Kategorie: Gedanken

  • Fürbitten

    Auch in unserer Zeit erleben wir, dass David den Goliat besiegt. So lasst uns Gott bitten:

    A: Stärke unsere Hoffnung.

    – Dass wir trotz unserer begrenzten Möglichkeiten beitragen können, Frieden und Gerechtigkeit voranzubringen
    – Dass Menschen, die einen Neuanfang wagen, im Leben wieder Fuß fassen können.
    – Dass auch kleine Unternehmen Chancen haben, in der Wirtschaftswelt zu bestehen.
    – Dass die Lebensfreude und die Solidarität der Armen unsere konsumorientierte Gesellschaft verwandeln helfen.
    – Dass niemand vergessen bleibt, der einsam und elend gestorben ist.

    A: Stärke unsere Hoffnung.

    Quelle: Magnificat – das Stundengebt 2026/01

  • Die weisse Rose

    Beim Tor 9 des Zentralfriedhofs gibt es ein kleines Blumengeschäft, bei dem ich meistens eine weiße Rose kaufe, wenn ich in der Halle 3 Verstorbene einsegne.

    Die weiße Rose ist ein schönes Symbol für das Vorausgehen der reinen Seele zu Gott nach dem Kyrie. Ein Ritual, das religiös und weltlich gut anschlußfähig ist und auf das mich immer wieder die Trauer-Gäste ansprechen.

    Heute habe ich die weiße Rose auf den vereisten Boden unter dem Baum zur Urne gelegt. Sie wird dort zum Symbol für Ruhe in Frieden.

  • Logos

    Was das Universum zusammenhält.

    Seit mehr als 2500 Jahren fragen Menschen nach dem Urprinzip der Welt.
    Die frühen griechischen Philosophen nannten es Logos: Vernunft, Sinn, ordnendes Wort hinter allem Geschehen.

    Gegen Ende des 1. Jahrhunderts greift Johannes diesen Gedanken auf – und radikalisiert ihn.
    Er beginnt sein Evangelium:

    „Im Anfang war das Wort,
    und das Wort war bei Gott,
    und das Wort war Gott.“

    Der Logos ist nicht nur Prinzip.
    Er ist Beziehung.
    Und er spricht.

  • Fenster

    Ihr sollt sein wie Fenster, durch die Gottes Güte in die Welt hineinleuchten kann.

    Edith Stein (Karmelitin, Philosophin, 1891–1942)

    • In welchen Momenten habe ich Gottes Güte in meinem Leben deutlich gespürt, vielleicht auch erst im Nachhinein?
    • In welchen Situationen fällt es mir schwer, ein „Fenster“ für Gottes Güte zu sein?

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet am 16.1.2026

  • keine Magie

    Der Glaube an Gott ist keine Magie: Wenn ich nur genug bete oder Opfer bringe, passiert alles, wie ich es will.

    Die Erfahrung zeigt, dass die Glaubenspraxis nicht vor einem schweren Schicksal bewahrt.

    Aber sie kann helfen, die Hoffnung zu bewahren.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch 2025 01

  • Achtsamkeit

    Achtsamkeit wird heute oft dem Buddhismus zugeschrieben. Dort wurde sie sorgfältig beschrieben, geübt und benannt – aber sie ist älter als jede einzelne Tradition. Achtsamkeit gehört zum Menschsein selbst. Sie beginnt dort, wo wir nicht nur funktionieren, sondern wahrnehmen.

    Für mich ist Achtsamkeit die Schwester der Dankbarkeit. Wer wirklich achtsam ist, bleibt nicht neutral. Aus dem genauen Hinsehen wächst leise ein Staunen – und daraus Dank. Dank für das, was da ist. Für einen Augenblick, der sich nicht wiederholen lässt. Für einen Menschen, der uns berührt. Für ein Leben, das sich im Kleinen zeigt.

    In der Trauer wird das besonders spürbar. Achtsamkeit heißt dann nicht, den Schmerz wegzuatmen. Sie heißt, ihm Raum zu geben, ohne sich von ihm verschlingen zu lassen. Und gerade darin entsteht Dankbarkeit: nicht für den Verlust, sondern für die gemeinsam gelebte Zeit, die sich jetzt verdichtet und trägt.

    Achtsamkeit ist kein Technikprogramm. Sie ist eine Haltung. Eine stille Entscheidung, im Augenblick zu verweilen – und ihn nicht zu übergehen. Wer so lebt, merkt: Dankbarkeit ist keine Zugabe am Ende. Sie wächst mitten im Leben.

  • Der schönste Arbeitsplatz

    Also ich verstehe Harry gut. Er sagt immer, dass er den schönsten Arbeitsplatz von Wien hat. Heute durfte ich mit, weil wir nur im Kaffeehaus und in der Wiese davor waren.

    Wir haben ein ganz liebes junges Paar getroffen. Zwei Geschwister. Von denen ist die Mama gestorben – in Harrys Alter. Sie war schwer krank. Dann haben wir lange überlegt, wie wir feiern können, dass sie jetzt im Himmel ist, statt dass sie tot ist.

    Und am Ende waren die beiden Kinder ganz glücklich und gelöst und froh. Ich spüre das, aber man hat es auch gesehen. Die haben uns dann sogar auf das Frühstück und mein Wasser eingeladen.

    Dann sind wir auf die Wiese vor dem Kaffeehaus gegangen und haben uns dort in die Sonne gelegt. Und Harry hat gebetet. Er hat wahrscheinlich DANKE gesagt, dass er so einen schönen Beruf hat und ich auch, dass ich heute mit dabei sein durfte.

  • Nicht die Zeit, die vergeht – sondern die Zeit, die sich erfüllt

    Ein paulinischer Gedanke zum Jahresende über Reife, Sinn und Dankbarkeit

    „Als die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn.“
    (Galaterbrief 4,4)

    Am Übergang eines Jahres zählen wir gern das, was verrinnt:
    Sekunden, Minuten, Kalenderblätter.

    Paulus schlägt eine andere Zählweise vor.
    Nicht die Zeit, die vergeht, ist entscheidend, sondern die Zeit, die sich erfüllt.

    Wir neigen dazu, Verluste zu zählen, Brüche, das, was nicht gelungen ist.
    Gott aber zählt das, was gereift ist – auch dann, wenn es durch Umwege, Scheitern und lange Durststrecken hindurch wachsen musste.

    Diese Perspektive verändert den Blick auf das eigene Leben.
    Sinn entsteht selten im Moment selbst. Er zeigt sich im Rückblick.
    Manches, was sich wie Scheitern anfühlt, erweist sich später als notwendiger Durchgang.
    Und manches, was lange schwer war, trägt irgendwann Frucht – leise, unspektakulär, aber tragfähig.

    Ein neues Jahr ist daher kein leeres Blatt.
    Es ist eine Einladung, die innere Uhr neu zu stellen:
    nicht nach der Zeit, die rennt, sondern nach der Zeit, die reift.

    Dankbarkeit wächst dort, wo wir erkennen, dass unsere Zeit – trotz allem – erfüllt ist.

  • Jahreswechsel

    Luzernarfeier in Göttweig

    Stille.
    Die Kirche im Dunkel.
    Nur das ewige Licht.

    Die Mönche ziehen ein.
    Kerze für Kerze
    wandert das Licht.
    Die Kirche wird hell.

    Das Vergangene
    lege ich in Gottes Hände.
    Das Kommende
    nehme ich aus dem Licht.

    Dann Glocken.
    Liebe – Wünsche – Segen.
    Und wieder Ruhe.

    Ein neues Jahr.
    Der Heilige Berg im Schweigen.
    Erste Spuren im Schnee.

    HRP, 31.12.2025, Stift Göttweig