Kategorie: Gebete

  • Fürbitten im Advent

    Jesus, du Urgrund unseres Glaubens, wir bitten dich:

    A: Erfülle uns mit deiner Liebe.
    – Dass alle, die deinen Namen tragen, glaubhafte Zeugen deiner Güte sind
    – Dass die Suchenden den Weg zum Sinn ihres Daseins finden.
    – Dass die Armen und Unterdrückten Helfer und Fürsprecher finden.
    – Dass die Glaubenden aller Kulturen gemeinsam dem Frieden dienen.
    – Dass unsere Verstorbenen unvergängliche Freude genießen.
    A: Erfülle uns mit deiner Liebe.

    Gott des Erbarmens, du hast allen Völkern der Erde das Heil zugesagt. Lass uns voll Freude das Fest der Geburt Christi erwarten und das große Geheimnis seiner Menschwerdung feiern, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet vom 9.12.2025

  • Veni, redemptor gentium

    Du Heiland aller Völker, komm
    und zeig dich als der Jungfrau Sohn,
    dass Staunen fasse alle Welt
    ob solchem Wunder der Geburt.

    Der Sonne gleich tritt nun hervor
    aus dem Gemach der reinen Braut
    und eile strahlend deine Bahn
    als Held, der Gott und Mensch zugleich.

    Von deinem Vater gehst du aus,
    gehst siegreich wieder zu ihm ein;
    bis in die Hölle dringst du vor
    und kehrst zu Gottes Thron zurück.

    Ruhm, Ehre, Macht und Herrlichkeit
    sei Gott dem Vater und dem Sohn,
    dem Geiste, der uns Beistand ist,
    durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.


    Nach: Veni, redemptor gentium (Intende qui regis Israel); Ambrosius, † 397 – Melodie: GL 230 · GL 1975 116 · KG 309 · EG 3

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch 12/2025

  • Was ich bete?

    In letzter Zeit haben mich einige Menschen gefragt, warum, was und wie ich bete. Manchmal sage ich darauf: „Dankbar, voller Vertrauen und wie ich manchmal mit meinem Vater oder meiner Mutter gesprochen habe.“ Wenn die Fragestellerin dann mehrmals nachfragt und es genauer wissen will, dann zeige ich ihr auf meinem Handy diese Rosette.

    Es gibt Orte, an denen Glauben plötzlich sichtbar wird — nicht als Satz, nicht als Gedanke, sondern als Licht. Die moderne Trinitätsrosette der neoromanischen Kirche von Saint-Antoine-des-Quinze-Vingts in Paris gehört für mich zu diesen Orten. Ich öffne dieses Bild manchmal auf meinem Bildschirm. Es ist ein Foto auf schwarzem Hintergrund, das leuchtet. Ich habe es hier in voller Auflösung gespeichert. Wenn Du darauf klickst, kannst Du alle Details sehen oder einfach im Vollbild eben nur die Rosette und alles andere auf dem Bildschirm wird dunkel – wird unwichtig.

    Ein Kreis aus Glas, aus Farben, aus Symbolen: die Gnadenstuhl-Trinität im Zentrum, umgeben von Engeln und den Evangelisten. Eine ganze Theologie in einem einzigen Blick. Den Heiligen Geist sehe ich mehrfach. Explizit als Taube zu Füssen des Vaters, aber auch überall, wo der Künstler die Farbe Rosa verwendet.

    So wie diese Rosette die Dreifaltigkeit ins Licht setzt, so setzt das tägliche Gebet mein eigenes Leben in ein ruhiges, verlässliches Licht.

    Am Morgen bete ich mit dem Magnificat. Dieses monatlich erscheinende dünne Büchlein habe ich abonniert. Früher in Papierform, seit einigen Jahren digital, weil ich die größer einstellbare Schrift am Handy besser lesen kann.

    Das ist keine Routine — eher eine sanfte Ausrichtung, bevor der Tag sich öffnet. Die Legenden der Tagesheiligen und Erklärungen zu den Festtagen, die Psalmen, die Lesungen, das Evangelium und die kurzen Betrachtungen erinnern mich daran, dass Gott zuerst spricht und ich erst danach handle.

    Mittags bete ich den Angelus. Wenn Yuliya und ich zuhause sind, tun wir das gerne gemeinsam. Das erinnert uns an das Dreieck unseres Lebens: Gott – Yuliya – Harald. Innerhalb dieses „Herzens-Dreiecks“ sind unsere Lieben. Und rundum haben wir beide im Stillen die Menschen, die wir sonst noch kennen – außerhalb aber immer noch im Blick und im Gebet verbunden.

    Für einen Moment wird die Welt still. Das Gebet unterbricht nicht — es sammelt. Es holt mich zurück zur Mitte.

    Irgendwann im Laufe des Tages, wenn gerade Raum ist, lese ich die Texte der Eucharistiefeier. Dann höre ich die Worte, die ich sonst im Gottesdienst mitvollziehe: das Evangelium, die Lesungen, die Gebete. Die Liturgie wird zu einem inneren Grundklang, der auch außerhalb des Kirchraums weiterklingt. Mir fällt es leichter, diese Texte in ihrer ganzen Tiefe annähernd zu erfassen, wenn ich sie inmitten einer Gottesdienst Gemeinschaft höre und dann eine gute Predigt dazu Stellung nimmt.

    In diesen Minuten mache ich mir gerne bewusst, dass viele Millionen Menschen heute in ihren Sprachen genau die gleichen Texte gelesen haben oder noch lesen werden wie ich. Einer der mehr als einer Milliarde Katholiken betet sie vermutlich gerade jetzt gleichzeitig irgendwo auf dieser Welt. Und ich fühle mich besonders mit jenen Freunden, die Diakone oder Priester sind, eng verbunden. Als hauptamtliche Mitarbeiter der Kirche haben sie sich bei ihrer Weihe verpflichtet, die täglich wechselnden Texte der Eucharistiefeier zu lesen. Ich bin als Laie dazu nicht verpflichtet. Und vielleicht lese und bete ich gerade deshalb so gerne: Weil ich das nicht tun muss, sondern tun darf und dabei spüre, dass es mir gut tut.

    Abends, im Wohnzimmer, frage ich mich, wofür ich heute dankbar bin und manchmal notiere ich mir die Antworten am Handy. Diese Notiz habe ich angepinnt. Sie kommt daher als eine der ersten, wenn ich die Notizen öffne und sie hat schon mehrere hundert Einträge.

    Dann bete ich das Abendgebet aus dem Magnificat.
    Es ist mein täglicher Rückblick: Nicht streng, nicht prüfend, sondern dankbar. Ein guter Tag, ein schwieriger Tag — beides darf sein.

    Und kurz vor dem Einschlafen spreche ich die vertrauten Worte, die mich seit meiner Kindheit begleiten:
    ein Vater unser, ein Ave Maria, ein Kindheitsgebet und das Gebet des Jabez.
    Mehr braucht es nicht. Oft schlafe ich nach wenigen Sekunden ein.
    Vielleicht, weil diese Worte nicht nur Gebet sind, sondern Geborgenheit. Sonst bete ich diese Worte bis ich einschlafe. Ich kann mich in den letzten Jahrzehnten an keinen einzigen Tag erinnern, an dem ich nicht nach spätestens drei Minuten gut schlafe.

    Das Glaubensbekenntnis bete ich nur einmal in der Woche — bei der Sonntagsmesse.
    Welches Credo gesprochen wird, entscheidet der Priester. Aber das Nicäno-Konstantinopolitanische berührt mich am meisten: feierlich, weit, meditativ. Es trägt die Größe und die Schönheit einer Glaubenserfahrung, die älter ist als jede Kathedrale — und doch jeden Sonntag neu wird.


    Die Rosette, das Credo und der Rhythmus des Tages

    Wenn ich die Trinitätsrosette betrachte, sehe ich mein eigenes Beten darin wieder:

    • Im Zentrum die Dreifaltigkeit — wie das Credo, das mich trägt.
    • Rundherum die Evangelisten — wie die Worte der Schrift, die täglich zu mir sprechen.
    • Und ein Kranz von Engeln — wie die kleinen, wiederkehrenden Gebetsmomente des Tages, die mein Leben eher begleiten als unterbrechen.

    Die Rosette ist ein Bild des Glaubens, aber auch ein Bild der Treue Gottes.
    Sie erzählt, in Farbe und Licht, was das Glaubensbekenntnis in Worten sagt:
    Gott ist Ursprung, Weg und Vollendung.
    Er geht mit — im Rhythmus jedes Tages.

    Ich bete nicht, weil ich es muss.
    Ich bete, weil es mich sammelt.

    Weil es mir einen inneren Raum eröffnet, in dem ich bei mir selbst und bei Gott bin.
    Nicht außergewöhnlich, nicht spektakulär — eher wie ein regelmäßiger Atemzug.

    Jeder Mensch braucht eine Mitte.
    Für mich ist es das tägliche Gebet — und manchmal eine Rosette aus Glas, die mich daran erinnert, wer das Licht ist, das meinen Tag trägt.

    Und wenn ich merke, dass ich beginne, mich zu ärgern – über den Autofahrer vor mir, über jemanden, der einen Termin nicht einhält, über eine offene Rechnung – dann wird mir in letzter Zeit immer öfter bewusst, dass ich mich letztlich über mich ärgere, weil ich mich zu wichtig nehme.

    Dann bete ich: Herr, danke für Deine Liebe! Hilf mir, diesen Menschen zu segnen anstatt ihm böse zu sein. Das hilft mir sofort, ruhig und liebevoller zu werden.


    Vater Unser

    Vater unser im Himmel,
    geheiligt werde dein Name,
    dein Reich komme,
    dein Wille geschehe
    wie im Himmel so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld,
    wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung,
    sondern erlöse uns von dem Bösen.


    Gegrüßet seist du, Maria

    Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
    der Herr ist mit dir.
    Du bist gebenedeit unter den Frauen,
    und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,
    Jesus.
    Heilige Maria, Mutter Gottes,
    bitte für uns Sünder,
    jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.


    Der Engel des Herrn

    Der Engel des Herrn
    brachte Maria die Botschaft.
    – Und sie empfing vom Heiligen Geist.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Maria sprach: 
    Siehe, ich bin die Magd des Herrn.
    – Mir geschehe nach deinem Wort.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Und das Wort ist Fleisch geworden.
    – Und hat unter uns gewohnt.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Bitte für uns, heilige Gottesmutter.
    Dass wir würdig werden
    der Verheißungen Christi.

    Lasset uns beten.

    Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

    Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist
    wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.


    Mein Kindheitsgebet

    Heiliger Schutzengel mein,
    lass mich Dir empfohlen sein,
    diesen Tag und jede Stund‘ –
    bis meine Seele in den Himmel kommt.

    Im Namen des Vaters
    und des Sohnes und
    des Heiligen Geistes.
    Amen


    Das Gebet des Jabez

    Vater segne uns und erweitere unsere Gebiete.
    Halte Unglück und Schmerzen von uns fern.

    Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn.
    Amen.


    Quelle

    Die Grundgebete sind der offiziellen Medienseite des Vatikan entnommen. Mein Kindheitsgebet habe ich von meiner Mutter gelernt und nirgendwo in dieser Form offiziell gefunden. Das „Gebet des Jabez“ bete ich seit 2004 nach dem Erscheinen des gleichnamigen Buches in dieser meiner eigenen Version. Jabez kommt in der Bibel unbedeutend im ersten Buch der Chronik vor: 1 Chr 4, 9-11.

    Die Inspiration zu diesem Artikel kam mir durch einen Beitrag in der aktuellen Ausgabe des magazin KLASSIK (Nr. 39) von Radio Klassik Stephansdom. Dort ist diese Rosette als Illustration eines lesenswerten Artikel über das 1700 jährige Jubiläum des Konzils von Nizäa abgebildet.

    Doppelseite 10 und 11 in magazin KLASSIK Nr. 39. Download des Heftes.

  • Abba – Vater


    Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.


    1 Joh 3, la.2


    Wir wissen nicht mit Sicherheit, ob Jesus von Nazareth vor etwa zweitausend Jahren diese Worte genau so gesagt hat. Wir spüren aber, dass die meisten Eltern ihre Kinder lieben. Auch heute noch. Und wir sagen zu GOTT: „Abba – Vater“.

  • Salve regina

    Salve, Regina, mater misericordiae;
    vita, dulcedo et spes nostra, salve.
    Ad te clamamus, exsules filii Evae.
    Ad te suspiramus, gementes et flentes
    in hac lacrimarum valle.

    Eia ergo, advocata nostra,
    illos tuos misericordes oculos
    ad nos converte.
    Et Iesum, benedictum fructum ventris tui,
    nobis post hoc exsilium ostende.
    O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

    Sei gegrüßt, o Königin,
    Mutter der Barmherzigkeit;
    unser Leben, unsre Wonne
    und unsre Hoffnung, sei gegrüßt!
    Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
    zu dir seufzen wir
    trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.

    Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,
    wende deine barmherzigen Augen uns zu
    und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
    die gebenedeite Frucht deines Leibes!
    O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

  • Edith Steins stille Mystik

    Manchmal begegnet mir ein Text, der einfach bleibt.
    So ist es oft bei Edith Stein.
    Ihre Mystik spricht leise – und trifft trotzdem tief.
    Mehr kann ich gar nicht erklären.
    Ich staune einfach.


    Es bleibt das Band

    Du senkst voll Liebe deinen Blick in meinen
    und neigst dein Ohr zu meinen leisen Worten
    und füllst mit Frieden tief das Herz.
    Doch deine Liebe findet kein Genügen
    in diesem Austausch, der noch Trennung lässt:
    Das Herz verlangt nach mehr.

    Du kommst als Frühmahl zu mir jeden Morgen,
    dein Fleisch und Blut wird mir zu Trank und Speise
    und Wunderbares wird gewirkt.
    Dein Leib durchdringt geheimnisvoll den meinen,
    und deine Seele eint sich mit der meinen:
    Ich bin nicht mehr, was einst ich war.

    Du kommst und gehst, doch bleibt zurück die Saat,
    die du gesät zu künft’ger Herrlichkeit,
    verborgen in dem Leib von Staub.
    Es bleibt ein Glanz des Himmels in der Seele,
    es bleibt ein tiefes Leuchten in den Augen,
    ein Schweben in der Stimme Klang.

    Es bleibt das Band, das Herz mit Herz verbindet,
    der Lebensstrom, der aus dem deinen quillt
    und jedes Glied belebt.

    Edith Stein (1891–1942)


    Edith Stein war jüdische Philosophin, konvertierte Christin und Karmelitin. Sie gehört zu den bedeutenden geistlichen Stimmen des 20. Jahrhunderts.
    Dieser Hymnus stammt aus ihrer frühen Zeit im Karmel und wurde in das Gotteslob – GL 980 (Anhang Hamburg, Hildesheim, Osnabrück) aufgenommen.

  • Der heiligste Adventkalender

    Wie alles begann

    Mein Freund P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB, Priester-Mönch im Stift Göttweig, hat vor einigen Jahren eine kleine WhatsApp-Gruppe gegründet. Sie heißt Vox Populi.

    Dort können wir Laien Fragen zum Evangelium des kommenden Sonntags stellen.
    Johannes Paul antwortet entweder direkt in der Gruppe – oder greift unsere Fragen in seiner Predigt auf. Manchmal sind es auch einfach Fragen, die gar keine Antwort brauchen
    Am jeweiligen Sonntag schickt er dann seine Predigt als Audio-Datei in den Chat.

    Für mich ist das zu einem liebgewordenen Ritual geworden:
    Am Sonntagnachmittag höre ich diese Predigt, oft mehrmals.
    Manchmal schreibe ich sie ab und veröffentliche sie auf meiner Seite, um sie mit anderen zu teilen, die nach dem Evangelium des Lebens fragen.


    Der Gedanke des „heiligsten Adventkalenders“

    Am Allerheiligentag 2025 sprach Johannes Paul in seiner Predigt vom „heiligsten Adventkalender“.
    Dieser Ausdruck blieb in mir – einfach, leuchtend, klar.

    Ich schickte ihm den Link zur Transkription seiner Predigt.
    Er antwortete mit einer kurzen Nachricht, ohne Kommentar oder Zusatz – nur mit einem Text, der alles enthielt.
    So entstand der Adventkalender, den ich heuer leben möchte.


    Der Originaltext von Johannes Paul

    1. 4. / 7. / 10. / 13. / 16. / 19. / 22. Dezember

    Mt 5,5

    Μακάριοι οἱ πραεῖς.

    Makárioi hoi pra e is.

    Glückselig, die mild handeln.

    Falls du heute mild denkst, schaust, sprichst oder handelst,
    dann wird dich heute Jesus für diesen Augenblick heilig sprechen.

    2. 5. / 8. / 11. / 14. / 17. / 20. / 23. Dezember

    Mt 5,7

    Μακάριοι οἱ ἐλεήμονες.

    Makárioi hoi ele emones.

    Glückselig, die barmherzig handeln.

    Falls du heute mit jemandem im Herzen Erbarmen hast und ihm hilfst,
    jemandem ein Vergehen verzeihst,
    jemandem Barmherzigkeit erweist,
    dann wird dich heute Jesus für diesen Augenblick heilig sprechen.

    3. 6. / 9. / 12. / 15. / 18. / 21. / 24. Dezember

    Mt 5,9

    Μακάριοι οἱ εἰρηνοποιοί.

    Makárioi hoi eirenopoioi.

    Glückselig, die Frieden stiften.

    Falls du heute trotz einer brenzligen Situation Frieden im Herzen hast und bewahrst,
    friedlich reagierst, Frieden stiftest
    und dein Herzensfrieden durch Taten sichtbar wird,
    dann wird dich heute Jesus für diesen Augenblick heilig sprechen.


    Warum ich diese Form der Advent-Vorbereitung gewählt habe

    Ich wollte heuer keinen Advent voller Aufgaben, sondern einen, der mich stiller macht.
    Ich habe für mich beschlossen, diesen Text in den Rhythmus des Angelusläutens einzubetten.

    Die Kirche gegenüber – St. Benedikt am Leberberg – läutet um 6:00, 12:00 und 18:00 Uhr.
    Zu diesen Stunden will ich mich erinnern lassen:

    • Morgens – Milde:
      Heute darf ich sanft sein – mit mir selbst und mit anderen.
    • Mittags – Barmherzigkeit:
      Heute will ich verzeihen und helfen, wo mein Herz gerührt ist.
    • Abends – Frieden:
      Heute darf ich den Tag in Frieden loslassen.

    Dreimal am Tag ein kurzer Moment, eine bewusste Pause –
    und jedes Mal dieselbe Zusage:

    „Dann wird dich heute Jesus für diesen Augenblick heilig sprechen.“


    Wie man diesen Adventkalender leben kann

    Dieser Adventkalender will nicht geöffnet, sondern gelebt werden.
    Er besteht nicht aus Schokolade, sondern aus Erinnerung.

    Es gibt verschiedene Weisen, ihn zu gestalten. Hier sind nur drei davon.

    • Die JP-Variante:
      Folge den Tagen, wie Johannes Paul sie angelegt hat –
      die drei Seligpreisungen wechseln sich alle drei Tage ab.
      So entsteht ein stiller Dreiklang aus Milde, Barmherzigkeit und Frieden.
    • Die HRP-Variante:
      Verbinde die drei Haltungen mit dem Läuten des Angelus
      um sechs, um zwölf und um sechs.
      Wenn die Glocken erklingen, halte kurz inne, atme, erinnere dich.
    • Eine dritte Möglichkeit:
      Verbinde jedes Kreuzzeichen im Advent mit diesen drei Worten.
      Beim Segnen, beim Entzünden einer Kerze, beim Gebet,
      beim Abschiednehmen:
      „Milde.“ – „Barmherzigkeit.“ – „Frieden.“

    So wird selbst die kleinste Geste zum Adventfenster, das sich nach innen öffnet.


    Ein Advent der kleinen Heiligkeit

    Vielleicht ist das der Sinn dieses heiligsten Adventkalenders:
    nicht mehr zu tun, sondern anders zu sein.
    Nicht auf Weihnachten zuzulaufen, sondern es einzuatmen.

    Heiligkeit ist kein Zustand,
    sie geschieht für einen Augenblick –
    wenn wir mild, barmherzig oder friedlich sind.

    „Dann wird dich heute Jesus für diesen Augenblick heilig sprechen.“

  • Tod und Vergehen

    Tod und Vergehen waltet in allem,
    steht über Menschen, Pflanzen und Tieren,
    Sternbild und Zeit.

    Du hast ins Leben alles gerufen.
    Herr, deine Schöpfung neigt sich zum Tode:
    Hole sie heim.

    Schenke im Ende auch die Vollendung.
    Nicht in die Leere falle die Vielfalt
    irdischen Seins.

    Herr, deine Pläne bleiben uns dunkel.
    Doch singen Lob wir dir, dem dreieinen,
    ewigen Gott.

    P. Polykarp Ühlein OSB, 1978 – Melodie: GL 656

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet am 2.11.2025

  • Meine Hoffnung und meine Freude

    Meine Hoffnung und meine Freude,
    meine Stärke, mein Licht.
    Christus, meine Zuversicht,
    auf dich vertrau ich
    und fürcht mich nicht,
    auf dich vertrau ich
    und fürcht mich nicht.

    Taizé nach Jes 12,2 – GL 365

    Impuls

    Manchmal reicht ein einziger Satz, um uns innerlich zu halten:
    „Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.“
    Dieser einfache Vers aus Taizé ist wie ein Atemgebet – ein leises Ja zu Gott mitten in der Angst.
    Er erinnert uns: Vertrauen ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung.
    Und wer sie trifft, spürt: Es trägt.

  • In Christus verbunden

    Seit 1995 ist „Magnificat – das Stundenbuch“ mein täglicher Begleiter. Die drei Gebetszeiten mit den Texten der römisch katholischen Kirche zu jedem Tag tun mir einfach gut.

    Es ist ein wunderbares Gefühl in einer Gebetsgemeinschaft geborgen zu sein, die geschätzte 40 Millionen Menschen umfasst. Das sind die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter der römisch katholischen Kirche weltweit.

    Wir alle beten in unseren Zeitzonen und Sprachen jeden Tag ähnliche Gebete und lesen die gleichen Texte – seit bald 2000 Jahren.

    Und selbst mit den christlichen Familienmitgliedern, die sich im Laufe der Jahrhunderte von Rom entfernt haben, sind wir bis heute durch die gleichen Gebete zum selben Gott verbunden.

    Unser Gott ist Liebe.