O Deus aeterne

Ewiger, gütiger Gott,
du Schöpfer und Herr aller Dinge:
Innig umfaßt dich mein Geist
und die ganze Kraft meiner Seele,
du meine Liebe, mein Lob,
du Zierde und Licht meines Herzens.

Du hast den Leib mir erbaut,
schufst mir Augen zum Schauen der Schöpfung,
schenkst mir zum Hören das Ohr,
zum Werken die wendigen Hände.

Was die Erde auch birgt,
was Meer und Himmel umschließen,
und was immer sich regt,
was atmet, begehrt und empfindet,
all dies schuf deine Hand
und trägt und erhält es im Dasein,
gibt ihm Leben und Kraft
und lenkt es mit Allmacht und Weisheit.

Lass mich, gütiger Herr,
mit ganzem Herzen dir dienen,
dich verkünden im Wort,
dich tiefer erfassen im Glauben
und in freudigem Dank
zu dir die Hände erheben.

Du bist mein Weg, meine Kraft,
der sprudelnde Quell meines Lebens,
du meiner Mühsal Lohn,
mein Schöpfer und gütiger Lehrer.

Sieh meine Armut und Not
und verzeih mir Torheit und Sünde;
gib, dass ich Gutes nur will
und mit deiner Kraft es vollbringe.
Dann lass mich, deinen Knecht,
beseligt dein Angesicht schauen
und, von Wonne durchströmt,
an dir mich ewig erfreuen.

Quelle:
Nach: O Deus aeterne (Ad Deum Oratio), Hrabanus Maurus († 856)


Ein frühmittelalterlicher Hymnus von Hrabanus Maurus verbindet Schöpfung, Dank und menschliche Verantwortung zu einem zeitlosen Morgengebet. Ein Text, der Arbeit, Glaube und Leben als Einheit denkt.