Autor: admin

  • Bin ich einmal gestorben

    Bin ich einmal gestorben,
    geh im Frühling auf die Felder, die ich so liebte,
    wenn die Lerchen sangen.
    Bau aus den Trillern eine Leiter des Gebetes für mich.
    Und bitt den Vater, der im Himmel ist,
    Er möge mir gewähren, in Ewigkeit zu jubilieren
    vor Seinem Angesicht.

    Dieses Gedicht habe ich auf der Parte von Domkurat Adolf Zimmermann (7.2.1914 – 11.6.1991) gefunden. Ich konnte es nirgendwo im Internet finden und vermute daher, dass er es selbst verfasst hat.


  • Wenn da einer ist

    wenn da einer ist
    und sich selbst vergisst
    gibt es bald noch mehr
    wird der krug nicht leer
    krug krug krug
    gib doch der frau genug

    wenn da einer liebt
    uns sein leben gibt
    werden alle satt
    eine ganze stadt
    stadt stadt stadt
    mach doch die frau da satt

    wenn in einer zeit
    großer dunkelheit
    einer kommt als licht
    rasch die nacht zerbricht
    licht licht licht
    die dunkelheit zerbricht

    als an einem ort
    speise wurd das wort
    kam das ganze land
    fraß ihm aus der hand
    brot brot brot
    wendet not den tod

    Quelle: Wilhelm Willms, meine schritte kreisen um die mitte. neues lied im alten land, 71, © 1984 Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer. www.bube.de
    in Anlehnung an 1 Kön 17, 7–16

  • In Not

    Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
    flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
    um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
    So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

    Menschen gehen zu Gott in seiner Not,
    finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
    sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
    Christen stehen bei Gott in seinen Leiden.

    Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
    sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,
    stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod
    und vergibt ihnen beiden.

    Dietrich Bonhoeffer (1906–1945)

  • Kinder Gottes

    Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

    1 Joh 3, 1a.2

  • Bitten

    Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn, und zujauchzen dem Fels unseres Heiles:

    A: Auf dich hoffen wir, du unser Gott.

    Dein Wort ist wahrhaftig und dein Tun verlässlich;
    – gib uns den Mut, deiner Verheißung zu trauen und das Unsere zu wagen.

    Du liebst Gerechtigkeit und Recht;
    – lass uns die Botschaft von deiner Güte und Huld zu unseren Mitmenschen tragen.

    Du bist die Freude unseres Herzens;
    – tröste uns, wenn wir trauern, und mach uns wieder froh mit deinem Heil.

    A: Auf dich hoffen wir, du unser Gott.

    Quelle: aus dem Morgengebet aus Magnficat – das Stundenbuch vom 29.5.2026

  • Miteinander reden und lachen

    Miteinander reden und lachen,
    sich gegenseitig Gefälligkeiten erweisen,
    zusammen schöne Bücher lesen,
    sich necken,
    dabei aber auch einander Achtung erweisen,
    mitunter sich auch streiten – ohne Hass –,
    manchmal auch in den Meinungen auseinandergehen
    und damit die Eintracht würzen,
    einander belehren und voneinander lernen,
    die Abwesenden schmerzlich vermissen
    und die Ankommenden freudig begrüßen –
    lauter Zeichen der Liebe und Gegenliebe,
    die aus dem Herzen kommen,
    sich äußern in Miene, Wort
    und tausend freundlichen Gesten
    und wie Zündstoff
    den Geist in Gemeinsamkeit entflammen,
    sodass aus Vielheit Einheit wird.

    Augustinus

    Quelle: sinngemäß aus den Confessiones des Augustinuns zitiert und auf der Homepage des Kloster Regina Martyrum der Schwestern unserer lieben Frau vom Berge Karmel e. V., Berlin gefunden.

    https://www.karmel-berlin.de/impulse/miteinander-reden-und-lachen.html

  • Jesu, unsere Erlösung

    Jesus, du Quelle unsres Heils,
    der Liebe und der Sehnsucht Ziel,
    du Gott und Schöpfer aller Wel
    und Mensch am Abend dieser Zeit.

    Wie groß muss deine Liebe sein!
    Du nimmst der Sünde Last auf dich;
    du lieferst dich dem Tode aus,
    um uns vom Tode zu befrein.

    Mit Macht sprengst du der Hölle Tor,
    befreist die Deinen aus der Haft.
    Als Sieger thronst du jetzt im Licht
    zu deines Vaters rechter Hand.

    Sei unsre Freude, unser Trost,
    sei unsres Lebens reicher Lohn
    und stille unser Sehnen, Herr,
    wenn wir dein Antlitz ewig schaun. Amen.

    Nach: Jesu nostra redemptio; 7.–8. Jahrhundert

  • Seid stets bereit

    Der unterlegte Text ist der Leitsatz der Theologische Kurse. Das war der Inhalt der ersten Vorlesung im September vor zwei Jahren.

    Als ich den Text heute im Stephansdom von einem lieben Kollegen als 2. Lesung gehört habe, war ich dankbar und froh über meine Entscheidung, diesen Kurs zu besuchen. Neun Prüfungen habe ich bestanden, drei kommen noch vor dem Sommer und dann werde ich meine schriftliche Arbeit abschließen. Heuer im Herbst möchte ich ein Absolvent sein, der besser wissen wird, was hinter meinem Glauben steckt. Derzeit bin ich nur dankbar für die Gnade, an den Sieg der Liebe glauben zu dürfen und aus dieser Sicherheit zu leben.

    Der abgedruckte Kommentar ist dem „Magificat – mein Stundenbuch“ von heute entnommen.

  • Vom Speaker zum Einsegner

    Heute vor zehn Jahren wurde ich mit dem ersten Preis der Fachjury im Speaker Slam ausgezeichnet. Dieser Berufsredner-Wettbewerb ging damals gerade in seine zweite Auflage. Im Finale traten 25 Bewerber aus dem deutschsprachigen Europa an.

    Die Sieger des Speaker Slam 2016 mit der Jury.

    Damals hielt ich Vorträge — in Unternehmen, auf Kongressen und Veranstaltungen im In- und Ausland. Das Thema war oft „Leadership in a VUCA World“. Im Auditorium saßen vor allem Managerinnen und Manager.

    Heute höre ich zuerst trauernden Menschen lange zu und begleite sie durch ihren Schmerz — hinein in Hoffnung, Zuversicht und Liebe.

    Am Ende bete ich mit allen Anwesenden, spreche ihnen Segen zu und sie wünschen einander Frieden statt bloß Beileid. Es bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe. Und die Liebe ist stärker als der Tod.

    Dazwischen halte ich eine kurze Rede, die einen verstorbenen Menschen ehrt. Die Rede ist dabei jener Teil, den auch klassische Trauerredner gestalten.

    Oft erst Wochen später führe ich Trauerfamilien auf die Orgelempore des Stephansdoms. Dort werden wir still und dankbar. Wir spüren die Nähe des unaussprechlich Größeren.

    Amor vincit – die Liebe siegt.

    (c) Foto OÖN aus dem Pressearchiv des Veranstalters

  • Glück ist ein treuer Weg

    Das Missverständnis beginnt oft mit der Vorstellung, Glück sei ein Zustand: erreichbar, planbar, vielleicht sogar optimierbar. Doch diese Idee führt zwangsläufig in Unruhe – denn jeder erreichte Zustand bleibt fragil.

    Der Gedanke des Weges verschiebt den Fokus. Glück ist dann nicht mehr das Ergebnis äußerer Umstände, sondern die Qualität der inneren Haltung im Gehen selbst.

    Diese Haltung konkretisiert sich in Beziehung: im bewussten Sich-Zuwenden zum anderen, im Verzicht auf permanente Selbstzentrierung. Sie zeigt sich in der Entscheidung zur Liebe – gerade dort, wo sie nicht mehr selbstverständlich erscheint.

    Hinzu tritt die Fähigkeit zur Dankbarkeit. Nicht als sentimentale Geste, sondern als erkenntnisleitende Perspektive: Wer wahrnimmt, was bereits gegeben ist, verändert die Struktur seiner Wirklichkeit.

    Schließlich bleibt die Frage nach dem Getragen-Sein. Ein Leben, das sich nicht ausschließlich aus eigener Kontrolle speist, sondern sich einer größeren Wirklichkeit anvertraut, gewinnt an Tiefe und Gelassenheit.

    In dieser Verbindung aus Beziehung, Entscheidung, Dankbarkeit und Vertrauen entsteht eine Form von Glück, die nicht spektakulär ist – aber tragfähig.