Der unterlegte Text ist der Leitsatz der Theologische Kurse. Das war der Inhalt der ersten Vorlesung im September vor zwei Jahren.
Als ich den Text heute im Stephansdom von einem lieben Kollegen als 2. Lesung gehört habe, war ich dankbar und froh über meine Entscheidung, diesen Kurs zu besuchen. Neun Prüfungen habe ich bestanden, drei kommen noch vor dem Sommer und dann werde ich meine schriftliche Arbeit abschließen. Heuer im Herbst möchte ich ein Absolvent sein, der besser wissen wird, was hinter meinem Glauben steckt. Derzeit bin ich nur dankbar für die Gnade, an den Sieg der Liebe glauben zu dürfen und aus dieser Sicherheit zu leben.
Der abgedruckte Kommentar ist dem „Magificat – mein Stundenbuch“ von heute entnommen.
Nur Matthäus sagt es uns: Ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab und wälzte den Stein weg. Markus, Lukas und Johannes finden ihn einfach fort – ohne Erklärung, ohne Zeugen.
Vielleicht ist das kein Widerspruch. Vielleicht ist es eine Einladung: Der Auferstandene braucht keinen offenen Eingang. Er erscheint später durch verschlossene Türen. Der Stein wurde nicht für ihn weggerollt – sondern für uns. Damit wir hineinsehen, begreifen, glauben können.
„Gott braucht keinen Engel. Aber wir brauchen ein Zeichen.“
Am 8. Dezember 2019, dem Fest Mariä Empfängnis, lag ich in einem Krankenhaus in Kiew auf der Intensivstation. Ein Chirurg trat an mein Bett – mitten in der Nacht, ein einfaches silbernes Franziskuskreuz um den Hals. Er sagte zu mir: „Operation now or tomorrow dead.“ Ich sah das kleine Kreuz. Und ich sagte: „Operation now.“
Am Morgen um sieben Uhr lächelte er mich an und sagte: „You are not in heaven. Operation was successful.“
Ich weiß seitdem: Steine werden weggerollt. Nicht immer spektakulär. Manchmal durch Vertrauen in das Herz eines Chirurgen in der Nacht. Manchmal durch einen Satz, der Leben rettet. Manchmal schweigend, unsichtbar – und wir finden sie einfach fort, wie Maria von Magdala am ersten Tag der Woche.
Das Grab war leer. Das Leben war stärker. Das gilt heute noch.
Seit zwei Jahren begleite ich als freier Einsegner Menschen und Familien auf ihrem letzten gemeinsamen Weg. Viele von ihnen haben der Kirche den Rücken gekehrt – aber nicht dem Leben, nicht der Hoffnung, nicht Gott. Sie glauben. Nur anders. Auch darin höre ich Ostern. Und manchen konnte ich helfen, den Stein aus ihrem Leben wegzurollen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Frohe Ostern. Möge auch in Ihrem Leben ein Stein weggerollt sein – einer, von dem Sie vielleicht noch gar nicht wussten, dass er da lag.
Leben, das keinen Tod zu fürchten braucht, Leben, das auch im Kreuz sich nicht verbraucht Liebe, die ohne Grund sich andern schenkt, Liebe, die allen Streit zum Frieden lenkt.
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht, und es verdirbt.
Glaube, der auch im Menschen Gott entdeckt, Glaube, der sich im Alltag nicht versteckt. Christus, der uns zum Himmel Brücken baut, Christus, durch den uns Gott wird ganz vertraut.
Er ist Gottes Weizenkorn, das in der Erde liegt, für uns stirbt und so den Tod besiegt.
Manfred Henkes: Todesfrucht, aus: ders., Auf-Brüche. Wege zu Gott und den Menschen, Stuttgart 1982, S. 26
Emilie Engel (Mitgründerin der Schönstätter Marienschwestern, 1893–1955)
• Wofür brauche ich im Moment Licht und Trost? Ich darf es dem göttlichen Kind anvertrauen. • Was bedeutet für mich der Glaube, dass Gott als Kind zur Welt kam?
Lesung 1 Joh 1, 1–3
Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.
Fürbitten
Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, du bist selbst Kind geworden. Wir bitten dich:
V: Sei unser Licht, A: bleib uns nah.
Segne alle Kinder, die heute geboren werden; – lass sie gesund heranwachsen und spüren, dass sie Kinder deines Vaters sind. Sei mit allen, die heute Weihnachten feiern; – lass dein Licht sie erfüllen und von ihnen ausstrahlen auf die Menschen in ihrer Umgebung. Sieh gütig auf jene, die dich nicht kennen, – und lass sie deine Liebe und deinen Segen spüren. Gedenke der Kinder im Heiligen Land; – hilf den Mächtigen, sie besonders zu schützen und im Frieden heranwachsen zu lassen. Komm auf alle zu, die heute sterben; – lass sie sich ewig mit dir freuen.
V: Sei unser Licht, A: bleib uns nah.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, 12-2025, Abendgebet am 25.12.205
„Ich gehe mit meiner Laterne …“ Seit Kindheitstagen begleitet mich der Hl. Martin. Erst in den letzten Jahren habe ich begonnen, am selben Tag auch Abt Menas zu feiern – den Freund Christi.
Christus und Abbas Menas (Ikone, Louvre, vermutlich 6.–8. Jh., Bawit, Ägypten)
Beide stehen für dieselbe Haltung: Martin teilt seinen Mantel mit dem Armen. Menas empfängt die Hand Christi auf seiner Schulter.
Teilen – Freundschaft – Liebe. Das sind nicht drei Tugenden, sondern eine einzige Bewegung des Herzens. Sie verbindet Himmel und Erde.
Auch Trauernde teilen Freunschaft – mit dem lieben verstorbenen Menschen im Blick auf die Liebe Gottes.
Bildbeschreibung
Die Ikone zeigt Christus und den Abt Menas, eine der ältesten koptischen Darstellungen aus dem Kloster Bawit in Ägypten (6.–8. Jh., heute im Musée du Louvre, Inv. E 11565). Christus legt seine rechte Hand auf die Schulter des Abtes – eine Geste der Freundschaft und des Segens. In seiner linken Hand hält er das Evangelienbuch, Menas trägt eine Schriftrolle, wohl die Regel seines Klosters.
Die Inschriften nennen die beiden: Rechts neben Christus steht ΨΩΤΗΡ (Soter) – der Erretter, der Heiland. Links neben Menas liest man ΑΠΑ ΜΗΝΑ ΠΡΟΕΙCΤΟC – Vater Menas, der Vorsteher.
Die Ikone zeigt in schlichter Zärtlichkeit, was Freundschaft im Glauben bedeutet: Christus segnet, begleitet, teilt sein Leben mit dem Menschen.
Quelle: Musée du Louvre Paris (E 11565); Wikipedia Artikel Christus und Abbas Menas, Martin von Tours, Menas von Ägypten.
Eine Frau liegt im Sterben. Ein Mann will sie retten. Ein Apotheker verlangt den Preis des Lebens. Und die Moral? Sie steht ratlos daneben. Und wenn es im Heinz-Dilemma gar nicht um Ethik ginge?
Der Psychologe Lawrence Kohlberg entwarf in den fünfziger Jahren eine Versuchsanordnung, die bis heute in Ethikseminaren zitiert wird: das Heinz-Dilemma. Eine Frau leidet an einer tödlichen Krankheit. Es gibt ein Medikament, das helfen könnte, doch der Apotheker verlangt das Zehnfache seiner Kosten. Der Ehemann Heinz bittet, verhandelt, fleht – vergeblich. Schließlich überlegt er, ob er einbrechen und das Mittel stehlen soll.
Soll er?
Kohlberg wollte mit dieser Frage nicht Moral lehren, sondern Moral messen. Entscheidend war nicht, was jemand antwortet, sondern warum. Wer sagt: „Er darf nicht stehlen, sonst kommt er ins Gefängnis“, denkt anders als jemand, der meint: „Ein Menschenleben zählt mehr als Eigentum.“ Moral, so Kohlberg, entwickelt sich in Stufen – von der Furcht vor Strafe bis zur Einsicht in universelle Werte.
Wenn das Medikament nicht heilt
Doch in dieser berühmten Versuchsanordnung fehlt eine entscheidende Unbekannte: Was, wenn das Medikament gar nicht hilft? Wenn es nur das Leiden verlängert – oder das Sterben?
Dann verschiebt sich der moralische Brennpunkt. Dann geht es nicht mehr darum, ob Heinz das Richtige tut, sondern was „richtig“ überhaupt heißt.
Ist Leben immer der höchste Wert? Oder wird es erst durch Sinn und Liebe heilig?
In solchen Momenten reicht die Vernunft nicht mehr. Sie macht Platz für das Ringen des Herzens, das nicht loslassen kann – selbst wenn Loslassen der letzte Liebesdienst wäre.
Zwischen Gesetz und Gnade
Vielleicht liegt Heinz’ wahres Dilemma gar nicht im Gesetz, sondern im Glauben. Nicht, ob er einbrechen darf, sondern ob er glaubt, das Leben seiner Frau liege in seinen Händen. Und vielleicht liegt das Unrecht nicht beim Apotheker, sondern in der Logik, mit der wir Leben bemessen – als wäre es handelbar, verlängerbar, verfügbar.
Was ist der Wert eines Menschenlebens, wenn es zugleich unbezahlbar und unhaltbar ist?
In Gottes Zeit
Am Ende werden wir alle vorausgehen. Für manche von uns leben unsere Seelen weiter. Und wir werden uns wieder umarmen – in Gottes Zeit.
Dieses Vertrauen ist Gnade und verwandelt das Dilemma. Nicht zu einer Lösung, sondern zu einem Trost. Denn wenn Heilung nicht mehr im Diesseits liegt, wird das Stehlen sinnlos – und die Liebe heilig.
Heinz bleibt Mensch – zwischen Hoffnung und Hingabe. Und Gott bleibt Gott – jenseits aller Rechnungen.
Über den Autor: Harald R. Preyer ist Coach, geistlicher Begleiter und Trauerredner in Wien. Er begleitet Menschen an Lebenswenden .
1. Wiener Ganserlessen-Dialoge am 8. November 2023 Impuls von P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB
„Der Himmel fängt auf der Erde an.“
Diesen Satz seines Vaters stellte P. Johannes Paul an den Beginn seines zwölfminütigen Impulses – und er zieht sich als roter Faden durch seine Gedanken zu Himmel, Hölle und Fegefeuer.
Wir alle wüssten, was Himmel ist: wo alles passt. Doch der Mensch hat – anders als das Tier – einen freien Willen. Darum kann er sich auch gegen etwas entscheiden, sogar gegen die Liebe selbst. Weil Gott die Liebe ist, hat der Mensch – philosophisch gesehen – das Recht, dass es die Hölle gibt.
Was aber ist die Hölle? Nicht ein Ort, an dem Gott nicht ist – denn Gott ist allgegenwärtig. Sondern: Die Gegenwart Gottes ist für jene, die ihn ablehnen, unerträglich. Darum ist das Feuer der Hölle in Wahrheit die Flamme der göttlichen Gegenwart – dieselbe Flamme, die in der Schrift als brennender Dornbusch, als Feuersäule in der Nacht oder als Licht der Osterkerze erscheint.
Das Fegefeuer wiederum ist kein Strafort, sondern eine Läuterung aus Liebe. „Fegen“ heißt reinigen, und das Feuer steht wieder für Gottes liebende Nähe. So wie Gold im Feuer geläutert wird, so wird auch der Mensch gereinigt – nicht vernichtet, sondern veredelt.
Ein Beispiel: Wer plötzlich mit dem Rauchen aufhört, spürt Schmerzen des Abgewöhnens. Ähnlich ist es, wenn man begreift, wie sehr Gott liebt – und erkennt, wo man selbst lieblos war. Diese Reue ist schmerzhaft, aber heilend. Das ist das Fegefeuer – die reinigende Liebe Gottes, die schon auf Erden beginnen kann.
Am Ende seines Impulses schloss P. Johannes Paul mit einem Lächeln: „Die Gans hat fertig gebrutzelt – aber schon als Tote. Nachher reden wir weiter beim Essen.“
🕊️ Zusammenfassung
Der Mensch ist frei – nicht vorherbestimmt. Diese Freiheit macht ihn fähig, sich für oder gegen die Liebe zu entscheiden. Himmel, Hölle und Fegefeuer sind keine geografischen Orte, sondern Ausdruck dieser Beziehung zur göttlichen Liebe. Himmel: gelebte Einheit mit Gott. Hölle: dieselbe Gegenwart Gottes – aber unerträglich für jene, die sie ablehnen. Fegefeuer: Läuterung durch Liebe.