Schlagwort: Umkehr

  • Kurz vor Weihnachten

    Fürbitten

    Christus Jesus, Schöpferwort des ursprunglosen Gottes, wir bitten dich:
    A: Vollende das Werk der Erlösung.
    – Führe die Menschen, die in Schuld verstrickt sind, zur Umkehr.
    – Begeistere Menschen durch die Faszination deiner Gerechtigkeit und Liebe.
    – Richte gerade, was in Jahrtausenden Menschheitsgeschichte an Unheil geschehen ist.
    – Belebe die Leiber neu, die im Schoß der Erde auf unvergängliches Leben warten.
    A: Vollende das Werk der Erlösung.

    Vaterunser

    Oration

    Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.
    Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.
    Vgl. 2 Kor 13, 13

    Quelle: Aus dem Abendgebet vom 21.12.2025 in Magnificat – das Stundenbuch.

  • Aus der eigenen Tiefe begleiten

    „Der Leidende ist der Lehrende.“
    (Viktor E. Frankl)


    Glaubwürdigkeit entsteht nicht dort, wo ein Mensch unversehrt bleibt, sondern dort, wo er gefallen ist – und wieder aufsteht.

    Mein eigener Weg war alles andere als geradlinig. Ein Studium, das ich nicht zu Ende geführt habe. Jahrzehnte der Abhängigkeit. Fehler, die Beziehungen zerstört haben. Verantwortung, der ich ausgewichen bin. Eine strafrechtliche Verurteilung. Eine Notoperation in Kiew, die mir das Leben rettete – und zugleich den letzten Abgrund zeigte. In dieser Nacht am 8. Dezember 2019 zwischen Leben und Tod habe ich etwas erfahren, das ich mir nicht selbst geben konnte: Gnade.

    Das war der Wendepunkt. Seitdem hat sich mein Leben vereinfacht und es hat einen Sinn bekommen, der trägt. Heute stehe ich als Lektor im Stephansdom am Ambo, spreche Gottes Wort, und ich stehe an den Gräbern anderer Menschen und begleite ihre Familien als christlicher Trauerredner.

    Ich könnte diesen Dienst nicht tun, wäre mein eigenes Leben nicht auch durch Leid geformt worden. Frankl hat recht: Der Leidende wird zum Lehrenden – nicht, weil er „besser“ wäre, sondern weil er die Dunkelheit kennt und deshalb ein anderes Licht sehen kann.

    Authentizität entsteht nicht aus Perfektion, sondern aus Erlösung. Und wer selbst erfahren hat, was Gnade bedeutet, kann anderen Hoffnung zusprechen, ohne zu belehren. Ich lebe heute aus Dankbarkeit – und aus dem Wissen, dass Gott jeden Menschen dort abholt, wo niemand sonst mehr hinreicht.


    Harald R. Preyer, geboren am 3. Mai 1963 in Innsbruck, war ab 1990 weltweit Unternehmensberater für Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Seit seinem 60. Lebensjahr arbeitet er aus innerer Berufung als christlicher Trauerredner.
    Jeden Sonntag um 12:00 Uhr tut er im Wiener Stephansdom Dienst als Lektor und Kommunionspender in der Orgelmesse. Anschließend führt er regelmäßig kleine Gruppen im Rahmen seiner Sonderführung „Der Stephansdom – eine Liebesgeschichte“ zu Orten im Dom, die sonst verborgen bleiben.
    Harald ist mit Yuliya verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern – und wird oft begleitet von seinem besten Freund „Teddy“, einem asiatischen Chow-Chow.“

  • Einem unbekannten Gott

    22 Da stellte sich Paulus in die Mitte des Areopags und sagte: Männer von Athen, nach allem, was ich sehe, seid ihr sehr fromm. 23 Denn als ich umherging und mir eure Heiligtümer ansah, fand ich auch einen Altar mit der Aufschrift: EINEM UNBEKANNTEN GOTT. Was ihr verehrt, ohne es zu kennen, das verkünde ich euch. 

    24 Der Gott, der die Welt erschaffen hat und alles in ihr, er, der Herr über Himmel und Erde, wohnt nicht in Tempeln, die von Menschenhand gemacht sind. 25 Er lässt sich auch nicht von Menschenhänden dienen, als ob er etwas brauche, er, der allen das Leben, den Atem und alles gibt. 26 Er hat aus einem einzigen Menschen das ganze Menschengeschlecht erschaffen, damit es die ganze Erde bewohne. Er hat für sie bestimmte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnsitze festgesetzt. 27 Sie sollten Gott suchen, ob sie ihn ertasten und finden könnten; denn keinem von uns ist er fern. 28 Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir; wie auch einige von euren Dichtern gesagt haben: Wir sind von seinem Geschlecht.[1] 29 Da wir also von Gottes Geschlecht sind, dürfen wir nicht meinen, das Göttliche sei wie ein goldenes oder silbernes oder steinernes Gebilde menschlicher Kunst und Erfindung. 30 Gott, der über die Zeiten der Unwissenheit hinweggesehen hat, gebietet jetzt den Menschen, dass überall alle umkehren sollen. 31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird, durch einen Mann, den er dazu bestimmt und vor allen Menschen dadurch ausgewiesen hat, dass er ihn von den Toten auferweckte. 

    32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, spotteten die einen, andere aber sagten: Darüber wollen wir dich ein andermal hören. 33 So ging Paulus aus ihrer Mitte weg. 34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig, unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, außerdem eine Frau namens Damaris und noch andere mit ihnen. 

    Apostelgeschichte 17, 22-34

    Impuls zur Lesung

    Der Philosoph Friedrich Nietzsche (1844–1900) ist mit dem Christentum nicht zimperlich umgegangen. Doch so leicht lässt sich dieser Philosoph nicht in eine Schublade stecken. Eines seiner Gedichte überschrieb er: „Dem unbekannten Gott“. Wo stehen die Altäre des unbekannten Gottes? Weder in den glänzenden Tempeln der Heiden noch in den Gotteshäusern des Christentums, sondern „in tiefster Herzenstiefe“. Von und vor dem „unbekannten Gott“ bekennt das Ich dieses Gedichts:

    „Sein bin ich, ob ich in der Frevler Rotte / auch bis zur Stunde bin geblieben.“ Ein leidenschaftlicher Ausbruch steht am Ende: „Ich will dich kennen, Unbekannter, / du tief in meine Seele Greifender, / mein Leben wie ein Sturm Durchschweifender, / du Unfaßbarer, mir Verwandter!“

    Nietzsche spielt auf die Rede des Paulus auf dem Areopag an, er spielt nicht nur mit ihr. Ist der notorische Spötter, der vermeintliche Frevler, hier nicht tief biblisch inspiriert?

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 28.5.2025