Kategorie: Gedichte

  • In Not

    Menschen gehen zu Gott in ihrer Not,
    flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot,
    um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod.
    So tun sie alle, alle, Christen und Heiden.

    Menschen gehen zu Gott in seiner Not,
    finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot,
    sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod.
    Christen stehen bei Gott in seinen Leiden.

    Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not,
    sättigt den Leib und die Seele mit seinem Brot,
    stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod
    und vergibt ihnen beiden.

    Dietrich Bonhoeffer (1906–1945)

  • Jerusalem, du neue Stadt

    Jerusalem, du neue Stadt,
    gib deinen Liedern neuen Klang,
    in reiner Freude darfst du jetzt
    der Ostern hohes Fest begehn.

    Was mit Gewalt der Tod geraubt,
    gibt jetzt die Unterwelt zurück.
    Befreit aus der Gefangenschaft,
    folgt Jesus die erlöste Schar.

    Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit,
    der aus dem Grabe auferstand,
    dem Vater und dem Geist zugleich
    durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

    Des Todes Drache unterliegt,
    der Held aus Juda siegt mit Macht,
    da seiner Stimme heller Schall
    die Toten aus den Gräbern ruft.

    Er triumphiert in Herrlichkeit,
    und weithin spannt sich seine Macht,
    er eint den Himmel und die Welt
    zum Reich, in dem er ewig herrscht.

    Nach: Chorus novae Ierusalem;
    Fulbert von Chartres, † 1029
    Melodie: GL 338


  • Todesfrucht

    Leben, das keinen Tod zu fürchten braucht,
    Leben, das auch im Kreuz sich nicht verbraucht
    Liebe, die ohne Grund sich andern schenkt,
    Liebe, die allen Streit zum Frieden lenkt.

    Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt,
    bringt es keine Frucht, und es verdirbt.

    Glaube, der auch im Menschen Gott entdeckt,
    Glaube, der sich im Alltag nicht versteckt.
    Christus, der uns zum Himmel Brücken baut,
    Christus, durch den uns Gott wird ganz vertraut.

    Er ist Gottes Weizenkorn, das in der Erde liegt,
    für uns stirbt und so den Tod besiegt.

    Manfred Henkes: Todesfrucht, aus: ders., Auf-Brüche. Wege zu Gott und den Menschen, Stuttgart 1982, S. 26

  • Lied des Einsiedels

    Wie seltsam hat sich dies gewendet,
    dass aller Wege wirrer Sinn
    vor dieser schmalen Tür geendet
    und ich dabei so selig bin!

    Der stummen Sterne reine Nähe
    weht mich mit ihrem Zauber an
    und hat der Erde Lust und Wehe
    von meinen Stunden abgetan.

    Der süße Atem meiner Geige
    füllt nun mit Gnade mein Gemach,
    und so ich mich dem Abend neige,
    wird Gottes Stimme in mir wach.

    Wie seltsam hat sich dies gewendet,
    dass aller Wege wirrer Sinn
    vor dieser schmalen Tür geendet
    und ich dabei so selig bin,

    und von der Welt nur dies begehre,
    die weißen Wolken anzusehn,
    die lächelnd, über Schmerz und Schwere,
    von Gott hin zu den Menschen gehn.

    Stefan Zweig (1881–1942)

  • Christus, Retter der Welt

    Christus, Retter der Welt,
    in dunkler Zeit meines Lebens
    bist du da, bist du mein Licht,
    tröstest mich und machst mich frei.

    Christus, Herr, ich suche dich
    mit der ganzen Kraft meines Herzens,
    nach dir schaue ich aus.
    Herr, an dir mach ich mich fest.

    Christus, du nimmst mich mit
    auf dem Weg zum himmlischen Vater.
    Durch dich wirkt Gottes Kraft
    für mich und alle Menschen.

    Christus, eins mit dem Vater,
    im Heiligen Geist eine Liebe,
    dir sei Ehre und Preis
    Lob und Dank in Ewigkeit.

    © 2016 Raymund Weber

  • Wandlung

    Ganz durchdrungen vom Glanz Gottes,
    mit strahlendem Gesicht
    und von Licht leuchtender Gestalt
    sehen Petrus, Jakobus und Johannes Jesus.

    Manchmal verändert sich alles.
    Etwas leuchtet auf.
    Etwas leuchtet ein.
    Manchmal berühren sich Himmel und Erde.

    Das weiße Taufkleid steht für diese Berührung.
    Das weiße Taufkleid steht für diese Wandlung.
    Sie ist uns geschenkt.
    Uns allen.

    Dorothee Sandherr-Klemp
    (zu Mt 17, 1–9, DIE VERKLÄRUNG JESU)
    aus Magnificat – das Stundenbuch
    von Woche zu Woche am 28.2.2026

  • Gott, Deine Güte

    Gott, deine Güte reicht so weit,
    so weit die Wolken gehen;
    du krönst uns mit Barmherzigkeit,
    und eilst, uns beizustehen.
    Herr, meine Burg, mein Fels, mein Hort,
    vernimm mein Flehn, merk auf mein Wort;
    denn ich will vor dir beten!

    Ich bitte nicht um Überfluss
    und Schätze dieser Erden.
    Lass mir, so viel ich haben muss,
    nach deiner Gnade werden.
    Gib mir nur Weisheit und Verstand,
    dich, Gott, und den, den du gesandt,
    und mich selbst zu erkennen.

    Ich bitte nicht um Ehr und Ruhm,
    so sehr sie Menschen rühren;
    des guten Namens Eigentum
    lass mich nur nicht verlieren.
    Mein wahrer Ruhm sei meine Pflicht,
    der Ruhm vor deinem Angesicht,
    und frommer Freunde Liebe.

    So bitt ich dich, Herr Zebaoth,
    auch nicht um langes Leben.
    Im Glücke Demut, Mut in Not,
    das wolltest du mir geben.
    In deiner Hand steht meine Zeit;
    lass du mich nur Barmherzigkeit
    vor dir im Tode finden.

    Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769),
    Vertonung: Ludwig van Beethoven (1770–1827),
    in: Sechs Lieder von Gellert op. 48, 1

  • Wo Freundschaft ist und Liebe, da ist Gott.

    Lasst uns, erfreut und ehrfurchtsvoll, für ihn
    singen dies Lied, für ihn, der lebt. Auf dass wir
    aufrichtig Liebe haben zueinander:

    Wo Freundschaft ist und Liebe, da ist Gott.

    An diesem Ort versammelt, lasst uns sein
    einig im Geiste, Herzen ungeteilt.
    Weg alle harten Worte, Groll und Zwiespalt.
    Dass Liebe wohne unter uns, Gott selbst.

    Wo Freundschaft ist und Liebe, da ist Gott.

    Mögen wir mit allen, die schon dort sind,
    im Licht verherrlicht, sehn dein Angesicht –
    Freude, die unermesslich ist, Sicherheit,
    die in Ewigkeit kein Ende findet.

    Wo Freundschaft ist und Liebe, da ist Gott.

    Huub Oosterhuis, nach „Ubi caritas et amor“, aus: Huub Oosterhuis, Du Freund Gott. Lieder – Gebete – Essays. Topos Taschenbuch 838, © 2013 Lahn-Verlag in der Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, www.lahn-verlag.de

  • Gott und der Fuchs

    „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

    — Antoine de Saint-Exupéry, aus: Der kleine Prinz, Kapitel XXI (Der Fuchs)
    Erstveröffentlichung 1943

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    „Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

    Bibel, 1 Sam 16, 7b, rund 6. bis 7 Jahrhundert v. Chr.

  • Bring unser Leben zum Leuchten

    Heute vor 150 Jahren wurde in Dresden Paula Modersohn-Becker geboren, die den frühen deutschen Expressionismus maßgeblich geprägt hat. Ihre schlichte Formensprache und kontrastreiche Farbigkeit suchen ihresgleichen.

    Paula Modersohn-Becker im Garten malend
    Otto Modersohn (1865 – 1943)

    Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907), Mädchenbildnis (1905)

    Bitten wir Gott, der uns mit unterschiedlichen Gaben beschenkt hat:

    A: Bring unser Leben zum Leuchten.
    – Öffne unsere Augen für die Wirklichkeit, die uns umgibt
    – Lass uns die Farben, Töne und Gerüche aufnehmen und unser Herz erfüllen.
    – Bringe ihre Kraft in uns zur Entfaltung, dass wir unsere Welt für alle lebenswert gestalten.
    A: Bring unser Leben zum Leuchten.

    Vaterunser

    Oration

    Gott, unser Vater, wir sind dein Eigentum und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade. Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr und schütze uns. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
    Das Licht Jesu Christi
    mache unsere Herzen hell
    und schenke uns ewige Freude.

    Text: Magnificat – das Stundenbuch, Morgengebet vom 8.2.2026