Kategorie: Gedanken

  • Bring unser Leben zum Leuchten

    Heute vor 150 Jahren wurde in Dresden Paula Modersohn-Becker geboren, die den frühen deutschen Expressionismus maßgeblich geprägt hat. Ihre schlichte Formensprache und kontrastreiche Farbigkeit suchen ihresgleichen.

    Paula Modersohn-Becker im Garten malend
    Otto Modersohn (1865 – 1943)

    Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907), Mädchenbildnis (1905)

    Bitten wir Gott, der uns mit unterschiedlichen Gaben beschenkt hat:

    A: Bring unser Leben zum Leuchten.
    – Öffne unsere Augen für die Wirklichkeit, die uns umgibt
    – Lass uns die Farben, Töne und Gerüche aufnehmen und unser Herz erfüllen.
    – Bringe ihre Kraft in uns zur Entfaltung, dass wir unsere Welt für alle lebenswert gestalten.
    A: Bring unser Leben zum Leuchten.

    Vaterunser

    Oration

    Gott, unser Vater, wir sind dein Eigentum und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade. Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr und schütze uns. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
    Das Licht Jesu Christi
    mache unsere Herzen hell
    und schenke uns ewige Freude.

    Text: Magnificat – das Stundenbuch, Morgengebet vom 8.2.2026

  • Certum tenentes ordinem

    Schon wirft die Erde sich zur Nacht
    des dunklen Mantels Falten um.
    Der Schlaf, des Todes sanftes Bild,
    führt uns dem Grab des Schlummers zu.

    Wenn uns die schwarze Nacht umhüllt,
    sind wir von Traum und Wahn bedrängt,
    bedroht von Zweifel und von Angst,
    der Macht des Bösen ausgesetzt.

    Christus, du Leben, Wahrheit, Licht,
    wachsamer Hüter, sei uns nah,
    dass hell der Glaube in uns wacht,
    auch in des Schlafes dunkler Zeit.

    Den Sohn und Vater bitten wir
    und auch den Geist, der beide eint:
    Dreiein’ge Macht, die alles lenkt,
    behüte uns in dieser Nacht. Amen.

    Nach: Certum tenentes ordinem; 7.–8. Jahrhundert
    Melodie: GL 297 · GL 1975 178 · KG 395 · EG 79

  • Tod eines Kindes

    Darstellung des Herrn

    Dieser Hymnus handelt nicht vom Tod Jesu,
    sondern von der Darstellung Jesu im Tempel
    einem Feiertag, einem Fest des Anfangs.

    Maria und Josef bringen ihr Kind in den Tempel.
    Nicht um es zu opfern, sondern um es Gott anzuvertrauen.
    Jesus wird nicht dem Tod übergeben,
    sondern in das Leben seines Volkes hineingestellt.

    Simeon erkennt in diesem Kind das verheißene Licht.
    Noch liegt kein Kreuz am Horizont.
    Noch ist alles Erwartung, Verheißung, Hoffnung.

    Gerade deshalb kann dieser Hymnus im Zusammenhang mit dem Tod eines Kindes gelesen werden –
    nicht erklärend, sondern behutsam deutend.
    Er beantwortet kein „Warum“.
    Er öffnet einen Raum, in dem ein kurzes Leben nicht sinnlos erscheint, sondern geborgen.

    Nicht die Länge eines Lebens entscheidet über seine Würde,
    sondern das Getragensein in Gott.

    Hymnus

    Auf, Zion, schmücke dein Gemach,
    der Herr ist da, den du ersehnt.
    Steh auf und mache dich bereit,
    empfange Bräutigam und Braut.

    Zu seinem Tempel kommt der Herr:
    Die Eltern bringen Christus dar.
    Der ohne alle Sünde ist,
    macht dem Gesetz sich untertan.

    Tritt, königliche Jungfrau, ein,
    bring mit dem Opfer dar dein Kind,
    des ew’gen Vaters wahren Sohn,
    der uns zum Heil erschienen ist.

    Was dir verheißen, Simeon,
    das ist in diesem Kind erfüllt.
    Nun mache allen Völkern kund
    das Licht, das ihnen leuchten soll.

    Herr, dir sei Preis und Herrlichkeit,
    der sich den Heiden offenbart,
    mit dir dem Vater und dem Geist
    durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

    Nach: „Adorna, Sion, thalamum“ –
    Petrus Abaelard († 1142)


    Für Eltern

    Beim Tod eines Kindes fehlen die Worte.
    Fragen nach dem Warum bleiben offen –
    und dürfen offen bleiben.
    Niemand muss sie beantworten.

    Dieser Hymnus spricht nicht vom Tod Jesu,
    sondern von seiner Darstellung im Tempel:
    Ein Kind wird Gott anvertraut – nicht geopfert, nicht verloren.

    So dürfen auch wir euer Kind Gott anvertrauen.
    Nicht weil wir es loslassen können,
    sondern weil wir es nicht festhalten können.

    Wir glauben:
    Euer Kind ist nicht im Nichts verschwunden.
    Es ist geborgen – im Licht Gottes, im Reich der Liebe.

  • aus dem Nichts geschaffen

    „Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“

    David Hume (schottischer Philosoph und Ökonom, 1711–1776)

    • Das Muster der Schneeflocken, eine schillernde Regenpfütze, die verschiedensten winterlichen Farbtöne, ob in Blau oder Grau – habe ich ihre Schönheit heute wahrgenommen?
    • Wenn schon die Welt so schön ist – wie schön muss Gott sein, der sie aus dem Nichts erschaffen hat?

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet am 26.1.2026

  • Kern des Glaubens

    (zu 1 Kor 1, 10–13.17)

    Geschmeidige Prediger gibt es auch heute.
    Manche ziehen Massen an,
    ihre Homebase ist oft stattlich –
    aber wen verkündigen sie?

    Die Frage steht ganz obenauf
    bei den Christen von Korinth.
    Es steht nicht gut um Frieden
    und Geschwisterlichkeit.

    Worauf kommt es an –
    auf den smarten Boten oder die Botschaft?
    Jesu Botschaft dient, verbindet und stärkt Menschen.
    Sie schafft Frieden und grenzt niemanden aus.

    Dorothee Sandherr-Klemp

  • Ach, die Helden sind gefallen – Trauer, die verbindet

    Impuls zur Lesung

    Ein geliebter Mensch stirbt, ist nicht mehr da. Der Verlust verändert plötzlich das ganze Leben. Mit dem Tod eines lieben Menschen umzugehen, fordert heraus, fällt meist schwer.

    Auch David, in vielen Situationen so souverän und vertrauend, geht das nicht anders. Beachtenswert ist jedoch der Umgang mit seiner Trauer, seiner Angst und seinem Schmerz: Er versteckt sie nicht, sondern teilt sie. Er teilt sein „Weh“ (das, was ihm wehtut) mit den Anwesenden. Zum einen zeigt er enorme Empathie mit dem nun toten Saul, trotz der Nachstellungen und Mordpläne, mit denen er zu Lebzeiten Sauls konfrontiert war. Saul bleibt für ihn – in und trotz allem – der „Gesalbte des Herrn“, sodass auch nach dessen Tod Bitterkeit und Vergeltung keinen Raum bekommen, sondern allein die guten Taten Sauls. Und er besingt die Kraft der Freundschaft (zu Jonatan), die für ihn über den Tod hinaus tragende Bedeutung hat.

    In der Trauer: geteilte Vergebung, Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 24.1.2026

    Lesung aus dem zweiten Buch Samuel

    2 Sam 1, 1–4.11–12.17.19.23–27

    Als David nach dem Tod Sauls von seinem Sieg über die Amalekiter zurückgekehrt war und sich zwei Tage lang in Ziklag aufgehalten hatte, kam am dritten Tag ein Mann aus dem Lager Sauls, mit zerrissenen Kleidern und Staub auf dem Haupt. Als er bei David angelangt war, warf er sich auf den Boden nieder und huldigte ihm. David fragte ihn: Woher kommst du? Er antwortete ihm: Ich habe mich aus dem Lager Israels gerettet. David sagte zu ihm: Wie stehen die Dinge? Berichte mir! Er erwiderte: Das Volk ist aus dem Kampf geflohen, viele von den Männern sind gefallen und umgekommen; auch Saul und sein Sohn Jonatan sind tot.

    Da fasste David sein Gewand und zerriss es und mit ihm alle Männer um ihn. Sie klagten, weinten und fasteten bis zum Abend wegen Saul, seines Sohnes Jonatan, des Volkes des HERRN und des Hauses Israel, die unter dem Schwert gefallen waren.

    Und David sang die folgende Totenklage auf Saul und seinen Sohn Jonatan:
    Israel, dein Stolz liegt erschlagen auf deinen Höhen.
    Ach, die Helden sind gefallen!

    Saul und Jonatan, die Geliebten und Teuren,
    im Leben und Tod sind sie nicht getrennt.
    Sie waren schneller als Adler,
    waren stärker als Löwen.

    Ihr Töchter Israels, weint um Saul;
    er hat euch in köstlichen Purpur gekleidet,
    hat goldenen Schmuck auf eure Gewänder geheftet.

    Ach, die Helden sind gefallen mitten im Kampf.
    Jonatan liegt erschlagen auf deinen Höhen.
    Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan.
    Du warst mir sehr lieb.
    Wunderbarer war deine Liebe für mich
    als die Liebe der Frauen.
    Ach, die Helden sind gefallen,
    die Waffen des Kampfes verloren.


  • Polarlichter

    Dieser Artikel mit seinen beeindruckenden Fotos hat bei mir Gedanken ausgelöst, wovon beeinflusst ist, was wir wahrnehmen.

    Wetten, dass manche im ersten Moment dachten: Eine Drohnen-Armada ? Ein Großbrand? Armageddon?
    So schnell füllen wir ein ungewohntes Bild mit unseren Deutungen, Ängsten oder Hoffnungen.

    Dabei zeigt das Polarlicht etwas Schlichtes und zugleich Tiefes:
    Nicht alles, was hell aufleuchtet, ist von Menschen gemacht. Nicht alles, was mächtig wirkt, ist Bedrohung.

    Was wir sehen, hängt nicht nur vom Himmel ab, sondern auch von unserem Inneren.
    Staunen oder Misstrauen, Dankbarkeit oder Alarm – beides liegt oft näher beieinander, als uns lieb ist.

    Vielleicht ist dieses Licht weniger Warnsignal als Einladung:
    für einen Moment still zu werden, kleiner zu werden –
    und sich erinnern zu lassen, dass es eine Ordnung gibt, die größer ist als unsere Pläne.

    Und wer weiß:
    Vielleicht ist es am Ende auch ein Hauch von Gnade, die entscheidet,
    ob wir im Leuchten Angst sehen – oder Geschenk.


    https://www.zeit.de/wissen/2026-01/polarlichter-deutschland-wetterdienst-sonnensturm

  • Fürbitten

    Auch in unserer Zeit erleben wir, dass David den Goliat besiegt. So lasst uns Gott bitten:

    A: Stärke unsere Hoffnung.

    – Dass wir trotz unserer begrenzten Möglichkeiten beitragen können, Frieden und Gerechtigkeit voranzubringen
    – Dass Menschen, die einen Neuanfang wagen, im Leben wieder Fuß fassen können.
    – Dass auch kleine Unternehmen Chancen haben, in der Wirtschaftswelt zu bestehen.
    – Dass die Lebensfreude und die Solidarität der Armen unsere konsumorientierte Gesellschaft verwandeln helfen.
    – Dass niemand vergessen bleibt, der einsam und elend gestorben ist.

    A: Stärke unsere Hoffnung.

    Quelle: Magnificat – das Stundengebt 2026/01

  • Die weisse Rose

    Beim Tor 9 des Zentralfriedhofs gibt es ein kleines Blumengeschäft, bei dem ich meistens eine weiße Rose kaufe, wenn ich in der Halle 3 Verstorbene einsegne.

    Die weiße Rose ist ein schönes Symbol für das Vorausgehen der reinen Seele zu Gott nach dem Kyrie. Ein Ritual, das religiös und weltlich gut anschlußfähig ist und auf das mich immer wieder die Trauer-Gäste ansprechen.

    Heute habe ich die weiße Rose auf den vereisten Boden unter dem Baum zur Urne gelegt. Sie wird dort zum Symbol für Ruhe in Frieden.

  • Logos

    Was das Universum zusammenhält.

    Seit mehr als 2500 Jahren fragen Menschen nach dem Urprinzip der Welt.
    Die frühen griechischen Philosophen nannten es Logos: Vernunft, Sinn, ordnendes Wort hinter allem Geschehen.

    Gegen Ende des 1. Jahrhunderts greift Johannes diesen Gedanken auf – und radikalisiert ihn.
    Er beginnt sein Evangelium:

    „Im Anfang war das Wort,
    und das Wort war bei Gott,
    und das Wort war Gott.“

    Der Logos ist nicht nur Prinzip.
    Er ist Beziehung.
    Und er spricht.