Schlagwort: Stille

  • Trompetenklang am letzten Weg

    Bei der feierlichen Urnenbestattung einer Grande Dame im Jänner 2026 am Friedhof Ober St. Veit haben Lukas Kobermann und Thomas Hillebrand den Trauerzug von der Aufbahrungshalle bis zum Grab mit Trompetenklängen begleitet.

    Wenn Musik den Trauerzug trägt

    Die beiden Musiker hatten auf einem Hügel Stellung genommen.
    Ihre Klänge waren weit über den Friedhof hörbar – wehmütig, sehnsüchtig, getragen.

    Der ganze Ort wurde still.
    Ein Trauerzug, der nicht einfach ging,
    sondern von Musik gehalten wurde.
    Berührend. Andächtig ruhig.
    In einer Intensität, wie ich sie nur sehr selten erlebt habe.

    Musik kann Räume öffnen.
    Und manchmal hält sie eine Gemeinschaft
    für ein paar kostbare Minuten zusammen.

    👉 Mehr zu Lukas Kobermann (Trompete) und seiner Arbeit:
    www.kobermann-music.com

  • Lebensquell

    Manchmal find ich einen Lebensquell.
    Ich kann aus einem Brunnen schöpfen
    kann mich erfrischen und kann trinken
    vom Wasser, das die Sehnsucht stillt.

    Manchmal find ich einen Sonnenstrahl,
    kann durch die dunklen Wolken sehen,
    ich kann ins warme Licht mich stellen,
    ins Licht, das einen Weg mir zeigt.

    Manchmal find ich festes Fundament.
    Da kann ich stehen, kann drauf gehen,
    da kann mein Lebenshaus ich bauen,
    ein Haus, drin ich geborgen bin.

    Manchmal find ich meinen Herzensgrund.
    Da kann ich still sein, kann ich schweigen,
    da kann ich ruhen, kann ich bleiben,
    da find ich mich und finde Gott.

    Helmut Schlegel, © Dehm Verlag, Limburg

  • Die Stunde lieb ich

    Die Stunde lieb ich, wenn das Licht verglühte,
    der Himmel weiß wird wie Holunderblüte
    und das Geschiedne wieder Frieden schließt,
    als habe Kampf und Zwietracht keinen Sinn.

    Am braunen Hang die Dörfer nun verschwimmen,
    erloschen sind des Tages grelle Stimmen,
    und das Gebirge wird ein Meer und fließt
    in dunklen Wogen still gewaltig hin.

    Ricarda Huch (1864–1947)

    Ricarda Octavia HuchPseudonymRichard Hugo, (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Kronberg im Taunus) war eine deutsche SchriftstellerinPhilosophin und Historikerin, die als eine der ersten Frauen im deutschsprachigen Raum im Fach Geschichtepromoviert wurde. Sie schrieb Romane und historische Werke, die durch einen konservativen und gleichzeitig unkonventionellen Stil geprägt sind.

    Quelle: Wikipedia Eintrag abgerufen am 21.10.2025

  • Stille des Herbstes

    Es gibt eine Stille des Herbstes bis in die Farben hinein.
    — Hugo von Hofmannsthal (österreichischer Schriftsteller, 1874–1929)

    Der Herbst hat eine besondere Art, still zu werden.
    Nicht abrupt – sondern sanft, fast zärtlich.
    Die Geräusche werden leiser, die Farben gedämpfter, das Licht milder.

    Und manchmal spüren wir, dass diese Stille nicht leer ist,
    sondern erfüllt – von Erinnerungen, von Dankbarkeit,
    von dem Wissen, dass alles seine Zeit hat.

    • Habe ich heute oder in den letzten Tagen diese Stille des Herbstes gespürt?
    • Wie wirkt dieses Bild auf mich – beruhigend, beängstigend, traurig?

    Vielleicht ist es gerade diese Stille,
    in der wir Gott am nächsten sind.

  • Dach, Worte, Tisch

    Nur so ein Dach über den Köpfen,
    Tür, die zur Stille offen steht.
    Mauern aus Haut, Fenster wie Augen,
    spähend nach Hoffnung, Morgenrot.
    So voller Leben wird, wie ein Leib
    das Haus, in das wir gehn,
    um recht vor Gott zu stehn.


    Worte von fern, fallende Sterne,
    Funken, vor Zeiten ausgesät.
    Namen für ihn, Träume, Signale,
    tief aus der Welt zu uns geweht.
    Münder aus Erde hören und sehn,
    umfangen, sprechen fort
    das freie Gotteswort.


    Tisch, der uns eint, Brot um zu wissen:
    wir sind einander anvertraut.
    Wunder aus Gott, Menschen in Frieden,
    altes Geheimnis, neu geschaut.
    Brechen und teilen, sein, was nicht geht,
    tun, was undenkbar ist:
    vom Tode auferstehn.


    Huub Oosterhuis (Übersetzung: Peter Pawlowsky), aus: Huub Oosterhuis, Solang es Menschen gibt auf Erden, 84 f., © 2023 Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br.