Kategorie: Gedanken

  • Dankbarkeit am Abend


    Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.

    Jean Baptiste Massillon (französischer Prediger und Bischof, 1663–1742)

    • Wofür danke ich heute Abend besonders?
    • Welche Erinnerungen trage ich dankbar im Herzen, die mich in herausfordernden Momenten stärken können?

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 5.3.2026

  • Aschermittwoch

    Asche erinnert an unsere Vergänglichkeit.
    Das Kreuz darin erinnert an Gottes Treue.

    Wir sind Staub – und doch geliebt.
    Wir gehen unseren Weg auf Ostern zu.

    Amor vincit.

  • Bitte um Humor

    Humor haben heißt, auch das Schwere leicht nehmen zu können. Im Blick auf unseren oft eingefahrenen Alltag bitten wir:

    A: Befreie uns, Gott.

    – Von allzu trockener Ernsthaftigkeit.
    – Zur Fähigkeit, über uns selbst zu lachen.
    – Durch einen lebhaften Sinn für Komik und Witz.

    A: Befreie uns, Gott.

    aus dem Morgengebet vom 17.2.2026 in Magnificat – das Stundenbuch

  • Gott und der Fuchs

    „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

    — Antoine de Saint-Exupéry, aus: Der kleine Prinz, Kapitel XXI (Der Fuchs)
    Erstveröffentlichung 1943

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    „Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

    Bibel, 1 Sam 16, 7b, rund 6. bis 7 Jahrhundert v. Chr.

  • Liebe, Tod und Backgammon

    Valentinstag im Palais Liechtenstein

    Meine Großmutter in Bregenz war Schneiderin.
    Ihr Mann war im Weltkrieg gefallen.
    Sie musste zwei Kinder allein großziehen.

    Sie nähte für viele Kundinnen – auch für Damen aus dem Umfeld der Liechtensteins.
    Und sie war ein großer Bewunderer des Fürsten. Nicht wegen des Glanzes, sondern wegen seiner Großzügigkeit und seines Denkens in Generationen. Davon hat sie mir als Kind oft erzählt.

    Viele Jahre später lernte ich die verstorbene Fürstin persönlich kennen, als sie das renovierte Stadt-Palais für Mary’s Meals öffnete.
    Seitdem gehe ich fast jedes Jahr zumindest einmal in eine der Sonderausstellungen. Dass diese Ausstellungen frei zugänglich sind, ist für mich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Zeichen von Großzügigkeit der fürstlichen Familie. Danke dafür!

    Heute, am Valentinstag, war ich mit Yuliya in der Ausstellung
    „DEALING IN SPLENDOUR. A History of the European Art Market“ im Gartenpalais Liechtenstein.

    Der Triumpf des Todes

    Dort hängt ein berühmtes Gemälde von
    Jan Brueghel der Jüngere:
    „Der Triumph des Todes“.

    Der Triumpf des Todes, Jan Brueghel der Jüngere, 1620, Fürstliche Sammlungen Liechtenstein

    Das Bild ist dicht, fast übervoll. Überall Skelette, Feuer, Menschen in Angst. Der Tod scheint alles zu beherrschen.

    Der Sieg der Liebe

    Und ganz unten rechts zwei Details:

    Ein Liebespaar.
    Und ein Backgammon-Brett.

    Kein Schach.

    Schach wäre reine Strategie.
    Backgammon ist anders. Es ist Strategie, Glück und Haltung zugleich. Man würfelt, man plant – und man nimmt an, was fällt.

    Yuliya und ich spielen seit Jahren fast täglich Backgammon. Es ist unser Spiel. Schach wäre uns zu rein strategisch, zu anstrengend. Backgammon ist lebendig.

    Im Bild scheint der Tod alles zu überrennen.
    Aber dieses Paar schaut gemeinsam in ein Buch. Völlig unbeeindruckt von den Skeletten ringsum.

    Liebe verhindert nicht die Endlichkeit.
    Aber sie gibt dem Leben Bedeutung.

    Am Abend sagte Yuliya zu mir:
    „Das war der schönste Valentinstag meines Lebens, mein Schatz.“

    Mehr braucht es nicht.

    Amor vincit.

  • Bring unser Leben zum Leuchten

    Heute vor 150 Jahren wurde in Dresden Paula Modersohn-Becker geboren, die den frühen deutschen Expressionismus maßgeblich geprägt hat. Ihre schlichte Formensprache und kontrastreiche Farbigkeit suchen ihresgleichen.

    Paula Modersohn-Becker im Garten malend
    Otto Modersohn (1865 – 1943)

    Paula Modersohn-Becker (1876 – 1907), Mädchenbildnis (1905)

    Bitten wir Gott, der uns mit unterschiedlichen Gaben beschenkt hat:

    A: Bring unser Leben zum Leuchten.
    – Öffne unsere Augen für die Wirklichkeit, die uns umgibt
    – Lass uns die Farben, Töne und Gerüche aufnehmen und unser Herz erfüllen.
    – Bringe ihre Kraft in uns zur Entfaltung, dass wir unsere Welt für alle lebenswert gestalten.
    A: Bring unser Leben zum Leuchten.

    Vaterunser

    Oration

    Gott, unser Vater, wir sind dein Eigentum und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade. Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr und schütze uns. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
    Das Licht Jesu Christi
    mache unsere Herzen hell
    und schenke uns ewige Freude.

    Text: Magnificat – das Stundenbuch, Morgengebet vom 8.2.2026

  • Certum tenentes ordinem

    Schon wirft die Erde sich zur Nacht
    des dunklen Mantels Falten um.
    Der Schlaf, des Todes sanftes Bild,
    führt uns dem Grab des Schlummers zu.

    Wenn uns die schwarze Nacht umhüllt,
    sind wir von Traum und Wahn bedrängt,
    bedroht von Zweifel und von Angst,
    der Macht des Bösen ausgesetzt.

    Christus, du Leben, Wahrheit, Licht,
    wachsamer Hüter, sei uns nah,
    dass hell der Glaube in uns wacht,
    auch in des Schlafes dunkler Zeit.

    Den Sohn und Vater bitten wir
    und auch den Geist, der beide eint:
    Dreiein’ge Macht, die alles lenkt,
    behüte uns in dieser Nacht. Amen.

    Nach: Certum tenentes ordinem; 7.–8. Jahrhundert
    Melodie: GL 297 · GL 1975 178 · KG 395 · EG 79

  • Tod eines Kindes

    Darstellung des Herrn

    Dieser Hymnus handelt nicht vom Tod Jesu,
    sondern von der Darstellung Jesu im Tempel
    einem Feiertag, einem Fest des Anfangs.

    Maria und Josef bringen ihr Kind in den Tempel.
    Nicht um es zu opfern, sondern um es Gott anzuvertrauen.
    Jesus wird nicht dem Tod übergeben,
    sondern in das Leben seines Volkes hineingestellt.

    Simeon erkennt in diesem Kind das verheißene Licht.
    Noch liegt kein Kreuz am Horizont.
    Noch ist alles Erwartung, Verheißung, Hoffnung.

    Gerade deshalb kann dieser Hymnus im Zusammenhang mit dem Tod eines Kindes gelesen werden –
    nicht erklärend, sondern behutsam deutend.
    Er beantwortet kein „Warum“.
    Er öffnet einen Raum, in dem ein kurzes Leben nicht sinnlos erscheint, sondern geborgen.

    Nicht die Länge eines Lebens entscheidet über seine Würde,
    sondern das Getragensein in Gott.

    Hymnus

    Auf, Zion, schmücke dein Gemach,
    der Herr ist da, den du ersehnt.
    Steh auf und mache dich bereit,
    empfange Bräutigam und Braut.

    Zu seinem Tempel kommt der Herr:
    Die Eltern bringen Christus dar.
    Der ohne alle Sünde ist,
    macht dem Gesetz sich untertan.

    Tritt, königliche Jungfrau, ein,
    bring mit dem Opfer dar dein Kind,
    des ew’gen Vaters wahren Sohn,
    der uns zum Heil erschienen ist.

    Was dir verheißen, Simeon,
    das ist in diesem Kind erfüllt.
    Nun mache allen Völkern kund
    das Licht, das ihnen leuchten soll.

    Herr, dir sei Preis und Herrlichkeit,
    der sich den Heiden offenbart,
    mit dir dem Vater und dem Geist
    durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

    Nach: „Adorna, Sion, thalamum“ –
    Petrus Abaelard († 1142)


    Für Eltern

    Beim Tod eines Kindes fehlen die Worte.
    Fragen nach dem Warum bleiben offen –
    und dürfen offen bleiben.
    Niemand muss sie beantworten.

    Dieser Hymnus spricht nicht vom Tod Jesu,
    sondern von seiner Darstellung im Tempel:
    Ein Kind wird Gott anvertraut – nicht geopfert, nicht verloren.

    So dürfen auch wir euer Kind Gott anvertrauen.
    Nicht weil wir es loslassen können,
    sondern weil wir es nicht festhalten können.

    Wir glauben:
    Euer Kind ist nicht im Nichts verschwunden.
    Es ist geborgen – im Licht Gottes, im Reich der Liebe.

  • aus dem Nichts geschaffen

    „Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“

    David Hume (schottischer Philosoph und Ökonom, 1711–1776)

    • Das Muster der Schneeflocken, eine schillernde Regenpfütze, die verschiedensten winterlichen Farbtöne, ob in Blau oder Grau – habe ich ihre Schönheit heute wahrgenommen?
    • Wenn schon die Welt so schön ist – wie schön muss Gott sein, der sie aus dem Nichts erschaffen hat?

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet am 26.1.2026

  • Kern des Glaubens

    (zu 1 Kor 1, 10–13.17)

    Geschmeidige Prediger gibt es auch heute.
    Manche ziehen Massen an,
    ihre Homebase ist oft stattlich –
    aber wen verkündigen sie?

    Die Frage steht ganz obenauf
    bei den Christen von Korinth.
    Es steht nicht gut um Frieden
    und Geschwisterlichkeit.

    Worauf kommt es an –
    auf den smarten Boten oder die Botschaft?
    Jesu Botschaft dient, verbindet und stärkt Menschen.
    Sie schafft Frieden und grenzt niemanden aus.

    Dorothee Sandherr-Klemp