Manche finden ihren Glauben früh. Andere erst spät. Und viele suchen ihr Leben lang.
Ich glaube: Es ist nie zu spät, sich berühren zu lassen. Nie zu spät, still zu werden. Nie zu spät, sich anvertrauen zu dürfen.
Es ist vielleicht gerade Zeit, eine Minute einfach still zu werden und dankbar zu sein.
Vielleicht beginnt Glauben genau da, wo wir nicht mehr alles verstehen müssen, und einfach bereit sind, Danke zu sagen. Im ruhigen Atmen und ganz im Augenblick.
Einfach so. Jetzt.
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ (Johannes 20,29)
Die Frage stellt sich fast bei jedem Begräbnis: Sollen die Kinder dabei sein? Ist das nicht zu traurig? Oder vielleicht sogar zu viel?
Bei einer der letzten Feiern durfte ich etwas ganz Besonderes erleben.
Zwei kleine Mädchen saßen während der Einsegnung ganz vorne – in der ersten Reihe. Mit ihren Stofftieren im Arm, aufmerksam, ruhig, offen. Ich war immer wieder mit ihnen im Gespräch. Kleine Blicke. Ein paar Worte. Ein Lächeln. Und sie waren da – mitten im Geschehen, nicht am Rand.
Und dann, beim offenen Grab, geschah etwas, das ich nicht so schnell vergessen werde: An der Hand der Bestattungsmitarbeiter legten sie ihre Schaufel Erde in das Grab der Urli. Ganz ruhig. Ganz selbstverständlich. Kein Zögern. Kein Rückzug. Sondern ein Moment voller Würde, voller Nähe – für sie, und für alle, die dabei waren.
Was geschah in diesen Minuten?
Die Kinder schauten. Sie spürten. Sie verstanden mehr, als man ahnt. Sie wollten nicht weglaufen – sie wollten mit dabei sein. Sie suchten keine Antworten, sondern Verbindung. Und sie fanden sie – durch die Menschen um sie herum, durch die liebevollen Rituale, durch das gemeinsame Abschiednehmen.
Was passiert, wenn Kinder beim Begräbnis dabei sind?
Sie spüren, dass der Tod zum Leben gehört.
Sie erleben, dass Trauer nicht gefährlich ist.
Sie sehen Erwachsene, die ehrlich und würdevoll mit Abschied umgehen.
Und sie erfahren, dass sie dazugehören – gerade in solchen Momenten.
Und wir Erwachsenen?
Wir sehen durch ihre Augen. Wir spüren durch ihre Nähe, worauf es wirklich ankommt: Liebe. Ehrlichkeit. Verbundenheit.
Besonders berührt hat mich die Rückmeldung, die ich am Nachmittag erhielt. Ilse schrieb:
Nochmals ein Dankeschön von meiner Familie und natürlich von Alfred und mir. Mein kleiner Bruder Gerhard (53) hat gesagt: Er war noch nie bei so einer schönen und besinnlichen Beerdigung und soll dich nochmal ganz herzlich grüßen lassen.
Gestern war ich bei Sonja und Enkerlkinder auf Besuch . Sie hat auch von dir gesprochen wie nett du bist und uns so eine schöne Feier für uns gestaltet hast. Auch sie lässt sich herzlichst bedanken so wie meine ganze Familie.
Liebe Grüße
Ilse und Alfred
So etwas kann nur entstehen, wenn alle – auch die Kleinsten – mitgehen dürfen.
In diesem Sinn war dieses Begräbnis nicht nur ein Abschied, sondern auch ein leiser, schöner Neubeginn – mit den Jüngsten ganz vorne. Nicht außen vor. Sondern im Herzen der Gemeinschaft.
🎧 Die Trauerfeier zum Nachhören
Die Angehörigen haben mir ausdrücklich und wohlwollend gestattet, die beiden Fotos und die Rede (ab 01:36) hier zu veröffentlichen. Sie wollen, dass auch andere Eltern und Großeltern nicht zögern, ihre Kinder zur Beerdigung mit–zunehmen, wenn der Trauerredner auch wirklich auf sie eingeht.
Teile der Rede habe ich ganz bewußt in leichter Tiroler Mundart gehalten, um die Feier persönlich, nahe und möglichst herzlich zu gestalten.
Herzlichen Dank an Gabriele Bauer, die Beraterin der Bestattung Wien, an René, den jungen Arrangeur des Teams in der Aufbahrungshalle 1 und an die liebevollen Mitarbeiter auf dem Friedhof. Sie alle haben mit ihrer Professionalität und Herzlichkeit der Familie einen liebevollen und würdigen Abschied von Christine ermöglicht.
Wir sind nicht allein. Der Beistand ist schon da. Der Heilige Geist ist nicht bloß ein Symbol für Kraft oder Trost – er ist Beziehung. Ein Teil Gottes. Und Gott ist die Liebe.
In dieser Miniatur, entstanden um 1200, strömen dreizehn Feuerzungen über die Köpfe der Urgemeinde. Maria sitzt in der Mitte, gekrönt, mit einem blauen Buch in den Händen – der Kirche gleich, empfängt sie das Geschenk von oben. Über allem: Christus, der Herr, der segnet und sendet.
Es ist kein ferner Mythos. Es ist eine Einladung:
Der Geist des Herrn fällt nicht vom Himmel – er ist schon da. Wir können ihm vertrauen. Der Gegenwart Gottes in uns. (Heinz Detlef Stäps)
Wer geliebt hat, weiß: Die Liebe bleibt. Wer trauert, ahnt: Der Geist weht, wenn alles still steht. Wer betet, spürt: In der Zärtlichkeit Gottes lebt auch die Kraft, die uns aufrichtet.
Lassen wir uns stärken. Lassen wir uns senden. Lassen wir uns lieben.
Das Bild ist die Titelseite von Magnificat – das Stundenbuch vom Juni 2025.
„Gehe den Pfad gemeinsam, solange du kannst, und wenn eine Trennung unvermeidlich ist, halte deinen Gefährten nie ab.“
Ein schöner Gedanke aus dem Taoismus: Abschied gehört zum Leben. Menschen begleiten uns eine Zeit lang auf unserem Weg – manchmal für viele Jahre, manchmal nur kurz. Und dann trennen sich die Wege. Oft bleibt bei uns eine Mischung aus Schmerz, Schuldgefühlen oder Fragen zurück.
Als christlicher Begleiter erkenne ich: Auch Jesus selbst hat diese Gefühle gekannt. Er hat getrauert, geliebt und losgelassen. Seine Menschlichkeit zeigt uns: Trauer ist kein Mangel an Glauben – sie ist ein Ausdruck unserer Liebe.
Doch wir dürfen zugleich Hoffnung aus unserem Glauben schöpfen, denn: „Christus hat dem Tod den Stachel gezogen.“ (vgl. 1 Kor 15,55–57)
Der Tod bleibt eine Wirklichkeit, aber er hat nicht mehr das letzte Wort. Die Auferstehung Jesu schenkt uns Zuversicht, dass das Leben weitergeht – in Gott.
Wir dürfen weinen und hoffen zugleich.
Was hat euch geholfen, in Zeiten des Abschieds Trost zu finden?
Was Trauerredner von Matthew Wong und Vincent van Gogh lernen können
Einführung
Die Ausstellung „Matthew Wong – Vincent van Gogh: Letzte Zuflucht Malerei“ in der Wiener Albertina (14. Februar – 19. Juni 2025) bringt zwei Künstler zusammen, deren Leben und Werk von innerer Zerrissenheit, Sehnsucht und der Suche nach Trost geprägt sind. Für meine Arbeit als Trauerredner bietet diese Gegenüberstellung wertvolle Impulse, um über Verlust, Hoffnung und die heilende Kraft der Kunst zu reflektieren.
Matthew Wong: Malerei als Therapie
Matthew Wong (1984–2019) war ein kanadischer Maler, der sich autodidaktisch der Kunst näherte. Geboren in Toronto und aufgewachsen in Hongkong, litt er an Autismus, Tourette-Syndrom und Depressionen. Er begann erst in seinen späten Zwanzigern zu malen, fand jedoch schnell Anerkennung für seine leuchtenden, melancholischen Landschaften.Wongs Werke, oft in intensiven Blau- und Orangetönen gehalten, spiegeln eine tiefe Sehnsucht nach Verbindung und Trost wider. Seine Malerei diente ihm als Zufluchtsort, ein Mittel, um seine inneren Kämpfe zu verarbeiten.Tragischerweise nahm er sich 2019 im Alter von 35 Jahren das Leben.
Vincent van Gogh: Die spirituelle Dimension der Kunst
Vincent van Gogh (1853–1890) ist einer der bekanntesten Post-Impressionisten. Geboren in den Niederlanden, begann er erst mit 27 Jahren zu malen. Seine Werke zeichnen sich durch kräftige Farben und expressive Pinselstriche aus. Van Gogh kämpfte zeitlebens mit psychischen Problemen und verbrachte Zeit in psychiatrischen Einrichtungen. Trotz seiner inneren Turbulenzen fand er in der Natur und der Malerei eine spirituelle Zuflucht. Seine berühmten Werke wie „Sternennacht“ und „Sonnenblumen“ zeugen von seiner tiefen Verbindung zur Welt um ihn herum.
Die Ausstellung: Eine Begegnung zweier Seelen
Die Albertina präsentiert in dieser Ausstellung rund 44 Gemälde und 12 Arbeiten auf Papier von Matthew Wong, ergänzt durch ausgewählte Werke von Vincent van Gogh. Die Gegenüberstellung zeigt, wie beide Künstler die Malerei als letzten Zufluchtsort nutzten. Wongs Werke erinnern in ihrer Farbgebung und Thematik an Van Gogh, doch während Van Gogh in der Natur Trost fand, schuf Wong imaginäre Landschaften, die seine innere Welt widerspiegeln.
Die heilende Kraft der Kunst: Sowohl Wong als auch Van Gogh nutzten die Malerei, um ihre inneren Schmerzen zu verarbeiten. Dies zeigt, wie kreative Ausdrucksformen helfen können, mit Trauer und Verlust umzugehen.
Die Suche nach Verbindung: Wongs Werke spiegeln eine tiefe Sehnsucht nach Verbindung wider. In Trauerreden kann dies als Metapher für die menschliche Suche nach Nähe und Verständnis dienen.
Die spirituelle Dimension des Abschieds: Van Goghs Werke zeigen eine tiefe spirituelle Verbundenheit mit der Natur. Dies kann Trauernden helfen, Trost in der Welt um sie herum zu finden.
Die Bedeutung des Erinnerns: Beide Künstler wurden posthum für ihre Werke anerkannt. Dies unterstreicht die Bedeutung, das Leben und die Erinnerungen an Verstorbene zu bewahren und zu ehren.
Die Ausstellung „Letzte Zuflucht Malerei“ bietet nicht nur einen tiefen Einblick in das Schaffen zweier außergewöhnlicher Künstler, sondern auch wertvolle Impulse für Trauerredner. Sie zeigt, wie Kunst helfen kann, mit Verlust umzugehen, Trost zu finden und die Erinnerung an Verstorbene lebendig zu halten.
„Die Malerei ist für mich ein Mittel, um das Unsichtbare sichtbar zu machen.“ – Matthew Wong
Nur so ein Dach über den Köpfen, Tür, die zur Stille offen steht. Mauern aus Haut, Fenster wie Augen, spähend nach Hoffnung, Morgenrot. So voller Leben wird, wie ein Leib das Haus, in das wir gehn, um recht vor Gott zu stehn.
Worte von fern, fallende Sterne, Funken, vor Zeiten ausgesät. Namen für ihn, Träume, Signale, tief aus der Welt zu uns geweht. Münder aus Erde hören und sehn, umfangen, sprechen fort das freie Gotteswort.
Tisch, der uns eint, Brot um zu wissen: wir sind einander anvertraut. Wunder aus Gott, Menschen in Frieden, altes Geheimnis, neu geschaut. Brechen und teilen, sein, was nicht geht, tun, was undenkbar ist: vom Tode auferstehn.
Inspiriert durch Deng Ming-Dao, „365 Tao: Meditationen für jeden Tag des Jahres“, Arkana Verlag, 1992, Tag 139
Mauer aus Flammen. Brücke aus Tränen. Schneeflocke auf frisch geschmiedeten Kettengliedern.
Eine Ehe, die Bestand hat, ist kein Zufall. Sie wird geschmiedet – Glied für Glied, unter Hitze, durch Mühe und Hingabe. Wie Eisen, das erst im Feuer der Leidenschaft formbar wird und dann im Wasser der Tränen abkühlt, entsteht aus Nähe und Konflikt eine Verbindung, die trägt.
Es ist schwer, allein durchs Leben zu gehen. Jeder von uns sehnt sich nach Zugehörigkeit, nach einem Du, das mit uns in dieselbe Richtung schaut. Damit das gelingt, braucht es gemeinsame Werte, Ziele, Perspektiven. Ehe ist kein romantisches Dauerfeuer, sondern die Kunst, auch in Stille und Spannung verbunden zu bleiben.
Wir erwarten oft, dass unser Partner zugleich unser bester Freund, Liebhaber und Vertrauter ist – aber wahre Verbindung gründet tiefer. Auch wenn sie äußerlich brüchig scheint, kann in ihr eine Treue leben, die in keiner anderen Beziehung vorkommt. Und doch mahnt uns das Tao: Auch in der stärksten Bindung braucht es Maß, Freiheit, Atem.
Denn jede Beziehung ist endlich. Wer sich krampfhaft aneinander klammert, verliert das klare Sehen. Liebe darf keine Sucht werden. Halten wir niemanden fest. Zwingen wir niemanden, zu bleiben. Definieren wir uns nicht über den anderen. Und doch – wenn das Leben uns erlaubt, ein Stück gemeinsam zu gehen, dürfen wir dankbar sein.
Wenn es Zeit ist, sich zu trennen, dann ist es Zeit. Ohne Reue. Denn die Schönheit der Ehe gleicht einer Schneeflocke: vollkommen im Moment – und doch vergänglich.
Warum JJ’s Eurovision-Song „Wasted Love“ eine tiefere Wahrheit über das Wesen der Liebe offenbart
Ein Essay von Harald R. Preyer Wien, am Sonntag, dem 18. Mai 2025
Es ist ein bewegender Moment im Finale des Eurovision Song Contests 2025. Ein junger Mann mit heller Stimme, fast engelsgleich, steht in schimmerndem Licht. Der österreichische Countertenor JJ singt sich mit „Wasted Love“ in die Herzen Europas – und gewinnt.
Der Refrain brennt sich ein: Now that you’re gone – all I have is wasted love. Jetzt, da du fort bist, bleibt nur verschwendete Liebe.
Aber kann Liebe je verschwendet sein?
Wer ist JJ?
JJ – bürgerlich Johannes Jakob Pietsch – ist 24 Jahre alt, Sohn eines Österreichers und einer philippinischen Mutter. Aufgewachsen in Dubai, zurückgekehrt nach Wien, ausgebildet an der Musikuniversität, tritt er an der Volksoper ebenso auf wie in der U-Bahn oder auf der Bühne von Starmania.
Bis zum hohen Cis kommt Countertenor Johannes Pietsch alias JJ in seinem Song „Wasted Love“. APA/Helmut Fohringer
Sein Gesang ist keine Pose, sondern Ausdruck einer inneren Wahrheit. Als Countertenor sprengt er Rollenklischees – in der Stimme, in der Person, im Ausdruck. JJ steht für eine neue Generation von Künstlern, die sich nicht mehr zwischen Pop und Oper, zwischen queerer Identität und klassischer Schönheit entscheiden müssen.
Was sagt das Lied?
„Wasted Love“ ist eine moderne Klage. Eine Stimme ruft aus dem Ozean der Gefühle nach jemandem, der Angst hat vor Nähe, vor Tiefe, vor Ertrinken. Die Musik beginnt fast nackt, intim, und wächst zu einem hymnischen Crescendo, das sich in technoiden Nebel auflöst.
Doch inmitten dieser Einsamkeit stellt sich eine größere Frage: Wenn Liebe nicht erwidert wird – war sie dann vergeblich?
Die alte Frage in neuem Gewand
Die christliche Theologie kennt diese Frage gut. Jesus selbst liebte, ohne zurückgeliebt zu werden. Er heilte, tröstete, weinte – oft vergeblich. Und doch sagt die Bibel:
„Die Liebe hört niemals auf.“ (1 Kor 13,8 )
Liebe, die gegeben wurde, ist nicht verloren. Sie bleibt – als Kraft, als Erinnerung, als Teil dessen, der liebt. Und darin liegt ein Trost: Selbst wenn sie auf taube Ohren trifft, hat sie gewirkt. In mir.
Warum JJ als Countertenor?
Die Wahl dieser ungewöhnlichen Stimmlage ist kein Effekt, sondern eine Haltung. Der Countertenor singt dort, wo andere schweigen. Er bringt das Verborgene an die Oberfläche. Seine Stimme schwebt über dem Alltäglichen und ruft: Auch das ist möglich. Auch so klingt Liebe.
JJ’s Stimme ist wie das Lied selbst: verletzlich, schön, mutig – und offen für Schmerz.
Die Volksoper als Resonanzraum
Dass JJ regelmäßig an der Wiener Volksoper singt, ist kein Zufall. Die Bühne hat ihn geprägt, aber sie hält ihn nicht zurück. Vielmehr ist sie ein Ort der Durchlässigkeit geworden – zwischen den Genres, den Generationen, den Welten. „Wasted Love“ klingt nach Mahler und nach Madonna, nach Verlust und Verheißung.
Und die Botschaft?
In einem Interview sagte JJ:
„Ich will zeigen, dass es okay ist, zu lieben – auch wenn man nichts zurückbekommt. Ich habe lange geglaubt, das sei Schwäche. Jetzt weiß ich: Es ist meine größte Kraft.“
Darin liegt der Zauber dieses Auftritts. Nicht die perfekte Inszenierung hat Europa überzeugt, sondern die nackte Wahrheit: Dass Liebe immer ein Wagnis ist. Dass sie sich schenkt – ohne Garantie. Und dass gerade darin ihre Schönheit liegt.
JJ bei seinem Auftritt in Basel. Foto: ORF
Vielleicht ist JJ’s Sieg ein kleiner Triumph für all jene, die lieben – mit offenen Armen, mit offenem Ausgang.
Und vielleicht, nur vielleicht, war keine Zeile des ESC passender als diese:
I’m an ocean of love – and you’re scared of water.
Aber Liebe fürchtet sich nicht. Sie schwimmt. Und manchmal – siegt sie. Amor vincit.
Harald R. Preyer ist systemischer Coach, geistlicher Begleiter und Lektor im Wiener Stephansdom. Er begleitet Menschen in Lebenswenden und gestaltet christliche Trauerfeiern für Ausgetretene. Seine Texte kreisen um die großen Themen: Liebe, Glaube, Abschied.
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Hinweis: Zitate aus „Wasted Love“ von JJ. Bibelzitate aus der Einheitsübersetzung 2016. JJ’s ESC-Auftritt ist abrufbar unter: www.eurovision.tv
🕊 Wo ist Heimat, wenn wir einen geliebten Menschen verlieren?
Heimat ist dort, wo wir uns geborgen fühlen. Das kann ein Ort sein. Ein Mensch. Ein Duft. Ein Lied. Oder eine Erinnerung.
Manchmal ist Heimat nicht mehr greifbar – aber spürbar. Im Rückblick. Im Herzen. Im Erzählen. – Und im Erinnern.
„Menschen suchen vermehrt nach Heimat in einer Welt, die ungewiss erscheint, und in einem Leben, das sich schneller ändert, als es verstanden werden kann.“ – Wilhelm Schmid
Heimat kann überall sein Der Begriff Heimat hat viele Bedeutungen. Er leitet sich im Deutschen vom germanischen Wort haima ab, was »liegen« heißt. Heimat ist also da, wo jemand schläft, im Sinne einer Wohnstätte. Das kroatische Wort für Heimat, domovina, hat in der Wurzel das Wort dom, das auf Deutsch Haus bedeutet. Patria, der spanische Begriff für Heimat, kommt vom Wort padres, das Eltern heißt. Heimat ist also dort, wo die Eltern herkommen.
Der deutsche Philosoph Wilhelm Schmid (*1953) hat die Vieldeutigkeit des Begriffs in verschiedene Heimaten unterteilt, in denen der Mensch sein Leben verbringen kann: Die Herkunftsheimat als Geburtsort und vertraute Welt steht im Gegensatz zur Wahlheimat. Diese ist eine Art zweite Heimat, in der sich jemand aus Gründen der Liebe oder des Berufes aufhält. Nach Ansicht von Schmid ist Heimat als Verlegenheitsheimat sogar an einem Ort möglich, wo man eigentlich nie hinwollte. Alle diese Heimaten verbinde der Wunsch, einen Ort zu finden, an dem es sich gut leben lässt. Dazu gehörten neben der Schönheit der Umgebung auch Ruhe, Abwechslung und kulturelle Angebote sowie nette Menschen am Arbeitsplatz. Sie alle trügen dazu bei, dass der Mensch sich irgendwann heimisch fühle.