Kategorie: Gedichte

  • Ewiges Licht

    Guter König und Herr,
    der uns das Licht erschuf,
    der dem Wechsel der Zeit
    sichere Ordnung gab –
    da die Sonne nun sinkt
    und sich das Dunkel mehrt,
    sei uns Leuchte und Licht,
    Christus, dein Angesicht.


    Wie du Israels Volk
    einst durch die Nacht geführt,
    ihm als feuriger Schein
    Richtung und Weg gezeigt,
    so geleite auch uns,
    die wir im Finstern gehn,
    zieh uns leuchtend voran,
    Flamme, die nie erlischt.


    Was kann würdiger sein,
    nun, da der Tag sich neigt,
    als dem währenden Licht
    Lob und Gesang zu weihn:
    Gott, der strahlend im Glanz
    ewiger Helle wohnt,
    ihm sei Ehre und Preis
    jetzt und durch alle Zeit. Amen.


    Nach: Inventor rutili, dux bone, luminis;
    Prudentius, † nach 405

  • Ich will dir danken

    Du schaffst meinen Schritten weiten Raum,
    du träumst mit mir meinen Lebenstraum.
    Du schenkst meiner Sehnsucht weites Land,
    nimmst mich wie ein Vater an die Hand.
    An deiner Seite ist mir nicht bang.
    Ich will dir danken mein Leben lang.

    Du gibst meinen Blicken weite Sicht,
    du bist in der Finsternis mein Licht.
    Du bist die Leuchte auf meinem Pfad
    und führst mich sicher auf schmalem Grat.
    Auf deinen Wegen ist mir nicht bang.
    Ich will dir danken mein Leben lang.

    Du gibst meinen Worten weiten Sinn,
    du redest in mir, wozu ich bin.
    Du gibst meiner Stimme Fülle und Klang.
    Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist,
    aus deinem Atem strömt mein Gesang.
    Ich will dir danken mein Leben lang.

    Ich will dir danken , Variationen zu Psalm 18,
    © Raymund Weber, 2010

  • Orientierung

    Orientierung beginnt im Herzen.

    Bete mit deinem Gewissen,
    empfange den Segen mit Demut.
    Leite mit Bewusstheit,
    führe mit Bescheidenheit.

    Wenn im Leben Sicherheiten wegbrechen, wenn uns der Verlust eines geliebten Menschen den Boden unter den Füßen entzieht, brauchen wir eine neue innere Richtung.
    Nicht laute Antworten. Sondern leise Wahrhaftigkeit.

    Wahre Orientierung entsteht nicht durch äußere Zeichen.
    Sie wächst dort, wo wir mit unserem Gewissen sprechen.
    Dort, wo wir Demut annehmen und Liebe leben.
    Dort, wo wir sanft und stark zugleich werden.

    Die Altäre dieser Welt können uns erinnern –
    aber die eigentliche Mitte finden wir in uns.
    Still, aufrecht, geführt von der Liebe.

    (Inspiriert von „365 Tao: Meditationen für jeden Tag des Jahres“)

  • Die Sonne in uns

    Trost finden – in der eigenen Mitte.

    Die Sonne scheint in der Mitte des Himmels.
    Alle Dinge wenden ihr Antlitz dem Licht zu.

    Gerade in Zeiten des Abschieds verlieren wir leicht die Orientierung.
    Was gestern noch selbstverständlich war, fehlt plötzlich.
    Wo ist die Mitte?

    Die Antwort liegt näher, als wir denken:
    Unsere Mitte entsteht nicht durch äußere Maßstäbe.
    Unsere Mitte ist dort, wo wir uns der Liebe zuwenden.
    Der Liebe, die uns hält.
    Der Liebe, die uns verbindet – über alles Sichtbare hinaus.

    Wenn wir nach innen lauschen, spüren wir:
    Trost beginnt in uns.
    Die Mitte trägt uns.
    Und die Liebe zeigt uns den Weg – sanft, beständig, verlässlich.

    (Inspiriert von „365 Tao: Meditationen für jeden Tag des Jahres“)

  • Licht

    Auch wenn Dunkelheit mich umgibt,
    weiß ich: Ein neuer Morgen kommt.

    Auch wenn Wege sich verlieren,
    findet mein Herz seinen Pfad.

    Ein Licht ist in mir entzündet,
    es wärmt, es führt, es bleibt.

    Aus Liebe leuchte ich –
    Licht das mich trägt.