Schlagwort: Sieger

  • Das ist dein Tag

    Das ist dein Tag, Herr Jesus Christ,
    der Tag, von deinem Glanz erhellt,
    da du vom Tod erstanden bis
    als König der erlösten Welt.

    Nun hilf uns, aus der Dunkelheit
    mit dir ins Reich des Lichtes gehn,
    und lass dereinst auch unsern Leib
    verklärt zum Leben auferstehn.

    Ruf uns zu dir, wenn du erscheinst
    am großen Tag des Endgerichts,
    du Sieger über Welt und Tod,
    mit dir zu herrschen, Gott des Lichts.

    Dann schauen wir dein Angesicht
    und werden deinem Bilde gleich,
    und wir erkennen, wie du bist:
    an Herrlichkeit und Güte reich.

    Die siebenfach dein Geist gesalbt,
    erfüllt dein Blick mit Seligkeit;
    du führst uns deinem Vater zu
    ins Leben der Dreieinigkeit. Amen.

    Nach: Dies aetasque ceteris;
    Aron (?), vor 1100
    Melodie: GL 329 · GL 1975 220

  • Heil heute – bereit sein

    Die Texte dieses Sonntags sprechen überraschend deutlich in unsere Gegenwart. Sie treffen eine Welt, die zwischen Selbstoptimierung und Resignation schwankt: zwischen dem Druck, immer besser werden zu müssen, und der Versuchung, innerlich aufzugeben.

    Die Bibel setzt dem kein Programm und keine Moral entgegen, sondern ein Versprechen: Heil ist möglich.

    Heil meint mehr als Fehlerlosigkeit oder religiöse Korrektheit. Es ist das Gegenbild zu Schuld und innerer Absonderung. Schuld zieht nach unten, lässt Menschen glauben, sie müssten sich fernhalten – von Gott, von anderen, von sich selbst.

    Heil dagegen sagt: Du darfst kommen. Du bist gemeint. Du musst dich nicht verstecken.

    Darum weitet Gott im Buch Jesaja den Blick: Es ist ihm „zu wenig“, dass sein Heil nur einem Volk gilt. Es soll Licht für alle sein, bis an die Enden der Erde. Und Paulus greift diesen Gedanken auf: Zugehörigkeit zu Christus entsteht nicht durch Herkunft oder Leistung, sondern durch Beziehung und Vertrauen.

    Im Evangelium verdichtet sich alles im Ruf Johannes des Täufers:
    „Seht, das Lamm Gottes.“

    Jesus wird nicht als Sieger oder Machthaber gezeigt, sondern als der, der Schuld trägt, und ohne Gewalt antwortet. Das Lamm steht für eine Liebe, die sich nicht durchsetzt, sondern hingibt. Eine Liebe, die das Böse nicht überbietet, sondern aushält – und gerade so verwandelt.

    Für heute heißt das:
    Heil geschieht nicht durch Leistung, sondern durch Vertrauen.
    Nicht durch Abgrenzung, sondern durch Öffnung.
    Nicht durch Macht, sondern durch Liebe.

    „Seht, das Lamm Gottes“ – dieser Ruf gilt auch heute.
    Er lädt ein, hinzusehen.
    Und bereit zu sein.