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  • Die größte Armut ist, die Liebe Gottes nicht zu kennen.

    Gedanken zum 33. Sonntag im Jahreskreis (C)

    Welttag der Armen


    Heute wurde Yuliya und mir wieder einmal sehr deutlich, wie dankbar und glücklich wir sind. Die Gedanken von Papst Leo auf Radio Vatikan, die Predigt von Caritaspräsident Michael Landau auf Radio Klassik Stephansdom und die Begenung mit ihm heute in der Sakristei, das Mitfeiern der Orgel-Messe im Stephansdom um 12:00 und dann abends das Transkribieren der Predigt meines Freundes P. Johannes Paul OSB – all das macht das Herz weit und macht es uns leicht, Menschen froh und liebevoll zu begegnen und sie im Stillen zu segnen.

    Papst Leo XIV. –
    Botschaft zum Welttag der Armen (2025)

    Papst Leo XIV. eröffnet seine Botschaft mit dem Ruf des Psalmisten: „Du bist meine Hoffnung, Herr und Gott“ (Ps 71,5). Gerade der Arme, dessen Leben von „Entbehrungen, Gebrechlichkeit und Ausgrenzung“ geprägt ist, kann zum Zeugen einer starken und verlässlichen Hoffnung werden. Seine Hoffnung ruht nicht auf Besitz oder Macht, sondern auf Gott.

    Der Papst betont eine zentrale Wahrheit:
    „Die schlimmste Armut ist, Gott nicht zu kennen.“
    Reichtum ohne Gott mache leer; menschliche Sicherheiten seien täuschend. Hoffnung hingegen ist für Leo XIV. ein Anker, der im Versprechen Christi wurzelt.

    Entscheidend ist die Verbindung von Hoffnung und Verantwortung:
    Armut hat strukturelle Ursachen, die bekämpft werden müssen. Den Armen zu helfen ist „zuerst eine Frage der Gerechtigkeit, dann der Nächstenliebe“. Die Armen seien die „am meisten geliebten Brüder und Schwestern“ der Kirche – nicht Objekte, sondern Subjekte der Evangelisierung.

    Der Welttag der Armen ruft die ganze Kirche dazu auf, die Armen in das Zentrum von Liturgie, Verkündigung und Caritas zu stellen. Das Heilige Jahr 2025 solle Initiativen hervorbringen, die Menschen dauerhaft aus Armut führen: durch Arbeit, Wohnung, Bildung, Gesundheit – nicht durch Waffen oder Abschottung.

    Am Ende erinnert der Papst an den uralten Lobgesang des Vertrauens:
    „In Te, Domine, speravi – Auf dich, o Herr, habe ich meine Hoffnung gesetzt.“


    Michael Landau –
    Predigt zum Welttag der Armen

    (Domkustos & europäischer Caritas-Präsident)

    Michael Landau beschreibt die Gegenwart als Zeit eines „Einbruchs der Wirklichkeit“: Kriege, Klimakrise, soziale Verwerfungen, digitale Überforderung. Doch er widerspricht jeder Angstlogik:
    „Hoffnung ist ein Muskel.“
    Sie wächst, wenn wir sie üben und unsere Aufmerksamkeit auf Chancen statt Gefahren richten.

    Über Österreich spricht Landau in einem Satz, der hängen bleibt:
    „Wir haben in der Geburtsortslotterie einen Haupttreffer gezogen.“
    Dankbarkeit verpflichtet. Der „hohe Grundwasserspiegel der Solidarität“ sei ein Schatz, den es politisch und gesellschaftlich zu schützen gelte. Sparmaßnahmen müssten „sozial gerecht“ bleiben und das „soziale Augenmaß“ wahren.

    Im Zentrum seiner Predigt steht die Theologie der Armen:
    „Die Armen sind keine Zusatzbeschäftigung der Kirche.“
    Caritas ist Wesensausdruck der Kirche.
    Die steigende Zahl von Menschen, die in Wien Lebensmittelhilfe benötigen, zeigt die Dringlichkeit. Doch Landau sieht dort auch Hoffnung – dank Freiwilligen, Engagierten und Spendern.

    Für ihn verbindet sich die Erwartung Christi nicht mit Weltflucht, sondern mit Verantwortung:
    Diese Zeit ist uns anvertraut.
    Christlicher Glaube zeigt sich im Einsatz für Gerechtigkeit und im Mut zur Solidarität.

    🎧 Predigt Michael Landau

    Domkustos von St. Stephan & europäischer Caritas-Präsident


    P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB –
    Predigt zum 33. Sonntag im Jahreskreis

    (Priestermönch im Stift Göttweig)

    P. Johannes Paul (JP) stellt klar: Die Bibeltexte dieses Sonntags wollen nicht Angst erzeugen. Angst entsteht dort, wo man nur die dunklen Verse liest. Doch das Evangelium spricht von Hoffnung:
    „Für euch aber, die ihr mich liebt, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen.“

    JP kritisiert die „Angstmacher“, die nur Drohverse zitieren. Die Botschaft Jesu sei jedoch eine der Gelassenheit: „Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.“
    Standhaftigkeit entsteht für JP nicht durch Selbstdisziplin, sondern durch Beziehung.
    Jesus sagt: „Ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben“ – aber nur, wenn man im Alltag mit ihm verbunden bleibt.

    Der Vergleich, den JP wählt, ist alltäglich und tief:
    Die Beziehung zu Gott ist wie die Liebe zu einem vertrauten Menschen, den man oft im Herzen trägt – so sehr, dass man manchmal spürt, wenn er anruft.
    Wer so mit Gott verbunden ist, fürchtet sich nicht, verliert nicht die Fassung und bleibt handlungsfähig.

    JP schließt: Es geht nicht um Angst. Es geht um Beziehung.
    Wer die Liebe Gottes annimmt, kann auch sich selbst annehmen – und frei leben.

    🎧 Predigt P. Johannes Paul Abrahamowicz

    Priestermönch in Göttweig


  • Weihetag der Lateranbasilika

    Predigt von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB am 9.11.2025


    Kirchweihfest

    Am 9. November, ganz gleich, auf welchen Wochentag dieses Datum fällt, feiern wir das Kirchweihfest der Lateranbasilika.
    Diese Kirche in Rom ist der eigentliche Bischofssitz des Papstes. Viele glauben, der Petersdom sei die Hauptkirche des Papstes – aber das stimmt nicht. Der Petersdom ist sozusagen die Hauskapelle des Papstes, sein eigentlicher Sitz, seine Kathedra, befindet sich in der Lateranbasilika. Auf ihrer Fassade steht in großen Buchstaben:
    „Mater et Caput, Urbis et Orbis“ – Mutter und Haupt der Stadt und des Erdkreises.
    Darum feiern wir Christen auf der ganzen Welt jedes Jahr am 9. November das Weihefest dieser Kirche, die uns an die Einheit der Kirche erinnert.

    Wenn wir an Kirchweih denken, meinen wir natürlich nicht nur ein Gebäude aus Ziegeln. In der ersten Lesung haben wir vom Tempel gehört – einem Bau aus Steinen. Das Schöne an dieser Lesung ist das Bild, wie aus dem Tempel ein Strom von lebendigem Wasser fließt. An einer anderen Stelle im Alten Testament fließt ein solcher Strom nach Jerusalem hinein. Es gibt also beides – und beides sind schöne Bilder, die auf etwas Tieferes hinweisen.
    Das lebendige Wasser bedeutet Frieden und Leben.
    Wenn wir den Tempel als Bild für die Gemeinschaft der Glaubenden verstehen, heißt das: Aus jeder echten Gemeinschaft fließt Leben, fließt Frieden. So ähnlich haben wir das auch in der zweiten Lesung aus dem ersten Korintherbrief gehört.

    Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth, dass wir Tempel Gottes sind. Damit meint er nicht nur die Gemeinschaft insgesamt, sondern jeden Einzelnen. Gott wohnt in dir. Wir Katholiken kennen dieses Verständnis von der Gegenwart Gottes im Allerheiligsten Sakrament.
    Im Alten Testament war die Bundeslade Zeichen der Gegenwart Gottes, ebenso der Weihrauch, der an die Rauchsäule erinnert, die Israel durch die Wüste führte. Darum geht in unseren Prozessionen der Weihrauch vor dem Kreuz – als Symbol dieser Wolkensäule, die das Volk in das verheißene Land führte.

    Als Salomo den Tempel einweihte, wurde er vom Rauch erfüllt – so stark, dass man nichts mehr sehen konnte. Diese Erfüllung mit der Gegenwart Gottes ist bis heute ein starkes Bild, das wir in der Liturgie bewahren. Zum Beispiel bei einem Begräbnis: Wenn der Priester den Sarg mit Weihrauch beweihräuchert, spricht er:
    „Dein Leib war Gottes Tempel.“
    Das bedeutet: Dein Leib war erfüllt von der Gegenwart Gottes – so wie einst der Tempel. Und so kann man weiterbeten:
    „Der Herr erfülle dich jetzt mit seiner Gegenwart von ewiger Freude.“

    So zeigt sich: Es geht im Glauben nicht um das Äußere, sondern um das Innere. Wenn wir Tempel Gottes sind, beherbergen wir Christus selbst. Jeder Einzelne und wir alle gemeinsam sind eine Gemeinschaft, aus der Frieden und Leben fließen.
    Das geschieht durch die Liebe zu Gott und zum Nächsten.
    Klingt leicht – ist aber nicht leicht. Niemand verlangt, dass wir darin perfekt sind, aber wir spüren: Es tut uns gut, wenn es uns gelingt. Darum tragen wir die Sehnsucht in uns, es immer wieder zu versuchen.
    In diesen Tagen haben wir den heiligen Martin und die heilige Elisabeth als Vorbilder, Heilige der Nächstenliebe.

    Ein Wort noch zum Ausdruck „Mutterkirche“: Dieses Bild wird auch heute in der Präfation, also kurz vor dem „Heilig“, erwähnt. Die Kirche ist Mutter, aber zugleich auch Braut. Da denken wir an Maria.

    Die Glaubenskongregation in Rom hat vor kurzem verkündet, dass man nicht mehr sagen soll, Maria sei „Miterlöserin“ – Co-Redemptrix. Das hat einige durcheinandergebracht. Im deutschen Sprachraum brauchen wir uns darüber keine Sorgen zu machen, denn bei uns bedeutet Miterlöserin nicht, dass Maria auf gleicher Ebene mit Christus steht.
    In den anderen Sprachen aber klingt das Wort „con“ – also con-Redemptrix – nach Gleichrangigkeit, und das musste klargestellt werden.

    Ein Beispiel: Ein Priester, der mit einem anderen konzelebriert, ist ein Konzelebrant – also gleichrangig. Das ist bei Maria nicht so. Sie ist nicht gleichrangig, sondern Miterlöserin, weil sie Mutter und Mitwissende ist.
    Sie wusste, was ihr Sohn erleiden würde, und sie hat zugestimmt.
    In diesem Sinn ist sie Miterlöserin durch Mittragen und Mitlieben.

    Darum: Keine Sorge über das vatikanische Dekret – in den anderen Sprachen ist es eine gute Klärung, dass Maria nicht identisch mit Jesus, sondern Teil seines Erlösungswerkes ist.

    Wir sind als Gemeinschaft Kirche – Mutterkirche.
    Die Mutter gebiert Kinder, deswegen gibt es Taufen.
    Und das ist alles, was wir heute feiern:
    Die Gemeinschaft der Gläubigen, aus der Friede ausströmt, weil sie Gott und den Nächsten lieben.

    Amen.


    ✨ 2. Zusammenfassung

    P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB erklärt zum Weihetag der Lateranbasilika, dass diese Kirche der eigentliche Bischofssitz des Papstes ist und für alle Christen Symbol der Einheit der Kirche.
    Er deutet die biblischen Lesungen als Hinweis darauf, dass nicht Steine, sondern Menschen der wahre Tempel Gottes sind – aus deren Herzen wie aus dem Tempel Salomos das „lebendige Wasser“ des Friedens und der Liebe fließt.
    Der Weihrauch erinnert an die Gegenwart Gottes und an die Würde des menschlichen Leibes als Wohnort des Heiligen Geistes.
    Als Christen sind wir berufen, Träger dieses Friedens zu sein, indem wir Gott und den Nächsten lieben.
    Schließlich erläutert P. Johannes Paul die Entscheidung der Glaubenskongregation, Maria nicht mehr Co-Redemptrix zu nennen: Sie ist keine gleichrangige Erlöserin, sondern Miterlöserin durch Mittragen und Mitlieben.
    So wird die Kirche als „Mutter“ verstanden, aus der neues Leben strömt – sichtbar in der Taufe und in jeder Gemeinschaft, die aus Liebe lebt.

  • Wir gehören einander an

    In einer Zeit, in der sich viele zurückziehen, Mauern bauen und Unterschiede betonen, ist es gut, sich zu erinnern:
    Wir sind miteinander verwoben.
    Was einem geschieht, betrifft uns alle.

    No man is an island,
    Entire of itself.
    Each is a piece of the continent,
    A part of the main.
    If a clod be washed away by the sea,
    Europe is the less,
    As well as if a promontory were,
    As well as if a manor of thine own
    Or of thine friend’s were.
    Each man’s death diminishes me,
    For I am involved in mankind.
    Therefore, send not to know
    For whom the bell tolls,
    It tolls for thee.

    Niemand ist eine Insel,
    ganz für sich allein.
    Jeder ist ein Teil des Kontinents,
    ein Stück des Ganzen.
    Würde das Meer einen Klumpen Erde fortspülen,
    Europa wäre kleiner –
    so wie, wenn ein Kap verschwände,
    oder dein eigener Landsitz,
    oder der eines Freundes.
    Jedes Menschen Tod mindert mich,
    denn ich bin mit der Menschheit verbunden.
    Darum frag nicht,
    wem die Stunde schlägt –
    sie schlägt für dich.

    John Donne (englischer Dichter, 1572–1631)


    John Donne erinnert uns daran, dass Individualität ohne Verbundenheit leer bleibt. Sein Gedicht ist kein moralisches Mahnwort, sondern ein metaphysischer Gedanke: Wir existieren nur im Mitsein. Jeder Verlust – ob fern oder nah – betrifft das Ganze. Diese Einsicht ist älter als Europa und zugleich seine moralische Voraussetzung.

  • 🕊️ Gedanken

    zum 28. Sonntag im Jahreskreis C (12. Oktober 2025)

    Lukas 17, 11–19 – Die zehn Aussätzigen

    ✦ von Kardinal Christoph Schönborn

    Erbarmen und Dankbarkeit – das sind die beiden großen Themen dieses Evangeliums.
    Zehn Aussätzige rufen von Ferne: „Meister, hab Erbarmen mit uns!“ – ausgeschlossen, gefürchtet, zum sicheren Tod verurteilt. Jesus überschreitet die unsichtbare Grenze zwischen „rein“ und „unrein“. Er hört den Ruf, sieht die Not und schenkt Heilung.

    Doch nur einer kehrt zurück, um zu danken – ein Fremder, ein Samariter.
    Dankbarkeit ist mehr als eine Höflichkeitsform. Sie ist ein Akt des Glaubens, ein Erkennen, dass alles Geschenk ist.
    Jesus fragt: „Wo sind die neun?“ – eine Frage, die uns alle betrifft.

    Wir bitten oft um Hilfe, doch vergessen wir, zu danken, wenn sie kommt.
    Dankbarkeit und Erbarmen gehören zusammen:
    Wer Erbarmen erfährt, wird dankbar,
    wer dankbar ist, lernt barmherzig zu sein.
    So wird der Samariter zum Bild des Glaubenden, dem Jesus sagt:
    „Steh auf und geh! Dein Glaube hat dich gerettet.“


    ✦ von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB

    Auch P. Johannes Paul sieht in diesem Evangelium ein Bild für das Sakrament der Versöhnung.
    Die zehn Aussätzigen stehen für uns Menschen, die sich ihrer Lieblosigkeiten bewusst werden müssen.
    Bevor Heilung geschieht, braucht es Bewusstsein, Bekenntnis und Vertrauen.
    So wie die Aussätzigen von Ferne rufen „Hab Erbarmen mit uns“, so spricht der Mensch in der Beichte zu Jesus.

    Alle zehn glauben, bevor sie geheilt sind – sie gehorchen Jesu Wort und werden auf dem Weg gesund.
    Nur einer aber kehrt zurück, um zu danken. Er tut nicht nur das Gebotene, er feiert die Begegnung.
    Darum wird er zum Zeichen für lebendige Spiritualität:
    Nicht das Ritual rettet, sondern das Herz, das versteht, was es tut.

    Die Beichte ist für P. Johannes Paul das Sakrament der Liebe trotz allem – nicht der Angst, sondern des Vertrauens.

    „Vergeben heißt: trotzdem lieben.“
    Gott liebt uns trotz unserer Lieblosigkeiten.
    Und wer das hört, wird frei und dankbar.


    ✦ von Domkurat Dr. Johannes J. Kreier

    Domkurat Dr. Johannes J. Kreier hob in seiner heutigen Ansprache besonders den Satz Jesu hervor:

    „Steh auf und geh!“

    Er erklärte den griechischen Begriff ἀνάστασις (anástasis), von dem dieses „Aufstehen“ kommt – derselbe Wortstamm wie in Atanasia (ἀθανασία), dem Ausdruck für Unsterblichkeit.
    Damit deutet er das Wort Jesu nicht nur als körperliches Aufstehen, sondern als Hinweis auf das ewige Leben:
    Wer im Glauben aufsteht, steht bereits auf zu einem neuen, unvergänglichen Leben in Gott.

  • Die Treue Gottes im Herzen bewahren

    Homilie von P. Johannes Paul Abrahamowicz am 26. Sonntag im Jahreskreis C, 28. September 2025 sinngemäß zusammen gefasst von Harald R. Preyer

    P. Johannes Paul lädt ein, anders zu beginnen:
    Erinnere dich an die Momente, in denen dir Gott geholfen hat.
    Vielleicht waren es viele – vielleicht nur ein einziges Mal.
    Doch jeder Mensch hat irgendwann gespürt:
    Hier hat mir Gott geholfen.

    Nenne diesen Gott beim Namen:
    Gott des Spaziergangs, Gott des Zuhauses, Gott des Zebrastreifens.
    Diese Erfahrung seiner Treue ist entscheidend.

    Denn:

    Gottes Treue verhindert, dass wir Schlechtes tun –
    und dass wir Gutes unterlassen.

    Gutes nicht unterlassen

    Der reiche Mann im Evangelium hat nichts Böses getan –
    aber er hat Gutes unterlassen.
    Darum:
    Sieh auf das Gute in deinem Leben.
    Denk an Menschen, denen es schlechter geht.
    So wächst in dir Dankbarkeit –
    und Dankbarkeit führt zu guten Taten.

    Zeugnis der Treue

    Paulus schreibt:

    „Du hast vor vielen Zeugen das gute Bekenntnis abgelegt.“
    Geh diesen Weg weiter.
    Sprich davon, was Gott dir Gutes getan hat.

    Dann erkennen wir:
    Wir sind keine schlechten Menschen,
    wenn wir das Gute sehen, das Gott wirkt –
    und es mit anderen teilen.

    Die Treue Gottes hält uns fest –
    und führt uns zum Guten.

    Die Predigt kann im Originalton auf der Seite von Stift Göttweig nachgehört werden.

  • Wenn Kinder den Kontakt abbrechen – und dennoch Frieden finden wollen

    Als christlicher Trauerredner erlebe ich manchmal, dass Gleichaltrige – ich bin Jahrgang 1963 – mich um die Gestaltung eines würdevollen Abschieds für ihre Eltern bitten. Oft hatten sie seit mehr als drei Jahrzehnten keinen Kontakt mehr. Paradoxe Fragen können helfen.

    Ein älterer Mensch blickt aus dem Fenster in sanftes Morgenlicht – Symbol für Erinnerung, Reue und leise Versöhnung.

    In einem liebevollen, aufrichtigen Gespräch arbeiten wir dann gemeinsam heraus, was diesen Kontakt körperlich, seelisch oder mental so unmöglich gemacht hat. Meist stoßen wir auf eine lange Entfremdung – und auf ein Schlüsselerlebnis, das sie geprägt hat.

    Die paradoxe Frage „Und wovor hat Sie der Kontaktabbruch geschützt? Was war aus heutiger Sicht sinnvoll und richtig daran?“ öffnet oft einen neuen Blick: Sie hilft, die Erinnerung an die guten und schönen gemeinsamen Zeiten wieder in den Vordergrund zu rücken.

    Für gläubige Christen entsteht daraus die Hoffnung auf ein Wiedersehen – in Gottes Zeit. Für eher rational denkende Menschen führt sie zu einem versöhnten Abschied: einem Loslassen ohne Schmerz und ohne Blockaden.

    Wolfgang Schmidbauer hat mich mit seinem Gastkommentar in der ZEIT inspiriert. Ich habe ihn für Sie gelesen, exzerpiert und verlinkt:


    👉 Kontaktabbruch zu den Eltern: Sie tun es, um sich zu schützen

    Schlüsselgedanken aus dem Artikel

    • Kinder brechen den Kontakt zu Eltern oft ab, um sich vor starren Erwartungen, psychischem Druck oder „pädagogischer“ Liebesentziehung zu schützen.
    • Eine unsichtbare Dankesschuld kann Beziehungen belasten und echte Dankbarkeit verhindern.
    • Humor, Wärme und Akzeptanz des Andersseins sind Schlüssel zur Heilung.
    • Versöhnung beginnt oft dort, wo Verständnis größer wird als der Schmerz.

  • Wozu gibt es Leid?

    Schon die Frage nach dem wozu? statt des warum? öffnet den Blick für Sinn – auch wenn sie das Dunkel nicht vollständig erhellt. Große Denkerinnen und Denker haben sich seit Jahrhunderten mit dieser existenziellen Frage beschäftigt. Ihre Antworten können auch heute noch trösten, stärken und den Horizont weiten.

    Und Musik kann dabei ein liebevoller Begleiter sein.


    Hiob (ca. 5. Jh. v. Chr.): Klage als Weg zu Gott
    Im biblischen Buch Hiob wird das Leid nicht beschönigt. Hiob klagt – laut, bitter, ehrlich. Und gerade diese Klage wird zur Begegnung mit Gott. Am Ende steht kein logisches Warum, sondern eine stille, tragende Beziehung.

    „Ich hatte von dir nur vom Hörensagen vernommen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.“ (Hiob 42,5)

    Musik-Tipp: J. S. Bach – „Ich habe genug“, BWV 82


    Jesus Christus (ca. 30 n. Chr.): Der Gott im Leid
    Für Christinnen und Christen ist Jesus der Inbegriff göttlicher Solidarität. Er flieht das Leid nicht, sondern nimmt es auf sich – aus Liebe. Am Kreuz stirbt nicht nur ein Mensch, sondern Gott mit uns. Die Auferstehung aber zeigt: Das Leid hat nicht das letzte Wort.

    „In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ (Joh 16,33)

    Musik-Tipp: Pergolesi – Stabat Mater

    Boethius (480–524): Das Leid als Schule der Weisheit
    Der spätantike Philosoph Boethius schrieb im Gefängnis sein Werk Trost der Philosophie. Für ihn liegt im Unglück die Chance, sich von äußeren Sicherheiten zu lösen und sich dem Guten, Wahren und Göttlichen zuzuwenden. Leid wird so zur Einladung, sich an das zu erinnern, was wirklich zählt.

    „Nichts ist elender als ein Mensch, der das verloren hat, was ihn zum Menschen macht.“


    Elisabeth Kübler-Ross (1926–2004): Wachsen durch Krisen
    Die Sterbeforscherin betonte, dass das Leid ein Teil des Lebens ist – und ein Ort der Reifung. Ihre Phasenmodelle der Trauer helfen bis heute vielen Menschen, schrittweise wieder Vertrauen zu fassen.

    „Die schönsten Menschen, die wir kennen, sind jene, die das Leid kennengelernt haben.“

    Musik-Tipp: Mahler – Adagietto aus der 5. Symphonie


    Viktor E. Frankl (1905–1997): Freiheit und Sinn trotz allem
    Der Wiener Psychiater und KZ-Überlebende erkannte: Der Mensch ist auch im Leid frei – nicht in den Umständen, aber in seiner inneren Haltung. Wer dem Leben trotz allem einen Sinn abgewinnt, bleibt innerlich ungebrochen.

    „Das Leben ist sinnvoll – immer, unter allen Umständen.“

    Frankls Logotherapie lädt ein, Leid nicht nur zu ertragen, sondern zu verwandeln – in Mitgefühl, Verantwortung und Tiefe.

    Musik-Tipp: Mendelssohn: 4. Sinfonie (»Italienische«)


    Und wir?
    Leid bleibt ein Geheimnis. Doch die Stimmen der Geschichte laden ein: nicht zu verzweifeln, sondern zu vertrauen. Und womöglich – ganz langsam – zu wachsen.

    Nicht das Leid macht bitter – sondern das Alleinsein im Leid. Gott ist immer da. Wer gut begleitet wird, kann ihn spüren.

  • Engelsburg

    Ein Bild, das mich seit Kindertagen begleitet.
    Gemalt von Louis Bauer, gewidmet meiner Mutter:
    „Für Gerti, wenn Du traurig bist.“


    Ein Zufluchtsort – wie einst für Papst Clemens VII.
    Heute steht es in unserer Nische,

    Still. Wachend. Tröstend.

    „Du bist meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott, dem ich vertraue.“
    – Psalm 91,2

  • Sinn

    David Steindl-Rast, geboren 1926, ist Zen-Meister, Benediktinermönch, Psychologe und geübter Einsiedler. Er gilt als einer der bekanntesten spirituellen Lehrer der Gegenwart. Mit Olivia Röllin spricht er über die Suche nach dem richtigen Lebensweg, den allgegenwärtigen Tod und warum es sich lohnt, dankbar zu sein.

    Themen in dieser Folge:

    00:00 Wie blickt David Steindl-Rast auf das Leben zurück?

    13:41 Warum wird man Mönch und Einsiedler?

    26:42 Welche Pläne hat Steindl-Rast noch?

    34:46 Wie blickt Steindl-Rast dem Sterben entgegen?

    42:45 Warum ist Dankbarkeit so wichtig?

    50:11 Was ist der richtige Lebensweg?

    Er gilt als einer der bekanntesten spirituellen Lehrer der Gegenwart und kann auf fast 100 Jahre Erdgeschichte zurückblicken. David Steindl-Rast wird dieses Jahr 98 Jahre alt. Er ist Benediktinermönch und Zen-Meister, promovierter Psychologe und hat lange in den USA gelebt, immer wieder auch als Einsiedler. Sein Lebensthema ist die Dankbarkeit. Ein Gespräch über die großen Fragen des Lebens, auf die es nicht immer eine Antwort gibt.

    Im Austausch mit Olivia Röllin erläutert Bruder David, warum man Dinge immer wieder so tun sollte, als wäre es das erste Mal, weshalb man nicht nur einmal stirbt und dies nie das Ende bedeutet und warum ein Leben mit Besitz und Reichtum ihn nicht zu reizen vermochte.

    Quelle: SRF, Sternstunde Religion vom 17.03.2024

    In zwei Einspielungen kommen in diesem Beitrag auch Irvin D. Yalom (30:25) und Viktor Frankl (44:25) vor. In der „Nachspielzeit“ zitiert Bruder David den bekannten Wiener Priester Otto Mauer (50:56): „Der Mensch stirbt nicht am Tod, sondern an ausgereifter Liebe.“

  • Brücke – die Liebe

    Die Brücke bleibt

    Wenn ein geliebter Mensch stirbt, zerbricht etwas. Ein Klang verstummt. Eine Stimme fehlt. Doch etwas bleibt – etwas ganz Entscheidendes: die Liebe.

    Diese Liebe, die du in deinem Herzen trägst, ist mehr als Erinnerung. Sie ist eine Brücke. Zwischen dem, was war, und dem, was bleibt. Zwischen Diesseits und Jenseits. Von Herz zu Herz. Von Seele zu Seele.

    „Die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.
    Die Liebe hört niemals auf.“
    (1 Korinther 13,7–8 )

    Manchmal spüren wir diesen unsichtbaren Faden, wenn wir an den Verstorbenen denken. In einem Traum. In der Stille. In einem Moment des Lichts. In einem Gebet.

    „Wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm.“
    (1 Johannes 4,16)

    In der Liebe bleiben – das heißt auch: in Gott bleiben. Und Gott ist größer als der Tod. Größer als unsere Tränen. Er verbindet uns, wenn wir glauben, dass alles verloren ist. Und: Er macht Begegnung möglich – innerlich, leise, kraftvoll.

    „Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte […]
    kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“
    (Römer 8,38–39 )

    Diese Liebe trägt dich durch die Zeit der Veränderung. Sie macht es möglich, weiterzugehen – nicht getrennt, sondern verbunden. Und manchmal spüren wir: Der geliebte Mensch ist da. Nicht sichtbar, aber nahe.

    Die Brücke bleibt.
    Und auf dieser Brücke: Liebe.

    Quelle: Der Gedanke, dass die Liebe eine Brücke sei, kommt von einer lieben Freundin, deren Mann Anfang Dezember 2024 über diese Brücke in den Himmel gegangen ist und dort auf uns wartet.