Kategorie: Bibel

  • Wandlung

    Ganz durchdrungen vom Glanz Gottes,
    mit strahlendem Gesicht
    und von Licht leuchtender Gestalt
    sehen Petrus, Jakobus und Johannes Jesus.

    Manchmal verändert sich alles.
    Etwas leuchtet auf.
    Etwas leuchtet ein.
    Manchmal berühren sich Himmel und Erde.

    Das weiße Taufkleid steht für diese Berührung.
    Das weiße Taufkleid steht für diese Wandlung.
    Sie ist uns geschenkt.
    Uns allen.

    Dorothee Sandherr-Klemp
    (zu Mt 17, 1–9, DIE VERKLÄRUNG JESU)
    aus Magnificat – das Stundenbuch
    von Woche zu Woche am 28.2.2026

  • Gott und der Fuchs

    „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

    — Antoine de Saint-Exupéry, aus: Der kleine Prinz, Kapitel XXI (Der Fuchs)
    Erstveröffentlichung 1943

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    „Gott sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

    Bibel, 1 Sam 16, 7b, rund 6. bis 7 Jahrhundert v. Chr.

  • Hl. Agatha und die Treue

    „Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes.“

    Röm 8,19

    Die Heilige Agatha (5.2.) erinnert heute nicht an Heldentum, sondern an Treue.
    Treue zum eigenen Gewissen.
    Treue zur Würde des Lebens.
    Treue zu Gott – auch dort, wo es weh tut.

    Paulus weitet den Blick:
    Nicht nur der Mensch leidet.
    Auch die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen – und zugleich voller Hoffnung.
    Hoffnung darauf, dass Leid nicht das letzte Wort behält.
    Dass das Zerbrechliche nicht verloren ist.
    Dass Freiheit und Herrlichkeit größer sind als Angst und Gewalt.

    Darum ist dieser Tag nicht nur ein Gedenktag für Agatha.
    Er ist auch ein stiller Gruß an alle, die heute Namenstag haben:
    Adelheid. Heidi. Heidrun. Albina. Albuin.
    Namen von Menschen, die getragen sind – nicht von Stärke, sondern von Beziehung.

    Und wir alle dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns liebt.
    Auch wenn wir das manchmal im Augenblick nicht verstehen und deuten können. Am Ende wird immer alles gut.

    Glaube zeigt sich nicht im Lauten.
    Sondern im Bleiben.
    Im Aushalten.
    Im Vertrauen, dass Gott auch dort nahe ist,
    wo wir selbst keinen Halt mehr spüren.


    Faksimile der Legende: Magnificat – das Stundenbuch 2026/02

  • Salve Regina

    Salve, Regina, mater misericordiae;
    vita, dulcedo et spes nostra, salve.

    Ad te clamamus, exsules filii Evae.
    Ad te suspiramus, gementes et flentes
    in hac lacrimarum valle.

    Eia ergo, advocata nostra,
    illos tuos misericordes oculos
    ad nos converte.

    Et Iesum, benedictum fructum ventris tui,
    nobis post hoc exsilium ostende.

    O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

    Sei gegrüßt, o Königin

    Sei gegrüßt, o Königin,
    Mutter der Barmherzigkeit;
    unser Leben, unsre Wonne
    und unsre Hoffnung, sei gegrüßt!

    Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
    zu dir seufzen wir
    trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.

    Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,
    wende deine barmherzigen Augen uns zu
    und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
    die gebenedeite Frucht deines Leibes!

    O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

  • Wer hat, dem wird gegeben

    Aus dem hl. Evangelium nach Markus    
    Mk 4, 21–25

    In jener Zeit sprach Jesus: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter? Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er!
    Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

    Impuls zum Evangelium

    Licht, das wissen wir, macht nur Sinn, wenn es sichtbar ist. Licht im Verborgenen, dort wo es niemandem nützt, wo es nichts erhellt, ist nutzlos. Im heutigen Evangelium erinnert Jesus daran, dass alle Menschen etwas in sich haben, das leuchten und ausstrahlen kann – Mitgefühl, Achtsamkeit, Gaben und Fähigkeiten. Warum lassen wir sie so oft nicht strahlen, hinausstrahlen zu den Mitmenschen und in die Welt? Warum verstecken wir – gleich dem Licht unterm Bett –, was Gott in uns gelegt hat und was eigentlich zu leuchten bestimmt ist? Aus Bequemlichkeit, Angst, Vorsicht oder anderen Gründen?
    Jesus erinnert daran, das (eigene) Licht ausstrahlen zu lassen, und ermahnt zugleich, aufs Hören, auf Maßstäbe und den mitmenschlichen Umgang zu achten. Er traut jedem und jeder von uns zu, zu leuchten, sichtbar zu sein, wahrhaftig, mutig und einmalig. Nicht perfekt, aber echt. Und unsere Zeit braucht Menschen, die Licht machen, die Licht sind – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 29.1.2026

  • Ach, die Helden sind gefallen – Trauer, die verbindet

    Impuls zur Lesung

    Ein geliebter Mensch stirbt, ist nicht mehr da. Der Verlust verändert plötzlich das ganze Leben. Mit dem Tod eines lieben Menschen umzugehen, fordert heraus, fällt meist schwer.

    Auch David, in vielen Situationen so souverän und vertrauend, geht das nicht anders. Beachtenswert ist jedoch der Umgang mit seiner Trauer, seiner Angst und seinem Schmerz: Er versteckt sie nicht, sondern teilt sie. Er teilt sein „Weh“ (das, was ihm wehtut) mit den Anwesenden. Zum einen zeigt er enorme Empathie mit dem nun toten Saul, trotz der Nachstellungen und Mordpläne, mit denen er zu Lebzeiten Sauls konfrontiert war. Saul bleibt für ihn – in und trotz allem – der „Gesalbte des Herrn“, sodass auch nach dessen Tod Bitterkeit und Vergeltung keinen Raum bekommen, sondern allein die guten Taten Sauls. Und er besingt die Kraft der Freundschaft (zu Jonatan), die für ihn über den Tod hinaus tragende Bedeutung hat.

    In der Trauer: geteilte Vergebung, Liebe und Verbundenheit über den Tod hinaus.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 24.1.2026

    Lesung aus dem zweiten Buch Samuel

    2 Sam 1, 1–4.11–12.17.19.23–27

    Als David nach dem Tod Sauls von seinem Sieg über die Amalekiter zurückgekehrt war und sich zwei Tage lang in Ziklag aufgehalten hatte, kam am dritten Tag ein Mann aus dem Lager Sauls, mit zerrissenen Kleidern und Staub auf dem Haupt. Als er bei David angelangt war, warf er sich auf den Boden nieder und huldigte ihm. David fragte ihn: Woher kommst du? Er antwortete ihm: Ich habe mich aus dem Lager Israels gerettet. David sagte zu ihm: Wie stehen die Dinge? Berichte mir! Er erwiderte: Das Volk ist aus dem Kampf geflohen, viele von den Männern sind gefallen und umgekommen; auch Saul und sein Sohn Jonatan sind tot.

    Da fasste David sein Gewand und zerriss es und mit ihm alle Männer um ihn. Sie klagten, weinten und fasteten bis zum Abend wegen Saul, seines Sohnes Jonatan, des Volkes des HERRN und des Hauses Israel, die unter dem Schwert gefallen waren.

    Und David sang die folgende Totenklage auf Saul und seinen Sohn Jonatan:
    Israel, dein Stolz liegt erschlagen auf deinen Höhen.
    Ach, die Helden sind gefallen!

    Saul und Jonatan, die Geliebten und Teuren,
    im Leben und Tod sind sie nicht getrennt.
    Sie waren schneller als Adler,
    waren stärker als Löwen.

    Ihr Töchter Israels, weint um Saul;
    er hat euch in köstlichen Purpur gekleidet,
    hat goldenen Schmuck auf eure Gewänder geheftet.

    Ach, die Helden sind gefallen mitten im Kampf.
    Jonatan liegt erschlagen auf deinen Höhen.
    Weh ist mir um dich, mein Bruder Jonatan.
    Du warst mir sehr lieb.
    Wunderbarer war deine Liebe für mich
    als die Liebe der Frauen.
    Ach, die Helden sind gefallen,
    die Waffen des Kampfes verloren.


  • Heil heute – bereit sein

    Die Texte dieses Sonntags sprechen überraschend deutlich in unsere Gegenwart. Sie treffen eine Welt, die zwischen Selbstoptimierung und Resignation schwankt: zwischen dem Druck, immer besser werden zu müssen, und der Versuchung, innerlich aufzugeben.

    Die Bibel setzt dem kein Programm und keine Moral entgegen, sondern ein Versprechen: Heil ist möglich.

    Heil meint mehr als Fehlerlosigkeit oder religiöse Korrektheit. Es ist das Gegenbild zu Schuld und innerer Absonderung. Schuld zieht nach unten, lässt Menschen glauben, sie müssten sich fernhalten – von Gott, von anderen, von sich selbst.

    Heil dagegen sagt: Du darfst kommen. Du bist gemeint. Du musst dich nicht verstecken.

    Darum weitet Gott im Buch Jesaja den Blick: Es ist ihm „zu wenig“, dass sein Heil nur einem Volk gilt. Es soll Licht für alle sein, bis an die Enden der Erde. Und Paulus greift diesen Gedanken auf: Zugehörigkeit zu Christus entsteht nicht durch Herkunft oder Leistung, sondern durch Beziehung und Vertrauen.

    Im Evangelium verdichtet sich alles im Ruf Johannes des Täufers:
    „Seht, das Lamm Gottes.“

    Jesus wird nicht als Sieger oder Machthaber gezeigt, sondern als der, der Schuld trägt, und ohne Gewalt antwortet. Das Lamm steht für eine Liebe, die sich nicht durchsetzt, sondern hingibt. Eine Liebe, die das Böse nicht überbietet, sondern aushält – und gerade so verwandelt.

    Für heute heißt das:
    Heil geschieht nicht durch Leistung, sondern durch Vertrauen.
    Nicht durch Abgrenzung, sondern durch Öffnung.
    Nicht durch Macht, sondern durch Liebe.

    „Seht, das Lamm Gottes“ – dieser Ruf gilt auch heute.
    Er lädt ein, hinzusehen.
    Und bereit zu sein.

  • Frucht bringen und weiterleben


    Wir hören nicht auf, inständig für euch zu beten, dass ihr in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den Willen des Herrn ganz erkennt. Denn ihr sollt ein Leben führen, das des Herrn würdig ist und in allem sein Gefallen findet. Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. Er gebe euch in der Macht seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt.

    Kol 1, 9b–11


    Kommentar
    Dieser Text spricht Trauernden nicht von schnellen Antworten, sondern von innerer Kraft. Er verheißt keine Abkürzung aus dem Schmerz, sondern Geduld und Ausdauer – Tugenden für einen Weg, der Zeit braucht. „Frucht bringen“ meint hier nicht Leistung, sondern das leise Weiterleben trotz Verlust: ein Atemzug nach dem anderen, ein Schritt nach dem anderen.

    In der Trauer wächst Erkenntnis oft nicht durch Erklärungen, sondern durch das Getragen-Sein. Der Segen liegt darin, dass Kraft geschenkt wird – gerade dann, wenn die eigenen Kräfte fehlen.

  • Gott ist Liebe

    Lesung aus dem ersten Johannesbrief
    1 Joh 4, 11–18

    Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet.
    Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben. Wir haben geschaut und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als Retter der Welt.
    Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er bleibt in Gott. Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.
    Darin ist unter uns die Liebe vollendet, dass wir am Tag des Gerichts Zuversicht haben. Denn wie er, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht. Denn die Furcht rechnet mit Strafe, wer sich aber fürchtet, ist nicht vollendet in der Liebe.


    Was sagt uns dieser Text am offenen Grab eines geliebten Menschen?

    Dass wir uns wiedersehen werden – in Gottes Zeit.
    Dass wir bis dahin in der Liebe Gottes geborgen sein dürfen.
    Dass der geliebte Mensch nicht nur in unseren Herzen, sondern in Gottes Liebe bleiben wird – alle Zeit.

  • Christtag

    Innehalten am Abend

    Im Glauben finden wir Licht und Trost für alles.

    Emilie Engel (Mitgründerin der Schönstätter Marienschwestern, 1893–1955)

    • Wofür brauche ich im Moment Licht und Trost? Ich darf es dem göttlichen Kind anvertrauen.
    • Was bedeutet für mich der Glaube, dass Gott als Kind zur Welt kam?


    Lesung    1 Joh 1, 1–3

    Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.


    Fürbitten

    Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, du bist selbst Kind geworden. Wir bitten dich:

    V: Sei unser Licht,   A: bleib uns nah.

    Segne alle Kinder, die heute geboren werden;
    – lass sie gesund heranwachsen und spüren, dass sie Kinder deines Vaters sind.
    Sei mit allen, die heute Weihnachten feiern;
    – lass dein Licht sie erfüllen und von ihnen ausstrahlen auf die Menschen in ihrer Umgebung.
    Sieh gütig auf jene, die dich nicht kennen,
    – und lass sie deine Liebe und deinen Segen spüren.
    Gedenke der Kinder im Heiligen Land;
    – hilf den Mächtigen, sie besonders zu schützen und im Frieden heranwachsen zu lassen.
    Komm auf alle zu, die heute sterben;
    – lass sie sich ewig mit dir freuen.

    V: Sei unser Licht,   A: bleib uns nah.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 12-2025, Abendgebet am 25.12.205