Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in Christus Jesus, hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.
Röm 8, 1–2
Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in Christus Jesus, hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.
Röm 8, 1–2
Damit ist nicht gemeint, dass eine schwarze Katze von rechts oder Scherben Glück bringen. Nein – gemeint ist der große Lebensweg. Und da taucht immer wieder die Frage auf: Gibt es eine Vorherbestimmung oder nicht?
Ich möchte ganz klar sagen: Ja, es gibt sie. Und zwar eine sehr positive.
Jesus erzählt ein wunderbares Gleichnis – das Gleichnis vom Hochzeitsmahl.
Ein Mann lädt zur Hochzeit ein, lässt alles vorbereiten und schickt dann seine Diener zu den Eingeladenen: „Kommt, es ist alles bereit!“ Aber sie kommen nicht. Manche behandeln die Boten sogar schlecht.
Da lässt der Hausherr schließlich alle einladen, die er irgendwo findet – auf den Straßenecken, einfach alle. Und der Hochzeitssaal füllt sich – von Guten und Bösen, Reichen und Armen.
Dann kommt der Hausherr herein, schaut sich alle Gäste an – und plötzlich sieht er einen, der kein Hochzeitsgewand trägt.
Er fragt ihn: „Freund, wie konntest du so erscheinen?“
Der Mann ist sprachlos – und wird hinausgeworfen in die äußerste Finsternis.
Dann sagt Jesus den bekannten Satz:
„Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt.“
Ich habe diesen Satz lange nicht verstanden. Warum wird der arme Kerl hinausgeworfen? Vielleicht war er ja wirklich arm und hatte kein Gewand?
Erst viel später habe ich die Erklärung gefunden – auch dank der Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen.
Denn in arabischen und orientalischen Ländern ist es bis heute üblich, dass man mit der Einladung zur Hochzeit auch das Hochzeitsgewand bekommt – entweder bezahlt oder symbolisch zur Verfügung gestellt.
Wenn also jemand ohne dieses Gewand erscheint, heißt das: Er hat die Einladung nicht wirklich angenommen.
Er wollte das Fest – aber nicht die Beziehung.
Und das ist der Kern des Gleichnisses.
Alle sind eingeladen. Alle sind vorherbestimmt – zu einem glücklichen, festlichen Mahl.
Aber ob wir die Einladung annehmen, liegt an uns.
Unsere große Vorherbestimmung ist das ewige Glück, das Fest der Liebe, das Reich Gottes. Nicht das kleine Aberglauben-Schicksal – Spinnen, Scherben, Glücksbringer – sondern das große Ziel: die Liebe.
Das Hochzeitsgewand steht für die Bereitschaft, Liebe zu empfangen.
Und wer glaubt denn nicht an die Liebe – als höchste Instanz im Leben?
In dieser Liebe, die keine Bedingungen stellt, sind wir alle berufen.
Das ist unsere Vorherbestimmung.
Ich bin fest davon überzeugt: Wir alle sind bestimmt zum Glück, zum Leben in der Liebe Gottes – und das dürfen wir schon jetzt, in jeder Eucharistiefeier, vorauskosten.
Und solange sich das Ganserl heute seinem Schicksal hingibt, dürfen wir dankbar sein, dass unser Schicksal ein anderes ist – ein gutes, liebevolles Schicksal.
Guten Appetit – und später bei der Nachspeise können wir gern noch Fragen stellen.
P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB deutet das Gleichnis vom Hochzeitsmahl als Bild unserer positiven Vorherbestimmung: Jeder Mensch ist eingeladen zum Fest der Liebe Gottes. Das „Hochzeitsgewand“ steht für die innere Bereitschaft, diese Liebe anzunehmen. Nicht Zufall oder Aberglaube bestimmen unser Leben, sondern Gottes Einladung zum Glück – die wir nur annehmen müssen.
Sind wir mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.
Röm 6, 8–11
Schwestern und Brüder! Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.
Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. In alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat.
Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.
Röm 8, 31b–39
„Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“
Röm 8,15
In schwierigen Zeiten fällt es uns oft schwer zu glauben, dass wir getragen sind. Paulus erinnert uns daran, dass wir keine Sklaven der Angst sind, sondern Kinder Gottes – mit allem, was dazugehört: Vertrauen, Nähe, Geborgenheit.
Wenn wir „Abba, Vater“ sagen, bekennen wir: Ich bin nicht allein. Ich gehöre zu jemandem, der mich liebt – ohne Bedingungen, ohne Angst.
Diese Gewissheit kann in der Trauer Trost schenken: Wir bleiben Kinder Gottes, auch wenn wir Vater oder Mutter verlieren. Und unsere Verstorbenen sind nicht verschwunden, sondern heimgekehrt – voraus gegangen in die Liebe dessen, den Jesus „Abba“ nennt.
In jener Zeit bat einer aus der Volksmenge Jesus: Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen! Er erwiderte ihm: Mensch, wer hat mich zum Richter oder Erbteiler bei euch eingesetzt?
Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.
Und er erzählte ihnen folgendes Gleichnis: Auf den Feldern eines reichen Mannes stand eine gute Ernte. Da überlegte er bei sich selbst: Was soll ich tun? Ich habe keinen Platz, wo ich meine Ernte unterbringen könnte. Schließlich sagte er: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen. Dann werde ich zu meiner Seele sagen: Seele, nun hast du einen großen Vorrat, der für viele Jahre reicht. Ruh dich aus, iss und trink und freue dich!
Da sprach Gott zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann das gehören, was du angehäuft hast?
So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist.
Lk 12, 13–21
Dem Mann ist nichts vorzuwerfen. Ein gesellschaftlicher Leistungsträger, kein Hungerleider. Und er schafft Arbeitsplätze, tüchtige Tagelöhner gesucht. Es ist vernünftig, angesichts sich abzeichnender guter Erträge geräumigere Scheunen zu bauen und die zu klein gewordenen Gebäude abzureißen. Dieser Grundbesitzer, der es ja bereits zu etwas gebracht hat, handelt plan- und zweckmäßig.
Dass Erträge gesteigert und Umsätze und Gewinnspannen vergrößert werden müssen, das sind Grundpfeiler unserer Welt. Natürlich will ich, nein, muss ich Gewinn machen! Selbstverständlich will ich mich vergrößern! Wo also ist das Problem? Genau hier ist das Problem: „Ich will mich vergrößern!“
Das kann aber kein Mensch. Verräterisch ist, dass der Mann ein Leben, jedenfalls ein Gleichnis lang, ein Selbstgespräch führt. Sechsmal kommt in seinem einsamen und gottlosen Monolog das Wörtchen „ich“ vor, viermal „mein“. Und mit seiner Seele bzw. seinem Leben – im Griechischen steht für beides das Wort „psyché“ – rechnet er in seinem Selbstgespräch gerade so wie mit dem Ernteertrag und dem Stauraum. Aber das ist unmenschlich. Der Mann, der mit seinem Leben rechnet wie mit einem Sack Mehl, hat am Ende seine Seele verloren.
Das berechnete Leben lebt nicht. Der Monolog wird monoton; wenn er verstummt, springt kein Du ein, wird niemand Antwort geben. Dir geht es gut? Du hast zu tun? Ich soll mich heraushalten mit meinem sentimentalen Gerede? Dir fehlt nichts und niemand? Mein Freund! „Du Narr …
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 20.10.2025
Die Finsternis geht vorüber, und schon leuchtet das wahre Licht. Wer sagt, er sei im Licht, aber seinen Bruder hasst, ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht; da gibt es für ihn kein Straucheln.
1 Joh 2, 8b–10