Schlagwort: Himmel auf Erden

  • Im Himmel?

    Gestern saß ich beim Leichenschmaus neben zwei Frauen.
    Sie kannten einander gut – und doch war zwischen ihnen etwas Unausgesprochenes.

    Die eine war die Mutter des Verstorbenen.
    Die andere seine Frau.

    Es war nicht laut an unserem Tisch.
    Man hörte Besteck, leise Gespräche, irgendwo ein gedämpftes Lachen.

    Dann fragte die Witwe, ganz vorsichtig:

    „Glaubst du … dass dein Sohn jetzt im Himmel ist?“

    Die Mutter antwortete nicht sofort.
    Sie sah auf ihre Hände.

    „Ich weiß es nicht …“, sagte sie schließlich.
    „Ich habe oft gehadert …“

    Es war kein Vorwurf mehr in ihrer Stimme.
    Eher etwas wie Müdigkeit.

    Eine Pause.

    Dann sagte die Witwe:

    „Ich habe heute einen Gedanken gehört …
    Der Himmel beginnt nicht erst nach dem Tod …
    sondern dort, wo ein Mensch der Liebe vertraut.“

    Die Mutter hob den Blick.

    „Und glaubst du, dass er das konnte?“

    Die Antwort kam leise:

    „Ich glaube, er hat geliebt.
    Nicht immer leicht … aber echt.“

    Wieder Stille.

    Dann sagte die Mutter, kaum hörbar:

    „Ja …“

    Und nach einer Weile:

    „Dann … ist er vielleicht schon dort.“


    Am Abend habe ich dann noch einmal den Impuls von P. Johannes Paul aus 2023 angesehen.

  • 🌈 Allerseelen – der Himmel auf Erden

    Ja – Gott liebt mich.
    Ich erkenne es in dem, was andere „Zufall“ nennen.

    Im späten Kennenlernen von Yuliya –
    auf einem Flug nach Venedig,
    als ich innerlich schon auf dem Weg ins Jenseits war.
    In den Jahren ohne Beschwerden nach einer 
    Notoperation wegen Darmkrebs in Kiew.
    Oder im einfachen Geschenk eines freien Parkplatzes,
    wo sonst nie einer zu finden ist.

    Ich weiß:
    Nichts davon ist selbstverständlich.
    Alles ist Zuwendung.
    Ein stilles Zeichen der Gegenwart Gottes –
    wie ein leiser Gruß aus dem Himmel, mitten im Alltag.

    🌈
    Der Regenbogen erinnert mich daran:
    Gott hat seinen Bund mit uns nicht aufgehoben.
    Er spannt ihn immer wieder neu – über Leid und Freude,
    über Tod und Leben,
    über das, was war, und das, was kommt.

    An Allerseelen spüre ich diese Nähe besonders.
    Wir denken an jene, die uns vorausgegangen sind,
    und zugleich ahnen wir:
    Der Himmel ist nicht fern.
    Er berührt uns in allem, was von Liebe durchdrungen ist –
    im Gedenken, im Gebet, im stillen Dank.

    Gott liebt mich.
    Und diese Liebe ist der Grund, warum ich glauben kann.
    Aber sie will mehr als nur geglaubt werden.
    Sie will Antwort –
    nicht aus Angst oder Pflicht,
    sondern aus Dankbarkeit.

    Wer diese Liebe wirklich annimmt,
    wird verwandelt.
    Er wird sanft, barmherzig, friedensstiftend –
    nicht aus eigener Anstrengung,
    sondern weil Gott in ihm lebt.

    So geschieht Himmel auf Erden:
    in einem freundlichen Wort,
    in einem Moment der Vergebung,
    in einem stillen Frieden,
    den niemand erklären kann.

    Darum genügt der Glaube –
    wenn er lebendig bleibt.
    Ein Glaube ohne Liebe bleibt leer,
    ein Glaube mit Liebe trägt den Himmel schon in sich.

    🌈
    Wie ein Regenbogen nach dem Regen:
    Er spannt sich über alles Vergängliche hinweg
    und lässt ahnen,
    dass Gottes Liebe das letzte Wort hat.

    Oder, wie Augustinus sagt:

    „Liebe – und tu, was du willst.“