Wir hören nicht auf, inständig für euch zu beten, dass ihr in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den Willen des Herrn ganz erkennt. Denn ihr sollt ein Leben führen, das des Herrn würdig ist und in allem sein Gefallen findet. Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. Er gebe euch in der Macht seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt.
Kol 1, 9b–11
Kommentar Dieser Text spricht Trauernden nicht von schnellen Antworten, sondern von innerer Kraft. Er verheißt keine Abkürzung aus dem Schmerz, sondern Geduld und Ausdauer – Tugenden für einen Weg, der Zeit braucht. „Frucht bringen“ meint hier nicht Leistung, sondern das leise Weiterleben trotz Verlust: ein Atemzug nach dem anderen, ein Schritt nach dem anderen.
In der Trauer wächst Erkenntnis oft nicht durch Erklärungen, sondern durch das Getragen-Sein. Der Segen liegt darin, dass Kraft geschenkt wird – gerade dann, wenn die eigenen Kräfte fehlen.
Lesung aus dem ersten Johannesbrief 1 Joh 4, 11–18
Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet. Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. Wir haben geschaut und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt. Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott. Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm. Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.
Was sagt uns dieser Text am offenen Grab eines geliebten Menschen?
Dass wir uns wiedersehen werden – in Gottes Zeit. Dass wir bis dahin in der Liebe Gottes geborgen sein dürfen. Dass der geliebte Mensch nicht nur in unseren Herzen, sondern in Gottes Liebe bleiben wird – alle Zeit.
Emilie Engel (Mitgründerin der Schönstätter Marienschwestern, 1893–1955)
• Wofür brauche ich im Moment Licht und Trost? Ich darf es dem göttlichen Kind anvertrauen. • Was bedeutet für mich der Glaube, dass Gott als Kind zur Welt kam?
Lesung 1 Joh 1, 1–3
Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.
Fürbitten
Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, du bist selbst Kind geworden. Wir bitten dich:
V: Sei unser Licht, A: bleib uns nah.
Segne alle Kinder, die heute geboren werden; – lass sie gesund heranwachsen und spüren, dass sie Kinder deines Vaters sind. Sei mit allen, die heute Weihnachten feiern; – lass dein Licht sie erfüllen und von ihnen ausstrahlen auf die Menschen in ihrer Umgebung. Sieh gütig auf jene, die dich nicht kennen, – und lass sie deine Liebe und deinen Segen spüren. Gedenke der Kinder im Heiligen Land; – hilf den Mächtigen, sie besonders zu schützen und im Frieden heranwachsen zu lassen. Komm auf alle zu, die heute sterben; – lass sie sich ewig mit dir freuen.
V: Sei unser Licht, A: bleib uns nah.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 12-2025, Abendgebet am 25.12.205
20 Das Gesetz aber ist dazwischen hineingekommen, damit die Übertretung mächtiger werde; wo jedoch die Sünde mächtig wurde, da ist die Gnade übergroß geworden,
21 damit, wie die Sünde durch den Tod herrschte, so auch die Gnade herrsche durch Gerechtigkeit zum ewigen Leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn.
An jenem Tag wird der HERR der Heerscharen auf diesem Berg – dem Zion – für alle Völker ein Festmahl geben mit den feinsten Speisen, ein Gelage mit erlesenen Weinen, mit den feinsten, fetten Speisen, mit erlesenen, reinen Weinen. Er verschlingt auf diesem Berg die Hülle, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt. Er hat den Tod für immer verschlungen und GOTT, der Herr, wird die Tränen von jedem Gesicht abwischen und die Schande seines Volkes entfernt er von der ganzen Erde, denn der HERR hat gesprochen. An jenem Tag wird man sagen: Siehe, das ist unser Gott, auf ihn haben wir gehofft, dass er uns rettet. Das ist der HERR, auf ihn haben wir gehofft. Wir wollen jubeln und uns freuen über seine rettende Tat. Denn die Hand des HERRN ruht auf diesem Berg.
Jes 25, 6–10a
Impuls zur Lesung
Vornehm Essengehen ist in! Kochen steht hoch im Kurs. Zahlreiche Koch-Shows und Magazine mit Kochrezepten nehmen den Trend auf. Sicher ist es wichtig, auf eine gute und ausgewogene Ernährung zu achten. Aber Essen ist immer auch eine soziale Aktion, mit der man sehr gut Unterschiede deutlich machen kann, eben wenn man sich beste Speisen leistet – während andere sehr genau auf ihre Ausgaben schauen müssen, was sich in deren Mahlzeiten widerspiegelt. Und ein Restaurant-Besuch kommt für Letztere gar nicht infrage. Durch Essen zeigen wir, wer wir sind! Die Lesung entwirft ein anderes Bild: Hier sind alle eingeladen, niemand wird ausgeschlossen. Überboten wird das Mahl auf dem Sinai mit Mose und den siebzig Ältesten (Ex 23, 9–11) durch das verheißene Festmahl auf dem Gottesberg Zion. Hier wird nicht nur Israel, sondern werden alle Völker teilnehmen. So gut dort das Essen auch sein mag, die entscheidende Speise ist die Gottes selbst: Er verzehrt „die Hülle, die alle Völker verhüllt, und die Decke, die alle Nationen bedeckt“. Das Essen wird zur Rettungstat, denn „er hat den Tod für immer verschlungen“, der alle Völker bedroht. Entscheidend ist Gott allein, der uns zu retten vermag.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 3.12.2025
Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es. Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.
1 Joh 3, la.2
Wir wissen nicht mit Sicherheit, ob Jesus von Nazareth vor etwa zweitausend Jahren diese Worte genau so gesagt hat. Wir spüren aber, dass die meisten Eltern ihre Kinder lieben. Auch heute noch. Und wir sagen zu GOTT: „Abba – Vater“.
Du allwissendes Wort des himmlischen Vaters, du König des Weltalls, der durch sein Bild das sterbliche Volk ehrte, gib uns Gnade und schenke uns segenspendenden Beistand! Auf dich schauen alle Augen voller Hoffnung.
vergleiche dazu den Beginn des Evangeliums nach Johannes („Johannes-Prolog“)
DER EINTRITT DES GÖTTLICHEN WORTES IN DIE WELT: 1,1 – 4,54
DER PROLOG: 1,1–18 1 1
Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. 4 In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.
6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes. 7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. 8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. 9 Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. 10 Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. 11 Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. 12 Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, 13 die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
14 Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit. 15 Johannes legt Zeugnis für ihn ab und ruft: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war. 16 Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade. 17 Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus. 18 Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.
Jetzt gibt es keine Verurteilung mehr für die, welche in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in Christus Jesus, hat dich frei gemacht vom Gesetz der Sünde und des Todes.
Ohne Verstand waren von Natur aus alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Aus den sichtbaren Gütern vermochten sie nicht den Seienden zu erkennen. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht, sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Welt beherrschenden Himmelsleuchten für Götter. Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, schon für Götter hielten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel besser ihr Gebieter ist, denn der Urheber der Schönheit hat sie erschaffen. Und wenn sie über ihre Macht und Wirkkraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat; denn aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe wird in Entsprechung ihr Schöpfer erschaut. Dennoch trifft sie nur geringer Tadel: Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre. Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen. Doch auch sie sind unentschuldbar; wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Gebieter von alldem?
Weish 13, 1–9
Impuls zur Lesung
Der Sternenhimmel in der klaren Sommernacht, die Kirschblüte, die mich eines Frühlingsmorgens überrascht hat, das Sonnenlicht, in dem auch die Nebel meiner Seele vergingen. Manchmal fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Diese Welt ist schön!
Manchmal verbinden sich solche Augenblicke zu dem zarten und festen Gewebe der Dankbarkeit:
Ich lebe, ich darf hier sein, darf diese Schönheit sehen, hören, spüren, schmecken. Du hast alles geschaffen, uns allen zur Freude. Dir bin ich dankbar. Dich bitte ich: Schenk mir auch morgen offene Augen für das Geschenk deiner Schöpfung. Öffne mir die Augen für dich, den Geber der Gabe. Heute und morgen und jederzeit. Amen.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 14.11.2025, Texte zur Eucharistiefeier
Impuls von P. Johannes Paul Abrahamowicz, OSB bei den 2. Wiener Ganserlessen-Dialoge am 6. November 2024.
Wir sind alle berufen – zur Liebe, zum Fest des Lebens
Das Thema vom letzten Mal war – und es ist gut angekommen – Himmel, Fegefeuer, Hölle. Fast hätten wir es heute wieder nehmen können, weil so viele andere da sind. Heute aber geht es um die Frage: Wie ist das überhaupt mit dem Schicksal, mit der Vorherbestimmung? Gibt es so etwas?
Damit ist nicht gemeint, dass eine schwarze Katze von rechts oder Scherben Glück bringen. Nein – gemeint ist der große Lebensweg. Und da taucht immer wieder die Frage auf: Gibt es eine Vorherbestimmung oder nicht? Ich möchte ganz klar sagen: Ja, es gibt sie. Und zwar eine sehr positive.
Jesus erzählt ein wunderbares Gleichnis – das Gleichnis vom Hochzeitsmahl. Ein Mann lädt zur Hochzeit ein, lässt alles vorbereiten und schickt dann seine Diener zu den Eingeladenen: „Kommt, es ist alles bereit!“ Aber sie kommen nicht. Manche behandeln die Boten sogar schlecht. Da lässt der Hausherr schließlich alle einladen, die er irgendwo findet – auf den Straßenecken, einfach alle. Und der Hochzeitssaal füllt sich – von Guten und Bösen, Reichen und Armen.
Dann kommt der Hausherr herein, schaut sich alle Gäste an – und plötzlich sieht er einen, der kein Hochzeitsgewand trägt. Er fragt ihn: „Freund, wie konntest du so erscheinen?“ Der Mann ist sprachlos – und wird hinausgeworfen in die äußerste Finsternis. Dann sagt Jesus den bekannten Satz:
„Viele sind berufen, aber nur wenige sind auserwählt.“
Ich habe diesen Satz lange nicht verstanden. Warum wird der arme Kerl hinausgeworfen? Vielleicht war er ja wirklich arm und hatte kein Gewand? Erst viel später habe ich die Erklärung gefunden – auch dank der Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen. Denn in arabischen und orientalischen Ländern ist es bis heute üblich, dass man mit der Einladung zur Hochzeit auch das Hochzeitsgewand bekommt – entweder bezahlt oder symbolisch zur Verfügung gestellt.
Wenn also jemand ohne dieses Gewand erscheint, heißt das: Er hat die Einladung nicht wirklich angenommen. Er wollte das Fest – aber nicht die Beziehung.
Und das ist der Kern des Gleichnisses. Alle sind eingeladen. Alle sind vorherbestimmt – zu einem glücklichen, festlichen Mahl. Aber ob wir die Einladung annehmen, liegt an uns.
Unsere große Vorherbestimmung ist das ewige Glück, das Fest der Liebe, das Reich Gottes. Nicht das kleine Aberglauben-Schicksal – Spinnen, Scherben, Glücksbringer – sondern das große Ziel: die Liebe.
Das Hochzeitsgewand steht für die Bereitschaft, Liebe zu empfangen. Und wer glaubt denn nicht an die Liebe – als höchste Instanz im Leben? In dieser Liebe, die keine Bedingungen stellt, sind wir alle berufen. Das ist unsere Vorherbestimmung.
Ich bin fest davon überzeugt: Wir alle sind bestimmt zum Glück, zum Leben in der Liebe Gottes – und das dürfen wir schon jetzt, in jeder Eucharistiefeier, vorauskosten.
Und solange sich das Ganserl heute seinem Schicksal hingibt, dürfen wir dankbar sein, dass unser Schicksal ein anderes ist – ein gutes, liebevolles Schicksal.
Guten Appetit – und später bei der Nachspeise können wir gern noch Fragen stellen.
Kurz-Summary
P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB deutet das Gleichnis vom Hochzeitsmahl als Bild unserer positiven Vorherbestimmung: Jeder Mensch ist eingeladen zum Fest der Liebe Gottes. Das „Hochzeitsgewand“ steht für die innere Bereitschaft, diese Liebe anzunehmen. Nicht Zufall oder Aberglaube bestimmen unser Leben, sondern Gottes Einladung zum Glück – die wir nur annehmen müssen.