Vor der heutigen Messe am Fest des Apostels Thomas am 3. Juli 2026 im Stephansdom habe ich mit KI dieses Bild generiert. Es fasst die erste Lesung und das Evangelium in meiner Interpretation zusammen. Anschließend habe ich die Predigt von Prof. Dr. Thomas Möllenbeck zusammengefasst, wie ich sie verstanden habe.
Im Evangelium steht NICHT, dass Thomas niederkniete und dort steht auch NICHT, dass er die Wundmale Jesu tatsächlich berührt hat. Kirchenlehrer und viele Künstler interpretieren zwar, dass es diese Berührung gab – wohl auch um zu zeigen dass Jesus kein Geist ist. Ich glaube aber, dass Thomas der Blick in die Augen des Herrn genügt hat, um zu erkennen, dass der auferstandene Christus vor ihm steht, der sein Herr und sein Gott ist.
Der Schlußstein mit dem Nimbus ist eine Referenz an die 1. Lesung und die Risse in der Mauer hinter Jesus sind eine Andeutung, dass er in den Raum kam, obwohl die Türen verschlossen waren.
Lesung und Evangelium vom Fest des Hl. Thomas interpretiert und generiert von HRP mit KI.
Predigt von Prof. Dr. Thomas Möllenbeck
Zusammenfassung und Transkript mit Plaud AI.
Die Geschichte des Apostels Thomas wird oft als Gegensatz zwischen Sehen und Glauben verstanden. Thomas gilt als der Zweifler, der erst glauben will, wenn er Jesus sieht und seine Wunden berührt. Doch diese Deutung greift zu kurz.
Denn was Thomas sieht, muss er nicht mehr glauben. Er sieht den auferstandenen Jesus vor sich. Er kann sich davon überzeugen, dass Jesus kein Geist und keine bloße Erscheinung ist. Derselbe Jesus, der gestorben ist, steht leibhaftig und doch verwandelt vor ihm. Thomas erkennt: Jesus ist wirklich auferstanden.
Aber dann sagt Thomas:
„Mein Herr und mein Gott!“
Und genau hier beginnt der Glaube. Denn dass Jesus Gott ist, kann Thomas nicht sehen. Gott ist Geist. Thomas sieht mit den Augen seines Leibes den auferstandenen Jesus – und erkennt mit den Augen des Glaubens in ihm seinen Herrn und seinen Gott.
Deshalb gehört auch Thomas zu jenen, von denen Jesus sagt:
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
Auch die Apostel mussten glauben, was sie nicht sehen konnten. Sie sahen den auferstandenen Christus. Aber sie konnten nicht sehen, dass auch wir alle auferstehen werden. Sie mussten Jesus auf sein Wort vertrauen: dass der Tod nicht das Ende ist, dass Leib und Seele zur ganzen Person gehören und dass Gott den Menschen zu einer neuen Daseinsform verwandeln wird.
So gilt für Thomas, für die Apostel und für uns dieselbe Definition des Glaubens aus dem Hebräerbrief:
„Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.“ (Hebr 11,1)
Wir hoffen auf die Auferstehung des Fleisches, auf die Gemeinschaft der Heiligen und darauf, Gott eines Tages zu schauen. Wie dieses neue Leben sein wird, wissen wir nicht. Aber wir vertrauen auf die Verheißung, dass wir verwandelt werden und Gott schauen werden, wie er ist.
Am Ende führt die Predigt mitten in die Eucharistie. Auch hier unterscheiden sich Sehen und Glauben:
Unsere leiblichen Augen sehen Brot und Wein. Die Augen des Glaubens erkennen die Gegenwart Christi.
So verbindet sich das Fest des Apostels Thomas unmittelbar mit jeder Eucharistiefeier:
Thomas sieht den Auferstandenen und glaubt: „Mein Herr und mein Gott.“ Wir sehen die eucharistischen Gestalten und glauben: Christus ist gegenwärtig.
Der Glaube beginnt nicht dort, wo der Mensch nichts weiß. Er beginnt dort, wo das Sichtbare allein nicht ausreicht – und der Mensch sich auf Gottes Verheißung stellt.
Glauben heißt: feststehen in dem, was man erhofft.
Der Stephansdom ist eine der wärmsten Kirchen der Stadt – vor allem wegen der vielen Menschen dort. Heute kündigte Domkurat Prof. Dr. Thomas Möllenbeck daher an, kurz zu predigen und sich auf ein Thema zu konzentrieren.
Ich habe die Predigt nach bestem Wissen transkribiert und hoffe, alles richtig verstanden zu haben.
Kernsynopsis
Die zentrale These der Predigt ist eine theologische Neudeutung der Gottesfurcht. Statt der landläufigen Annahme, dass der Teufel die Instanz sei, die „Seele und Leib in der Hölle verderben kann“, wird argumentiert, dass diese Macht allein bei Gott liegt. Dieser scheinbare Widerspruch wird dialektisch aufgelöst: Gott will das Verderben der Seele nicht – Er ist die Liebe in Person – aber das Verderben ist die unausweichliche Konsequenz, wenn sich die Seele von Ihm, der einzigen Quelle ewigen Lebens und unendlicher Liebe, abwendet. Die Hölle wird daher nicht als eine von Gott aktiv verhängte Strafe definiert, sondern als der selbstgewählte Zustand der Trennung von Ihm. Die ultimative „frohe Botschaft“ ist somit, dass uns nichts von Gottes Liebe scheiden kann, außer unserer eigenen Entscheidung, diese Verbindung zu lösen.
Logische Rekonstruktion: Die Dialektik der Gottesfurcht
1. Die These: Eine provokante Neuinterpretation
Die Predigt eröffnet mit einer Konfrontation der gängigen Interpretation der Schriftstelle „Fürchtet euch vielmehr vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann“.
Gängige Annahme: Die meisten Menschen assoziieren diese zerstörerische Macht mit dem Teufel.
Theologische Korrektur (gestützt auf Johannes Chrysostomus): Nicht der Teufel, sondern Gott ist die Instanz, die diese ultimative Macht besitzt. Dies wird zunächst als beunruhigende „Drohbotschaft“ dargestellt.
2. Die Antithese: Gottes Wesen als reine Liebe
Unmittelbar nach der provokanten These wird das Gegenargument eingeführt, das auf dem Wesen Gottes basiert.
Gottes Wille: Gott kann das Verderben der Seele nicht wollen. Sein Wesen ist die unendliche Liebe in drei Personen (Vater, Sohn, Heiliger Geist), und sein Schöpfungsziel ist, dass die Seele in dieser Liebe fest verwurzelt ist und an ihr teilhat.
Gottes Fürsorge: Die Schrift bestätigt dies mit dem Bild der gezählten Haare und dem Wert des Menschen, der den von Spatzen übersteigt. Kein Spatz fällt ohne Gottes Willen vom Himmel.
3. Die Synthese: Freiheit, Verantwortung und die Definition der Hölle
Die Auflösung des Widerspruchs liegt in der menschlichen Freiheit und der Natur der Seele.
Die Bedingung für das Leben der Seele: Die Seele kann nur durch die Teilhabe an Gottes unendlicher und ewiger Liebe leben. Nur Er kann garantieren, dass sie nicht „verdirbt“.
Die Rolle der Sünde: Die Sünde, beginnend mit Adam, ist die aktive Lösung aus dieser Verwurzelung in Gottes Liebe. Sie ist eine Entscheidung, die Trennung herbeiführt.
Neudefinition der Hölle: Die Hölle ist nicht ein Ort, an den Gott jemanden schickt, sondern der Zustand, „fern von Gott sein und dableiben wollen“. Das Verderben der Seele ist die logische Folge der Abwesenheit ihrer einzigen Lebensquelle, nicht eine aktive Bestrafung.
Die letzte Konsequenz: Gott will unsere Verwurzelung in der Liebe, aber „dazu gehören zwei“. Wenn der Mensch sich löst, kann Gott nicht eingreifen, ohne die menschliche Freiheit aufzuheben.
Der Schluss: Die Frohe Botschaft der unauflöslichen Bindung
Die Predigt schließt mit der Zusicherung aus dem Römerbrief (Kapitel 8), die als die eigentliche „frohe Botschaft“ dient.
Die ultimative Sicherheit: Nichts – keine Mächte, kein Tod, keine Not – kann uns von der Liebe Gottes trennen, die in Christus Jesus ist.
Die einzige Ausnahme: „Nur wir selbst“ haben die Macht, diese Trennung zu vollziehen.
Die praktizierte Antwort: Das Bekennen zu Christus, insbesondere durch die Teilnahme an der Eucharistie („Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich bleibe in ihm“), ist die aktive Bestätigung dieser Verbindung von unserer Seite aus.
Predigt von Militär-Erzdekan Dr. Harald Tripp, Stephansdom WIen, Ostersonntag, 5. April 2026, Orgelmesse um 12:00 Uhr
00:00 Erste Lesung 03:19 Zweite Lesung 06:20 Hallelujah 07:15 Evangelium 09:35 Homilie / Predigt 17:08 Glaubensbekenntnis 18:10 Fürbitten
Kernsynopse
Die zentrale Botschaft dieses Ostergottesdienstes ist die Neudefinition des Todes durch die Auferstehung Christi. Während die menschliche Erfahrung – die Schwerkraft der Sorge, der Schuld und des Verfalls – diktiert, dass alles endet, stellt die Auferstehung diese Realität in Frage. Die Erzählung verfolgt den Übergang von einem rein physischen „Sehen“ (Maria Magdalena am leeren Grab) über ein nachdenkliches „Betrachten“ (Petrus, der die Grabtücher untersucht) bis hin zu einem transformativen „Glauben“ (der andere Jünger, der erkennt). Diese Entwicklung dient als Modell für die Gläubigen: Der Osterglaube ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein innerer Weg vom Wahrnehmen über das Fragen zum Vertrauen. Die Auferstehung wird somit nicht als eine Wiederherstellung des alten Lebens dargestellt, sondern als ein Durchbruch in eine neue Wirklichkeit, in der die endgültige Macht des Todes gebrochen ist.
Pietro Perugino (1445-1523) Die Auferstehung Christi, Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek
Die Logik der Auferstehung: Vom Sehen zum Glauben
1. Das Zeugnis der Schrift
Die Lesungen begründen die theologische Grundlage für das Osterereignis. Die Apostelgeschichte legt das Fundament, indem sie Petrus‘ Zeugnis von Jesu Wirken, seiner Kreuzigung und der von Gott bewirkten Auferstehung wiedergibt. Der Kolosserbrief gibt diesem Ereignis eine spirituelle Anwendung, indem er die Gläubigen auffordert, ihren Sinn „auf das, was oben ist“ zu richten, da ihr altes Leben gestorben und mit Christus in Gott verborgen ist. Diese Texte positionieren die Auferstehung nicht als isoliertes historisches Ereignis, sondern als zentrale Achse des christlichen Glaubens und Lebens.
2. Der Weg zum Glauben: Eine dreifache Seh-Erfahrung
Das Evangelium nach Johannes schildert einen stufenweisen Prozess der Erkenntnis, der die innere Reise des Glaubens widerspiegelt:
Stufe 1: Das Wahrnehmen (Maria Magdalena): Sie sieht nur eine Tatsache – „dass der Stein vom Grab weggenommen war“. Dies ist ein rein physisches Sehen ohne Verständnis, das zu einer schnellen, aber falschen Schlussfolgerung führt („Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen“).
Stufe 2: Das Betrachten (Petrus): Er geht in das Grab hinein und untersucht die Details genauer – die liegenden Leinenbinden und das ordentlich zusammengelegte Schweißtuch. Dies ist ein suchendes, überlegendes Sehen, das Fragen aufwirft, aber noch keine endgültige Antwort findet.
Stufe 3: Das Erkennen (Der andere Jünger): Nachdem er die gleichen Beweise gesehen hat, kommt er zum Glauben. Sein Sehen transzendiert die physische Beobachtung und wird zu einer inneren Erkenntnis, einem Durchbruch zum Vertrauen in die Auferstehung.
3. Die theologische Deutung: Der Tod des Todes
Die Predigt synthetisiert diese biblischen Erzählungen zu einer zentralen These, die auf ein Zitat von Meliton von Sardes zurückgreift: „Er ist es, der den Tod getötet hat.“ Ostern wird als ein Ereignis interpretiert, das die „Schwerkraft“ der Existenz – die unaufhaltsame Tendenz zu Verfall und Tod – durchbricht. Christi Auferstehung ist keine Rückkehr ins alte Leben, sondern der Beginn einer neuen Wirklichkeit, in der die Gesetze von Tod und Endgültigkeit überwunden sind. Dieses Ereignis ist nicht nur historisch, sondern eine gegenwärtige Verheißung für die Gläubigen, die sie einlädt, über ihre eigenen Sorgen und Grenzen hinaus auf eine neue, von Gott geschaffene Realität zu vertrauen.
Und vor der Hl. Messe haben wir andächtig staunend der Pummerin gelauscht.
Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz in der Osternacht 2026
Predigt P. Johannes Paul Abrahamowicz
Freuen wir uns nicht nur, dass Jesus auferweckt wurde, sondern freuen wir uns auch darüber, warum er auferweckt wurde und darüber, was das mit uns macht.
Er wurde nämlich aus Liebe auferweckt und das macht uns dazu fähig, dass auch wir gemeinsam mit ihm lieben können. Es war nämlich lieblos von Judas, dass er Jesus den Hohepriestern ausgeliefert hat, und es war lieblos von den Hohepriestern, dass sie Jesus dem Pontius Pilatus ausgeliefert haben. Es war auch lieblos von ihnen, dass sie dann die Menge aufgewiegelt haben.
Es war aber auch lieblos von Pontius Pilatus, dass er sich aus Feigheit überreden ließ, Jesus zu kreuzigen. Es war lieblos und gehässig von den römischen Soldaten, dass sie mit Jesus alles gemacht haben, was sie wollten, bis er tot war.
Aber größer als alle diese Lieblosigkeiten ist die Liebe des Vaters. Wir nennen das die Vergebung. Nicht aus Hokuspokus hat er Jesus auferweckt, sondern aus Liebe, trotz aller Lieblosigkeiten. Er hat dem Judas verziehen, den Hohepriestern, dem Pontius Pilatus und den römischen Soldaten hat er vergeben durch die Auferweckung seines Sohnes.
Wenn wir aber diese Liebe, diese Vergebung nur verstehen, ist das zwar schön. Aber dann bleibt Ostern bloß ein gesellschaftliches Freudenfest innerhalb der Kirchenmauern.
Und während wir und alle Christen auf der Welt feiern, dass die allmächtige Liebe Gottes über das gehässige Töten gesiegt hat, verzweifeln wir trotzdem über die Nachrichten von Toten durch Kriege. Während wir Halleluja singen, weil Gott seinen Sohn wirklich auferweckt hat, sind wir weiterhin ratlos über das Bombardieren und Töten zwischen Russland und Ukraine und zwischen Israel und Iran.
Außerdem gibt es auf der Erde noch 25 weitere Kriege, die es gar nicht in die Nachrichten schaffen. Sie schaffen es zumindest in die höchste Stufe der Reisewarnungen auf der Internetseite unseres Außenministeriums. Und ein Christ, der heute mit uns feiert, der versteht, dass die Liebe Gottes mächtiger als der Tod ist, der das immerhin versteht, aber leider nur versteht, es nur mit dem Verstand erfasst, der fragt sich mit Recht, wer hier der Sieger ist. Gott mit seiner allmächtigen Liebe, der vor 2000 Jahren den toten Jesus erweckt hat. Oder die Menschen, die heute weiterhin Krieg führen und über Leichen gehen?
Wenn wir verstehen, dass Gottes Liebe zu Judas und zu den Hohepriestern und zu Pontius Pilatus und zu den römischen Soldaten größer ist als deren Lieblosigkeiten, dann ist das schon sehr schön.
Wenn aber auch wir mit Gott gemeinsam diesen zwielichtigen Judas lieben wollen, diese heuchlerischen Hohepriester, diesen feigen Pontus Pilatus und diese brutalen römischen Soldaten mit Gott gemeinsam zumindest lieben wollen, dann ist Ostern in uns.
Dann brennt das Osterfeuer in uns. Dann brennt die Osterkerze in uns. Das heißt, dann kommt Vergebung aus uns heraus.
Nicht nur im Freundeskreis der Kirchen hier, sondern auch in den Kleinkriegen in unserer Umgebung.
Und bevor ich ratlos bin über die militärischen Konflikte in der Welt, weiß ich jetzt, dass ich die persönliche Chance habe, mit den Militanten in meinem Umfeld umzugehen. Denn einen Judas hat auch jeder von uns in seiner näheren Umgebung. Und auch frömmelnde Scheinheilige, wie die Hohepriester, hat auch jeder von uns zu Hause oder in der Schule oder am Arbeitsplatz.
Und Feiglinge, die Unheil zulassen wie Pontus Pilatus und ständig unzufriedene Menschen wie die römischen Soldaten, all diese Tücken samt all deren Lieblosigkeiten hat jeder von uns in seinem Umfeld.
Und jedes Mal, wenn ich einen von diesen Typen trotz all seiner Lieblosigkeiten gemeinsam mit Gott lieben kann, erlebe ich, dass Gottes Liebe mächtiger ist als die Menschen, die Krieg führen.
Und ich erlebe es persönlich in meiner Umgebung.
Ich freue mich also nicht nur darüber, dass vor 2000 Jahren Jesus aus Liebe auferweckt wurde, sondern auch darüber, dass die Liebe Gottes heute in mir Ostern erneuert.
Amen.
Kern-Synopse
Die Auferstehung Christi ist nicht nur ein historisches Ereignis, das es intellektuell zu verstehen gilt, sondern ein aktives Prinzip der Vergebung, das in der Gegenwart umgesetzt werden muss. Der zentrale Punkt der Predigt ist, dass die Liebe Gottes, die sich in der Auferstehung manifestiert, mächtiger ist als jede menschliche Lieblosigkeit – von Judas‘ Verrat bis hin zu den heutigen Kriegen. Wenn dieses Prinzip jedoch nur als theologisches Konzept verstanden wird, bleibt es wirkungslos und führt zu einer Ratlosigkeit angesichts des weltweiten Leids. Die wahre Bedeutung von Ostern entfaltet sich erst, wenn wir die Vergebung aktiv praktizieren und lernen, die „Feinde“ in unserem persönlichen Umfeld – die Verräter, die Heuchler, die Feiglinge – bewusst mit Gott gemeinsam lieben zu wollen. Dadurch wird die Auferstehung zu einer persönlichen Erfahrung, die es uns ermöglicht, die Macht der göttlichen Liebe über die Logik des Konflikts im eigenen Leben zu erleben, anstatt nur über die Kriege in der Welt zu verzweifeln.
Die Logik der Auferstehung: Vom Verstehen zum Handeln
1. Die göttliche Antwort auf menschliche Lieblosigkeit
Die Auferstehung Jesu wird nicht als isoliertes Wunder dargestellt, sondern als direkte Antwort auf eine Kette von lieblosen Taten:
Der Verrat durch Judas.
Die Auslieferung durch die Hohepriester an Pilatus.
Die Aufwiegelung der Menge.
Die feige Zustimmung des Pontius Pilatus.
Die brutale Misshandlung und Tötung durch die römischen Soldaten.
Die Auferstehung ist demnach kein Akt der Machtdemonstration, sondern ein Akt der Liebe und Vergebung gegenüber all diesen Akteuren. Gott hat nicht aus Vergeltung gehandelt, sondern trotz all dieser Lieblosigkeiten aus Liebe vergeben.
2. Die Kluft zwischen Glaubensfest und Realität
Es wird eine scharfe Dissonanz zwischen dem österlichen Jubel der Christen und der ungelösten Gewalt in der Welt aufgezeigt.
Der intellektuelle Glaube: Christen feiern, dass Gottes Liebe den Tod besiegt hat, bleiben aber dennoch ratlos und verzweifelt angesichts von Kriegen in der Ukraine, zwischen Israel und Iran sowie 25 weiteren, medial kaum beachteten Konflikten.
Die Kernfrage: Wer ist der wahre Sieger? Gott, der vor 2000 Jahren einen Toten erweckte, oder die Menschen, die heute weiterhin Krieg führen und töten? Diese Frage bleibt unbeantwortet, solange die Auferstehung nur ein verstandenes Konzept bleibt.
3. Die Aktivierung von Ostern: Vom Globalen ins Persönliche
Die Lösung dieser Dissonanz liegt in der Verlagerung des Fokus vom abstrakten globalen Leid auf das konkrete persönliche Umfeld. Wir sind aufgefordert, die Prinzipien der Vergebung und Liebe dort anzuwenden, wo wir unmittelbaren Einfluss haben.
Die Archetypen im Alltag: Jeder von uns hat in seinem Umfeld einen „Judas“ (Verräter), „Hohepriester“ (scheinheilige Frömmler), einen „Pontius Pilatus“ (Feiglinge, die Unrecht zulassen) und „römische Soldaten“ (ständig unzufriedene, destruktive Menschen).
Der persönliche Sieg: Die wahre Erfahrung der österlichen Kraft geschieht, wenn es gelingt, diesen konkreten Menschen trotz ihrer Lieblosigkeiten mit Gott gemeinsam Liebe entgegenzubringen. In diesem Akt wird die abstrakte Wahrheit – „Gottes Liebe ist mächtiger als Krieg“ – zu einer persönlichen, gelebten Realität. So wird Ostern von einem jährlichen Fest zu einem inneren, sich ständig erneuernden Zustand.
„Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt.“
— Joh 4,14
Die Evangelien des dritten Fastensonntags führen in eine der großen Begegnungsgeschichten des Neuen Testaments: die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen.
Drei Predigten desselben Tages zeigen drei Perspektiven desselben Geheimnisses.
Der Priestermönch P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB betont die geistliche Wachsamkeit: Der Mensch lässt sich leicht von Nebensachen ablenken. Jesus aber bleibt beim Wesentlichen – der Liebe Gottes, die wie lebendiges Wasser den Durst der Seele stillt.
Der Regens des Wiener Priesterseminars Richard Tatzreiter beschreibt den existenziellen Durst des Menschen. Wie Wanderer in der Wüste suchen wir Orientierung, Ziel und Sinn. Der Durst nach Wasser wird zum Bild für den Durst nach Gott.
Der Wiener Domkurat Johannes J. Kreier geht noch einen Schritt weiter: Nicht nur der Mensch dürstet nach Gott – auch Christus dürstet nach dem Glauben des Menschen. „Mich dürstet“, sagt Jesus am Kreuz. Er dürstet danach, dass der Mensch sich erkennen lässt, so wie er ist.
In dieser Begegnung geschieht etwas Entscheidendes: Die Samariterin fühlt sich nicht bloßgestellt, sondern erkannt. Aus dieser Erfahrung wächst Vertrauen. Aus Vertrauen wächst Glaube. Und aus Glaube entsteht Zeugnis.
Am Ende wird aus der suchenden Frau eine Verkünderin: „Er ist wirklich der Retter der Welt.“
Das Evangelium zeigt damit eine überraschende Wahrheit: Der Mensch sucht Gott – aber Gott sucht ebenso den Menschen.
Predigt von Militärerzdekan Dr. Harald Tripp zum 2. Sonntag der Fastenzeit, 1. März 2026, Stephansdom Wien
„Ich bin ein großes Schweigen und weiß nicht, wer mich hört.“
Dieser Satz stammt aus einem Brief der großen Kärntner Schriftstellerin Christine Lavant. Er bringt eine Erfahrung zum Ausdruck, die viele Menschen kennen: mit ihren Fragen, Hoffnungen und Zweifeln im Raum des Lebens zu stehen – und nicht zu wissen, ob sie gehört werden.
Das Werk Lavants ist geprägt vom Schweigen, vom Leiden, aber auch von der Hoffnung und der Suche nach Sinn – gezeichnet durch Krankheit, Armut und Verunsicherung.
Wenn wir den Bogen zu den heutigen Lesungen spannen, begegnen wir in der ersten Lesung aus dem Buch Genesis einem Menschen, der genau in eine solche Unsicherheit hinein von Gott angesprochen wird. Der Herr spricht zu Abraham: Zieh weg aus deinem Land, aus deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in ein Land, das ich dir zeigen werde.
Abraham erhält keine detaillierte Wegbeschreibung. Keine Garantie. Keine Absicherung für ein leichtes Leben. Nur eine Verheißung des Segens.
Und doch heißt es schlicht: „Abraham ging, wie der Herr es ihm gesagt hatte.“
In diesem Gehen liegt bereits eine Verwandlung. Abraham bleibt nicht der, der er war. Sein Leben wird nicht mehr von Herkunft oder Sicherheiten bestimmt, sondern von einer Verheißung – von Gottes Zusage.
Auch der Apostel Paulus greift diesen Gedanken auf, wenn er an Timotheus schreibt: „Gott hat uns gerufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aus eigenem Entschluss und aus Gnade.“
Der Anfang unseres Glaubens liegt nicht in moralischer Leistung oder religiöser Anstrengung, sondern im liebenden Ja Gottes zu uns.
Gerade in der Fastenzeit kann der Eindruck entstehen, wir müssten uns Gottes Nähe verdienen – durch Verzicht, Disziplin oder besondere geistliche Anstrengung. Doch jede echte Verwandlung wächst aus Gottes Gnade, nicht aus Selbstoptimierung.
Im Evangelium hören wir von der Verklärung Jesu auf dem Berg. Vor den Augen der Jünger wird er verwandelt – im Griechischen heißt es: metamorphosis. Das bedeutet nicht, dass etwas völlig Neues entsteht, sondern dass das innere Wesen sichtbar wird.
Die Verklärung zeigt, wer Jesus in Wahrheit ist: der geliebte Sohn, vom göttlichen Licht durchdrungen.
Früh dargestellt ist diese Szene im berühmten Mosaik des 6. Jahrhunderts im Katharinenkloster am Sinai. Dort steht Christus im Zentrum einer leuchtenden Mandorla. Das Licht geht von ihm selbst aus. Die Jünger sind überwältigt, geblendet, fast zu Boden geworfen.
Das Licht war immer da – für einen Augenblick dürfen sie es sehen.
Doch diese Szene steht im Zusammenhang mit der Leidensankündigung. Der heilige Augustinus von Hippo sagt: Christus zeigte ihnen seine Herrlichkeit, damit sie das Ärgernis des Kreuzes ertragen könnten.
Das Licht ist nicht zur Flucht aus der Wirklichkeit gegeben, sondern als Kraftquelle für den Weg durch das Dunkel.
Am Ende tritt Jesus zu den erschrockenen Jüngern, berührt sie und sagt: „Steht auf, fürchtet euch nicht.“
Gott nimmt uns die Herausforderungen nicht ab. Manche Kreuze sind schwer. Aber er lässt uns nicht allein.
Fastenzeit führt nicht am Kreuz vorbei. Sie führt durch Fragen, durch Verzicht, durch innere Kämpfe – aber sie geht auf Ostern zu.
Fastenzeit ist eine Metamorphose: Gott will sichtbar machen, was er längst in uns hineingelegt hat – sein Licht, seine Hoffnung, seine Liebe.
Vielleicht fühlen wir uns dennoch manchmal wie ein großes Schweigen.
Doch die Stimme vom Berg sagt: „Auf ihn sollt ihr hören.“
Und Jesus sagt: „Fürchtet euch nicht.“
Vielleicht verwandelt sich unser Schweigen langsam in Vertrauen. Nicht laut, nicht spektakulär – aber getragen vom Licht Christi.
„Ich bin ein großes Schweigen“ – ja vielleicht. Aber ein Schweigen, das gehört wird. Ein Schweigen, in das Gott sein Licht spricht.
Diese Predigt zum 2. Sonntag der Fastenzeit (Verklärung Jesu) im Stift Göttweig 2026, gehalten von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB, kreist um eine einzige Bewegung: vom Chaos der Welt zur Hoffnung, die den Tod übersteigt.
Ausgangspunkt ist die irritierende Weltlage: Kriege, Machtspiele, moralische Doppelstandards. Doch die Frage bleibt nicht bei der „Weltpolitik“, sondern wird persönlich: Wohin führt unsere Wohnzimmerpolitik? Wo tragen wir selbst Streit, Angst und Verhärtung weiter?
Die Schriftlesungen antworten dreifach:
Abram (Gen 12,1–4a) soll aufbrechen – ohne Zielangabe, nur mit der Zusage des Segens. Loslassen des Vergänglichen.
Jesus (Mt 17,1–9 im Kontext der Leidensankündigung) geht bewusst nach Jerusalem. Die Verklärung ist kein Ausweichen vor dem Kreuz, sondern ein Vorgeschmack auf die Verwandlung durch den Tod hindurch.
Paulus an Timotheus (2 Tim 1,8b–10) bekennt: Christus hat dem Tod die Macht genommen. Wer keine Hoffnung hat, stirbt innerlich; wer hofft, dem stirbt die Angst vor dem Tod.
Der Kern der Predigt: Wir glauben nicht an eine diffuse Hoffnung, sondern an die Liebe, die Gott selbst ist (vgl. 1 Kor 13; 1 Joh 4,8). Diese Liebe ist stärker als der Tod – und alles, was stärker ist als der Tod, gehört bereits zu den „ewigen Freuden“.
In der Eucharistie wird diese Liebe nicht nur gedacht, sondern gesehen, gehört und empfangen.
So ruft die Predigt dazu auf, das Vergängliche loszulassen und sich in die Wandlung Christi hineinnehmen zu lassen – mitten in einer unruhigen Welt.
„Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes.“
Röm 8,19
Die Heilige Agatha (5.2.) erinnert heute nicht an Heldentum, sondern an Treue. Treue zum eigenen Gewissen. Treue zur Würde des Lebens. Treue zu Gott – auch dort, wo es weh tut.
Paulus weitet den Blick: Nicht nur der Mensch leidet. Auch die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen – und zugleich voller Hoffnung. Hoffnung darauf, dass Leid nicht das letzte Wort behält. Dass das Zerbrechliche nicht verloren ist. Dass Freiheit und Herrlichkeit größer sind als Angst und Gewalt.
Darum ist dieser Tag nicht nur ein Gedenktag für Agatha. Er ist auch ein stiller Gruß an alle, die heute Namenstag haben: Adelheid. Heidi. Heidrun. Albina. Albuin. Namen von Menschen, die getragen sind – nicht von Stärke, sondern von Beziehung.
Und wir alle dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns liebt. Auch wenn wir das manchmal im Augenblick nicht verstehen und deuten können. Am Ende wird immer alles gut.
Glaube zeigt sich nicht im Lauten. Sondern im Bleiben. Im Aushalten. Im Vertrauen, dass Gott auch dort nahe ist, wo wir selbst keinen Halt mehr spüren.
Faksimile der Legende: Magnificat – das Stundenbuch 2026/02