Schlagwort: Liebe

  • Das wahre Licht

    Die Finsternis geht vorüber, und schon leuchtet das wahre Licht. Wer sagt, er sei im Licht, aber seinen Bruder hasst, ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht; da gibt es für ihn kein Straucheln.

    Der Herr wird Dir Gutes tun

    Mose sprach zum Volk: Der HERR wird dir Gutes tun. Denn du hörst auf die Stimme des HERRN, deines Gottes, und bewahrst seine Gebote und Satzungen, die in dieser Urkunde der Weisung einzeln aufgezeichnet sind, und kehrst zum HERRN, deinem Gott, mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele zurück.
    Denn dieses Gebot, auf das ich dich heute verpflichte, geht nicht über deine Kraft und ist nicht fern von dir. Es ist nicht im Himmel, sodass du sagen müsstest: Wer steigt für uns in den Himmel hinauf, holt es herunter und verkündet es uns, damit wir es halten können? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, sodass du sagen müsstest: Wer fährt für uns über das Meer, holt es herüber und verkündet es uns, damit wir es halten können?
    Nein, das Wort ist ganz nah bei dir, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen, du kannst es halten.

    Dtn 30, 9c–14

    Impuls zur Lesung
    Aus sich heraus, dies ist die Erfahrung der biblischen Urgeschichten, sind Menschen nicht willens oder nicht fähig, das geschenkte Leben in seiner Fülle zu bewahren. Warum geben wir dem Tod so viel Raum? Doch wie gewaltig die Todeskräfte in uns und um uns auch sein, wie weit wir uns mit ihnen eingelassen haben und wie unlösbar verwickelt sich unsere Lebenslagen auch zeigen mögen, es bleibt uns die Wahl zwischen Todes- und Lebensmächten. Gott hat es uns gesagt, er hat es uns zugesagt, ein lösendes, ein erlösendes Wort. Aus unserer Verstrickung mit dem Tod befreien wir uns nicht aus eigener Kraft, aber es braucht dazu all unsere Kraft.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch

  • Ich liebe Gott

    So jemand spricht: „Ich liebe Gott“,
    und hasst doch seine Brüder,
    der treibt mit Gottes Wahrheit Spott
    und reißt sie ganz darnieder.
    Gott ist die Lieb und will, dass ich
    den Nächsten liebe gleich als mich.

    Wer dieser Erde Güter hat
    und sieht die Brüder leiden
    und macht die Hungrigen nicht satt,
    lässt Nackende nicht kleiden,
    der ist ein Feind der ersten Pflicht
    und hat die Liebe Gottes nicht.

    Wer seines Nächsten Ehre schmäht,
    und gern sie schmähen höret,
    sich freut, wenn sich sein Feind vergeht,
    und nichts zum Besten kehret;
    nicht dem Verleumder widerspricht,
    der liebt auch seinen Bruder nicht.

    Wir haben einen Gott und Herrn,
    sind eines Leibes Glieder;
    drum diene deinem Nächsten gern;
    denn wir sind alle Brüder.
    Gott schuf die Welt nicht bloß für mich,
    mein Nächster ist sein Kind wie ich.

    Christian Fürchtegott Gellert 1757

  • mein letztes Wort

    Ich trau auf deine Hand,
    dass sie mich wohl behüte,

    weil alle deine Güte
    und Liebe mir bekannt,

    und dass ein sich’rer Hort
    das Unheil von mir wende.

    O Herr, in deine Hände!
    Dies sei mein letztes Wort.


    Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848)

  • Einmal – und für immer

    Charlie Chaplin war 53, als er Oona O’Neill begegnete, sie erst 17. Die Welt nannte es Wahnsinn, einen Skandal, eine Torheit. Doch es wurde die Liebe seines Lebens. Er, der die Welt zum Lachen brachte, hatte selbst oft einsam gelitten. Drei Ehen waren zerbrochen, der Applaus verhallte, die Schlagzeilen fraßen sich in seine Tage.

    Dann kam Oona. Sie hörte nicht nur zu, sie verstand. Sie blieb. Gegen alle Stimmen heirateten sie 1943. Als ihm Amerika die Tür wies, folgte sie ihm in die Verbannung. In der Schweiz fanden sie, was kein Ruhm geben konnte: Frieden, Freude, Familie. Acht Kinder füllten ihr Haus mit Lachen, diesmal nicht vom Filmset, sondern aus dem Leben.

    Als Chaplin 1977 starb, suchte Oona keinen neuen Anfang. Sie hatte bereits alles gelebt, was Liebe sein kann. Denn manchmal genügt ein einziges Ja – und es bleibt. Wahre Liebe fragt nicht nach dem richtigen Moment. Sie bleibt, wenn alles andere vergeht.

    Charlie Chaplin (1889–1977) war der Sohn armer Künstler in London und stieg zum größten Stummfilmstar der Welt auf. Mit Filmen wie „Der große Diktator“ und „Modern Times“ wurde er zum Symbol für Humor mit Tiefgang, kannte jedoch auch Skandale und Einsamkeit.

    Oona O’Neill (1925–1991), Tochter des Literaturnobelpreisträgers Eugene O’Neill, wuchs in Künstlerkreisen auf, war schön, klug und jung. Sie wurde Chaplins Halt, als die Welt ihm den Rücken kehrte, und blieb bis zu seinem Tod an seiner Seite. Sie selbst wollte nie im Rampenlicht stehen – sondern einfach lieben.


  • Du Seele meines Betens

    Ich steh vor dir in Leere, arm und bang,
    fremd ist dein Name, spurlos deine Wege.
    Du bist mein Gott, Menschengedenken lang –
    Tod ist mein Los, hast du nicht andern Segen?
    Bist du der Gott, der meine Zukunft hält?
    Ich glaube, Herr, was stehst du mir dagegen.

    Mein Alltag wird von Zweifeln übermannt,
    mein Unvermögen hält mich eingefangen.
    Steht denn mein Name noch in deiner Hand,
    hält dein Erbarmen leise mich umfangen?
    Darf ich lebendig sein in deinem Land,
    darf ich dich einmal sehn mit neuen Augen?

    Sprich du das Wort, das mich mit Trost umgibt,
    das mich befreit und nimmt in deinen Frieden.
    Öffne die Welt, die ohne Ende ist,
    verschwende menschenfreundlich deine Liebe.
    Sei heute du mein Brot, so wahr du lebst –
    Du bist doch selbst die Seele meines Betens.

    Text: Huub Oosterhuis (Übersetzung: Alex Stock), aus: Huub Oosterhuis, Solang es Menschen gibt auf Erden, 60, © 2023 Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br. – Melodie: GL 422 · GL 1975 621 · KG 544 · EG 382
    gefunden in Magnficat – das Stundenbuch am 3.7.2025, Abendgebet

  • Gott hat ein Gesicht

    „Götter haben viele Gesichter, aber wahre Göttlichkeit hat kein Gesicht“, heißt es in einer taoistischen Meditation. Der Satz will trösten, will Vielfalt ehren – doch er lässt uns am Ende im Ungefähren zurück.

    Jesus Christus sagt etwas anderes.

    „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ (Joh 14,9)

    Gott bleibt nicht im Nebel. Er tritt hervor – mit einem Gesicht, mit Augen, die weinen können, mit Händen, die berühren. Mit einem Herzen, das liebt bis ans Kreuz.

    Die Weltreligionen kennen viele Bilder von Gott. Die Bibel aber kennt nicht nur Bilder, sondern Begegnung. Nicht nur ein Ahnen, sondern ein Antworten.

    Jesus nennt Gott nicht „das Absolute“ oder „das Formlose“. Er nennt ihn Vater – und lädt auch uns ein, ihn so zu nennen:

    „Abba!“ – Papa. (Mk 14,36)

    Wer trauert, sucht keine Philosophie. Wer leidet, will kein Prinzip.

    Er oder sie sehnt sich nach Nähe. Nach einem Blick, einer Stimme, einer Umarmung.

    „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)

    Jesus zeigt uns den Weg – und er ist der Weg und die Liebe.

    Nicht anonym. Nicht verschwommen. Sondern ganz Mensch. Ganz Gott.

    Mit einem Gesicht.

  • Ich bin nicht tot

    „Beklagt mich nicht wie einen Toten,
    wenn ich vor Gottes Angesicht lebe.“

    – Redaktion Magnificat nach Aloisius von Gonzaga

    Wer liebt, trauert.
    Wer glaubt, hofft.

    Wenn wir Abschied nehmen,
    sehen wir nur das Äußere:
    den leeren Platz, die Stille, die Leere.

    Aber der Glaube sieht mehr:
    eine Seele, die angekommen ist.

    Ein Herz, das jetzt schlägt im Rhythmus der Liebe Gottes.
    Ein Leben, das vollendet wurde – nicht beendet.

    „Denn wir wissen:
    Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird,
    dann haben wir von Gott ein ewiges Haus im Himmel.“

    (2 Korinther 5,1)

    Ich bin nicht tot – Ich bin bei Gott

  • Suche Gott

    Suche Gott, du kannst ihn finden,
    tief im Schweigen hörst du ihn.
    Lies in deines Lebens Spuren,
    atme seine Gegenwart.

    Liebe Gott aus ganzem Herzen,
    er hat dich zuerst geliebt.
    Liebe ihn in den Geschwistern,
    öffne ihnen Herz und Sinn.

    Traue Gott, er wird dich tragen,
    birgt dich wie ein starkes Boot,
    führt dich durch der Zeiten Stürme
    sicher hin zum neuen Land.

    Helmut Schlegel 2007
    © Dehm Verlag, Limburg

  • Amor vincit

    Wenn wir einen geliebten Menschen verlieren, scheint es oft, als sei alles zu Ende. Doch dieser Text aus dem 2. Korintherbrief erinnert uns an eine große Hoffnung: Christus ist nicht nur gestorben – er ist auch auferweckt worden. Nicht, um uns zu verlassen, sondern um bei uns zu bleiben – in Liebe, in Fürsprache, in Verbundenheit.

    Wer liebt, lebt nicht mehr für sich allein. Wer geliebt hat – lebt weiter in der Liebe.

    In der Trauer können wir uns von der Liebe Christi getragen wissen. Sie „drängt“ uns, nicht zu verzweifeln, sondern zu vertrauen: auf ein Wiedersehen, auf Sinn trotz des Schmerzes, auf einen Weg, der weiterführt – mit Christus, der beim Vater für uns eintritt, für Dich und für die, die Du liebst.

    Und vielleicht geschieht gerade in der Stunde des Abschieds etwas Neues: Wir lernen, nicht mehr nur für uns selbst zu leben, sondern – wie Christus – in Liebe für andere. Amor vincit. Die Liebe siegt. Auch über den Tod.

  • Was bedeutet Auferstehung?

    🕊 Transkription der Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit 2025
    Gehalten von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB in Mautern

    Im Originalton sind Evangelium und Predigt (ab 02:33) hier nachhörbar.


    Wir haben hier am siebten Sonntag in der Osterzeit ein bisschen, man möchte fast sagen, Feiermüdigkeit. Wir sind jetzt sieben Wochen nach Ostern. Wie ist denn so die Stimmung unter den Gläubigen? Sind sie voller Leben wegen der Auferstehung Jesu? Oder sind wir eher in der Haltung: „Ja, ja, ist schon recht, Jesus ist auferstanden. Jetzt ist bald Pfingsten, und dann haben wir endlich wieder Ruhe. Dann beginnt wieder die Zeit im Jahreskreis.“

    Ein bisschen klingen die Lesungen heute auch so, dass man sich nicht ganz auskennt.

    Plötzlich haben wir den Stephanus. Wir kennen ihn sonst vor allem nach Weihnachten, am 26. Dezember. Hier in Mautern feiert man da das Patrozinium, nicht? Die ganze Pfarrgemeinde ist dem heiligen Stephanus geweiht.

    Dann hören wir aus der Offenbarung des Johannes, wo die Kirche als Braut dargestellt wird, die zum Bräutigam ruft: „Komm!“ – also: „Es ist Zeit, dass du zurückkommst auf die Erde.“

    Und im Evangelium hören wir ein Drittel eines langen Gebets, das Jesus an den Vater richtet – das sogenannte hohepriesterliche Gebet. Ganz ehrlich: Haben Sie da ein Wort verstanden?
    „Dass ich in dir bin und du in mir bist, dass die Jünger in mir sind und ich in ihnen …Und dass du mich gesandt hast … damit ich verstehe, dass sie verstanden haben …“ Es geht da hin und her. Typische johanneische Theologie.

    Aber Vorsicht: Wenn man das so schnell abtut, wie ich es jetzt gerade getan habe, dann ist das so, als würde man auf einer Bananenschale ausrutschen.

    Denn der Sukkus, der Hauptgedanke ist:
    Liebe verbindet.

    Ich möchte heute einmal antworten auf die Frage, was heißt denn das eigentlich, dass Jesus auferstanden ist?

    Theologisch wissen wir es.
    Katechetisch wissen wir es.
    Es ist das Abzeichen.

    Aber genügt es, dass wir das sagen?

    Genügt es Ihnen, wenn Sie heute heimgehen mit dem Gedanken:
    „Das Zeichen, dass ich Christ bin, ist, dass ich daran glaube, dass Jesus auferstanden ist“?

    Oder gehen Sie nicht eher heim mit der Last:
    „Ich muss glauben, dass Jesus auferstanden ist, sonst bin ich kein Christ.“?

    Und wenn dich jemand fragt:
    „Ja, was heißt denn das, dass Jesus auferstanden ist?“
    Dann kommt vielleicht:
    „Na ja, dass er halt wieder lebt.“
    Aber das ist zu wenig.
    Das darf uns nicht genügen.
    Wir dürfen uns nicht einfach gewöhnen an das, woran wir uns so leicht gewöhnen:
    „Ja, ja, Jesus ist auferstanden.“ Punkt.

    Was heißt das in der Praxis?

    In der Theorie heißt es:
    „Wir werden alle sterben und am Jüngsten Tag leiblich auferstehen“, wie wir es auch im Glaubensbekenntnis bekennen.

    Ist damit unser Bekenntnis vollendet?

    Ich glaube, hier in Mautern, können Sie auf den heiligen Stephanus schauen – den Patron Ihrer Gemeinde.
    Von ihm heißt es ausdrücklich, kurz vor Pfingsten:
    Er war erfüllt vom Heiligen Geist.

    Und dieser Stephanus schafft es sterbend, weil er getötet wird, für seine Mörder zu beten.
    Er vergibt ihnen.
    Das ist die Praxis der Auferstehung.
    Da ist einer schon auferstanden – innerlich.
    Und ja, Stephanus wird am Jüngsten Tag leiblich auferstehen.
    Aber er war es schon damals: auferstanden durch seine Fähigkeit zur Vergebung.

    Jetzt möchte ich noch eine Lanze brechen für den Evangelisten Johannes, den ich zuerst fast ein wenig kompliziert dargestellt habe.

    Während die anderen Evangelisten schreiben, dass Jesus „den Geist aufgab“, schreibt Johannes: Jesus gab seinen Geist hin.

    Und in Johannes ist es auch Jesus selbst, der den Jüngern am selben Tag der Auferstehung den Heiligen Geist gibt.
    Er sagt: „Empfangt den Heiligen Geist. Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben.“

    Wie verkündet man diese Vergebung?

    Indem man verzeiht.
    Und wie kannst du verzeihen?

    Wenn du an Jesus, den Auferstandenen, glaubst.

    Denn Jesus wurde – wie Stephanus – getötet, aus Hass, wegen Machtspielen, wegen Verleumdung.

    Und was macht Jesus?

    Er geht durch den Tod hindurch.
    Und er zeigt als Erstes seine Wunden – bei Johannes ausdrücklich als Zeichen der Vergebung. Die Wundmale sind verheilt.
    Was ihr mir angetan habt – es ist gut.
    Es ist vergeben.

    Wann bin ich auferstanden?

    Wenn ich vergeben habe.

    Wer ist auferstanden?

    Der, der vergibt.

    Wer zeigt, dass er an die Auferstehung glaubt?

    Der, der vergeben kann – weil er weiß:
    Die Liebe ist stärker als der Tod.

    Das ist jene Liebe, mit der der Vater den Sohn auferweckt hat –
    den Sohn, der aus Hass getötet wurde.

    Diese göttliche Liebe ist größer als jeder Hass.

    Und dort, wo die Liebe stärker ist als die Verletzung, die dir ein Mensch angetan hat, dort bist du auferstanden.

    Jetzt könnten Sie sagen:
    „Na ja, das klingt alles sehr schön, aber das ist doch schwieriger als einfach nur zu sagen: Ich glaube, dass Christus auferstanden ist.“

    Ja – das schönere ist oft das schwierigere.

    Du bist auferstanden, wenn du vergeben hast.

    Nimm dir alle deine Feinde mit hinein in diese Eucharistiefeier.

    Lass dir von Jesus sagen:
    „Für euch und für alle vergossen – mein Blut, mein Leben.“

    Lass dich mit dem Herrn auferwecken,
    zur Fähigkeit der Vergebung.

    Amen.


    Die Lesungen und das Evangelium zur Predigt sind hier nachlesbar:
    https://www.vaticannews.va/de/tagesevangelium-und-tagesliturgie/2025/06/01.html

    Das angesprochene hohepriesterliche Gebet Jesu findet sich in Johannes 17,1–26.

    Die jeweils aktuellen Impulse zu seiner nächsten Predig stellt P. Johannes Paul immer am Donnerstag hier zur Verfügung:
    https://www.abrahamowicz.org