Schlagwort: Licht

  • Visionen hören

    Gepriesen sei Gott, der heute wie jeden Tag zu uns sprechen will. Lasst uns bereit sein für ihn und rufen:

    V: Rede, Herr, A: dein Diener hört.

    In unserer Zeit sind deine Worte selten geworden;
    – gib, dass wir dein Wort annehmen und es weitersagen.
    Menschen mit Visionen braucht unsere Zeit mehr denn je;
    – gib uns Einsicht in das, was du mit uns vorhast.
    Dein Licht ist noch nicht erloschen;
    – öffne uns die Augen für deine Gegenwart auch dort, wo wir dich nicht vermuten.

    V: Rede, Herr, A: dein Diener hört.


    Diese Bitten sind kein lautes Fordern, sondern ein stilles Bereitsein. Sie gehen davon aus, dass Gott spricht – nicht nur gestern oder in außergewöhnlichen Momenten, sondern heute, im Gewöhnlichen. Die eigentliche Frage richtet sich nicht an Gott, sondern an uns: Sind wir hörfähig geworden?
    In einer Zeit, die von Meinungen übervoll ist, wird Hören zur geistigen Disziplin. Visionen entstehen nicht aus Lautstärke, sondern aus Aufmerksamkeit. Wer sich dem Licht anvertraut, lernt, Gegenwart auch dort zu erkennen, wo sie nicht erwartet wird. Glaube zeigt sich hier nicht im Besitz von Antworten, sondern im Mut, Zeuge zu sein – durch Haltung, Wahrhaftigkeit und ein Leben, das aus dem Licht kommt.

  • Bitten am frühen Morgen

    A: Erfülle uns mit dem Glanz deines Lichtes.

    Lass uns Wege finden, den Tag nicht im Druck, sondern in deiner Nähe zu beginnen,
    – damit unser Tun aus Beziehung wächst.

    Lass uns innehalten, wenn der Morgen leise ist,
    – damit wir die Kraft der erwachenden Schöpfung in uns aufnehmen.

    Lass uns in frohen Tagen mit den Lachenden lachen
    – und in schweren Zeiten mit den Trauernden trauern.

    A: Erfülle uns mit dem Glanz deines Lichtes.

  • Jahreswechsel

    Luzernarfeier in Göttweig

    Stille.
    Die Kirche im Dunkel.
    Nur das ewige Licht.

    Die Mönche ziehen ein.
    Kerze für Kerze
    wandert das Licht.
    Die Kirche wird hell.

    Das Vergangene
    lege ich in Gottes Hände.
    Das Kommende
    nehme ich aus dem Licht.

    Dann Glocken.
    Liebe – Wünsche – Segen.
    Und wieder Ruhe.

    Ein neues Jahr.
    Der Heilige Berg im Schweigen.
    Erste Spuren im Schnee.

    HRP, 31.12.2025, Stift Göttweig

  • Christtag

    Innehalten am Abend

    Im Glauben finden wir Licht und Trost für alles.

    Emilie Engel (Mitgründerin der Schönstätter Marienschwestern, 1893–1955)

    • Wofür brauche ich im Moment Licht und Trost? Ich darf es dem göttlichen Kind anvertrauen.
    • Was bedeutet für mich der Glaube, dass Gott als Kind zur Welt kam?


    Lesung    1 Joh 1, 1–3

    Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.


    Fürbitten

    Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, du bist selbst Kind geworden. Wir bitten dich:

    V: Sei unser Licht,   A: bleib uns nah.

    Segne alle Kinder, die heute geboren werden;
    – lass sie gesund heranwachsen und spüren, dass sie Kinder deines Vaters sind.
    Sei mit allen, die heute Weihnachten feiern;
    – lass dein Licht sie erfüllen und von ihnen ausstrahlen auf die Menschen in ihrer Umgebung.
    Sieh gütig auf jene, die dich nicht kennen,
    – und lass sie deine Liebe und deinen Segen spüren.
    Gedenke der Kinder im Heiligen Land;
    – hilf den Mächtigen, sie besonders zu schützen und im Frieden heranwachsen zu lassen.
    Komm auf alle zu, die heute sterben;
    – lass sie sich ewig mit dir freuen.

    V: Sei unser Licht,   A: bleib uns nah.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 12-2025, Abendgebet am 25.12.205

  • Selig durch Dich auf ewig

    Du, ewigen Lichtes Quell,
    hole mich heim, in dich zurück,
    von wo ich gekommen,
    du, tiefster Grund allen Lebens.

    Lass mich erkennen,
    wie ich erkannt bin, lieben,
    wie ich geliebt bin.

    Dich, mein Gott,
    werd ich sehen,
    wie du bist,
    werd dich schauen,
    genießen, besitzen,
    selig durch dich
    auf ewig.

    Gertrud von Helfta


    Die heilige Gertrud von Helfta, auch Gertrud die Große, (* 6. Januar 1256; † 17. November 1301 oder 1302) war eine Zisterzienserin und Mystikerin im Kloster Helfta bei Eisleben. Die hl. Gertrud gehört zu den herausragenden Frauen des Mittelalters; als einzige deutsche Heilige trägt sie den Beinamen die Große. Durch Gertrud von Helfta, ihre Lehrerin Mechthild von Hackeborn und ihre Mitschwester Mechthild von Magdeburg galt Helfta als „Krone der deutschen Frauenklöster“.In der katholischen Kirche wird Gertrud von Helfta als Heilige verehrt.

  • Allerheiligen – Ankommen im Licht

    Am Beginn des dunklen Monats November leuchtet Allerheiligen wie ein Versprechen auf. Wir feiern alle, die vollendet sind in Gottes Licht – die bekannten Heiligen ebenso wie die unzähligen stillen Menschen, die durch Güte, Hingabe und Liebe Zeugnis ihres Glaubens gegeben haben.
    Allerheiligen erinnert uns daran, dass Heiligkeit kein exklusiver Titel ist, sondern eine Richtung: hin auf Gott. Wer liebt, heilt. Wer vergibt, heiligt. Wer in dunklen Zeiten das Gute sucht, leuchtet schon jetzt im Glanz der Ewigkeit.

    Das Hochfest Allerheiligen hat seine Wurzeln in der frühen Kirche, als man der Märtyrer gedachte. Heute gilt der Tag allen, die uns im Glauben vorangegangen sind. Ihr Leben ist nicht vergangen, sondern verwandelt – in eine Gegenwart bei Gott.

    Hilde Reiser, „Licht“, Acrylfarben auf Papier, 73 × 52 cm, 2012, Privatbesitz © Rechtenachfolge

    Die Kunst der Malerin Hilde Reiser (1929–2019) gibt diesem Geheimnis eine Form: Ihr Bild „Licht“ zeigt Menschen, die sich aus der Dunkelheit in einen leuchtenden Strudel des Lebens ziehen lassen. Der Sog der Farben erinnert daran, dass wir alle auf dieses Licht hin unterwegs sind. Allerheiligen feiert diese Bewegung – das Aufstehen, das Ankommen, das Heimkehren.

    So ist dieser Tag kein Tag der Trauer, sondern der Hoffnung. Wir sind verbunden mit denen, die das Ziel schon erreicht haben – und zugleich gerufen, in unserem Alltag Spuren dieses Lichts zu hinterlassen.

  • Meine Hoffnung und meine Freude

    Meine Hoffnung und meine Freude,
    meine Stärke, mein Licht.
    Christus, meine Zuversicht,
    auf dich vertrau ich
    und fürcht mich nicht,
    auf dich vertrau ich
    und fürcht mich nicht.

    Taizé nach Jes 12,2 – GL 365

    Impuls

    Manchmal reicht ein einziger Satz, um uns innerlich zu halten:
    „Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.“
    Dieser einfache Vers aus Taizé ist wie ein Atemgebet – ein leises Ja zu Gott mitten in der Angst.
    Er erinnert uns: Vertrauen ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung.
    Und wer sie trifft, spürt: Es trägt.

  • Das wahre Licht

    Die Finsternis geht vorüber, und schon leuchtet das wahre Licht. Wer sagt, er sei im Licht, aber seinen Bruder hasst, ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht; da gibt es für ihn kein Straucheln.

    1 Joh 2, 8b–10

  • Im Lichte stehen

    Im Jubel ernten, die mit Tränen säen.
    Im Lichte stehen, die noch trauernd sind.

    Wie Träumende werden wir sein,
    als Menschen füreinander
    Wege suchen, Wege wagen
    ins neue Land.

    Wie Träumende werden wir sein,
    als Menschen zueinander
    Schritte finden, Schritte gehen
    ins neue Land.

    Wie Träumende werden wir sein,
    als Menschen miteinander
    Hoffnung schöpfen, Hoffnung schenken
    im neuen Land.

    Im Jubel ernten, die mit Tränen säen.
    Im Lichte stehen, die noch trauernd sind.

    Text: Thomas Laubach (nach Ps 126);
    Musik: Thomas Quast,
    aus: Das Schweigen bricht, 1987,
    alle Rechte im tvd-Verlag Düsseldorf

  • Führ uns ins Licht

    Nimm gnädig, guter Herr und Gott,
    uns diese Nacht in deine Hut;
    lass uns in dir geborgen sein:
    In deinem Frieden ruht sich’s gut.

    Dieweil die müden Glieder ruhn,
    bleib unser Herz dir zugewandt.
    Wir sind dein Volk, das dir vertraut:
    Beschütze uns mit starker Hand.

    Dir sei, Gott Vater, Sohn und Geist,
    die Ruhe dieser Nacht geweiht.
    Umfängt uns einst des Todes Nacht,
    führ uns ins Licht der Herrlichkeit. Amen.

    Nach: Christe, qui lux es et dies (Christe, qui splendor et dies); 5.–6. Jahrhundert – Melodie: GL 663 · GL 1975 696 · KG 284 – alternative Melodie: EG 469