Autor: admin

  • Ankündigung der Geburt des Täufers

    Die Miniatur stammt aus dem berühmten Berthold-Sakramentar des Klosters Weingarten und entstand um das Jahr 1217. Sie zeigt die Szene aus dem Lukasevangelium, in der der Priester Zacharias während seines Tempeldienstes dem Engel Gabriel begegnet.

    Die Darstellung spielt in einem reich ausgestatteten Kirchenraum, der den Tempel von Jerusalem symbolisiert. Zacharias steht links vor dem Altar und hält das Weihrauchfass in der Hand. Ihm gegenüber erscheint der Erzengel Gabriel. Zwischen beiden Figuren entsteht eine besondere Spannung: Sie neigen sich einander zu, ihre Köpfe und Blicke kommen sich beinahe so nahe, dass sie sich berühren könnten.

    Der Künstler macht damit sichtbar, was das Evangelium erzählt: Gott tritt in das Leben eines Menschen ein und verändert dessen Zukunft. Zacharias erfährt, dass seine Frau Elisabet trotz ihres hohen Alters einen Sohn gebären wird. Dieser Sohn wird Johannes heißen und den Weg für Jesus Christus bereiten.

    Die leuchtenden Farben, der Goldgrund und die feinen architektonischen Formen verleihen der Szene eine überirdische Atmosphäre. Die Miniatur zeigt nicht nur ein historisches Ereignis, sondern die Begegnung zwischen menschlichem Zweifel und göttlicher Verheißung. Aus dieser Begegnung entsteht die Geschichte des Täufers, dessen Auftrag darin besteht, auf Christus hinzuweisen.

    Evangelium

    Lk 1, 57–66.80
    Für Elisabet erfüllte sich die Zeit, dass sie gebären sollte, und sie brachte einen Sohn zur Welt. Ihre Nachbarn und Verwandten hörten, welch großes Erbarmen der Herr ihr erwiesen hatte, und freuten sich mit ihr.
    Und es geschah: Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Kindes und sie wollten ihm den Namen seines Vaters Zacharias geben.
    Seine Mutter aber widersprach und sagte: Nein, sondern er soll Johannes heißen. Sie antworteten ihr: Es gibt doch niemanden in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
    Da fragten sie seinen Vater durch Zeichen, welchen Namen das Kind haben solle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf: Johannes ist sein Name. Und alle staunten.
    Im gleichen Augenblick konnte er Mund und Zunge wieder gebrauchen und er redete und pries Gott. Und alle ihre Nachbarn gerieten in Furcht und man sprach von all diesen Dingen im ganzen Bergland von Judäa.
    Alle, die davon hörten, nahmen es sich zu Herzen und sagten: Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.
    Das Kind wuchs heran und wurde stark im Geist. Und es lebte in der Wüste bis zu dem Tag, an dem es seinen Auftrag für Israel erhielt.

    Hochfest
    Geburt des Heiligen Johannes des Täufers

    Das Lukasevangelium stellt die Ankündigung der Geburt und die Geburt Johannes des Täufers parallel zur Verkündigung der Geburt Jesu und seiner Geburt dar. Entsprechend wird der Geburtstag des Johannes ein halbes Jahr vor dem Geburtstag Jesu gefeiert. Die besonderen Umstände seiner Geburt schildert Lukas im ersten Kapitel seines Evangeliums: die Unfruchtbarkeit Elisabets, die im Alter doch noch Mutter wird; der Unglaube des Vaters Zacharias und sein Verstummen, das sich schließlich in der Nennung des Namens Johannes löst und in den Lobpreis Gottes mündet. Der Name Johannes bedeutet „Gott ist gnädig“. Die Nähe zu Jesus, der sich von Johannes im Jordan taufen lässt, prägt das Leben des Täufers, von dem Jesus einmal sagte: „Unter allen Menschen hat es keinen größeren gegeben als Johannes den Täufer.“ (Mt 11, 11) Johannes aber, der vor seinem öffentlichen Auftreten als Bußprediger eine Zeit lang in der Wüste lebte, sah seine Rolle im Blick auf Jesus so: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3, 30) Zu Beginn der öffentlichen Wirksamkeit Jesu schickte Johannes seine Jünger zu Jesus mit dem Hinweis: „Seht, das Lamm Gottes!“ (Joh 1, 36) Durch König Herodes Antipas, der den lästigen Mahner leid ist, weil er offen dessen zweite Heirat angeprangert hatte, wird Johannes ins Gefängnis geworfen. Einer Laune des Herrschers zufolge wird der Täufer für sein kompromissloses Eintreten im Dienste Gottes schließlich enthauptet. Das Gedächtnis seines Todes begeht die Kirche am 29. August.

    Quellen

    Miniatur:
    Berthold-Sakramentar, Weingarten, um 1217.
    Kommentar und kunsthistorische Erläuterungen nach Detlef Stäps.

    Evangelium:
    Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 2016.

    Liturgische Bedeutung:
    Magnificat – Das Stundenbuch.


    Empfehlung

    Heinz Detlef Stäps

    Codex Biblicus – Die Evangelien

    2 Bände: Evangelien und Begleitband

    Diese Bibel-Teilausgabe enthält die vier Evangelien in der Einheitsübersetzung. Eingefügt in den Text sind durchgehend prächtige Abbildungen aus Handschriften des 9. bis 13. Jahrhunderts, die in namhaften Bibliotheken weltweit aufbewahrt werden. Diese einzigartigen Miniaturen spannen einen Bogen von der karolingischen Buchmalerei bis zur frühen Gotik.

    Der separate Begleitband ermöglicht es, den Text neben das Bild in der Bibel zu legen. Die Grundlage für die Abbildungen ist der Bibeltext, der auch den Buchmalern im Mittelalter vorlag. Heinz Detlef Stäps macht deutlich, dass die Miniaturen mehr als Illustrationen sind. Sie bringen den Bibeltext auf ihre eigene Weise zum Sprechen.

    384 S. | 21 x 28 cm | geb. | Hardcover | Verlag Kath. Bibelwerk 2024

  • Taufe im Jordan

    wie tief
    muss ich untergetaucht werden
    bis ich dem leben
    auf den grund komme

    wie rein
    muss ich gebadet werden
    bis meine haut
    durchatmet wird von licht

    wie zart
    muss mir gesagt werden dass ich geliebt bin
    bis ich es wirklich
    glauben kann

    Andreas Knapp, aus: Ders., Weiter als der Horizont.
    Gedichte über alles hinaus, S. 38, © Verlag Echter, Würzburg, 10. Auflage 2024

  • Bitten

    Gott, du hast deinen Geist in unser Herz gelegt. Wir bitten dich:

    A: Lass uns heute aus dir leben.

    – Dass wir einander annehmen.
    – Dass wir einander Mut machen.
    – Dass wir uns miteinander freuen.

    A: Lass uns heute aus dir leben.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch
    aus dem Morgengebet vom 23.6.2026

  • Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nur wir selbst

    Der Stephansdom ist eine der wärmsten Kirchen der Stadt – vor allem wegen der vielen Menschen dort. Heute kündigte Domkurat Prof. Dr. Thomas Möllenbeck daher an, kurz zu predigen und sich auf ein Thema zu konzentrieren.

    Ich habe die Predigt nach bestem Wissen transkribiert und hoffe, alles richtig verstanden zu haben.

    Kernsynopsis

    Die zentrale These der Predigt ist eine theologische Neudeutung der Gottesfurcht. Statt der landläufigen Annahme, dass der Teufel die Instanz sei, die „Seele und Leib in der Hölle verderben kann“, wird argumentiert, dass diese Macht allein bei Gott liegt. Dieser scheinbare Widerspruch wird dialektisch aufgelöst: Gott will das Verderben der Seele nicht – Er ist die Liebe in Person – aber das Verderben ist die unausweichliche Konsequenz, wenn sich die Seele von Ihm, der einzigen Quelle ewigen Lebens und unendlicher Liebe, abwendet. Die Hölle wird daher nicht als eine von Gott aktiv verhängte Strafe definiert, sondern als der selbstgewählte Zustand der Trennung von Ihm. Die ultimative „frohe Botschaft“ ist somit, dass uns nichts von Gottes Liebe scheiden kann, außer unserer eigenen Entscheidung, diese Verbindung zu lösen.

    Logische Rekonstruktion: Die Dialektik der Gottesfurcht

    1. Die These: Eine provokante Neuinterpretation

    Die Predigt eröffnet mit einer Konfrontation der gängigen Interpretation der Schriftstelle „Fürchtet euch vielmehr vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann“.

    • Gängige Annahme: Die meisten Menschen assoziieren diese zerstörerische Macht mit dem Teufel.
    • Theologische Korrektur (gestützt auf Johannes Chrysostomus): Nicht der Teufel, sondern Gott ist die Instanz, die diese ultimative Macht besitzt. Dies wird zunächst als beunruhigende „Drohbotschaft“ dargestellt.

    2. Die Antithese: Gottes Wesen als reine Liebe

    Unmittelbar nach der provokanten These wird das Gegenargument eingeführt, das auf dem Wesen Gottes basiert.

    • Gottes Wille: Gott kann das Verderben der Seele nicht wollen. Sein Wesen ist die unendliche Liebe in drei Personen (Vater, Sohn, Heiliger Geist), und sein Schöpfungsziel ist, dass die Seele in dieser Liebe fest verwurzelt ist und an ihr teilhat.
    • Gottes Fürsorge: Die Schrift bestätigt dies mit dem Bild der gezählten Haare und dem Wert des Menschen, der den von Spatzen übersteigt. Kein Spatz fällt ohne Gottes Willen vom Himmel.

    3. Die Synthese: Freiheit, Verantwortung und die Definition der Hölle

    Die Auflösung des Widerspruchs liegt in der menschlichen Freiheit und der Natur der Seele.

    • Die Bedingung für das Leben der Seele: Die Seele kann nur durch die Teilhabe an Gottes unendlicher und ewiger Liebe leben. Nur Er kann garantieren, dass sie nicht „verdirbt“.
    • Die Rolle der Sünde: Die Sünde, beginnend mit Adam, ist die aktive Lösung aus dieser Verwurzelung in Gottes Liebe. Sie ist eine Entscheidung, die Trennung herbeiführt.
    • Neudefinition der Hölle: Die Hölle ist nicht ein Ort, an den Gott jemanden schickt, sondern der Zustand, „fern von Gott sein und dableiben wollen“. Das Verderben der Seele ist die logische Folge der Abwesenheit ihrer einzigen Lebensquelle, nicht eine aktive Bestrafung.
    • Die letzte Konsequenz: Gott will unsere Verwurzelung in der Liebe, aber „dazu gehören zwei“. Wenn der Mensch sich löst, kann Gott nicht eingreifen, ohne die menschliche Freiheit aufzuheben.

    Der Schluss: Die Frohe Botschaft der unauflöslichen Bindung

    Die Predigt schließt mit der Zusicherung aus dem Römerbrief (Kapitel 8), die als die eigentliche „frohe Botschaft“ dient.

    • Die ultimative Sicherheit: Nichts – keine Mächte, kein Tod, keine Not – kann uns von der Liebe Gottes trennen, die in Christus Jesus ist.
    • Die einzige Ausnahme: „Nur wir selbst“ haben die Macht, diese Trennung zu vollziehen.
    • Die praktizierte Antwort: Das Bekennen zu Christus, insbesondere durch die Teilnahme an der Eucharistie („Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm“), ist die aktive Bestätigung dieser Verbindung von unserer Seite aus.

    Die Texte der heutigen Hl. Messe

    Transkription der Predigt mit ®PLAUD.

  • Das ist dein Tag

    Das ist dein Tag, Herr Jesus Christ,
    der Tag, von deinem Glanz erhellt,
    da du vom Tod erstanden bis
    als König der erlösten Welt.

    Nun hilf uns, aus der Dunkelheit
    mit dir ins Reich des Lichtes gehn,
    und lass dereinst auch unsern Leib
    verklärt zum Leben auferstehn.

    Ruf uns zu dir, wenn du erscheinst
    am großen Tag des Endgerichts,
    du Sieger über Welt und Tod,
    mit dir zu herrschen, Gott des Lichts.

    Dann schauen wir dein Angesicht
    und werden deinem Bilde gleich,
    und wir erkennen, wie du bist:
    an Herrlichkeit und Güte reich.

    Die siebenfach dein Geist gesalbt,
    erfüllt dein Blick mit Seligkeit;
    du führst uns deinem Vater zu
    ins Leben der Dreieinigkeit. Amen.

    Nach: Dies aetasque ceteris;
    Aron (?), vor 1100
    Melodie: GL 329 · GL 1975 220

  • Caeli Deus sanctissime

    Du Gott des Himmels, heil’ger Herr,
    du hast das hohe Firmament
    durch der Gestirne lichte Zier
    mit feuerfarbnem Glanz geschmückt

    Du schufst am vierten Schöpfungstag
    der Sonne goldnes Flammenrad,
    du gabst dem Monde sein Gesetz,
    den Sternen wiesest du die Bahn.

    Und wie die Sonne steigt und sinkt,
    so wird es Tag, so wird es Nacht;
    und Mond und Sterne machen kund
    den Wechsel und das Maß der Zeit.

    Erleuchte, Herr, auch unser Herz.
    Wir sind befleckt; mach du uns rein.
    Zerbrich die Ketten unsrer Schuld
    und nimm von uns des Bösen Last.

    Dies schenk uns, Vater voller Macht,
    und du, sein Sohn und Ebenbild,
    die ihr in Einheit mit dem Geist
    die Schöpfung zur Vollendung führt. Amen.

    Nach: Caeli Deus sanctissime; 7.–8. Jahrhundert
    Melodie: GL 90 · GL 1975 704 · KG 679 · EG 469

  • Bitte um Weisheit

    Tagesgebet

    Ewiger Vater, wende unsere Herzen zu dir hin, damit wir das eine Notwendige suchen und dich in Werken der Liebe verherrlichen. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

    Lesung aus dem zweiten Buch der Könige     2 Kön 2, 1.4b.6–14

    An dem Tag, da der HERR Elija im Wirbelsturm in den Himmel aufnehmen wollte, ging Elija mit Elischa von Gilgal weg. So kamen sie nach Jericho. Elija aber bat Elischa: Bleib hier; denn der HERR hat mich an den Jordan gesandt. Elischa erwiderte: So wahr der HERR lebt und so wahr du lebst: Ich verlasse dich nicht.
    So gingen beide miteinander. Fünfzig Prophetenjünger folgten ihnen und blieben dann seitwärts in einiger Entfernung stehen. Die beiden traten an den Jordan.
    Hier nahm Elija seinen Mantel, rollte ihn zusammen und schlug mit ihm auf das Wasser. Dieses teilte sich nach beiden Seiten und sie schritten trockenen Fußes hindurch.
    Als sie drüben angekommen waren, sagte Elija zu Elischa: Sprich eine Bitte aus, die ich dir erfüllen soll, bevor ich von dir weggenommen werde! Elischa antwortete: Möchten mir doch zwei Anteile deines Geistes zufallen. Elija entgegnete: Du hast etwas Schweres erbeten. Wenn du siehst, wie ich von dir weggenommen werde, wird es dir zuteilwerden. Sonst aber wird es nicht geschehen.
    Während sie miteinander gingen und redeten, erschien ein feuriger Wagen mit feurigen Pferden und trennte beide voneinander. Elija fuhr im Wirbelsturm zum Himmel empor.
    Elischa sah es und rief laut: Mein Vater, mein Vater! Wagen Israels und seine Reiter! Als er ihn nicht mehr sah, fasste er sein Gewand und riss es mitten entzwei.
    Dann hob er den Mantel auf, der Elija entfallen war, kehrte um und trat an das Ufer des Jordan. Er nahm den Mantel, der Elija entfallen war, schlug mit ihm auf das Wasser und rief: Wo ist der HERR, der Gott des Elija? Als er auf das Wasser schlug, teilte es sich nach beiden Seiten und Elischa ging hinüber.

    Antwortpsalm    Ps 31, 20–22.24

    Kehrvers:
    Euer Herz sei stark und unverzagt.

    Wie groß ist deine Güte, o Herr, * die du bewahrt hast für alle, die dich fürchten;
    du hast sie denen erwiesen, * die sich vor den Menschen bei dir bergen.

    Kehrvers

    Du verbirgst sie im Schutz deines Angesichts * vor den Verschwörungen der Leute.
    In einer Hütte bewahrst du sie * vor dem Gezänk der Zungen. –

    Kehrvers

    Gepriesen sei der HERR, / denn er hat seine Huld wunderbar an mir erwiesen * in einer befestigten Stadt.
    Liebt den HERRN, all seine Frommen! / Seine Getreuen behütet der HERR, * doch reichlich vergilt er dem, der hochmütig handelt.

    Kehrvers:
    Euer Herz sei stark und unverzagt.

  • Abendgebet

    Lesung    Röm 12, 9–12

    Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten. Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!

    Vaterunser

    Gütiger Gott, unser Abendgebet steige zu dir empor und dein Segen komme auf uns herab, damit wir mit deiner Hilfe das Heil erlangen und frei werden, hier und auf ewig. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

    Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende gewähre uns der allmächtige Herr.

    Salve Regina

    Salve, Regina, mater misericordiae;
    vita, dulcedo et spes nostra, salve.
    Ad te clamamus, exsules filii Evae.
    Ad te suspiramus, gementes et flentes
    in hac lacrimarum valle.
    Eia ergo, advocata nostra,
    illos tuos misericordes oculos
    ad nos converte.
    Et Iesum, benedictum fructum ventris tui,
    nobis post hoc exsilium ostende.
    O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

    Sei gegrüßt, o Königin,
    Mutter der Barmherzigkeit;
    unser Leben, unsre Wonne
    und unsre Hoffnung, sei gegrüßt!
    Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
    zu dir seufzen wir
    trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.
    Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,
    wende deine barmherzigen Augen uns zu
    und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
    die gebenedeite Frucht deines Leibes!
    O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

  • Wie ich zum Einsegner wurde

    Die Berufung begann mit dem Tod meines Vaters

    Gestern war Vatertag. Meine Kinder haben mir herzlich gratuliert und ich habe mich darüber sehr gefreut. Gleichzeitig dachte ich während der 12:00 Uhr Messe im Stephansdom immer wieder an meinen Vater. Gestern war auch sein siebter Todestag.

    Wenn ich heute Familien beim Abschied von einem geliebten Menschen begleite, dann führt mich mein Weg gedanklich oft zurück in das Jahr 2019.

    Damals starb mein Vater in einem familiären Seniorenheim in Kematen bei Innsbruck. Ich war noch bis wenige Stunden vor seinem Tod bei ihm. Auf dem Rückweg nach Wien bekam ich den Anruf, dass er seine Augen geschlossen hat. Ich verbrachte diese Nacht bei meinen Freunden in Stift Göttweig und fuhr am nächsten Tag weiter nach Wien.

    Die organisatorischen Schritte wurden rasch eingeleitet. Wenige Tage später haben wir Vatti im Familiengrab am Innsbrucker Westfriedhof beigesetzt.

    Es war ein stiller und würdevoller Abschied – ganz so, wie sich mein Vater das gewünscht hat.

    Im August desselben Jahres feierten wir mit meinem lieben Freund P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB in der Krypta des Stiftes Göttweig ein Requiem für meinen Vater. Familie, Freunde und Wegbegleiter waren gekommen.

    Foto: Gerhard Peyrer, 2019

    Am Beginn dieser Feier hielt ich selbst die Trauerrede.

    Ich erzählte von seinem Leben, seinen Stärken, seinen Eigenheiten, seinen Erfolgen und von manchen Begebenheiten, über die wir gemeinsam lachen konnten. Vor allem aber sprach ich über die Hoffnung auf ein Wiedersehen.

    Foto: Gerhard Peyrer, 2019

    Damals wusste ich noch nicht, dass dieser Tag mein weiteres Leben verändern würde.

    Aus einer Bitte wurde eine Berufung

    Nach dem Requiem fragten mich Freunde und Bekannte, ob ich auch bei ihrem eigenen Begräbnis und dem ihrer Lieben einige Worte sprechen könnte.

    Ich sagte gerne Ja. Das war für mich eine Ehre und ein Liebesdienst.

    Mit jeder Trauerrede wurde mir deutlicher, dass es dabei um weit mehr ging als um das Schreiben und Vortragen eines Textes. Menschen brauchten jemanden, der zuhört. Jemanden, der die richtigen Fragen stellt. Jemanden, der Erinnerungen ordnet und daraus eine würdevolle Geschichte entstehen lässt.

    Vor allem aber brauchten sie jemanden, der ihnen Hoffnung schenkt.

    Langsam begann ich zu verstehen, dass dies meine eigentliche Berufung sein könnte.

    Was mich darauf vorbereitet hat

    Viele Menschen glauben, ich sei direkt vom Unternehmensberater zum Trauerredner geworden.

    Das stimmt nur teilweise.

    Bereits vor mehr als zwanzig Jahren hatte ich Ausbildungen zum systemischen Coach bei Dr. Rainer Buchner in Salzburg, zum Berufungscoach bei Prof. Dr. Alexander Kaiser in Wien und zum geistlichen Begleiter bei Dr. August Höglinger im Prämonstratertenser-Stift Schlägl abgeschlossen. In meiner Tätigkeit als Unternehmer und Berater durfte ich über Jahrzehnte Menschen in Veränderungsprozessen begleiten.

    Heute erkenne ich, wie sehr mich diese Erfahrungen auf die Begleitung von Trauernden vorbereitet haben.

    Denn Trauer ist letztlich ebenfalls ein tiefgreifender Veränderungsprozess.

    Menschen müssen lernen, ein Leben weiterzuführen, obwohl ein geliebter Mensch nicht mehr sichtbar an ihrer Seite ist.

    Die andere Seite kennenlernen

    Um mich professionell auf diese Aufgabe vorzubereiten, arbeitete ich ein halbes Jahr lang bei einem großen privaten Bestattungsunternehmen als Berater der Geschäftsleitung mit.

    Dort lernte ich die Arbeit der Bestatter, die Abläufe auf Friedhöfen und die vielen organisatorischen Herausforderungen rund um einen Todesfall kennen.

    Diese Erfahrung ist sehr hilfreich

    Warum Vorsorge ein Akt der Liebe ist

    In den vergangenen Jahren habe ich viele Familien begleitet.

    Dabei ist mir eines besonders deutlich geworden:

    Es hilft sehr, wenn Menschen schon zu Lebzeiten darüber sprechen, was nach ihrem Tod geschehen soll.

    Neben den praktischen Fragen wie Erd- oder Feuerbestattung, Familiengrab oder Naturbestattung geht es vor allem um die persönliche Glaubensüberzeugung des lieben verstorbenen Menschen und der Hinterbliebenen.

    Wollen sie eine kirchliche Feier, eine persönliche Einsegnung oder eine stille Verabschiedung im kleinen Kreis? Soll dort die Lieblingsmusik des voraus gegangenen Menschen gespielt werden oder wollen sie im stillen Gebet Abschied nehmen? Wer soll die Trauergemeinde an all die schönen gemeinsamen Erlebnisse erinnern und welches Bild von Hoffnung und Wiedersehen darf entstehen? Woran glauben die Trauernden nach dem Tod?

    Das sind sehr persönliche Fragen. Sie rechtzeitig zu besprechen entlastet spürbar.

    Über den Tod zu sprechen bedeutet nicht, das Leben aufzugeben. Das ist auch nicht pietätlos.

    Im Gegenteil.

    Wer über den Tod sprechen kann, lebt meistens bewusster das Leben.

    Was mich heute trägt

    Seit mehreren Jahren begleite ich Familien in Wien und Umgebung auf Empfehlung von Bestattern, Freunden und früheren Auftraggebern.

    Oft werde ich bereits kontaktiert, wenn ein geliebter Mensch noch lebt und das Ende des Lebensweges absehbar wird.

    Dann geht es nicht nur um eine Trauerrede.

    Dann geht es um Zuhören, um Trost, um Vorbereitung, um die richtigen Worte und manchmal auch um gemeinsames Schweigen.

    Viele Menschen fragen mich, warum ich diese Arbeit mache.

    Meine Antwort ist einfach:

    Weil ich selbst so viel Gnade erleben durfte, segne ich aus Liebe.

    Der Tod meines Vaters hat mich gelehrt, dass Abschied und Liebe einander nicht widersprechen.

    Die Liebe bleibt.

    Und genau deshalb glaube ich von ganzem Herzen:

    Amor vincit. Die Liebe siegt.

    Harald R. Preyer
    Christlicher Trauerredner und Einsegner

  • Lucis creator optime

    Des Lichtes guter Schöpfer du,
    der uns den Glanz des Lichtes schenkt,
    der mit dem ersten Strahl des Lichts
    der Welterschaffung Werk beginnt.

    Du rufst den Morgen aus der Nacht
    und führst den ersten Tag herauf;
    das düstre Chaos sinkt dahin –
    durch deines Wortes Macht gebannt.

    Gib, dass der Mensch durch eigne Schuld
    das Gut des Lebens nicht verliert,
    wenn er des Ew’gen nicht gedenkt
    und in das Böse sich verstrickt.

    Er poche an des Himmels Tor,
    erringe sich des Lebens Preis.
    Fern bleibe, was uns Schaden bringt,
    und rein von Schuld sei unser Herz.

    Dies schenk uns, Vater, voller Macht,
    und du, sein Sohn und Ebenbild,
    die ihr in Einheit mit dem Geist
    die Schöpfung zur Vollendung führt. Amen.

    Nach: Lucis creator optime; 7.–8. Jahrhundert –
    Melodie: GL 90 · GL 1975 704 · KG 679 · EG 469