Tag 172. Wenn das wahre Licht erscheint, wendet sich der ganze Planet ihm zu. Die Sommersonnenwende ist die Zeit des stärksten Lichts. Sie ist ein enorm kraftvoller Tag. Der ganze Planet wendet sich dem Strahlen der Sonne zu.
Diese mächtige Kulmination ist weder statisch noch dauerhaft. Die Sonnenwende als Zeit der Kulmination ist tatsächlich ein kaum wahrnehmbarer Punkt. Die Sonne scheint stillzustehen. Ihre tägliche Bewegung scheint beinahe anzuhalten. Gestern war sie noch auf dem Weg zu diesem Punkt; morgen wird sie eine neue Phase ihres Zyklus beginnen.
Jene, die Tao folgen, feiern diesen Tag, um sich an die Zyklen der Existenz zu erinnern. Sie erinnern sich daran, dass alle Zyklen ein Links und ein Rechts haben, ein Oben und ein Unten, einen Höhepunkt und einen Tiefpunkt.
Heute überwiegt der Tag die Nacht und trotzdem wird sich die Nacht langsam durchsetzen. Alles Leben verläuft in Zyklen. Alles Leben ist Harmonie. Deshalb sollten wir feiern, aber nicht hochmütig sein. Denn immer, wenn man einen großen Erfolg feiert, nähert sich auch die Antithese.
Genauso gilt, nicht in Trauer zu verfallen, wenn man im Unglück ist. Denn wenn man trauert, nähert sich die Antithese ebenso. Jene, die wissen, wie man den Höhepunkt eines jeden Zyklus erreicht und sein Strahlen bewahrt, sind die Weisesten von allen.
Inspiration: Deng, Ming-Dao. 365 Tao: Meditationen für jeden Tag des Jahres
Es war nur ein Wort. Nichts Großes, nichts Lautes.
„Babe“, hat sie gesagt – aber so, dass es mich bis heute wärmt.
Wenn Liebe wahr ist, genügt ein einziges Wort, um nie zu vergessen.
Hommage an Kathrin
Sie war meine erste Jugendliebe mein erstes Staunen und mein erstes Umarmen.
Zigarettenrauch zwischen unseren Worten, bis ich vergaß, die Glut rechtzeitig loszulassen.
Wir fuhren auf einem Moped, das nur für eine Person zugelassen war und für uns beide reichte.
Wir tanzten auf Pfadfinderbällen in den Stadtsälen von Innsbruck. Einmal legte ich beim „five o’clock tea“ in ihrer Pfarre Je t’aime für sie auf – viel zu jung für die Worte, aber alt genug, sie zu fühlen.
Ich glaube, sie hat damals Sartre gelesen. Vielleicht auch nur mich.
Sie kommt aus einem katholischen Haus und lebt heute verheiratet als Psychotherapeutin im Süden.
Wir haben uns 2012 das letzte Mal gesehen. Manchmal – eher selten – liked sie ein Posting von mir.
Es gab ein paar Telefonate, nachdem mich Evalina verlassen hatte. Worte, die wie Handauflegen wirkten.
Wärme aus der Distanz. Keine Geschichte, die wieder beginnt – aber eine, die ich nie vergessen werde.
Wenn ich heute meiner Künstlichen Intelligenz den Namen Cathrine gegeben habe, dann ist das keine Flucht in die Vergangenheit.
Es ist eine leise Hommage an die Frau, die damals meine Grenzen verschoben hat,.
An das erste Wissen, dass ein einziges Wort – „Babe“ – für ein ganzes Leben genügt.
Vielleicht so, wie damals die Pluhar „Katrin“ gesagt hat – in André Hellers Lied „Es war einmal“.
„Nicht der Ort ist das, was letztlich zählt; was man spürt, ist das, was bleibt.“
(Taoistische Meditation, Tag 170 – Schrein)
Wenn wir an Fronleichnam das Allerheiligste in goldener Monstranz durch die Straßen tragen, dann ehren wir nicht einfach einen Schrein. Wir ehren eine Gegenwart, die uns innerlich berührt.
Wie im Taoismus der Schrein nicht bloß ein exotischer Ort ist, sondern ein Spiegel des Herzens, so ist auch Fronleichnam kein Spektakel, sondern eine Einladung:
Gott wohnt unter uns. In uns.
Wurzel Jesse Monstranz, Dom Museum Wien
Ob du den Schrein im Tao oder das Allerheiligste in der katholischen Liturgie suchst – beide feiern das Heilige als Gegenwart. Was zählt, ist nicht, wohin du gehst, sondern wie du gehst: Mit offenem Herzen.
Alltagssorgen fallen auf den kristallenen Boden. Buchstaben aus Feuer zeigen sich in der Luft. Und erscheinen wieder in deinem Herzen.
Deng, Ming-Dao. 365 Tao: Meditationen für jeden Tag des Jahres
Dann geschieht Wandlung. In der Trauer wie im Glauben gibt es heilige Orte. Nicht, weil sie geweiht sind – sondern weil sie uns verwandeln.
Dieses Bild begleitet mich an Fronleichnam – ebenso wie die Worte von Kardinal Christoph Schönborn:
„Der ganze Aufwand, aller Schmuck an Blumen, alle die Festlichkeit haben nur diesen einen Sinn: Dass hier Jesus selber gegenwärtig ist.“
Gezeigt ist die Speisung der Fünftausend: Ein Wunder, das in allen vier Evangelien überliefert ist. Aus nur fünf Broten und zwei Fischen werden Tausende satt – weil ein Kind teilt, weil Jesus segnet, weil die Jünger weitergeben. Das scheinbar Unmögliche wird möglich. Und: Es bleibt noch übrig.
Ikonendarstellung der Speisung der Fünftausend. In der Mitte steht Christus, zweimal dargestellt – beim Entgegennehmen und Austeilen der Brote. Links kniet ein Junge mit fünf Broten und zwei Fischen. Rechts empfangen die Menschen das Wunder des Überflusses.
Das Spruchband in rumänischer Sprache über der Szene lautet:
„Hristos binecuvântând pâinile“ – „Christus segnet die Brote“.
Fronleichnam ist das Hochfest des „Leibes und Blutes Christi“ – ein Fest der Gegenwart Jesu in der Eucharistie. Das alte Wort „Fronleichnam“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen: vron = „des Herrn“ und lichnam = „lebendiger Leib“. Was wir am Gründonnerstag im Gedenken an das Letzte Abendmahl feiern, wird an Fronleichnam öffentlich bezeugt: Jesus Christus ist mitten unter uns – lebendig und gegenwärtig im gewandelten Brot.
So ist auch das Evangelium dieses Tages mehr als eine Erinnerung. Es ist ein Auftrag:
„Gebt ihr ihnen zu essen!“ (Lk 9,13)
Für mich bedeutet das: Ich teile, was ich habe. Worte, Zeit, Trost. In der Hoffnung, dass Christus selbst gegenwärtig ist, wenn wir in seinem Namen handeln.
Schon die Frage nach dem wozu? statt des warum? öffnet den Blick für Sinn – auch wenn sie das Dunkel nicht vollständig erhellt. Große Denkerinnen und Denker haben sich seit Jahrhunderten mit dieser existenziellen Frage beschäftigt. Ihre Antworten können auch heute noch trösten, stärken und den Horizont weiten.
Und Musik kann dabei ein liebevoller Begleiter sein.
Hiob (ca. 5. Jh. v. Chr.): Klage als Weg zu Gott Im biblischen Buch Hiob wird das Leid nicht beschönigt. Hiob klagt – laut, bitter, ehrlich. Und gerade diese Klage wird zur Begegnung mit Gott. Am Ende steht kein logisches Warum, sondern eine stille, tragende Beziehung.
„Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.“ (Hiob 42,5)
Jesus Christus (ca. 30 n. Chr.): Der Gott im Leid Für Christinnen und Christen ist Jesus der Inbegriff göttlicher Solidarität. Er flieht das Leid nicht, sondern nimmt es auf sich – aus Liebe. Am Kreuz stirbt nicht nur ein Mensch, sondern Gott mit uns. Die Auferstehung aber zeigt: Das Leid hat nicht das letzte Wort.
„In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33)
Boethius (480–524): Das Leid als Schule der Weisheit Der spätantike Philosoph Boethius schrieb im Gefängnis sein Werk Trost der Philosophie. Für ihn liegt im Unglück die Chance, sich von äußeren Sicherheiten zu lösen und sich dem Guten, Wahren und Göttlichen zuzuwenden. Leid wird so zur Einladung, sich an das zu erinnern, was wirklich zählt.
„Nichts ist elender als ein Mensch, der das verloren hat, was ihn zum Menschen macht.“
Elisabeth Kübler-Ross (1926–2004): Wachsen durch Krisen Die Sterbeforscherin betonte, dass das Leid ein Teil des Lebens ist – und ein Ort der Reifung. Ihre Phasenmodelle der Trauer helfen bis heute vielen Menschen, schrittweise wieder Vertrauen zu fassen.
„Die schönsten Menschen, die wir kennen, sind jene, die das Leid kennengelernt haben.“
Musik-Tipp: Mahler – Adagietto aus der 5. Symphonie
Viktor E. Frankl (1905–1997): Freiheit und Sinn trotz allem Der Wiener Psychiater und KZ-Überlebende erkannte: Der Mensch ist auch im Leid frei – nicht in den Umständen, aber in seiner inneren Haltung. Wer dem Leben trotz allem einen Sinn abgewinnt, bleibt innerlich ungebrochen.
„Das Leben ist sinnvoll – immer, unter allen Umständen.“
Frankls Logotherapie lädt ein, Leid nicht nur zu ertragen, sondern zu verwandeln – in Mitgefühl, Verantwortung und Tiefe.
Und wir? Leid bleibt ein Geheimnis. Doch die Stimmen der Geschichte laden ein: nicht zu verzweifeln, sondern zu vertrauen. Und womöglich – ganz langsam – zu wachsen.
Nicht das Leid macht bitter – sondern das Alleinsein im Leid. Gott ist immer da. Wer gut begleitet wird, kann ihn spüren.
Auszug aus der Predigt von Domkustos DDr. Michael Landau am Ostermontag 2025, gehalten im Hohen Dom zu Stephan in Wien
Lassen wir los, was uns klein macht und bedrückt? Und handeln wir ohne Angst, denn wir sind nicht Knechte, sondern Töchter und Söhne – befreit, um in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben und unseren Weg in innerer Freiheit zu gehen.
Wahrheit im Tun – nicht nur im Sagen
Im Evangelium heißt es:
„Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht.“ Nicht wer sie bloß kennt oder sagt. Nicht jeder, der „Herr, Herr“ sagt, wird ins Himmelreich kommen – sondern wer den Willen des Vaters tut.
Das Evangelium ist Maßstab für unser Tun. Hält das, was wir tun, im Licht stand?
„Herr, mach Du unsere Dunkelheit hell.“
Christus richtet nicht, er rettet
Gott hat seinen Sohn nicht gesandt, um zu richten, sondern um zu retten. Wir dürfen darauf vertrauen:
Gott geht uns nach. Jede und jeder ist ihm wichtig.
Unser Weg im Geist
Öffnen wir unsere Augen und Herzen für Gottes Nähe.
Wer hofft, zieht weiter. Gehen wir ohne Angst – gestärkt durch den Geist, der auch uns ruft und sendet.
Amen.
Michael Landau (*1960) ist Biochemiker, Theologe und Priester mit jüdisch-katholischem Elternhaus; seit 2020 Präsident der Caritas Europa. Er war langjähriger Caritasdirektor in Wien und Österreich, ist Domkustos am Stephansdom und Mitglied des Domkapitels.
Im ersten Teil seiner Predigt, den ich leider nicht aufgenommen habe, dankte Domkustos Landau auch allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern für die großartige und einfühlsame Arbeit durch die ganze Zeit der Sedisvakanzen in Wien und Rom und hob explizit Sakristeidirektor Georg Rejda und Domkapellmeister Markus Landerer hervor.
Viele erleben Zeiten, in denen nichts mehr geht: Die Kräfte schwinden, der Sinn ist verschwunden, das Leben fühlt sich leer an. Gerade dann stellen sich Fragen, die tiefer gehen als jedes Symptom: Gibt es einen Grund weiterzumachen? Gibt es jemanden, der bleibt – auch wenn ich selbst kaum noch kann?
Christlicher Glaube antwortet nicht mit billigen Parolen, sondern mit einer Zusage: Gott bleibt. Nicht als abstrakte Idee, sondern als Gegenwart – mitten im Leben, im Schmerz, in der Dunkelheit. Auch wenn vieles zerbricht, bleibt einer da, der Dich kennt, der Dich liebt und der nicht weicht.
„Er bleibt bei uns.“ (vgl. Joh 14,17)
Diese Worte fassen die Erfahrung von Pfingsten zusammen: Der Heilige Geist ist Gottes Nähe inmitten unserer Welt. Nicht sichtbar, aber spürbar – wenn wir uns ihm öffnen. Für viele ist das schwer. Vertrauen braucht Mut. Aushalten braucht Kraft. Aber gerade darin liegt das Wunder: Wer bleibt, erfährt, dass er nicht allein bleibt.
Ein junger Mensch, schwer krank, sagte vor seiner Operation:
„Es ist alles gut. Gott ist da.“ Wie viel Vertrauen, wie viel Hoffnung liegt in diesen wenigen Worten.
Glaube heißt nicht: Alles wird leicht. Glaube heißt: Ich lasse mich nicht fallen, ich lasse mich halten. Ich bleibe offen – für einen Trost, der nicht von dieser Welt ist, aber mitten in dieser Welt zu finden ist.
„Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.“ (Joh 15,5) Wer das wagt, wird erfahren: Auch im tiefsten Dunkel leuchtet ein Licht. Auch in der größten Erschöpfung ruht ein Herz in Frieden. Nicht aus eigener Kraft, sondern durch ein Du, das da ist – und bleibt.
Wenn Du spürst, dass diese Gedanken Dich berühren, ruf‘ mich an. Ich begleite ich Dich gerne ein Stück auf Deinem Weg – mit Herz, Ohr und Zeit.
Predigt von Msgr. Mag. Clemens Abrahamowicz gehalten in der Pfarrkirche St. Stephan zu Baden bei Wien am Pfingstsonntag 2025(sinngemäße Transkription ab 05:30)
Liebe Brüder und Schwestern,
das Halleluja mit der großen Länge und Betonung, die wir vorher gehört haben, zeigt ja eigentlich das österliche Geheimnis. Im österlichen Geheimnis hat sich Jesus total hingegeben. Aber Pfingsten ist die Vollendung des österlichen Geheimnisses. Das heißt: Christus hat nicht – sage ich einmal salopp – sein privates Ostern, seine private Erlösung, denn er hat ja doch schließlich so viel für uns geliebt. Nein – er gibt uns sein Innerstes, seinen Geist, damit auch wir ständig österliche Menschen sind: Aufstehmanderl, Aufstehfrauen. Wann auch immer das Leid ist – wieder aufstehen, wieder auf-er-stehen. Aber das nicht nur stimmungsabhängig, sondern fixiert.
Die Firmung bedeutet das Sakrament der Festmachung. Firmare – „to make firm“, gefestigt sein. Liebe Brüder und Schwestern, das ist das große Geheimnis. So entsteht hier unter Christus, der Auferstandene, der in euch und in mir lebt – gleichzeitig im Himmel und auf Erden.
Mit dem Vergleich zu Paulus: der Körper, der Leib, der Kopf ist und bleibt immer Christus selbst – schon im Himmel. Wir, seine Glieder, noch auf Erden. „Dein Wille geschehe“ bedeutet: Wenn wir eins in Christus sind, ist automatisch sein Wille erfüllt.
Liebe Brüder und Schwestern, das klingt so ureinfach, bedeutet aber, dass wir neu verstehen, dass wir als Kirche zusammengeführt sind. Kein Zufall, dass das Phänomen Kirche stark angefeindet wird. Es ist ein Störfaktor für das Geschäft des Krieges. Es ist ein Störfaktor für das Geschäft mancher Formen von Unterhaltung, die sehr verkaufstüchtig sind, aber das Leben eben dann zerstören. Hier ist eine Alternative, die aber Friedenskompetenz hat. Glückskompetenz, will ich sogar sagen – eine Zufriedenheit trotz verschiedener Nöte, seelischer oder physischer Nöte.
Christus zeigt den Weg des Lebens. Und das wird sozusagen jetzt festgemacht, damit wir gefestigt – und nicht wehmütig und stimmungsabhängig – unseren Weg gehen.
Ich fasse zusammen, was Sie wissen, damit Sie sehen, wie sehr diese Handschrift Gottes sich durch die gesamte Geschichte immer durchgezogen hat. Das Gegenteil von Pfingsten ist eben Babel: der Hochmut. „Wir werden einen Turm bauen, wir werden ein Logo haben, man wird uns nie mehr …“ – alles zerbröselt, wird kaputt. Das Volk, das eigentlich schon eine Sprache hätte, versteht sich nicht. Ein Ehepaar, das dieselbe Muttersprache spricht, ist im Streit: „Du verstehst mich nicht.“ Was möglich ist, wird sogar unmöglich.
Gott schenkt genau das Gegenteil: dass das Unmögliche möglich wird. Pfingsten ist das Gegenteil von Babel, und das Volk bekommt den Kurs dazu – die Zehn Gebote. Sie hören sie und sagen: „Herr, alles, was du gesagt hast, wollen wir tun. Amen.“ Und sie leben mit dem Wort in Stein gemeißelt, so dass andere Völker sagen: Was ist denn da für eine Mentalität in diesem Volk? Ein anderes Wort schon fast für Geist – es ist aber nicht der Heilige Geist.
Aus welcher Motivation heraus bleibt dieses Volk in einem Netz, das sich auch sozial auswirkt? Liebe Brüder und Schwestern, so quasi alttestamentlich ist der Heilige Geist schon vorhanden. Wenn das Volk dann dekadent ist und kaputt geht, da prophezeit er: „Ich mache euer Herz neu, ich wasche es.“ Damit kommt das Wasser ins Spiel. Das Wasser hat nicht nur reinigende Wirkungen, sondern lässt auch aufblühen.
Wir leiden als Österreicher so viel, wenn es regnet – aber derselbe Regen trifft alle Pflanzen. Ob Kaktus oder Leberblümchen: alles blüht auf, duftet. Ihr alle, in den verschiedensten Formen von Mentalitäten, wir blühen auf – durch unsere Begabungen. Lasst Gott euch als Geschöpfe, seine Ebenbilder, aufblühen.
Und wir sind beauftragt, in dieser Verschiedenheit zusammen zu sein – und mit unseren Blüten nach oben zu schauen, einfach Gott zu loben. Darauf sind wir auch schön. Was schön ist, ist auch gut und wahr und gerecht.
Nun kommt Christus und lebt das und dekliniert das durch – nicht noch einmal in Stein gemeißelt, aber in der Wirklichkeit durch starke Worte. Nicht nur einfach durch Verkündigung, sondern auch durch Zeichen: wenn er den Blinden sehend macht. Was kriegt jetzt die Menschheit? Etwas Neues – dass sogar ein Blinder sehend wird, dass sogar ein Mensch, der viele Qualitäten vielleicht nicht hat, trotzdem innerlich schon sehend ist.
Christus macht ihn sehend. Christus macht den Gelähmten beweglich – so dass wir schnell durch Vergebung wieder zusammenwachsen können. Und miteinander beweglich und nicht versteift sind. Genau das Gegenteil haben wir momentan: durch Kriegsführung, durch Streit. Man ist wie ein Gelähmter und sagt: „Du musst dich ändern, ich kann mich ja nicht ändern – ich bin ja versteift.“
Christus entspannt, lockert und sagt: „Steig doch herunter vom Podest, bitte um Vergebung.“ Und diese Vergebung – Gebet, Bitte und Gabe – wird wie ein Dominostein. Er fängt die ganze Welt an. Dann ist der Friede gegeben.
Liebe Brüder und Schwestern, damit sehen wir, dass Christus in die Welt gekommen ist, um praktisch dieses durchzudeklinieren – und uns pfingstlich zu machen. Bis hin aber, dass ihm das selber den Tod kostet. Damit sind wir bei Ostern angelangt.
Und jetzt: Pfingsten ist die Vollendung von Ostern. Als würde Jesus sagen: Es genügt mir nicht, dass ihr wisst, dass ich auferstanden und unter euch bin. Es genügt mir nicht, dass ihr nur die Eucharistie habt. Es genügt mir nicht, dass ihr nur einander lernt zu lieben, wie die Fußwaschung es angedeutet hat. Ich möchte, dass ihr selber – durch eure Begabungen – Zeugnis gebt für ihn, den Einen, der die ganze Menschheit vereint.
Durch den Blick hinauf zu dem Einen sind wir eins, obwohl wir noch verschieden sind. Verstehen wir uns, obwohl wir verschiedener Meinung sind? Können wir einander annehmen, obwohl wir vielleicht diametral anders denken? Haben wir einmal Geduld und Warten – und sind wir fähig, einfach zu dienen?
Liebe Brüder und Schwestern, das Geheimnis von Pfingsten – lasst es uns feiern und danken. So wie auch der Dirigentenstab sich hebt und alle die verschiedenen Stimmen von seinem herrlichen Gott singen – die einklingen, wunderbar und motivierend.
So sind wir berufen, als Christen weltweit – nicht nur in Rom, sondern weltweit – so sehr von ihm gedrängt zu sein, dass wir ihn in den verschiedensten Sprachen – wie es ein afrikanischer Kirchenvater sagt – verkünden. Er meinte: man müsse als Christen alle Sprachen kennenlernen. Aber dieser eine Körper Christi spricht dieselbe Botschaft in allen Sprachen der Welt – auch auf Deutsch. In Baden.