Autor: Harald R. Preyer

  • Gibt es Gott? – Was wir in der Trauer wissen wollen

    Gibt es Gott? Diese Frage stellt sich früher oder später jeder Mensch. Dr. Johannes Hartl, Theologe und Philosoph, bringt es in einem Gespräch auf den Punkt:

    „Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?“

    Hartl erklärt: Die Ordnung und Logik des Universums, unsere Fähigkeit zu denken und zu fragen, deuten darauf hin, dass es einen Urheber dieser Welt gibt. Das Universum sei kein reines Zufallsprodukt, sondern trage in seiner Gesetzmäßigkeit Spuren einer höheren Vernunft.

    Warum das Leiden uns zweifeln lässt

    Das stärkste Argument gegen Gott ist für Hartl das Leid in der Welt. Doch er sagt auch: Ohne Gott wird das Leiden nicht kleiner, sondern wir verlieren eine Quelle von Trost und Sinn.

    Wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt unseres Lebens. Vielleicht hat Gott Gründe, warum er eine Welt mit der Möglichkeit von Leid erschafft – weil er uns Freiheit schenkt und Leben ermöglicht, das nicht nur von außen gesteuert ist.

    Religiöse Erfahrung – Ein Hinweis?

    Hartl verweist auf ein einfaches Bild:

    „Wir hätten keinen Durst, wenn es kein Wasser gäbe.“

    So könnte auch unser Sehnen nach Gott ein Hinweis darauf sein, dass es ihn gibt. Religiöse Erfahrungen sind Teil der Menschheitsgeschichte und geben vielen Menschen Halt.

    Glaube als Fundament

    Glaube ist kein mathematischer Beweis, sondern eine Entscheidung:

    • Lebe ich so, als wäre alles nur Zufall?
    • Oder lebe ich in dem Vertrauen, dass mich ein liebender Gott gewollt hat?

    Der Glaube, so Hartl, sei „die grundlegendste Einstellung, die unser Leben trägt.“

    Was bedeutet das für Trauernde?

    In Momenten des Abschieds kann diese Frage besonders drängen. Das Gespräch mit Dr. Hartl lädt dazu ein, Trost zu finden in der Möglichkeit, dass Gott existiert, uns kennt und trägt – gerade im Leid und in unserer Suche nach Sinn.


    🎥 Das Video ansehen:

    ➡️ Gibt es Gott? – mit Dr. Johannes Hartl (KIRCHE IN NOT)

  • Intakte Familie

    Abram, Sarai, Isaak, eine intakte Familie. „Intakt“ bedeutet ursprünglich „unberührt, unversehrt“, heute auch „voll funktionsfähig, störungsfrei funktionierend“.

    Was ist eine intakte Familie? „Etwas ist immer“, stöhnt der Kollege, liebevoller und engagierter Familienvater. Etwas ist immer, irgendwo knirscht es, um irgendwen bangt und zittert man immer in einer Familie. Rundum „intakte“, also durchweg „störungsfrei funktionierende“ Familien gibt es wohl nur bei Happy-Family-Influencern oder in Waschmittel-Werbespots.

    Nun aber Abram und die Seinen. Von reibungslos und störungsfrei kann da keine Rede sein, die Gefährdung der jungen Ehe durch Wegschauen und Feigheit des Ehemannes, der Dauerschmerz der Kinderlosigkeit, die fragwürdige Leihmutteraffäre, die gewissenlose Verstoßung der Sklavin und ihres Sohnes durch die Herrschaft.

    Und nun dies: in die Unfruchtbarkeit der späten Jahre die Verheißung eines Kindes und unzähliger Nachkommen. „Störungen haben Vorrang“, heißt es bei der Psychologin Ruth Cohen. Und daran ist vieles wahr. „Vertrauen hat Vorrang“, denkt Abram, „Hoffnung hat Vorrang“: und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.

    Tagesimpuls zu Gen 15, 1–12.17–18

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch

  • Gott hat ein Gesicht

    „Götter haben viele Gesichter, aber wahre Göttlichkeit hat kein Gesicht“, heißt es in einer taoistischen Meditation. Der Satz will trösten, will Vielfalt ehren – doch er lässt uns am Ende im Ungefähren zurück.

    Jesus Christus sagt etwas anderes.

    „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Joh 14,9)

    Gott bleibt nicht im Nebel. Er tritt hervor – mit einem Gesicht, mit Augen, die weinen können, mit Händen, die berühren. Mit einem Herzen, das liebt bis ans Kreuz.

    Die Weltreligionen kennen viele Bilder von Gott. Die Bibel aber kennt nicht nur Bilder, sondern Begegnung. Nicht nur ein Ahnen, sondern ein Antworten.

    Jesus nennt Gott nicht „das Absolute“ oder „das Formlose“. Er nennt ihn Vater – und lädt auch uns ein, ihn so zu nennen:

    „Abba!“ – Papa. (Mk 14,36)

    Wer trauert, sucht keine Philosophie. Wer leidet, will kein Prinzip.

    Er oder sie sehnt sich nach Nähe. Nach einem Blick, einer Stimme, einer Umarmung.

    „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)

    Jesus zeigt uns den Weg – und er ist der Weg und die Liebe.

    Nicht anonym. Nicht verschwommen. Sondern ganz Mensch. Ganz Gott.

    Mit einem Gesicht.

  • Segen. Bitten.

    Gesegnet der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn die Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.

    Jer 17, 7–8

    Friedenstaube Friede

    Wir beten zu Christus, der uns heute nahe sein will:

    A: Erhöre uns, Christus.
    – Lass uns ein Segen sein für alle, denen wir heute begegnen.
    – Mache unser Leben zu einem Loblied deiner Gegenwart.
    – Lenke unsere Schritte auf dem Weg des Friedens.
    A: Erhöre uns, Christus.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 23.6.2025

  • Fürbitten

    Jesus, unser Bruder und Lehrer, du hast die Menschen mehr geliebt als dein Leben. Zu dir rufen wir und bitten dich:
    V: Du Heil der Welt,    A: wir bitten dich, erhöre uns.

    – Für die Ordenschristen und für alle Getauften, die deine frohe Botschaft unter schwierigen und gefährlichen Bedingungen zu den Menschen bringen.

    – Für Menschen auf der Flucht, die sich um ihre schwachen, alten oder kranken Angehörigen kümmern.

    – Für alle, die Verzicht üben und eigene Gewohnheiten ändern, weil ihnen der Erhalt deiner guten Schöpfung ein echtes Anliegen ist.

    – Für alle, die Ungerechtigkeit und Willkür beim Namen nennen und sich einsetzen für Menschen, die zu Unrecht inhaftiert oder verschleppt worden sind.

    – Für Frauen und Männer in Heilberufen, die Menschen ohne Obdach und ohne Geld medizinisch versorgen und betreuen.

    V: Du Heil der Welt,    A: wir bitten dich, erhöre uns.

    Auszug aus Magnificat – das Stundenbuch
    Abendgebet vom 22.6.2025

  • Führe mich zu einem guten Ende

    In Tiefen, die kein Trost erreicht,
    lass doch deine Treue mich erreichen.
    In den Nächten, wo der Glaube weicht,
    lass nicht deine Gnade von mir weichen.

    Auf dem Weg, den keiner mit mir geht,
    wenn zum Beten die Gedanken schwinden,
    wenn mich kalt die Finsternis umweht,
    wollest du in meiner Not mich finden.

    Wenn die Seele wie ein irres Licht
    flackert zwischen Werden und Vergehen,
    wenn es mir an Trost und Rat gebricht,
    wollest du an meiner Seite stehen.

    Wenn ich deine Hand nicht fassen kann,
    nimm die meine du in deine Hände,
    nimm dich meiner Seele gnädig an,
    führe mich zu einem guten Ende.

    Justus Delbrück (1902–1945)
    aus einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager

  • Trauerrede für Beethoven

    Wenn man das Grab nicht kennt, in dem er Ruh erworben

    von Franz Grillparzer

    Wenn man das Grab nicht kennt, in dem er Ruh erworben,
    wen, Freunde, ängstet das? Ist er doch nicht gestorben!
    Er lebt in aller Herzen, aller Sinn
    und schreitet jetzt durch unsre Reihen hin.

    Deshalb dem Lebenden, der sich am Dasein freute,
    ihm sei kein leblos Totenopfer heute.
    Hebt auf das Glas, das Mut und Frohsinn gibt,
    und sprecht, es leerend, wie ers selbst geliebt:

    »Dem großen Meister in dem Reich der Töne,
    der nie zu wenig tat und nie zu viel,
    der stets erreicht, nie überschritt sein Ziel,
    das mit ihm eins und einig war: das Schöne!«

    Ehrengrab Ludwig van Beethoven, Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32A, Grab 29). Die hohe weiße Obelisk‑Stele mit goldener Lyra markiert die letzte Ruhestätte eines der größten Komponisten der Musikgeschichte.

    Dieses ergreifende Gedicht stammt aus der Feder von Franz Grillparzer (1791–1872). Es war ursprünglich Teil seiner Rede zur Beisetzung Ludwig van Beethovens (1770–1827), gehalten am 29. März 1827 auf dem damaligen Währinger Ortsfriedhof in Wien.

    Ehrengrab Franz Grillparzer, Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32A, Grab 14). Der bedeutende Dichter ruht unweit von Beethoven, Schubert & Co. – mitten im Komponistenfeld des Zentralfriedhofs.

    Grillparzer, selbst ein Meister des Wortes, würdigte mit diesen Zeilen einen Meister der Töne. Er sprach nicht von Trauer, sondern von bleibender Gegenwart, nicht von Tod, sondern von Schönheit, Kunst und Ewigkeit.

    Beethoven wurde später auf den Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32A) umgebettet – in der Nähe seines musikalischen Bruders Franz Schubert. Auch Grillparzer fand dort seine letzte Ruhe – nur wenige Schritte entfernt.

    Die Inspiration zu diesem Posting verdanke ich einem Gespräch mit Barbara M. Fischer, die mir das Gedicht mit feinem Gespür für Sprache und Gefühle in Erinnerung rief. Danke dafür.

    Die beiden Fotos der Ehrengräber hat Hedwig Abraham gemacht, die mich 2024 mit Ihrem Fachwissen beeindruckt und durch den Zentralfriedhof geführt hat. Ich halte sie für eine hochkompetente und besonders engagierte Führerin durch Wien.

  • Der Tod geht mit der Zeit

    Auch knapp sieben Jahre nach seinem Erscheinen ist dieser Artikel eine Fundgrube für Vieles, das sich in Wien – und nicht nur hier – an der Bestattungskultur verändert hat.

    Als christlicher Trauerredner spüre ich allerdings auch eine große Sehnsucht der Angehörigen nach bleibendem Trost. Es ist noch gar nicht lange her, dass kirchliche und weltliche „Verabschieder“ kurz vor dem letzten Weg die Angehörigen um eine nette Geschichte aus dem Leben des lieben verstorbenen Menschen gebeten haben und dann aus dem Zusammenhang gerissen, diese Geschichte in der Aufbahrungshalle in ihre Standardreden eingebaut haben.

    Heute ist es bei guten Trauerredner üblich, die Angehörigen wenigstens ein paar Tage vor der Einsegnung zu besuchen und in einem einfühlsamen Gespräch zu spüren, was den lieben verstorbenen Menschen ausgemacht hat. Dann gelingt es auch, bei der Trauerrede die Zeit anzuhalten und ein letztes Mal den Toten in Gedanken lebendig zu erleben. Dieser großartige Mensch ist uns vorausgegangen und richtet schon eine Wohnung für uns her. Niemand weiß, wo diese neue Heimat sein wird und niemand weiß, wann und wie wir uns dort wiedersehen werden. Bis dahin können wir uns beim Friedensgruß nach dem Vater Unser umarmen und dürfen dankbar sein für die Freunde, die uns begleiten und für Gott, der uns liebt.

    Und am Wiener Zentralfriedhof hören wir manchmal leise den Chor unserer Lieben singen: „Wir sind nicht tot. Wir sind bei Gott. Auf Wieder-Sehen!“

  • Ich bin nicht tot

    „Beklagt mich nicht wie einen Toten,
    wenn ich vor Gottes Angesicht lebe.“

    – Redaktion Magnificat nach Aloisius von Gonzaga

    Wer liebt, trauert.
    Wer glaubt, hofft.

    Wenn wir Abschied nehmen,
    sehen wir nur das Äußere:
    den leeren Platz, die Stille, die Leere.

    Aber der Glaube sieht mehr:
    eine Seele, die angekommen ist.

    Ein Herz, das jetzt schlägt im Rhythmus der Liebe Gottes.
    Ein Leben, das vollendet wurde – nicht beendet.

    „Denn wir wissen:
    Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird,
    dann haben wir von Gott ein ewiges Haus im Himmel.“

    (2 Korinther 5,1)

    Ich bin nicht tot – Ich bin bei Gott

  • Suche Gott

    Suche Gott, du kannst ihn finden,
    tief im Schweigen hörst du ihn.
    Lies in deines Lebens Spuren,
    atme seine Gegenwart.

    Liebe Gott aus ganzem Herzen,
    er hat dich zuerst geliebt.
    Liebe ihn in den Geschwistern,
    öffne ihnen Herz und Sinn.

    Traue Gott, er wird dich tragen,
    birgt dich wie ein starkes Boot,
    führt dich durch der Zeiten Stürme
    sicher hin zum neuen Land.

    Helmut Schlegel 2007
    © Dehm Verlag, Limburg