Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
Kol 1, 12–13
Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind. Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
Kol 1, 12–13
Vor 41 Jahren verließ sie Wien und ging als Au pair nach Südfrankreich.
Es sollte nur für ein halbes Jahr sein.
Sie wollte Abstand gewinnen.
Von ihrer Schwester.
Von einer tiefen Verletzung.
Erst viele Jahre später – beim Gebet am Grab der Mutter – löste sich die Verbitterung.
Und ihre Tränen wurden zu Tränen der Versöhnung.
Amor vincit – die Liebe siegt.
Stellen Sie sich vor, der Papst gratuliert Menschen zu ihrem christlichen Verhalten, die nie in die Kirche gehen…
Impuls von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB aus Stift Göttweig zum Evangelium vom ungläubigen Thomas am Sonntag der Barmherzigkeit 2026.
Kann ich gemeinsam mit Gott meine Feinde lieben?
Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz in der Osternacht 2026
Freuen wir uns nicht nur, dass Jesus auferweckt wurde, sondern freuen wir uns auch darüber, warum er auferweckt wurde und darüber, was das mit uns macht.
Er wurde nämlich aus Liebe auferweckt und das macht uns dazu fähig, dass auch wir gemeinsam mit ihm lieben können. Es war nämlich lieblos von Judas, dass er Jesus den Hohepriestern ausgeliefert hat, und es war lieblos von den Hohepriestern, dass sie Jesus dem Pontius Pilatus ausgeliefert haben. Es war auch lieblos von ihnen, dass sie dann die Menge aufgewiegelt haben.
Es war aber auch lieblos von Pontius Pilatus, dass er sich aus Feigheit überreden ließ, Jesus zu kreuzigen. Es war lieblos und gehässig von den römischen Soldaten, dass sie mit Jesus alles gemacht haben, was sie wollten, bis er tot war.
Aber größer als alle diese Lieblosigkeiten ist die Liebe des Vaters. Wir nennen das die Vergebung. Nicht aus Hokuspokus hat er Jesus auferweckt, sondern aus Liebe, trotz aller Lieblosigkeiten. Er hat dem Judas verziehen, den Hohepriestern, dem Pontius Pilatus und den römischen Soldaten hat er vergeben durch die Auferweckung seines Sohnes.
Wenn wir aber diese Liebe, diese Vergebung nur verstehen, ist das zwar schön. Aber dann bleibt Ostern bloß ein gesellschaftliches Freudenfest innerhalb der Kirchenmauern.
Und während wir und alle Christen auf der Welt feiern, dass die allmächtige Liebe Gottes über das gehässige Töten gesiegt hat, verzweifeln wir trotzdem über die Nachrichten von Toten durch Kriege. Während wir Halleluja singen, weil Gott seinen Sohn wirklich auferweckt hat, sind wir weiterhin ratlos über das Bombardieren und Töten zwischen Russland und Ukraine und zwischen Israel und Iran.
Außerdem gibt es auf der Erde noch 25 weitere Kriege, die es gar nicht in die Nachrichten schaffen. Sie schaffen es zumindest in die höchste Stufe der Reisewarnungen auf der Internetseite unseres Außenministeriums. Und ein Christ, der heute mit uns feiert, der versteht, dass die Liebe Gottes mächtiger als der Tod ist, der das immerhin versteht, aber leider nur versteht, es nur mit dem Verstand erfasst, der fragt sich mit Recht, wer hier der Sieger ist. Gott mit seiner allmächtigen Liebe, der vor 2000 Jahren den toten Jesus erweckt hat. Oder die Menschen, die heute weiterhin Krieg führen und über Leichen gehen?
Wenn wir verstehen, dass Gottes Liebe zu Judas und zu den Hohepriestern und zu Pontius Pilatus und zu den römischen Soldaten größer ist als deren Lieblosigkeiten, dann ist das schon sehr schön.
Wenn aber auch wir mit Gott gemeinsam diesen zwielichtigen Judas lieben wollen, diese heuchlerischen Hohepriester, diesen feigen Pontus Pilatus und diese brutalen römischen Soldaten mit Gott gemeinsam zumindest lieben wollen, dann ist Ostern in uns.
Dann brennt das Osterfeuer in uns. Dann brennt die Osterkerze in uns. Das heißt, dann kommt Vergebung aus uns heraus.
Nicht nur im Freundeskreis der Kirchen hier, sondern auch in den Kleinkriegen in unserer Umgebung.
Und bevor ich ratlos bin über die militärischen Konflikte in der Welt, weiß ich jetzt, dass ich die persönliche Chance habe, mit den Militanten in meinem Umfeld umzugehen. Denn einen Judas hat auch jeder von uns in seiner näheren Umgebung. Und auch frömmelnde Scheinheilige, wie die Hohepriester, hat auch jeder von uns zu Hause oder in der Schule oder am Arbeitsplatz.
Und Feiglinge, die Unheil zulassen wie Pontus Pilatus und ständig unzufriedene Menschen wie die römischen Soldaten, all diese Tücken samt all deren Lieblosigkeiten hat jeder von uns in seinem Umfeld.
Und jedes Mal, wenn ich einen von diesen Typen trotz all seiner Lieblosigkeiten gemeinsam mit Gott lieben kann, erlebe ich, dass Gottes Liebe mächtiger ist als die Menschen, die Krieg führen.
Und ich erlebe es persönlich in meiner Umgebung.
Ich freue mich also nicht nur darüber, dass vor 2000 Jahren Jesus aus Liebe auferweckt wurde, sondern auch darüber, dass die Liebe Gottes heute in mir Ostern erneuert.
Amen.

Die Auferstehung Christi ist nicht nur ein historisches Ereignis, das es intellektuell zu verstehen gilt, sondern ein aktives Prinzip der Vergebung, das in der Gegenwart umgesetzt werden muss. Der zentrale Punkt der Predigt ist, dass die Liebe Gottes, die sich in der Auferstehung manifestiert, mächtiger ist als jede menschliche Lieblosigkeit – von Judas‘ Verrat bis hin zu den heutigen Kriegen. Wenn dieses Prinzip jedoch nur als theologisches Konzept verstanden wird, bleibt es wirkungslos und führt zu einer Ratlosigkeit angesichts des weltweiten Leids. Die wahre Bedeutung von Ostern entfaltet sich erst, wenn wir die Vergebung aktiv praktizieren und lernen, die „Feinde“ in unserem persönlichen Umfeld – die Verräter, die Heuchler, die Feiglinge – bewusst mit Gott gemeinsam lieben zu wollen. Dadurch wird die Auferstehung zu einer persönlichen Erfahrung, die es uns ermöglicht, die Macht der göttlichen Liebe über die Logik des Konflikts im eigenen Leben zu erleben, anstatt nur über die Kriege in der Welt zu verzweifeln.
Die Auferstehung Jesu wird nicht als isoliertes Wunder dargestellt, sondern als direkte Antwort auf eine Kette von lieblosen Taten:
Die Auferstehung ist demnach kein Akt der Machtdemonstration, sondern ein Akt der Liebe und Vergebung gegenüber all diesen Akteuren. Gott hat nicht aus Vergeltung gehandelt, sondern trotz all dieser Lieblosigkeiten aus Liebe vergeben.
Es wird eine scharfe Dissonanz zwischen dem österlichen Jubel der Christen und der ungelösten Gewalt in der Welt aufgezeigt.
Die Lösung dieser Dissonanz liegt in der Verlagerung des Fokus vom abstrakten globalen Leid auf das konkrete persönliche Umfeld. Wir sind aufgefordert, die Prinzipien der Vergebung und Liebe dort anzuwenden, wo wir unmittelbaren Einfluss haben.
Christus Jesus, noch bevor du Lazarus wiedererwecktest, bekannte Marta dich als den König des Lebens. Dich bitten wir:
A: Lass uns auf deine Hilfe vertrauen.
Wenn wir uns in der Betrachtung deines Erlösungswerkes gesammelt und mit dir zum Vater gebetet haben,
– hilf uns, in deinem Sinn zu handeln.
Wenn ein lieber Mensch nicht mehr bei uns ist,
– sei du uns nah mit deinem Trost.
Wenn wir Trauernden begegnen,
– gib, dass wir sie nicht vertrösten, sondern durch unser Dasein stärken.
A: Lass uns auf deine Hilfe vertrauen.
Vaterunser
Herr, unser Gott, dein Sohn hat sich aus Liebe zur Welt dem Tod überliefert. Lass uns in seiner Liebe bleiben und mit deiner Gnade aus ihr leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
Der Herr lasse uns wachsen
und reich werden an Liebe zueinander und mache unser Herz stark und untadelig in Heiligkeit vor unserem Gott und Vater.“
Quelle: aus dem Morgengebet zum 5. Fastensonntag in Magnificat – das Stundenbuch vom März 2026
Gestern saß ich beim Leichenschmaus neben zwei Frauen.
Sie kannten einander gut – und doch war zwischen ihnen etwas Unausgesprochenes.
Die eine war die Mutter des Verstorbenen.
Die andere seine Frau.
Es war nicht laut an unserem Tisch.
Man hörte Besteck, leise Gespräche, irgendwo ein gedämpftes Lachen.
Dann fragte die Witwe, ganz vorsichtig:
„Glaubst du … dass dein Sohn jetzt im Himmel ist?“
Die Mutter antwortete nicht sofort.
Sie sah auf ihre Hände.
„Ich weiß es nicht …“, sagte sie schließlich.
„Ich habe oft gehadert …“
Es war kein Vorwurf mehr in ihrer Stimme.
Eher etwas wie Müdigkeit.
Eine Pause.
Dann sagte die Witwe:
„Ich habe heute einen Gedanken gehört …
Der Himmel beginnt nicht erst nach dem Tod …
sondern dort, wo ein Mensch der Liebe vertraut.“
Die Mutter hob den Blick.
„Und glaubst du, dass er das konnte?“
Die Antwort kam leise:
„Ich glaube, er hat geliebt.
Nicht immer leicht … aber echt.“
Wieder Stille.
Dann sagte die Mutter, kaum hörbar:
„Ja …“
Und nach einer Weile:
„Dann … ist er vielleicht schon dort.“
Am Abend habe ich dann noch einmal den Impuls von P. Johannes Paul aus 2023 angesehen.
Diese Predigt zum 2. Sonntag der Fastenzeit (Verklärung Jesu) im Stift Göttweig 2026, gehalten von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB, kreist um eine einzige Bewegung: vom Chaos der Welt zur Hoffnung, die den Tod übersteigt.
Ausgangspunkt ist die irritierende Weltlage: Kriege, Machtspiele, moralische Doppelstandards. Doch die Frage bleibt nicht bei der „Weltpolitik“, sondern wird persönlich: Wohin führt unsere Wohnzimmerpolitik? Wo tragen wir selbst Streit, Angst und Verhärtung weiter?
Die Schriftlesungen antworten dreifach:
Der Kern der Predigt: Wir glauben nicht an eine diffuse Hoffnung, sondern an die Liebe, die Gott selbst ist (vgl. 1 Kor 13; 1 Joh 4,8). Diese Liebe ist stärker als der Tod – und alles, was stärker ist als der Tod, gehört bereits zu den „ewigen Freuden“.
In der Eucharistie wird diese Liebe nicht nur gedacht, sondern gesehen, gehört und empfangen.
So ruft die Predigt dazu auf, das Vergängliche loszulassen und sich in die Wandlung Christi hineinnehmen zu lassen – mitten in einer unruhigen Welt.
Quelle: Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB, 2. Sonntag der Fastenzeit (Verklärung Jesu), Stift Göttweig, 2026.
https://www.stiftgoettweig.at/portal/de/betenarbeiten/seelsorge/predigten
Lasst uns, erfreut und ehrfurchtsvoll, für ihn
singen dies Lied, für ihn, der lebt. Auf dass wir
aufrichtig Liebe haben zueinander:
Wo Freundschaft ist und Liebe, da ist Gott.
An diesem Ort versammelt, lasst uns sein
einig im Geiste, Herzen ungeteilt.
Weg alle harten Worte, Groll und Zwiespalt.
Dass Liebe wohne unter uns, Gott selbst.
Wo Freundschaft ist und Liebe, da ist Gott.
Mögen wir mit allen, die schon dort sind,
im Licht verherrlicht, sehn dein Angesicht –
Freude, die unermesslich ist, Sicherheit,
die in Ewigkeit kein Ende findet.
Wo Freundschaft ist und Liebe, da ist Gott.
Huub Oosterhuis, nach „Ubi caritas et amor“, aus: Huub Oosterhuis, Du Freund Gott. Lieder – Gebete – Essays. Topos Taschenbuch 838, © 2013 Lahn-Verlag in der Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, www.lahn-verlag.de
Meine Großmutter in Bregenz war Schneiderin.
Ihr Mann war im Weltkrieg gefallen.
Sie musste zwei Kinder allein großziehen.
Sie nähte für viele Kundinnen – auch für Damen aus dem Umfeld der Liechtensteins.
Und sie war ein großer Bewunderer des Fürsten. Nicht wegen des Glanzes, sondern wegen seiner Großzügigkeit und seines Denkens in Generationen. Davon hat sie mir als Kind oft erzählt.
Viele Jahre später lernte ich die verstorbene Fürstin persönlich kennen, als sie das renovierte Stadt-Palais für Mary’s Meals öffnete.
Seitdem gehe ich fast jedes Jahr zumindest einmal in eine der Sonderausstellungen. Dass diese Ausstellungen frei zugänglich sind, ist für mich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Zeichen von Großzügigkeit der fürstlichen Familie. Danke dafür!

Heute, am Valentinstag, war ich mit Yuliya in der Ausstellung
„DEALING IN SPLENDOUR. A History of the European Art Market“ im Gartenpalais Liechtenstein.
Dort hängt ein berühmtes Gemälde von
Jan Brueghel der Jüngere:
„Der Triumph des Todes“.

Der Triumpf des Todes, Jan Brueghel der Jüngere, 1620, Fürstliche Sammlungen Liechtenstein
Das Bild ist dicht, fast übervoll. Überall Skelette, Feuer, Menschen in Angst. Der Tod scheint alles zu beherrschen.
Und ganz unten rechts zwei Details:
Ein Liebespaar.
Und ein Backgammon-Brett.
Kein Schach.
Schach wäre reine Strategie.
Backgammon ist anders. Es ist Strategie, Glück und Haltung zugleich. Man würfelt, man plant – und man nimmt an, was fällt.
Yuliya und ich spielen seit Jahren fast täglich Backgammon. Es ist unser Spiel. Schach wäre uns zu rein strategisch, zu anstrengend. Backgammon ist lebendig.

Im Bild scheint der Tod alles zu überrennen.
Aber dieses Paar schaut gemeinsam in ein Buch. Völlig unbeeindruckt von den Skeletten ringsum.
Liebe verhindert nicht die Endlichkeit.
Aber sie gibt dem Leben Bedeutung.
Am Abend sagte Yuliya zu mir:
„Das war der schönste Valentinstag meines Lebens, mein Schatz.“
Mehr braucht es nicht.
Amor vincit.