„Das Sterben ist nach meinem Verständnis der heiligste Augenblick des Lebens“ sagt mein Freund, der Göttweiger Benediktiner Pater Johannes Paul Abrahamowicz OSB. Mit ihm beginnt ein neues Sein. Am Ende steht die Auferstehung – in Gottes Zeit.
Der Umgang mit dem Tod ist unterschiedlich – je nachdem, ob ein religiöser oder ein konfessionsloser Mensch gebeten wird, das Begräbnis zu begleiten. Diese Haltungen sind schnell erkennbar – sowohl an den Worten als auch an der Kleidung.
Kleidung und Sprache
Priester und Diakone tragen zu Begräbnissen liturgische Kleidung: eine besondere Form des Messgewandes oder Anzug mit Stola. Mönche tragen meist ihren Habit (i.e. Mönchskutte) mit Stola. Trauerredner kommen in der Regel im dunklen Anzug.
Ich trage gerne einen schwarzen Anzug mit grünem Stecktuch oder die weiße Albe des getauften Christen, weil mit der Einsegnung das irdische Leben endet, das mit der Taufe begonnen hat.

Religiös
„Am Karfreitag feiern wir die Liebe, die bis zum Tod führt. In der Osternacht die Liebe, die über den Tod hinausgeht.
Wir sehen uns wieder – in Gottes Zeit.“
Konfessionslos
„Mit dem Tod ist das Leben zu Ende. Uns bleiben für immer die Erinnerungen an den lieben verstorbenen Menschen.
In unseren Herzen bist Du lebendig. Lebe wohl!“
Neben der Kleidung wird dieser Unterschied sehr schnell in den verwendeten Worten und in der inhaltlichen Ausrichtung spürbar.

In einer religiösen Abschiedsfeier haben beide Wort-Welten Platz.
Ablauf einer religiösen Abschiedsfeier

Bei einer christlichen Einsegnungsfeier ist die Trauerrede Teil der Liturgie. Sie würdigt ausführlich und möglichst persönlich den lieben Verstorbenen.
Musik
Ähnlich wie bei einer Oper ist auch bei einem Begräbnis Musik ein wesentliches Gestaltungselement der Feier. Dabei empfehle ich den Angehörigen, sich bei der Auswahl der Musikstücke von diesen Fragen leiten zu lassen:
- Welche Musik hat sich der liebe verstorbene Mensch gewüscht?
- Welche Musik verbinden Sie mit der oder dem Verstorbenen?
- Was hören Sie gerne, wenn Sie an Auferstehung – an das Leben nach dem Tod denken?
Oft kommen Angehörige mit konkreten Musikwünschen zum Bestatter. Zu diesem Zeitpunkt ist meist noch nicht klar, wie die Feier im Detail ablaufen soll. Ich empfehle daher meinen Auftraggebern, die Musikauswahl bei der Besprechung des Ablaufs der Trauerfeier mit mir festzulegen.
Die Bestatter erhalten unmittelbar nach dem Vorgespräch mit mir eine Liedliste – auf Wunsch auch gerne als Playlist in Apple Music oder Spotify – Jedenfalls einige Tage vor der Beerdigung.
Die meisten Bestatter verfügen über eine hochwertige Tonanlage und über gute Kontakte zu Musikern. Manchmal übernehmen auch Freunde der Angehörigen – oft sehr berührend und stimmungsvoll – die musikalische Gestaltung.
Trauerrede
Die Seele eines Menschen ist das, was ihn einzigartig macht. Sie ist auch das Bleibende – über den Tod hinaus, bis wir uns in Gottes Zeit wiedersehen.
Die Trauerrede würdigt liebevoll möglichst die ganze Persönlichkeit des verstorbenen Menschen. Aus meiner Erfahrung erzählen Angehörige gerne, was sie zu Lebzeiten an ihr oder ihm geliebt haben. Anfangs vielleicht unter Tränen und stockend, dann immer flüssiger und oft mit großer Freude, Liebe und Begeisterung. Ich nehme mir gerne die Zeit, die es braucht, um aufmerksam zuzuhören.
Schon das Erzählen tut den Hinterbliebenen gut und ist oft wertvoller als die Trauerrede selbst. Manchmal entscheiden wir gemeinsam, dass die Angehörigen selbst die Trauerrede halten. Das gibt dem Begräbnis eine sehr persönliche Form und wirkt wohltuend. Wenn die Stimme zeitweise versagt, ist das ein Zeichen von Liebe. Wenn es gar nicht mehr geht, übernehme ich, was jedoch erst zweimal vorgekommen ist.
Die Trauerrede dauert zwischen acht und zwölf Minuten und damit rund ein Drittel der Feier in der Aufbahrungshalle. (1/3 Musik, 1/3 Trauerrede, 1/3 Rituale, Ein- und Auszug).
Rituale der Hoffnung
Die Formeln für Weihwasser und Weihrauch (wenn gewünscht) können auch während der Aufbahrung am Ende der Feier gesprochen werden. Ein langsames, feierliches Musikstück unterstützt beim Aufsteigen des Weihrauchs die frohe Hoffnung auf die Auferstehung.
Segnungsformeln
– Weihwasser
NN, im Wasser und im Heiligen Geist wurdest Du getauft. Der Herr vollende an dir, was er in der Taufe begonnen hat.
– Weihrauch (falls gewünscht)
NN, Dein Leib war Gottes Tempel. Der Herr schenke Dir ewige Freude. Deine Seele steige nun auf in sein Reich, wo die Liebe wohnt.
– Erde
Von der Erde bist Du genommen und zur Erde kehrt dieser Leib zurück. Dich aber, NN, wird der Herr auferwecken.
– Kreuz (selten gewünscht)
Das Zeichen unserer Hoffnung, das Kreuz unseres auferstandenen Herrn Jesus Christus, sei aufgerichtet über deinem Grab.
Der Friede sei allezeit mit dir.
Am offenen Grab spreche ich die vereinbarten Einsegnungsformeln. Das können auch persönliche oder weltliche Formulierungen sein. Der Sarg wird nach der Beweihräucherung (wenn gewünscht) langsam versenkt. Dabei lege ich behutsam eine Schaufel Erde auf den Rand des Sargdeckels. Wenn es passt, bringe ich gerne selbst eine weiße Rose mit und lege sie dazu.
Vater unser
Am Ende der Feier beten wir meist jenes Gebet, das der Herr seine Aposteln gelehrt hat. Die Ansprache Gottes als Vater vermittelt eine Vertrautheit, die Trost und Hoffnung spendet.
Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme, dein Wille geschehe,
wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.
Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott NN in das Reich seines Friedens führen wird. Wir sind dazu eingeladen, einander diesen Frieden schon hier auf Erden zu schenken.
Der Friede Gottes und seines auferstandenen Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, sei allezeit mit uns!
Wir können einander nun ein Zeichen des Friedens schenken, wie wir das tun, wenn wir einander die Hände reichen. Dazu können wir sagen: „Der Friede sei mit Dir.“ Die Antwort lautet gleich: „Der Friede sei mit Dir.„
Friedensgruß
Damit endet die Feier am Grab mit einem Händedruck. Oft werden daraus herzliche, mitfühlende Umarmungen, die den Trauernden gerade in dieser Stunde so gut tun und echtes Mitleiden zeigen.
Albe, Aspergil und Weihrauch
Als religiöser Begräbnisleiter trage ich gerne die weiße Albe des getauften Christen oder einen dunklen Anzug – ganz wie es von den Trauernden gewünscht wird und zur Gestaltung der Feier passt. Bei einer Baumbestattung passt besser legere Kleidung, in eine Kirche eher feierliche Adjustierung.
Zur Einsegnung verwende ich ein Reise-Aspergil (Wasserspender) mit Weihwasser aus dem Stephansdom, einen kleinen Weihrauchkessel, Kohlen und Weihrauch aus dem Heiligen Land, den mir ein befreundeter Mönch geschenkt hat.

Harald in der weißen Albe des getauften Christen mit Aspergil
Für die Gäste ist kein wesentlicher Unterschied zur kirchlichen Begräbnisfeier erkennbar. Da die Einsegnung keines der sieben Sakramente der katholischen Kirche ist, darf ich sie auch als Laie begleiten.
Zum Vergleich hier die typischen Abläufe einer Trauerfeier nach der römisch-katholischen Liturgie und einer weltlichen Verabschiedung.
In der kirchlichen Begräbnisfeier wird die Trauerrede meist vor oder nach dem liturgischen Teil von Angehörigen, Ehrengästen oder einem Trauerredner gehalten. Der Priester leitet die Liturgie und predigt zur Bibelstelle und zur Auferstehungslehre.
Die weltliche Abschiedsfeier kann im Rahmen der Friedhofsordnung frei gestaltet werden. Sie kann auch religiöse Teile enthalten, wenn das gewünscht wird.
Kontakt zum Einsegnungsdienst der EDW
Zu den Mitarbeitenden des Einsegnungsdienstes (ED) der Erzdiözese Wien am Zentralfriedhof pflege ich ein herzlich-professionelles, kollegiales Verhältnis.
Gabriele Kessler, die Büroleiterin, besuche ich regelmäßig, wenn ich am Zentralfriedhof ein Begräbnis leite.
Der Einsegnungsdienst (ED) koordiniert Priester, Diakone, römisch-katholische Begräbnisleiter und Kreuzträger. Wenn die Angehörigen die Einsegnung durch einen Geistlichen wünschen, dann stimme ich mich mit dem zugeteilten Kollegen gerne ab.

Pfarrer Giovanni mit Harald in der Sakristei nach einem gemeinsam gefeierten Requiem, bei dem ich statt der Predigt des Priesters die Trauerrede halten durfte.
Auf Wunsch mache ich die Angehörigen gerne mit einem Priester aus meinem Freundeskreis bekannt, der auch eine Totenmesse (Requiem) mit uns feiern kann.
Das hat für die Angehörigen den Vorteil, dass der Priester im voraus bekannt ist und eine Beziehung zu ihm ensteht.
Mein persönliches Ziel
Mein persönliches Ziel bei jeder Abschiedsfeier ist, dass sich Trauernde gerne an den Tag erinnern, weil sie Hoffnung und Liebe gespürt haben, die stärker sind als der Tod.
Die meisten meiner Aufträge erhalte ich über Empfehlung bestehender Kunden.


