Schlagwort: Weizenkorn

  • Todesfrucht

    Leben, das keinen Tod zu fürchten braucht,
    Leben, das auch im Kreuz sich nicht verbraucht
    Liebe, die ohne Grund sich andern schenkt,
    Liebe, die allen Streit zum Frieden lenkt.

    Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt,
    bringt es keine Frucht, und es verdirbt.

    Glaube, der auch im Menschen Gott entdeckt,
    Glaube, der sich im Alltag nicht versteckt.
    Christus, der uns zum Himmel Brücken baut,
    Christus, durch den uns Gott wird ganz vertraut.

    Er ist Gottes Weizenkorn, das in der Erde liegt,
    für uns stirbt und so den Tod besiegt.

    Manfred Henkes: Todesfrucht, aus: ders., Auf-Brüche. Wege zu Gott und den Menschen, Stuttgart 1982, S. 26

  • Stoppelfeld und Scheune

    Wir stehen heute vor einem Stoppelfeld.
    Das Leben, das uns so vertraut war, ist geerntet.
    Wir sehen die Leere, die uns bleibt – und wir spüren den Schmerz der Vergänglichkeit.

    Nicht nur das leere Feld zählt, sondern auch die vollen Scheunen und die stehen gebliebenen Pflanzen.
    Alles, was gelebt wurde, alles Gute, jede Spur der Liebe – es ist nicht verloren. Es ist eingebracht in die Scheunen der Vergangenheit, und in Gottes Erinnerung ist es für immer aufgehoben.

    Jesus selbst sagt:
    „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“ (Joh 12,24)
    So dürfen wir glauben: Der Tod ist nicht Ende, sondern Vollendung.

    Das Stoppelfeld zeigt uns die Vergänglichkeit –
    die vollen Scheunen zeigen uns die Ewigkeit.

    Und darin liegt unser Trost:
    Die Liebe bleibt.
    Die Seele lebt.
    Das Wiedersehen kommt.
    In Gottes Zeit.