Autor: Harald R. Preyer

  • Allerheiligen – Ankommen im Licht

    Am Beginn des dunklen Monats November leuchtet Allerheiligen wie ein Versprechen auf. Wir feiern alle, die vollendet sind in Gottes Licht – die bekannten Heiligen ebenso wie die unzähligen stillen Menschen, die durch Güte, Hingabe und Liebe Zeugnis ihres Glaubens gegeben haben.
    Allerheiligen erinnert uns daran, dass Heiligkeit kein exklusiver Titel ist, sondern eine Richtung: hin auf Gott. Wer liebt, heilt. Wer vergibt, heiligt. Wer in dunklen Zeiten das Gute sucht, leuchtet schon jetzt im Glanz der Ewigkeit.

    Das Hochfest Allerheiligen hat seine Wurzeln in der frühen Kirche, als man der Märtyrer gedachte. Heute gilt der Tag allen, die uns im Glauben vorangegangen sind. Ihr Leben ist nicht vergangen, sondern verwandelt – in eine Gegenwart bei Gott.

    Hilde Reiser, „Licht“, Acrylfarben auf Papier, 73 × 52 cm, 2012, Privatbesitz © Rechtenachfolge

    Die Kunst der Malerin Hilde Reiser (1929–2019) gibt diesem Geheimnis eine Form: Ihr Bild „Licht“ zeigt Menschen, die sich aus der Dunkelheit in einen leuchtenden Strudel des Lebens ziehen lassen. Der Sog der Farben erinnert daran, dass wir alle auf dieses Licht hin unterwegs sind. Allerheiligen feiert diese Bewegung – das Aufstehen, das Ankommen, das Heimkehren.

    So ist dieser Tag kein Tag der Trauer, sondern der Hoffnung. Wir sind verbunden mit denen, die das Ziel schon erreicht haben – und zugleich gerufen, in unserem Alltag Spuren dieses Lichts zu hinterlassen.

  • Süßes oder Saures? – Jedenfalls siegt die Liebe

    Wenn der Herbst sich neigt, rückt eine besondere Zeit des Jahres heran: Tage zwischen Nebel und Licht, zwischen Erinnerung und Hoffnung. Vier Feste liegen nun eng beieinander – und sie erzählen, jedes auf seine Weise, vom Leben, vom Tod und von der Liebe, die beides verbindet.

    Wien, am 31.10.2025, Harald R. Preyer

    Halloween – der Abend der offenen Grenze

    Am 31. Oktober feiern viele Menschen Halloween, den „All Hallows’ Eve“, also den Abend vor Allerheiligen. Ursprünglich war dies das keltische Samhain-Fest, das den Übergang in die dunkle Jahreszeit markierte. Man glaubte, in dieser Nacht könnten die Seelen der Verstorbenen zur Erde zurückkehren. Um ihnen wohlgesinnt zu sein, stellte man Speisen vor die Türen – Zeichen der Achtung und des Gebets.

    Später entstand in Irland und England daraus das sogenannte „Souling“: Kinder und Arme zogen von Haus zu Haus, baten um kleine Gaben und versprachen, für die Verstorbenen der Familie zu beten. Das amerikanische „Trick or Treat“ – „Süßes oder Saures“ – ist die spielerische Fortsetzung dieses alten Brauchs. Was einst ein Akt des Teilens und der Fürbitte war, wurde zum fröhlichen Ritual des Schenkens und Lachens.

    Natürlich hat der Kommerz heute vieles überdeckt. Doch man darf das auch milde sehen: Wenn Kinder mit Freude und Mut durch die Dunkelheit ziehen, tragen sie – ohne es zu wissen – ein uraltes Symbol weiter. Licht besiegt Angst. Lachen vertreibt die Finsternis.

    Allerheiligen – die große Gemeinschaft der Liebe

    Am 1. November feiert die Kirche das Hochfest Allerheiligen. Eingeführt wurde es von Papst Gregor III. (731–741), der in Rom eine Kapelle allen Heiligen weihte, „deren Namen nur Gott kennt“. Dieser Tag ehrt alle Menschen, die in Güte und Liebe gelebt haben – nicht nur die großen Gestalten, sondern auch die stillen, unscheinbaren. Heiligkeit ist keine Ausnahme, sondern Berufung.

    Allerseelen – das Gebet, das verbindet

    Am 2. November betet die Kirche für die Verstorbenen, die – so der Glaube – noch auf dem Weg zur Vollendung sind. Kerzen auf den Gräbern erinnern daran: Unsere Liebe begleitet sie. Allerseelen ist kein Tag der Traurigkeit, sondern der Verbundenheit – ein stilles Fest der Hoffnung, dass niemand verloren geht.


    Der Heilige Martin – Licht, das sich teilt

    Am 11. November schließlich ziehen Kinder mit Laternen – nicht zu Halloween, sondern zum Fest des Heiligen Martin von Tours. Der römische Soldat, der seinen Mantel mit einem Bettler teilte, ist zum Sinnbild gelebter Nächstenliebe geworden. Sein Licht entsteht, wo wir teilen.

    So gesehen gehören diese vier Feste innerlich zusammen:
    Halloween öffnet den Blick für das Geheimnis von Leben und Tod, Allerheiligen feiert die Vollendung in Gott, Allerseelen hält die Liebe lebendig, und Sankt Martin zeigt, wie diese Liebe im Alltag Gestalt gewinnt.

    Und vielleicht gilt am Ende nur dies:
    Ob Süßes oder Saures – entscheidend ist die Liebe.

  • Die Liebe Gottes bleibt

    Schwestern und Brüder! Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns? Er hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?
    Wer kann die Auserwählten Gottes anklagen? Gott ist es, der gerecht macht. Wer kann sie verurteilen? Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, er sitzt zur Rechten Gottes und tritt für uns ein.

    Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? Wie geschrieben steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. In alldem tragen wir einen glänzenden Sieg davon durch den, der uns geliebt hat.

    Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges noch Gewalten, weder Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

    Röm 8, 31b–39

  • Sorge Dich nicht – Lebe

    Ich hatte mein ganzes Leben viele Probleme und Sorgen.
    Die meisten von ihnen sind aber niemals eingetreten.

    Mark Twain (1835–1910)

    • Kenne ich das von mir? Welche Sorgen plagen mich heute?
    • Hilft mir die sanfte Erinnerung, dass ich alle diese Sorgen auf Gott werfen darf?

    „Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch.“
    (1 Petr 5, 7)

  • Macht Glaube glücklich?

    Zwei Urnenbestattungen im warmen Herbstlicht

    Heute habe ich zwei Urnen-Beisetzungen begleitet.
    Zwei Friedhöfe, zwei sehr verschiedene Familien – und doch hatten sie etwas gemeinsam:
    In beiden Feiern war Gott „verboten“.
    Nicht aus Überzeugung, sondern aus Enttäuschung, aus Schmerz – vielleicht Wut.
    Aus der Frage, die manchmal Menschen quält:
    Wie kann Gott so etwas zulassen?

    Ich habe darauf keine Antwort.
    Aber ich habe gespürt, dass Dankbarkeit hilft.
    Dankbar zu sein für das, was war – für gemeinsame Stunden, für Liebe, für das, was bleibt.

    In einer der Feiern durfte ich den Liebesbrief einer jungen Witwe lesen. So zart, so echt. Im Gesicht der Eltern sah ich für einen Moment wieder ein Leuchten.

    Vielleicht war das der Augenblick, in dem Gott doch da war – ganz leise.

    Manchmal glaube ich, unser Auftrag als Seelsorger, als Redner, als Menschen ist nicht, Antworten zu geben.
    Sondern Herzen zu berühren.
    Menschen daran zu erinnern, dass Liebe stärker ist als Tod.
    Und dass Dankbarkeit die Tür zur Hoffnung öffnet.

    Ob Glaube glücklich macht?
    Vielleicht ja – wenn wir ihn nicht verteidigen,
    sondern leben.
    Still, herzlich, menschlich.

  • Psalm 31 – In der Bedrängnis

    Wie groß ist deine Güte, Herr,
    die du bereithältst für alle, die dich fürchten und ehren;
    du erweist sie allen, die sich vor den Menschen zu dir flüchten.
    Du beschirmst sie im Schutz deines Angesichts
    vor dem Toben der Menschen.
    Wie unter einem Dach bewahrst du sie
    vor dem Gezänk der Zungen.

    Gepriesen sei der Herr, der wunderbar an mir gehandelt
    und mir seine Güte erwiesen hat zur Zeit der Bedrängnis.
    Ich aber dachte in meiner Angst:
    Ich bin aus deiner Nähe verstoßen.
    Doch du hast mein lautes Flehen gehört,
    als ich zu dir um Hilfe rief.

    Psalm 31,   Verse 20–25

    Impuls

    Wie oft glauben wir in der Not, Gott habe uns vergessen.
    Doch später – manchmal erst viel später – erkennen wir:
    Er war da, auch im Schweigen, auch in der Angst.
    Dankbarkeit wächst aus dieser Rückschau:
    „Du hast mein lautes Flehen gehört.“

  • Meine Hoffnung und meine Freude

    Meine Hoffnung und meine Freude,
    meine Stärke, mein Licht.
    Christus, meine Zuversicht,
    auf dich vertrau ich
    und fürcht mich nicht,
    auf dich vertrau ich
    und fürcht mich nicht.

    Taizé nach Jes 12,2 – GL 365

    Impuls

    Manchmal reicht ein einziger Satz, um uns innerlich zu halten:
    „Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.“
    Dieser einfache Vers aus Taizé ist wie ein Atemgebet – ein leises Ja zu Gott mitten in der Angst.
    Er erinnert uns: Vertrauen ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung.
    Und wer sie trifft, spürt: Es trägt.

  • Abba und Imma – Gott ist Vater und Mutter zugleich

    „Gott ist unser Vater; noch mehr: Er ist unsere Mutter.“

    Papst Johannes Paul I. beim Angelusgebet am 10. September 1978

    Impuls

    Jesus sprach Aramäisch. Wenn er Gott „Abba“ nannte, meinte er damit nicht den fernen, herrschenden Vater, sondern den vertrauten „Papa“ – den, dem man sich ohne Angst anvertrauen kann.
    Das aramäische Wort für „Mutter“ lautet Imma – ein ebenso zärtlicher Ausdruck, voller Nähe und Geborgenheit.

    Beides zusammen – Abba und Imma – beschreibt das Herz Gottes: stark und schützend, zärtlich und tröstend zugleich.
    Für Trauernde kann dieser Gedanke tiefen Trost schenken:
    Wir sind nicht allein. Wir dürfen uns bergen in der Liebe, die uns gezeugt und geboren hat, die uns hält und wieder heimholt.
    In ihr dürfen wir bleiben – als Kinder Gottes.

  • Abba, Vater!

    „Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, sodass ihr immer noch Furcht haben müsstet, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!“

    Röm 8,15

    Impuls

    In schwierigen Zeiten fällt es uns oft schwer zu glauben, dass wir getragen sind. Paulus erinnert uns daran, dass wir keine Sklaven der Angst sind, sondern Kinder Gottes – mit allem, was dazugehört: Vertrauen, Nähe, Geborgenheit.
    Wenn wir „Abba, Vater“ sagen, bekennen wir: Ich bin nicht allein. Ich gehöre zu jemandem, der mich liebt – ohne Bedingungen, ohne Angst.
    Diese Gewissheit kann in der Trauer Trost schenken: Wir bleiben Kinder Gottes, auch wenn wir Vater oder Mutter verlieren. Und unsere Verstorbenen sind nicht verschwunden, sondern heimgekehrt – voraus gegangen in die Liebe dessen, den Jesus „Abba“ nennt.

  • Alles getan

    Ihr nennet mich Licht –
    so sehet mich doch.
    Ihr nennet mich Weg –
    so folget mir doch.
    Ihr nennet mich Leben –
    so suchet mich doch.
    Ihr heißet mich schön –
    so liebet mich doch.
    Ihr heißt mich die Liebe –
    so folgt doch der Bahn,
    denn wenn ihr mich liebt,
    habt ihr alles getan.

    Als christlicher Trauerredner sage ich diese tröstende Botschaft aus dem Lübecker Dom oft auch Menschen, die längst nicht mehr zum Kreis der Messbesucher gehören. Die meisten nehmen sie gerne dankbar an.

    Der Dom zu Lübeck in der Nacht

    Im Jahre 1173 legte Heinrich der Löwe als Stifter den Grundstein des Doms als Kathedrale für das Bistum Lübeck, nachdem in den Jahren 1160–63 das Domkapitel und der Bischofssitz von Oldenburg in Holstein unter Bischof Gerold hierher verlegt worden war. Der Lübecker Dom gehört somit zu den vier sogenannten Löwendomen (Ratzeburg 1160/70, Schwerin 1171, Braunschweig 1173). Die Kirche wurde als Bischofskirche Johannes dem Täufer und als Gemeindekirche dem Heiligen Nikolaus geweiht.

    Quelle: Wikipedia abgerufen am 25.10.2025
    https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCbecker_Dom