Gütiger Vater, dein Sohn hat uns die frohe Botschaft vom Anbruch deiner Herrschaft gebracht. Deiner Weisung öffnen wir uns und bitten: A: Dein Wille geschehe.
Wer vor deinem Angesicht lebt, braucht kein Gut zu entbehren; – öffne uns und allen Menschen die Sinne für deine Gegenwart.
Du willst das Glück aller Menschen; – hilf uns erkennen, dass wir zur wahren Freiheit gelangen, wenn wir in deinem Geiste handeln.
Viele haben nie gelernt, unter den vielen Geräuschen deine leise Stimme zu vernehmen; – hilf allen, die in der Seelsorge tätig sind, mit den Menschen deine Sprache zu lernen.
Wer sich dir anvertraut, wird nicht enttäuscht; – vereine alle Verstorbenen in deiner ewigen Freude. A: Dein Wille geschehe.
Quelle: Fürbitten aus dem Abendgebet in Magnificat – das Stundenbuch vom 20.8.2025
Es gibt ein Wort in unserer Sprache, das sich nicht übersetzen lässt – weil es mehr meint als Schutz, mehr sagt als Sicherheit, und tiefer reicht als jedes greifbare Gefühl.
Ein Wort wie ein warmer Mantel. Wie ein stilles Licht im Innersten. Es bedeutet: Ich bin gehalten – nicht, weil alles gut ist, sondern weil ich nicht allein bin.
Geborgenheit spüren wir, wenn eine Hand unsere hält, wenn ein Blick sagt: Du darfst sein. Wenn der Tod uns trennt – und wir dennoch glauben dürfen, dass die Liebe nicht endet, sondern trägt.
Geborgen ist, wer vertraut – in den Anderen, ins Leben, in Gott.
Geborgen ist, wer nicht mehr kämpfen muss, weil er angekommen ist.
Geborgen ist, wer liebt. Und wer sich lieben lässt.
Zu diesem Text hat mich das Buch meines Freundes Carl Achleitner „Das Geheimnis eines guten Lebens“ inspiriert. Es erschien 2020 im Verlag edition a, Wien. Carl beschreibt in einer berührend authentischen Sprache seine eigene Kindheit und seine Erlebnisse als Trauerredner. „Geborgenheit“ ist das Gefühl, das die meisten Menschen im Angesicht des Todes ersehen.
Ein zentrales Lebensgefühl
Mit dem deutschen Wort „Geborgenheit“ meinen wir weit mehr als bloße Sicherheit: Es ist ein tiefes, emotionales Wohlgefühl – ein Zustand von Nähe, Wärme, innerer Ruhe und Frieden. Es meint, getragen zu sein, angenommen und geschützt – und es ist mehr als der Schutz vor Verletzung.
Dieses Wort gilt als eines der schönsten deutschen Wörter – 2004 wurde es beim Wettbewerb von Deutschen Sprachrat und Goethe-Institut zum zweitschönsten Wort Deutschlands gekürt. Der Begriff war bewusst gewählt worden, weil in anderen Sprachen – etwa Englisch, Französisch oder Russisch – kein einzelner Begriff diese Tiefe erreicht. Im Niederländischen und Afrikaans existiert das Pendant „geborgenheid“, aber ansonsten bleibt es unübersetzbar.
Psychologisch gesehen beschreibt Hans Mogel „Geborgenheit“ als ein zentrales Lebensgefühl, das Sicherheit, Wohlgefühl, Vertrauen, Zufriedenheit, Akzeptanz und Liebe durch andere verbindet. Gerade in der Kindheit ist eine solche Erfahrung Grundstein für eine stabile Persönlichkeit und kreatives, angstfreies Spiel.
Das Wasser steht oft für das Ungewisse. Für Tod und Neubeginn. Für Zeiten, in denen uns der Boden unter den Füßen weggezogen wird – und wir nicht wissen, ob wir noch schwimmen oder schon untergehen.
Eine alte Geschichte erzählt von einem Mann, der mitten im Sturm fast versinkt. Erst als er den Blick hebt – und der Liebe vertraut – wird er gehalten.
Vielleicht ist das auch unsere Erfahrung: Nicht auf die Angst starren. Nicht auf das, was uns überrollt. Sondern auf das, was uns trägt. Auf die Liebe, die bleibt.
Solange wir auf die Liebe schauen, gehen wir nicht unter.
Und dann – mitten im Gegenwind – der leise Trost: Du bist nicht allein.
.13 Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen sagen? 14 Da antwortete Gott dem Mose: Ich bin, der ich bin. Und er fuhr fort: So sollst du zu den Israeliten sagen: Der Ich-bin hat mich zu euch gesandt. 15 Weiter sprach Gott zu Mose: So sag zu den Israeliten: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt. Das ist mein Name für immer und so wird man mich anrufen von Geschlecht zu Geschlecht. 16 Geh, versammle die Ältesten Israels und sag ihnen: Der HERR, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, ist mir erschienen und hat mir gesagt: Ich habe sorgsam auf euch geachtet und habe gesehen, was man euch in Ägypten antut.
Die Bibel, Exodus 3,13 -16
Impuls zur Lesung
Wer bist du, Gott? Wie heißt du? Sind Namen Schall und Rauch? Im Alten Israel gewiss nicht. Name, Namengebung und Namenänderungen spielen eine große Rolle. Nach altorientalischer Vorstellung wird im Namen Wesen und Wirken des Benannten offenbar. Im Paradies durfte der Mensch den Tieren Namen geben und sie so seinem Lebensbereich eingliedern. Aus Liebe gibt Gott seinen eigenen Namen dem Mose bekannt. „Der Gott eurer Väter“ ist kein neidischer Dämon, kein Rumpelstilzchen, das seinen Namen eifersüchtig geheim halten müsste, um ja nichts von seiner Wirkmacht zu verlieren. Aber wie im Märchen ist auch hier der Name ein Schlüssel-Wort. Es ist ein Schlüssel, der vom Namensträger bewusst in die Hand eines anderen, eines Menschen, eines bedrängten Volkes gelegt wird. Der Name des Herrn ist wirklich, er ist mächtig, er ist wirkmächtig. Nun ist es öffentlich: Ich bin der Ich bin da. Ich komme dir entgegen. Ich hole dich aus dem Verließ, aus deiner Verlassenheit. Ich lasse dich nicht allein: Das ist mein Name für immer.
Abram, Sarai, Isaak, eine intakte Familie. „Intakt“ bedeutet ursprünglich „unberührt, unversehrt“, heute auch „voll funktionsfähig, störungsfrei funktionierend“.
Was ist eine intakte Familie? „Etwas ist immer“, stöhnt der Kollege, liebevoller und engagierter Familienvater. Etwas ist immer, irgendwo knirscht es, um irgendwen bangt und zittert man immer in einer Familie. Rundum „intakte“, also durchweg „störungsfrei funktionierende“ Familien gibt es wohl nur bei Happy-Family-Influencern oder in Waschmittel-Werbespots.
Nun aber Abram und die Seinen. Von reibungslos und störungsfrei kann da keine Rede sein, die Gefährdung der jungen Ehe durch Wegschauen und Feigheit des Ehemannes, der Dauerschmerz der Kinderlosigkeit, die fragwürdige Leihmutteraffäre, die gewissenlose Verstoßung der Sklavin und ihres Sohnes durch die Herrschaft.
Und nun dies: in die Unfruchtbarkeit der späten Jahre die Verheißung eines Kindes und unzähliger Nachkommen. „Störungen haben Vorrang“, heißt es bei der Psychologin Ruth Cohen. Und daran ist vieles wahr. „Vertrauen hat Vorrang“, denkt Abram, „Hoffnung hat Vorrang“: und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.
Gesegnet der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn die Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.
Jer 17, 7–8
Wir beten zu Christus, der uns heute nahe sein will:
A: Erhöre uns, Christus. – Lass uns ein Segen sein für alle, denen wir heute begegnen. – Mache unser Leben zu einem Loblied deiner Gegenwart. – Lenke unsere Schritte auf dem Weg des Friedens. A: Erhöre uns, Christus.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 23.6.2025