Kategorie: Gedichte

  • Jahreswechsel

    Luzernarfeier in Göttweig

    Stille.
    Die Kirche im Dunkel.
    Nur das ewige Licht.

    Die Mönche ziehen ein.
    Kerze für Kerze
    wandert das Licht.
    Die Kirche wird hell.

    Das Vergangene
    lege ich in Gottes Hände.
    Das Kommende
    nehme ich aus dem Licht.

    Dann Glocken.
    Liebe – Wünsche – Segen.
    Und wieder Ruhe.

    Ein neues Jahr.
    Der Heilige Berg im Schweigen.
    Erste Spuren im Schnee.

    HRP, 31.12.2025, Stift Göttweig

  • Credo

    Wir sehn uns wieder,
    irgendwann,
    getragen still
    von Gottes Plan.

    Dann wird, was war,
    zu Nähe weit:
    Wir sind einander
    Leib und Zeit.

    Ich glaube.



    HRP, Stift Göttweig am Fest der Heiligen Familie 2025

  • Bist Du es?

    Bist du es, der da kommen soll?
    Bist du’s, den wir erwarten?
    Bist du, der uns die Freiheit schenkt,
    die Seher offenbarten?
    Wir sind gefangen, sind verstrickt,
    wir brauchen Aussicht, die erquickt,
    und Glauben, der beflügelt.

    Bist du es, der da kommen soll,
    der heilt, dass Blinde sehen?
    Bist du, der satt macht und der hilft,
    dass Lahme wieder gehen?
    Wir sind gebunden, sind zu schwach,
    das Blatt zu wenden, ruf uns wach
    und schenk uns neue Hoffnung.

    Bist du es, der da kommen soll,
    der spricht, dass Taube hören?
    Bist du, der gute Nachricht bringt,
    an der sich Herrscher stören?
    Durchbrich die Mauern, hilf uns auf,
    aus Todeskampf wird Lebenslauf
    und Liebe, die nicht endet.

    Eugen Eckert (zu Mt 11, 1 ff.), © Dehm Verlag, Limburg

  • Selig durch Dich auf ewig

    Du, ewigen Lichtes Quell,
    hole mich heim, in dich zurück,
    von wo ich gekommen,
    du, tiefster Grund allen Lebens.

    Lass mich erkennen,
    wie ich erkannt bin, lieben,
    wie ich geliebt bin.

    Dich, mein Gott,
    werd ich sehen,
    wie du bist,
    werd dich schauen,
    genießen, besitzen,
    selig durch dich
    auf ewig.

    Gertrud von Helfta


    Die heilige Gertrud von Helfta, auch Gertrud die Große, (* 6. Januar 1256; † 17. November 1301 oder 1302) war eine Zisterzienserin und Mystikerin im Kloster Helfta bei Eisleben. Die hl. Gertrud gehört zu den herausragenden Frauen des Mittelalters; als einzige deutsche Heilige trägt sie den Beinamen die Große. Durch Gertrud von Helfta, ihre Lehrerin Mechthild von Hackeborn und ihre Mitschwester Mechthild von Magdeburg galt Helfta als „Krone der deutschen Frauenklöster“.In der katholischen Kirche wird Gertrud von Helfta als Heilige verehrt.

  • Der rilkeische Einsegner

    Nicht sprechen zuerst.
    Still werden,
    bis die Stimmen sich sammeln
    wie Staub im späten Licht.

    Dann hören:
    was zwischen den Worten atmet,
    was sich nicht sagen ließ
    und dennoch blieb.

    Der Schmerz will nicht fort.
    Er will getragen werden,
    wie man ein Kind trägt,
    das müde ist vom Gehen.

    Man erklärt ihm nichts.
    Man bleibt.

    Und mitten im Schweren
    öffnet sich ein Raum –
    nicht weil alles gut wäre,
    sondern weil etwas hält.

    Segen geschieht leise.
    Nicht von oben.
    Sondern dort,
    wo Nähe standhält.

    Niemand soll
    auf der Schwelle
    ohne Gegenwart bleiben.

    Und Bleibendes
    schafft
    der Dichter.

    Nicht alleine.

    Geliebt.

    Der Einsegner nach Rainer Maria Rilke

  • Liebe, dir ergeb ich mich

    Liebe, die du mich zum Bilde
    deiner Gottheit hast gemacht,
    Liebe, die du mich so milde
    nach dem Fall hast wiederbracht:
    Liebe, dir ergeb ich mich,
    dein zu bleiben ewiglich.

    Liebe, die du mich erkoren,
    eh ich noch geschaffen war,
    Liebe, die du Mensch geboren
    und mir gleich wardst ganz und gar:
    Liebe, dir ergeb ich mich,
    dein zu bleiben ewiglich.

    Liebe, die für mich gelitten
    und gestorben in der Zeit,
    Liebe, die mir hat erstritten
    ewge Lust und Seligkeit:
    Liebe, dir ergeb ich mich,
    dein zu bleiben ewiglich.

    Liebe, die mich hat gebunden
    an ihr Joch mit Leib und Sinn;
    Liebe, die mich überwunden
    und mein Herz hat ganz dahin:
    Liebe, dir ergeb ich mich,
    dein zu bleiben ewiglich.

    Liebe, die mich ewig liebet
    und für meine Seele bitt’,
    Liebe, die das Lösgeld gibet
    und mich kräftiglich vertritt:
    Liebe, dir ergeb ich mich,
    dein zu bleiben ewiglich.

    Liebe, die mich wird erwecken
    aus dem Grab der Sterblichkeit,
    Liebe, die mich wird umstecken
    mit dem Laub der Herrlichkeit:
    Liebe, dir ergeb ich mich,
    dein zu bleiben ewiglich.

    Angelus Silesius 1657 – GL 787 (Anhang Köln)

  • In der Liebe, die alles umfängt

    Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
    und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,

    dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
    dann wohnt er schon in unserer Welt.
    Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
    in der Liebe, die alles umfängt.

    Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt,
    und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
    dann hat Gott unter uns …

    Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält,
    und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt,
    dann hat Gott unter uns …

    Wenn der Trost, den wir geben, uns weiterträgt,
    und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird,
    dann hat Gott unter uns …

    Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist,
    und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt,
    dann hat Gott unter uns …

    Claus Peter März (1947 – 1921), © Rechtenachfolge – GL 470


    Screenshot von Magnificat – das Stundenbuch
    Ausgabe November 2025
    Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer

  • Geborgen in dir

    Geborgen in dir, Gott, atme ich ein,
    schöpfe ich Hoffnung aus Brot und Wein.
    Geborgen in dir, Gott, lasse ich los
    und liege sicher in Mutters Schoß.
    Geborgen in dir, Gott, ruhe ich aus,
    bin ich zufrieden, bei dir zu Haus.

    Gerufen von dir, Gott, horche ich hin,
    frage ich staunend, wer ich wohl bin.
    Gerufen von dir, Gott, bin ich genannt
    bei meinem Namen in deiner Hand.
    Gerufen von dir, Gott, sage ich ja,
    mit dir verbunden, so bin ich da.

    Gehalten von dir, Gott, wache ich auf,
    wage ich tastend den Tageslauf.
    Gehalten von dir Gott, stehe ich fest,
    gehe und lebe, weil du mich lässt.
    Gehalten von dir, Gott, schlafe ich ein
    an jedem Abend, denn ich bin dein.

    Text: 1. Str.: Eckart Bücken, 2.–3. Str.: Raymund Weber; Musik: Christoph Lehmann, © Text (Bücken): Strube-Verlag, München, © Text (Weber) und Musik: tvd-Verlag Düsseldorf


    Dieser Hymnus „Geborgen in Dir“ ist für mich gleichermaßen Begleiter durch einen frohen Tag im Vertrauen auf Gottes mütterliche Güte und Heilszusage für alle, die uns vorausgegangen sind.

  • voller Hoffnung

    Du allwissendes Wort
    des himmlischen Vaters,
    du König des Weltalls,
    der durch sein Bild
    das sterbliche Volk ehrte,
    gib uns Gnade
    und schenke uns
    segenspendenden Beistand!
    Auf dich schauen alle Augen
    voller Hoffnung.

    Anonymes griechisches Gedicht an den Erlöser, Übersetzung: Kyriakos Savvidis,
    aus: Anthologia Graeca, Band 1 (= Bibliothek der griechischen Literatur, Band 72), © Anton Hiersemann KG Verlag, Stuttgart 2011, gefunden in Magnificat – das Stundenbuch, Morgengebet vom 15.11.2025


    vergleiche dazu den Beginn des Evangeliums nach Johannes („Johannes-Prolog“)

    DER PROLOG: 1,1–18 1 1 

    Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.

    6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

    14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.

    Die Bibel: Revidierte Einheitsübersetzung 2017

  • Tod und Vergehen

    Tod und Vergehen waltet in allem,
    steht über Menschen, Pflanzen und Tieren,
    Sternbild und Zeit.

    Du hast ins Leben alles gerufen.
    Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode:
    Hole sie heim.

    Schenke im Ende auch die Vollendung.
    Nicht in die Leere falle die Vielfalt
    irdischen Seins.

    Herr, deine Pläne bleiben uns dunkel.
    Doch singen Lob wir dir, dem dreieinen,
    ewigen Gott.

    P. Polykarp Ühlein OSB, 1978 – Melodie: GL 656

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet am 2.11.2025