In Tiefen, die kein Trost erreicht, lass doch deine Treue mich erreichen. In den Nächten, wo der Glaube weicht, lass nicht deine Gnade von mir weichen.
Auf dem Weg, den keiner mit mir geht, wenn zum Beten die Gedanken schwinden, wenn mich kalt die Finsternis umweht, wollest du in meiner Not mich finden.
Wenn die Seele wie ein irres Licht flackert zwischen Werden und Vergehen, wenn es mir an Trost und Rat gebricht, wollest du an meiner Seite stehen.
Wenn ich deine Hand nicht fassen kann, nimm die meine du in deine Hände, nimm dich meiner Seele gnädig an, führe mich zu einem guten Ende.
Justus Delbrück (1902–1945), aus einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager
Dieses Gedicht schrieb Ingeborg Bachmann im Frühjahr 1957. Sie war damals 31 Jahre alt und lebte in Rom. Geboren wurde sie am 25. Juni 1926 in Klagenfurt. Nach dem Studium der Philosophie, Psychologie und Germanistik promovierte sie über Martin Heidegger. Bereits mit ihrem ersten Gedichtband Die gestundete Zeit wurde sie zu einer der bedeutendsten Stimmen der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur.
Europa stand noch immer im Schatten des Zweiten Weltkriegs, der Kalte Krieg bestimmte die Gegenwart, und viele fragten sich, ob nach so viel Leid überhaupt noch Hoffnung möglich sei. Bachmann stellte diese Fragen mit einer sprachlichen Klarheit, die bis heute beeindruckt. Ihr berühmter Satz lautet: „Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.“
Gerade deshalb hat dieses Gedicht bis heute nichts von seiner Kraft verloren. Bachmann schreibt nicht über die Sintflut selbst, sondern über das, was danach bleibt. Die Taube mit dem Ölzweig aus der biblischen Noah-Erzählung wird zum Sinnbild der Hoffnung.
„… möchte ich die Taube und nichts als die Taube noch einmal gerettet sehn.“
Sie bittet nicht um eine neue Arche, keinen Helden und keinen großen Neuanfang. Es genügt ihr, dass die Hoffnung selbst gerettet wird.
Ingeborg Bachmann starb am 17. Oktober 1973 im Alter von nur 47 Jahren in Rom an den Folgen eines Wohnungsbrandes. Ihr literarisches Werk jedoch gehört bis heute zu den bedeutendsten Zeugnissen der deutschsprachigen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Vielleicht liegt darin die eigentliche Botschaft dieses Gedichts: Nach jeder persönlichen oder gesellschaftlichen Sintflut braucht der Mensch vor allem eines – die Gewissheit, dass die Taube wieder zurückkehrt.
Vielleicht beginnt jede Hoffnung damit, dass wir der Taube zutrauen, noch einmal zu uns zurückzufliegen.
Bin ich einmal gestorben, geh im Frühling auf die Felder, die ich so liebte, wenn die Lerchen sangen. Bau aus den Trillern eine Leiter des Gebetes für mich. Und bitt den Vater, der im Himmel ist, Er möge mir gewähren, in Ewigkeit zu jubilieren vor Seinem Angesicht.
Dieses Gedicht habe ich auf der Parte von Domkurat Adolf Zimmermann (7.2.1914 – 11.6.1991) gefunden. Ich konnte es nirgendwo im Internet finden und vermute daher, dass er es selbst verfasst hat.