin wieder:

    • Im Zentrum die Dreifaltigkeit — wie das Credo, das mich trägt.
    • Rundherum die Evangelisten — wie die Worte der Schrift, die täglich zu mir sprechen.
    • Und ein Kranz von Engeln — wie die kleinen, wiederkehrenden Gebetsmomente des Tages, die mein Leben eher begleiten als unterbrechen.

    Die Rosette ist ein Bild des Glaubens, aber auch ein Bild der Treue Gottes.
    Sie erzählt, in Farbe und Licht, was das Glaubensbekenntnis in Worten sagt:
    Gott ist Ursprung, Weg und Vollendung.
    Er geht mit — im Rhythmus jedes Tages.

    Ich bete nicht, weil ich es muss.
    Ich bete, weil es mich sammelt.

    Weil es mir einen inneren Raum eröffnet, in dem ich bei mir selbst und bei Gott bin.
    Nicht außergewöhnlich, nicht spektakulär — eher wie ein regelmäßiger Atemzug.

    Jeder Mensch braucht eine Mitte.
    Für mich ist es das tägliche Gebet — und manchmal eine Rosette aus Glas, die mich daran erinnert, wer das Licht ist, das meinen Tag trägt.

    Und wenn ich merke, dass ich beginne, mich zu ärgern – über den Autofahrer vor mir, über jemanden, der einen Termin nicht einhält, über eine offene Rechnung – dann wird mir in letzter Zeit immer öfter bewusst, dass ich mich letztlich über mich ärgere, weil ich mich zu wichtig nehme.

    Dann bete ich: Herr, danke für Deine Liebe! Hilf mir, diesen Menschen zu segnen anstatt ihm böse zu sein. Das hilft mir sofort, ruhig und liebevoller zu werden.


    Vater Unser

    Vater unser im Himmel,
    geheiligt werde dein Name,
    dein Reich komme,
    dein Wille geschehe
    wie im Himmel so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld,
    wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung,
    sondern erlöse uns von dem Bösen.


    Gegrüßet seist du, Maria

    Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
    der Herr ist mit dir.
    Du bist gebenedeit unter den Frauen,
    und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,
    Jesus.
    Heilige Maria, Mutter Gottes,
    bitte für uns Sünder,
    jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.


    Der Engel des Herrn

    Der Engel des Herrn
    brachte Maria die Botschaft.
    – Und sie empfing vom Heiligen Geist.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Maria sprach: 
    Siehe, ich bin die Magd des Herrn.
    – Mir geschehe nach deinem Wort.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Und das Wort ist Fleisch geworden.
    – Und hat unter uns gewohnt.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Bitte für uns, heilige Gottesmutter.
    Dass wir würdig werden
    der Verheißungen Christi.

    Lasset uns beten.

    Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

    Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
    wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.


    Mein Kindheitsgebet

    Heiliger Schutzengel mein,
    lass mich Dir empfohlen sein,
    diesen Tag und jede Stund‘ –
    bis meine Seele in den Himmel kommt.

    Im Namen des Vaters
    und des Sohnes und
    des Heiligen Geistes.
    Amen


    Das Gebet des Jabez

    Vater segne uns und erweitere unsere Gebiete.
    Halte Unglück und Schmerzen von uns fern.

    Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
    Amen.


    Quelle

    Die Grundgebete sind der offiziellen Medienseite des Vatikan entnommen. Mein Kindheitsgebet habe ich von meiner Mutter gelernt und nirgendwo in dieser Form offiziell gefunden. Das „Gebet des Jabez“ bete ich seit 2004 nach dem Erscheinen des gleichnamigen Buches in dieser meiner eigenen Version. Jabez kommt in der Bibel unbedeutend im ersten Buch der Chronik vor: 1 Chr 4, 9-11.

    Die Inspiration zu diesem Artikel kam mir durch einen Beitrag in der aktuellen Ausgabe des magazin KLASSIK (Nr. 39) von Radio Klassik Stephansdom. Dort ist diese Rosette als Illustration eines lesenswerten Artikel über das 1700 jährige Jubiläum des Konzils von Nizäa abgebildet.

    Doppelseite 10 und 11 in magazin KLASSIK Nr. 39. Download des Heftes.

  • Hl. Barbara – 4. Dezember

    Barbara wurde als jungfräuliche Märtyrerin in Nikomedien (heute Ízmit in der Türkei) verehrt. Um ihre Gestalt ranken sich zahlreiche Legenden, es gibt jedoch keine historischen Belege über ihre Lebensgeschichte.

    Hl. Barbara, Anfang 17. Jahrhundert
    zu sehen im KHM, Kunstkammer Wien, Saal XXIVa/b/c

    Der Überlieferung nach lebte sie als Tochter einer reichen heidnischen Familie im dritten oder vierten Jahrhundert, noch zur Zeit der Christenverfolgung. Wegen ihrer Schönheit und Klugheit soll sie von vielen Männern umworben worden sein. Sie jedoch habe sich auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens an die verborgene Christengemeinde gewandt und sei Christin geworden. Der Vater soll sie daraufhin in einen Turm gesperrt haben. Da sie aber nicht von ihrem Glauben abließ, habe er sie vor Gericht gebracht. Kurz vor ihrem Tod soll sie noch um den Empfang der Heiligen Kommunion gebeten haben. Dieser Wunsch wurde ihr gewährt bevor sie nach schrecklichen Foltern dann schließlich durch die Hand des Vaters enthauptet wurde. Daraufhin habe ein Blitz den Vater erschlagen. Barbara zählt zu den Vierzehn Nothelfern.

    Nach einem alten Brauch werden an ihrem Gedenktag kahle Zweige ins Wasser gestellt, sodass sie Weihnachten blühen – vielfach als Symbol gedeutet für das Leben, das in Jesus aus der „Wurzel Jesse“ aufgeblüht ist.

    nach Magnificat – das Stundenbuch

    Dieses Foto und einige gute Tipps, damit die Barbarazweige auch wirklich am Heiligen Abend blühen, habe ich der Seite von selbst.de entnommen.


    Dieses Video meines Freundes P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB aus dem Garten von Stift Göttweig mag ich sehr. Die letzten Bilder sind unerwartet…

  • Festmahl mit feinsten Speisen

    Jes 25, 6–10a


    Impuls zur Lesung

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 3.12.2025

  • Advent 2025

    * die stärkste Antwort auf Leid

    * Was dann im Raum geschieht

    * Vorausgegangen…

    Gedanken – gesprochen von Harald R. Preyer bei der Adventfeier des Club Tirol am Montag, dem 1. Dezember 2025 im Palais Esterhazy in Wien

    Liebe Musikanten, lieber Julian, liebe Charlotte,
    meine lieben Tiroler Freundinnen und Freunde!

    Ich kann mich heute kürzer fassen als ursprünglich geplant,
    weil du, mein lieber Präsident, dankenswerterweise schon einiges angesprochen hast, das auch auf meiner Agenda stand.

    1. Was „Advent“ eigentlich bedeutet

    „Advent“ ist ein antikes Wort.
    Es bezeichnete ursprünglich den kommenden Herrscher,
    den Königseinzug, die erwartete Ankunft einer wichtigen Person.

    Es hatte also zunächst überhaupt nichts mit der Kirche zu tun.
    Erst ab dem 4. Jahrhundert wurde „Advent“ christlich verstanden,
    und die eigentliche Adventszeit entstand dann im 6. Jahrhundert – als bewusste Vorbereitung auf Weihnachten, die Geburt der Liebe.

    2. Dankbarkeit – die stärkste Antwort auf Leid

    Als christlicher Trauerredner leite ich bewusst nur einige wenige Begräbnisse, weil ich mich den Menschen wirklich widmen möchte, die ich betreue. Ich nehme mir für die Menschen viel Zeit. Stunden zum Zuhören. Dann die Trauerfeier selbst. Und oft schöne Gespräche nachher.

    Und in dieser Begleitung höre ich eines immer wieder:
    Dankbarkeit ist der Wert, der Leid und Schmerz nicht wegzaubert, aber kompensiert. Dankbarkeit trägt Menschen, die jemanden verloren haben. Sie ändert nichts am Verlust – aber alles daran, wie wir damit umgehen.

    Der Benediktiner Bruder David Steindl-Rast – er ist heuer 99 geworden, hat Dankbarkeit zu seinem Lebenscredo gemacht.

    Und er kann das sagen, weil er ursprünglich Kunst, Kultur- und Menschenkunde und Psychologie studiert hat – und erst später Benediktinermönch und spiritueller Lehrer wurde.

    Er sagt sinngemäß:

    „Dankbarkeit ist das, was uns widerstandsfähig macht —
    gegen Leid, gegen Krankheit, gegen all das, was das Leben schwer macht.“

    Und Viktor Frankl hat auf seine Art Ähnliches gesagt:

    „Lasst uns nach dem Sinn auch des Schweren fragen —
    dann entsteht Dank, dann Freude.“


    3. Eine Minute der Dankbarkeit

    Ich möchte euch — wenn ihr gestattet —
    zu einer ganz kurzen Erfahrung einladen.

    Eine Minute. Zu zweit oder zu dritt.

    Die Frage lautet: „Wofür bin ich dankbar?“

    (Es folgte ein sehr angeregter Austausch.)


    4. Was dann im Raum geschieht

    Danke euch.
    Habt ihr gespürt, was in diesem Raum passiert?

    Genau das erlebe ich auch, wenn ich Menschen im Stephansdom auf die Orgelempore hinaufbegleite und dort dieselbe Frage stelle.

    Die Atmosphäre verändert sich. Der Raum verändert sich. Menschen werden weich. Wärme entsteht — (nicht nur, weil es hier wirklich warm ist, sondern) weil Herzen aufgehen.

    Ich habe hier gerade gehört:

    • Gesundheit.
    • Familie.
    • Freunde. Mein Mann.
    • Freiheit, Wohlstand, Frieden.

    Das sind genau die Antworten, die auch Menschen in schwierigen Situationen geben.

    Dann kommt oft: die gute Luft, die Sicherheit, das saubere Trinkwasser, Wien als lebenswerteste Stadt der Welt.

    Und dann — die dritte Gruppe: Vollbeschäftigung, keine sozialen Unruhen, kein Bürgerkrieg.


    5. Ein Adventkalender der Liebe

    Basteln wir einen etwas anderen Adventkalender miteinander.

    Die Idee stammt von meinem Freund, Pater Johannes Paul Abrahamowicz OSB, Priester und Benediktiner Mönch in Stift Göttweig.

    Er sagte schon am Allerheiligentag:

    Jeder Mensch ist für diesen Moment heilig,
    wenn er eines dieser drei Dinge tut:

    1. Milde handeln.
    2. Barmherzig sein.
    3. Frieden stiften.

    Immer dann, wenn uns eines davon gelingt, zeichnen Yuliya oder ich zuhause mit ihrem Lippenstift ein kleines Herz auf den Badezimmerspiegel.

    Und wir werden am Heiligen Abend nicht zählen, wie viele es sind. Wir wollen uns nur ganz bewusst machen: Heute ist uns ein Stück Liebe gelungen.


    6. Eine stille Erinnerung

    Ich möchte heute auch ganz bewusst an einen lieben Freund erinnern, der exakt vor einem Jahr, am 1. Dezember, voraus gegangen ist: Herbert Waibl.

    Einige von euch kannten ihn gut. Manche sehr gut.

    Am Morgen nach seinem Tod klopfte ein Vogel an Charlottes Fensterscheibe in Hainfeld. Zur gleichen Zeit klopfte ein Vogel an das Fenster einer Freundin in Tirol.

    War das Zufall?
    Vielleicht.

    Oder wie das bekannte — meist Albert Einstein oder Charles de Foucault zugeschriebene — Wort sagt:

    „Zufall ist das Pseudonym Gottes,
    wenn er nicht unterschreiben will.“

    Für mich war es eine Botschaft von Herbert:

    „Ich bin gut angekommen.
    Es ist gut und schön hier.
    Und passt’s aufeinander auf.“

    Und vielleicht sagt uns Herbert auch das, was Christus seinen Aposteln gesagt hat: „Ich gehe voraus um eine Wohnung bei meinem himmlischen Vater für Euch vorzubereiten…“
    (nach Joh 14)


    7. Abschließende Gedanken

    Ich möchte euch einladen, in diesem Advent einen Raum vorzubereiten — nicht im äußeren Sinn, sondern in uns selbst:

    • für das Zuhören,
    • für das Begegnen,
    • für das liebevolle Wort,
    • für den Blick, der sagt: „Ich mag dich.“

    Wir erzählen oft, wie großartig wir selbst sind.
    Vielleicht wäre es aufmerksamer, wenn wir weniger von uns erzählen –
    und mehr den Menschen sagen, wie wertvoll sie sind.

    Von Herzen wünsche ich euch
    einen gesegneten Advent,
    Gottes reichen Segen,
    und alles Liebe —
    in dieser Zeit der Vorfreude.


    Harald R. Preyer, geboren am 3. Mai 1963 in Innsbruck, war ab 1990 weltweit Unternehmensberater für Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit.
    Seit seinem 60. Gedburtstag arbeitet er aus innerer Berufung als christlicher Trauerredner.

    Jeden Sonntag um 12:00 Uhr tut er im Wiener Stephansdom Dienst als Lektor und Kommunionspender in der Orgelmesse. Anschließend führt er regelmäßig kleine Gruppen im Rahmen seiner Sonderführung „Der Stephansdom – eine Liebesgeschichte“ zu Orten im Dom, die sonst verborgen bleiben.

    Harald ist mit Yuliya verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern – und wird oft begleitet von seinem besten Freund „Teddy“, einem asiatischen Chow-Chow.

  • durch den Tod hindurch vertrauen

    Gedanken zum Evangelium vom 1. Adventsonntag (Mt 24,37–44)

    … „Dahinter steht aber nicht so sehr eine Droh- und Angstbotschaft, wie es vielleicht manche empfinden, sondern vielmehr eine große Trostbotschaft. Zwar gibt es im Leben Zeichen und Zeiten, die darauf hinweisen, dass alles einmal ein Ende haben kann und wird. Und es gibt auch Zeiten und Ereignisse, wo uns persönliche Tragödien und Schicksalsschläge tief treffen. Aber als Christen wissen wir, dass bei all den ‚Zeichen der Zeit‘, hinter all den Schicksalsschlägen uns ein letztlich immer treuer, naher, liebender und barmherziger Gott zur Seite steht.

    Wir glauben als Christen auch, dass er es sein wird, der all das Bruchstückhafte, all das Halbfertige, all das Ungerechte, all die Sehnsüchte wenden und erfüllen wird. Das ist kein billiger Trost, sondern eine Grundaussage der Heiligen Schrift.

    Auf diese Botschaft der Hoffnung auf Heil dürfen wir im Leben und durch den Tod hindurch vertrauen.“

    Quelle: Pastoralassistentin Christine Gruber-Reichinger in „Die Woche in St. Stephan“, Dompfarre Wien, Ausgabe 1440 vom 28.11.2025

    https://www.dompfarre.info

    Der erste Advent lädt uns ein, die Zeit nicht als Ablauf, sondern als Beziehung zu verstehen. Hoffnung entsteht nicht durch Verdrängung, sondern durch die Erfahrung, dass unser Leben – gerade in seinen Brüchen – gehalten bleibt. Der Text erinnert daran, dass Trost nicht laut sein muss. Er kann leise kommen, wie ein Grundton. Wer wach bleibt, entdeckt inmitten der Unsicherheit eine stille Nähe, die trägt.

  • Im Paradies

    Wenn der Mensch der Zukunft eines können muss, dann dies:
    zärtlich denken, klar fühlen, wahr handeln und weite Beziehungen leben.
    Das ist die „Kompetenz des Paradieses“.

    Und zu dieser Kompetenz gehört eine Fähigkeit, die älter ist als jede Religion und tiefer als jedes Wissen: Dankbarkeit.


    Dankbarkeit ist ein Bewusstseinsakt, kein Gefühl

    Sie entsteht in dem Moment, in dem der Mensch erkennt:
    „Ich habe nicht alles verdient. Vieles wurde mir geschenkt.“
    Es ist die Sanftheit der Demut.
    Eine KI kann berechnen, aber sie kann nicht danken.
    Denn Dankbarkeit braucht ein „Ich“ und ein „Du“.

    Dankbarkeit macht Beziehungen weit

    Ein dankbarer Mensch wird weicher, offener, wärmer.
    Dankbarkeit löst die Enge in uns, die Anspruch und Erwartung erzeugt.
    Sie schützt vor Verbitterung und Überforderung.
    Dankbare Menschen atmen tiefer — und lassen andere tiefer atmen.

    Dankbarkeit heilt das Herz

    Psychologisch gilt:
    Dankbare Menschen sind widerstandsfähiger, friedvoller, stabiler.
    Dankbarkeit ist die Innenseite von Frieden.
    Sie macht uns nicht blind für das Schwere,
    aber fähig, es zu tragen.

    Dankbarkeit ist ein spiritueller Sinnakt

    In der Dankbarkeit erkennt der Mensch:
    „Ich bin getragen.“
    Nicht allein, nicht zufällig, nicht verloren.
    Es ist das stille Vertrauen, dass Leben nicht nur Last ist,
    sondern auch Geschenk.

    Dankbarkeit ist die Basis jeder Liebe

    Ohne Dankbarkeit entstehen Besitz, Anspruch, Kontrolle.
    Mit Dankbarkeit werden sie zu Nähe, Freiheit, Beziehung.
    Dankbarkeit öffnet das Herz, bevor Liebe einziehen kann.
    Sie ist die Wärme im Hintergrund jeder echten Begegnung.

    Nur der Mensch kann danken.
    Deshalb bleibt er — bei aller KI, bei aller Technik, bei allem Fortschritt —
    ein Wesen von unvergleichlicher Tiefe.

    Und vielleicht ist das die schönste Wahrheit:
    Das Paradies beginnt dort,
    wo ein Mensch dankbar wird.