Manchmal find ich einen Lebensquell. Ich kann aus einem Brunnen schöpfen kann mich erfrischen und kann trinken vom Wasser, das die Sehnsucht stillt.
Manchmal find ich einen Sonnenstrahl, kann durch die dunklen Wolken sehen, ich kann ins warme Licht mich stellen, ins Licht, das einen Weg mir zeigt.
Manchmal find ich festes Fundament. Da kann ich stehen, kann drauf gehen, da kann mein Lebenshaus ich bauen, ein Haus, drin ich geborgen bin.
Manchmal find ich meinen Herzensgrund. Da kann ich still sein, kann ich schweigen, da kann ich ruhen, kann ich bleiben, da find ich mich und finde Gott.
Bist du es, der da kommen soll? Bist du’s, den wir erwarten? Bist du, der uns die Freiheit schenkt, die Seher offenbarten? Wir sind gefangen, sind verstrickt, wir brauchen Aussicht, die erquickt, und Glauben, der beflügelt.
Bist du es, der da kommen soll, der heilt, dass Blinde sehen? Bist du, der satt macht und der hilft, dass Lahme wieder gehen? Wir sind gebunden, sind zu schwach, das Blatt zu wenden, ruf uns wach und schenk uns neue Hoffnung.
Bist du es, der da kommen soll, der spricht, dass Taube hören? Bist du, der gute Nachricht bringt, an der sich Herrscher stören? Durchbrich die Mauern, hilf uns auf, aus Todeskampf wird Lebenslauf und Liebe, die nicht endet.
Du, ewigen Lichtes Quell, hole mich heim, in dich zurück, von wo ich gekommen, du, tiefster Grund allen Lebens.
Lass mich erkennen, wie ich erkannt bin, lieben, wie ich geliebt bin.
Dich, mein Gott, werd ich sehen, wie du bist, werd dich schauen, genießen, besitzen, selig durch dich auf ewig.
Gertrud von Helfta
Die heilige Gertrud von Helfta, auch Gertrud die Große, (* 6. Januar 1256; † 17. November 1301 oder 1302) war eine Zisterzienserin und Mystikerin im Kloster Helfta bei Eisleben. Die hl. Gertrud gehört zu den herausragenden Frauen des Mittelalters; als einzige deutsche Heilige trägt sie den Beinamen die Große. Durch Gertrud von Helfta, ihre Lehrerin Mechthild von Hackeborn und ihre Mitschwester Mechthild von Magdeburg galt Helfta als „Krone der deutschen Frauenklöster“.In der katholischen Kirche wird Gertrud von Helfta als Heilige verehrt.
Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht, Liebe, die du mich so milde nach dem Fall hast wiederbracht: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die du mich erkoren, eh ich noch geschaffen war, Liebe, die du Mensch geboren und mir gleich wardst ganz und gar: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die für mich gelitten und gestorben in der Zeit, Liebe, die mir hat erstritten ewge Lust und Seligkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die mich hat gebunden an ihr Joch mit Leib und Sinn; Liebe, die mich überwunden und mein Herz hat ganz dahin: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die mich ewig liebet und für meine Seele bitt’, Liebe, die das Lösgeld gibet und mich kräftiglich vertritt: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die mich wird erwecken aus dem Grab der Sterblichkeit, Liebe, die mich wird umstecken mit dem Laub der Herrlichkeit: Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.
Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,
dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt.
Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt, und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, dann hat Gott unter uns …
Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält, und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt, dann hat Gott unter uns …
Wenn der Trost, den wir geben, uns weiterträgt, und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, dann hat Gott unter uns …
Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist, und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt, dann hat Gott unter uns …