Impuls zur Lesung
Ein geliebter Mensch stirbt, ist nicht mehr da. Der Verlust verändert plötzlich das ganze Leben. Mit dem Tod eines lieben Menschen umzugehen, fordert heraus, fällt meist schwer.
Auch David, in vielen Situationen so souverän und vertrauend, geht das nicht anders. Beachtenswert ist jedoch der Umgang mit seiner Trauer, seiner Angst und seinem Schmerz: Er versteckt sie nicht, sondern teilt sie. Er teilt sein „Weh“ (das, was ihm wehtut) mit den Anwesenden. Zum einen zeigt er enorme Empathie mit dem nun toten Saul, trotz der Nachstellungen und Mordpläne, mit denen er zu Lebzeiten Sauls konfrontiert war. Saul bleibt für ihn – in und trotz allem – der „Gesalbte des Herrn“, sodass auch nach dessen Tod Bitterkeit und Vergeltung keinen Raum bekommen, sondern allein die guten Taten Sauls. Und er besingt die Kraft der Freundschaft (zu Jonatan), die für ihn über den Tod hinaus tragende Bedeutung hat.
In der Trauer: geteilte Vergebung, Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 24.1.2026
Lesung aus dem zweiten Buch Samuel
2 Sam 1, 1–4.11–12.17.19.23–27
Als David nach dem Tod Sauls von seinem Sieg über die Amalekiter zurückgekehrt war und sich zwei Tage lang in Ziklag aufgehalten hatte, kam am dritten Tag ein Mann aus dem Lager Sauls, mit zerrissenen Kleidern und Staub auf dem Haupt. Als er bei David angelangt war, warf er sich auf den Boden nieder und huldigte ihm. David fragte ihn: Woher kommst du? Er antwortete ihm: Ich habe mich aus dem Lager Israels gerettet. David sagte zu ihm: Wie stehen die Dinge? Berichte mir! Er erwiderte: Das Volk ist aus dem Kampf geflohen, viele von den Männern sind gefallen und umgekommen; auch Saul und sein Sohn Jonatan sind tot.
Da fasste David sein Gewand und zerriss es und mit ihm alle Männer um ihn. Sie klagten, weinten und fasteten bis zum Abend wegen Saul, seines Sohnes Jonatan, des Volkes des HERRN und des Hauses Israel, die unter dem Schwert gefallen waren.
Und David sang die folgende Totenklage auf Saul und seinen Sohn Jonatan:
Israel, dein Stolz liegt erschlagen auf deinen Höhen.
Ach, die Helden sind gefallen!
Saul und Jonatan, die Geliebten und Teuren,
im Leben und Tod sind sie nicht getrennt.
Sie waren schneller als Adler,
waren stärker als Löwen.
Ihr Töchter Israels, weint um Saul;
er hat euch in köstlichen Purpur gekleidet,
hat goldenen Schmuck auf eure Gewänder geheftet.
Ach, die Helden sind gefallen mitten im Kampf.
Jonatan liegt erschlagen auf deinen Höhen.
Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan.
Du warst mir sehr lieb.
Wunderbarer war deine Liebe für mich
als die Liebe der Frauen.
Ach, die Helden sind gefallen,
die Waffen des Kampfes verloren.
