Schlagwort: Lamm

  • Heil heute – bereit sein

    Die Texte dieses Sonntags sprechen überraschend deutlich in unsere Gegenwart. Sie treffen eine Welt, die zwischen Selbstoptimierung und Resignation schwankt: zwischen dem Druck, immer besser werden zu müssen, und der Versuchung, innerlich aufzugeben.

    Die Bibel setzt dem kein Programm und keine Moral entgegen, sondern ein Versprechen: Heil ist möglich.

    Heil meint mehr als Fehlerlosigkeit oder religiöse Korrektheit. Es ist das Gegenbild zu Schuld und innerer Absonderung. Schuld zieht nach unten, lässt Menschen glauben, sie müssten sich fernhalten – von Gott, von anderen, von sich selbst.

    Heil dagegen sagt: Du darfst kommen. Du bist gemeint. Du musst dich nicht verstecken.

    Darum weitet Gott im Buch Jesaja den Blick: Es ist ihm „zu wenig“, dass sein Heil nur einem Volk gilt. Es soll Licht für alle sein, bis an die Enden der Erde. Und Paulus greift diesen Gedanken auf: Zugehörigkeit zu Christus entsteht nicht durch Herkunft oder Leistung, sondern durch Beziehung und Vertrauen.

    Im Evangelium verdichtet sich alles im Ruf Johannes des Täufers:
    „Seht, das Lamm Gottes.“

    Jesus wird nicht als Sieger oder Machthaber gezeigt, sondern als der, der Schuld trägt, und ohne Gewalt antwortet. Das Lamm steht für eine Liebe, die sich nicht durchsetzt, sondern hingibt. Eine Liebe, die das Böse nicht überbietet, sondern aushält – und gerade so verwandelt.

    Für heute heißt das:
    Heil geschieht nicht durch Leistung, sondern durch Vertrauen.
    Nicht durch Abgrenzung, sondern durch Öffnung.
    Nicht durch Macht, sondern durch Liebe.

    „Seht, das Lamm Gottes“ – dieser Ruf gilt auch heute.
    Er lädt ein, hinzusehen.
    Und bereit zu sein.

  • DRAUSSEN ODER DRINNEN?

    Gottes Barmherzigkeit ist größer als unser Versagen.

    Im dritten Jahrhundert stand die junge Kirche vor einer schmerzhaften Frage:
    Soll man Christen, die in Zeiten der Verfolgung aus Angst ihren Glauben verleugnet hatten, wieder aufnehmen?

    Papst Kornelius (200 – 253) sagte Ja.

    Er vertraute auf Gottes unendliche Gnade und setzte sich dafür ein, dass gefallene Brüder und Schwestern nach Reue und Buße wieder Teil der Gemeinschaft werden durften. Sein Gegenspieler Novatian meinte Nein – er wollte eine Kirche der Starken und Reinen. Doch Kornelius setzte sich durch. Zusammen mit dem Bischof Cyprian von Karthago (200 – 258) verteidigte er die Haltung: Die Kirche ist kein exklusiver Club der Perfekten, sondern eine Heimat auch für die Gebrochenen.

    Und heute?

    Die Antwort der Kirche ist dieselbe geblieben. Wer gesündigt hat, darf heimkehren. Der Weg zurück führt über Reue, über das ehrliche Eingeständnis der eigenen Schuld – und über das Sakrament der Versöhnung. In jedem Beichtstuhl liegt dieselbe Verheißung wie damals:
    Gottes Barmherzigkeit ist größer als unser Versagen.

    Papst Franziskus sagte dazu: „Die Kirche ist kein Museum für Heilige, sondern ein Feldlazarett für Verwundete.“

    Ein Gedanke zum Mitnehmen

    Manchmal fühlen wir uns, als hätten wir Gott enttäuscht oder uns selbst verloren. Dann hilft es, an Kornelius zu denken: Es gibt keinen Weg, der uns endgültig von Gott trennt. Wer umkehrt, darf sicher sein, dass die Tür offensteht.

    So bleibt die Kirche, trotz aller Schwächen ihrer Glieder, ein Haus der Barmherzigkeit. Und wir dürfen darin wohnen – nicht weil wir vollkommen wären, sondern weil wir geliebt sind.

    „Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.“
    (Lukas 15,6–7)


    Yuliya Preyer mit einem Lamm in Betlehem, 3. März 2020


    Heiliger Kornelius und heiliger Cyprian – 16. September