Begegnet einander in Demut. Denn Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade. Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist. Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch.
1 Petr 5, 5b–7
Ich habe ganz selten bei Begräbnissen stolze Menschen gesehen. Die meisten kommen traurig und gehen getröstet wieder nach Hause, weil sie im Kreis lieber Menschen ihre Sorgen auf den Herrn werfen konnten.
Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
1 Joh 3, 1a.2
Wir alle sind Kinder der Liebe. Und Gott ist die Liebe. Also sind wir Kinder Gottes. Es ist dabei gar nicht so wesentlich, ob wir an Gott glauben. Wir brauchen nur aus Liebe zu handeln, dann sind wir erlöste Kinder Gottes.
Lesung aus dem Buch Rut (Rut 2, 1–3.8–11; 4, 13–17)
Noomi hatte einen Verwandten von ihrem Mann her, einen einflussreichen Mann; er war aus dem Geschlecht Elimelechs und hieß Boas.
Da sagte Rut, die Moabiterin, zu Noomi: Ich möchte aufs Feld gehen und Ähren lesen, wo es mir jemand erlaubt. Sie antwortete ihr: Geh, meine Tochter! Rut ging hin und las auf dem Feld hinter den Schnittern her. Dabei war sie auf ein Grundstück des Boas aus dem Geschlecht Elimelechs geraten.
Boas sagte zu Rut: Höre wohl, meine Tochter, geh auf kein anderes Feld, um zu lesen; entferne dich nicht von hier, sondern halte dich an meine Mägde; behalte das Feld im Auge, wo sie ernten, und geh hinter ihnen her! Ich habe den Knechten befohlen, dich nicht anzurühren. Hast du Durst, so darfst du zu den Gefäßen gehen und von dem trinken, was die Knechte schöpfen.
Sie sank nieder, beugte sich zur Erde und sagte zu ihm: Wie habe ich es verdient, dass du mich so achtest, da ich doch eine Fremde bin?
Boas antwortete ihr: Mir wurde alles berichtet, was du nach dem Tod deines Mannes für deine Schwiegermutter getan hast, wie du deinen Vater und deine Mutter, dein Land und deine Verwandtschaft verlassen hast und zu einem Volk gegangen bist, das dir zuvor unbekannt war.
Boas nahm Rut zur Frau und ging zu ihr. Der HERR ließ sie schwanger werden und sie gebar einen Sohn.
Da sagten die Frauen zu Noomi: Gepriesen sei der HERR, der es dir heute nicht an einem Löser hat fehlen lassen. Sein Name soll in Israel gerühmt werden. Du wirst jemand haben, der dein Herz erfreut und dich im Alter versorgt; denn deine Schwiegertochter, die dich liebt, hat ihn geboren, sie, die für dich mehr wert ist als sieben Söhne.
Noomi nahm das Kind, drückte es an ihre Brust und wurde seine Pflegemutter.
Die Nachbarinnen rühmten ihn und sagten: Der Noomi ist ein Sohn geboren. Und sie gaben ihm den Namen Obed. Er ist der Vater Isais, des Vaters Davids.
🌿 Impuls – als christlicher Trauerredner gelesen
Diese Geschichte erzählt von Treue, Dankbarkeit und Hoffnung. Rut bleibt in einer ausweglos scheinenden Situation nicht bei ihrer Trauer stehen, sondern macht das Beste daraus: Sie verlässt ihre Heimat, schenkt ihrer Schwiegermutter Noomi Halt und begegnet dem Leben mit Mut und Vertrauen.
Als christlicher Trauerredner höre ich oft ähnliche Erzählungen: von Menschen, die nicht verbittert wurden, sondern gerade in schweren Zeiten Liebe und Treue gezeigt haben. Solche Geschichten sind nicht nur Trost – sie sind kostbare Geschenke.
➡️ Sie erinnern uns daran, wie wertvoll Treue ist. ➡️ Sie zeigen, dass Liebe bleibt, auch wenn Wege schwer sind. ➡️ Sie lassen uns dankbar werden für das Leben, das wir teilen durften.
Mit solcher Dankbarkeit können wir lernen: Aus dem Schweren wächst Segen.
eine leise Annäherung zur 1. Lesung vom 21.8.2025, Lesejahr C, Ri 11, 29–39a
Heute habe ich eine Bibelstelle gelesen, die mich zunächst sprachlos machte. Sie erzählt von Jiftach, einem Heerführer Israels. Vor der Schlacht legt er ein Gelübde ab: Wenn er den Sieg erringt, will er Gott als Opfer darbringen, was ihm als Erstes beim Heimkommen entgegenkommt.
Er siegt – und ausgerechnet seine einzige Tochter läuft ihm entgegen, voller Freude, mit Gesang und Tanz. Ein Schicksalsschlag. Jiftach erkennt, dass sein Gelübde sich nun gegen sein eigenes Kind richtet.
Die junge Frau hört davon und wehrt sich nicht. Sie bittet nur um eines:
„Nur das eine soll mir gewährt werden: Lass mir noch zwei Monate Zeit, damit ich in die Berge hinabgehe und zusammen mit meinen Freundinnen meine Jungfräulichkeit beweine.“ (Ri 11,37)
Zwei Monate. Eine kurze Schonfrist. Zeit, um Abschied zu nehmen. Zeit, um das Unausgesprochene auszusprechen. Zeit, um mit Freundinnen zu weinen – nicht allein, sondern in Gemeinschaft.
Genau das bewegt mich: Trauer wird leichter, wenn sie geteilt wird. Wenn andere mitgehen, zuhören, mitweinen. Gemeinschaft verwandelt Schmerz nicht in Freude, aber in etwas Tieferes: in Liebe, die bleibt.
Ich denke dabei an Birgit, eine junge Mutter von zwei Kindern. Sie war erst 38 Jahre alt, als sie die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs erhielt. Die Ärzte gaben ihr noch zwei Monate. Zwei Monate – das klingt unerträglich kurz. Und doch wurden diese Wochen zu einer geschenkten Zeit: Sie konnte mit ihrer Familie lachen und weinen, sprechen und schweigen, das Wichtigste weitergeben. Sie war getragen – von Liebe, von Nähe, von Gemeinschaft.
Das ist der tröstliche Impuls dieser Bibelgeschichte: Auch im Angesicht des Todes bleibt uns Würde. Gott schenkt uns Zeit, auch wenn sie kurz ist. Zeit, die gefüllt werden darf mit Liebe.
Und wir Christen glauben: Es bleibt nicht bei der Erinnerung. Unsere Verstorbenen sind uns vorausgegangen – hin zu Gott. Dort werden wir einander wiedersehen, in verwandelter Wirklichkeit.
Darum dürfen wir hoffen: Die Zeit war kurz. Aber die Liebe bleibt. Amor vincit.
„Ich muss mit einer Taufe getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist.“
eine Auslegung zum Evangelium Lk 12,50 von Ambrosius von Mailand
So weit beugt sich der Herr herab, dass er sagt, es verlangt ihn danach, uns mit Hingabe zu erfüllen, uns zur Vollkommenheit zu bringen und für uns zu leiden; darum heißt es [auch]: „Und wie bedrückt bin ich, bis sie vollzogen ist.“ Manche Handschriften haben [an dieser Stelle] auch „wie unruhig“, das heißt „wie betrübt bin ich“, denn in sich selbst hatte er nichts, was ihn hätte schmerzen können – unsere Not war es, die ihn bedrückte. Auch die Traurigkeit, die ihn bei seinem Tode befiel, kam nicht daher, dass er Todesangst hatte, sondern weil unsere Erlösung noch auf sich warten ließ.
„Hoffentlich“ – ein Wort, das wir oft sagen. Vor einer Operation, vor einem Gespräch, in Zeiten der Unsicherheit. Manchmal mischt sich Angst hinein, manchmal die Erinnerung an Enttäuschungen.
Und doch gibt es eine Hoffnung, die weiter trägt. Eine Hoffnung, die größer ist als Sorgen und stärker als der Tod. Sie sagt: Alles, was an Liebe, Güte und Menschlichkeit gelebt wurde, bleibt. Es geht nicht verloren.
„Auferstehung“ bedeutet: Der letzte Satz unserer Geschichte heißt nicht „Ende“, sondern „Weiter“. Diese Hoffnung ist ein Geschenk. Sie schenkt Geborgenheit, Sinn und Perspektive – schon heute.
Darum dürfen wir sagen: Unsere Verbindung bleibt. Die Liebe bleibt. Und das Wiedersehen kommt – in einer Wirklichkeit, in der wir einander wieder in die Arme schließen.
2. Lesung am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel
Schwestern und Brüder! Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen.
Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Es gibt aber eine bestimmte Reihenfolge: Erster ist Christus; dann folgen, wenn Christus kommt, alle, die zu ihm gehören. Danach kommt das Ende, wenn er jede Macht, Gewalt und Kraft entmachtet hat und seine Herrschaft Gott, dem Vater, übergibt.
Denn er muss herrschen, bis Gott ihm alle Feinde unter seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der entmachtet wird, ist der Tod. Denn: Alles hat er seinen Füßen unterworfen.
Das Wasser steht oft für das Ungewisse. Für Tod und Neubeginn. Für Zeiten, in denen uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird – und wir nicht wissen, ob wir noch schwimmen oder schon untergehen.
Eine alte Geschichte erzählt von einem Mann, der mitten im Sturm fast versinkt. Erst als er den Blick hebt – und der Liebe vertraut – wird er gehalten.
Vielleicht ist das auch unsere Erfahrung: Nicht auf die Angst starren. Nicht auf das, was uns überrollt. Sondern auf das, was uns trägt. Auf die Liebe, die bleibt.
Solange wir auf die Liebe schauen, gehen wir nicht unter.
Und dann – mitten im Gegenwind – der leise Trost: Du bist nicht allein.
Gedanken von Ambrosius von Mailand aus dem 4. Jhdt.
Zum Evangelium vom 18. Sonntag im Jahreskreis, C, Lk 12, 13–21 Ganz richtig weist er die irdischen Angelegenheiten zur Seite, da er doch um der göttlichen Dinge willen vom Himmel gekommen ist. Er lässt sich nicht dazu herbei, Richter in Streitsachen und Schlichter in Geldangelegenheiten zu sein, er, der Richter sein wird über die Lebenden und Toten und über alle Verdienste. … Dieser Bruder verdiente die Zurückweisung, weil er den Spender himmlischer Gaben für vergängliche Dinge in Anspruch nehmen wollte. Denn unter Brüdern sollte nicht ein Schiedsrichter das väterliche Erbe teilen, sondern die vermittelnde Bruderliebe; das Erbe der Unsterblichkeit, nicht Geld, sollen die Menschen erhoffen.
Gedanken von P. Johannes Paul Abrahamowicz, OSB zum 18. Sonntag im Jahreskreis, C
Der Sinn der Besitzverwaltung in drei Sätzen
Kostet dich die Verwaltung deines Besitzes übermäßig viel Zeit und Nerven, dann ist es besser, du lässt die Finger davon, stellst jemanden an, der es für dich erledigt, bewahrst aber unbedingt den Überblick.
Zahlt sich der Aufwand der Verwaltung deines Besitzes aus, dann häufe nicht mehr an, sondern danke Gott für das tägliche Brot.
Tust du absolut gar nichts, um deinen Besitz zu verwalten, und bringt er dir dennoch viel ein, dann lebst du wohl auf Kosten eines anderen Verwalters, den du hoffentlich dafür entschädigst.
Lebenshingabe aus Liebe
„So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist. Bei Gott ist man reich, in diesem Fall, wenn man auch für andere Schätze sammelt. Das ist mehr oder weniger die Zusammenfassung von allen drei Lesungen, allen drei Schriftlesungen, die wir gehört haben. Es geht also darum, dass wir wohl oder übel alle einen Besitz haben. Und wenn du verantwortlich bist, dann weißt du, wie das nach deinem Tod weitergeht mit diesem Besitz. Und da wird einem dann plötzlich ganz klar: Verantwortung hat mit Nächstenliebe zu tun. Wie werden meine Nachfolger diesen Besitz bekommen? Es ist so schwer, wenn das die Eltern nicht rechtzeitig mit ihren Kindern besprechen. Und dann gibt es die Erbschaftsstreitigkeiten in den besten Familien. Die Verantwortung hat also mit Nächstenliebe zu tun. Und das Schönste ist, dass wir heute feiern, wie Jesus mit seinem Besitz umgeht. Sein Besitz ist er selbst. Und er gibt sich uns hin und macht es dann auch noch so, dass wir Messe für Messe ihn empfangen können – seinen Leib, sein Blut. Und das ist seine Lebenshingabe aus Liebe. Und wenn wir uns davon ernähren, wirkt diese Liebe in uns ansteckend. Amen.“
Christus ist von den Toten auferweckt worden als der Erste der Entschlafenen. Da nämlich durch einen Menschen der Tod gekommen ist, kommt durch einen Menschen auch die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.
Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn.
Hld 8, 6b–7
Diese Worte stammen aus einem der ältesten Liebeslieder der Bibel – entstanden rund 300 Jahre, bevor Paulus seine berühmte Hymne schrieb: „Die Liebe hört niemals auf.“ (1 Kor 13)
Das Hohelied sagt es mit Bildern: Feuer. Glut. Wasser, das sie nicht löschen kann.
Die Liebe bleibt – auch über den Tod hinaus. Wer sie gespürt hat, weiß das.