Seid alle eines Sinnes, voll Mitgefühl und brüderlicher Liebe, seid barmherzig und demütig! Vergeltet nicht Böses mit Bösem noch Kränkung mit Kränkung! Statt dessen segnet; denn ihr seid dazu berufen, Segen zu erlangen.
Fürbitten
Lasst uns für die Kirche bitten, das Haus Gottes unter den Menschen:
V: Heiliger dreifaltiger Gott, A: wohne in unserer Mitte.
– Dass in der Gemeinschaft der Glaubenden etwas von deinem unergründlichen Geheimnis spürbar ist. – Dass sich die Menschen von deinem Evangelium angesprochen fühlen. – Dass deine Liebe und dein Erbarmen in der Kirche leben und unsere Welt durchdringen. – Dass unsere Verstorbenen sich ewig an deiner Gegenwart freuen.
V: Heiliger dreifaltiger Gott, A: wohne in unserer Mitte.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet vom 29.1.2026
Beim Tor 9 des Zentralfriedhofs gibt es ein kleines Blumengeschäft, bei dem ich meistens eine weiße Rose kaufe, wenn ich in der Halle 3 Verstorbene einsegne.
Die weiße Rose ist ein schönes Symbol für das Vorausgehen der reinen Seele zu Gott nach dem Kyrie. Ein Ritual, das religiös und weltlich gut anschlußfähig ist und auf das mich immer wieder die Trauer-Gäste ansprechen.
Heute habe ich die weiße Rose auf den vereisten Boden unter dem Baum zur Urne gelegt. Sie wird dort zum Symbol für Ruhe in Frieden.
Wir hören nicht auf, inständig für euch zu beten, dass ihr in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den Willen des Herrn ganz erkennt. Denn ihr sollt ein Leben führen, das des Herrn würdig ist und in allem sein Gefallen findet. Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. Er gebe euch in der Macht seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt.
Kol 1, 9b–11
Kommentar Dieser Text spricht Trauernden nicht von schnellen Antworten, sondern von innerer Kraft. Er verheißt keine Abkürzung aus dem Schmerz, sondern Geduld und Ausdauer – Tugenden für einen Weg, der Zeit braucht. „Frucht bringen“ meint hier nicht Leistung, sondern das leise Weiterleben trotz Verlust: ein Atemzug nach dem anderen, ein Schritt nach dem anderen.
In der Trauer wächst Erkenntnis oft nicht durch Erklärungen, sondern durch das Getragen-Sein. Der Segen liegt darin, dass Kraft geschenkt wird – gerade dann, wenn die eigenen Kräfte fehlen.
Solange es einen Sonnenaufgang gibt, gibt es die Möglichkeit, dass wir uns allen Widrigkeiten stellen, alle unsere Segnungen schätzen und alle unsere Ziele als Menschen verfolgen können.
Garten der Stille, Stift Göttweig, 29.12.2025, 07:15 Uhr
Spiritualität ist etwas, das in diesen schwierigen Zeiten notwendig geworden ist. Und dennoch ist sie inhärent überflüssig. Wir brauchen sie, um uns zu erinnern, uns Mut zu machen, uns zu sammeln, uns zu erfüllen.
Wenn wir das Geheimnis der Nacht und den Ruhm des Morgens einfach anerkennen könnten, würden wir weder Zivilisation noch Spiritualität benötigen.
Man könnte vereinfacht sagen, dass das Leben mit der Morgendämmerung beginnt. Allein das ist schon Segen genug. Glück genug. Alles andere wird zu unermesslicher Fülle. Gehe in der Morgendämmerung auf die Knie und bedanke dich für dieses wunderbare Ereignis.
Wir denken vielleicht, dass der Morgen so selbstverständlich ist, dass wir ihn nicht ehren müssen, aber weißt du, dass es an den meisten Orten im Weltall keinen Morgen gibt? Dieses tägliche Ereignis ist unser besonderes Privileg.
Begrüße die Morgendämmerung. Sie ist ein Wunder, dem du beiwohnst. Sie ist die ultimative Schönheit. Sie ist Heiligkeit. Sie ist ein Geschenk des Himmels an dich. Sie ist dein Omen, deine Prophezeiung. Sie ist das Wissen, dass das Leben nicht umsonst ist. Sie ist Erleuchtung. Sie ist dein Lebenssinn. Sie ist dein Ziel. Sie ist dein Trost. Sie ist die feierliche Pflicht. Sie ist Inspiration für Mitgefühl. Sie ist das absolute Licht.
Konventmesse in Stift Göttweig am 30.12.2025, 07:15
Wer hätte gedacht, dass die Gedanken einer morgendlichen taoistischen Meditation so gut zu den Bildern aus den Schweige- und Einzelexerzitien in der Benediktinerabtei Göttweig hoch über der alten Kulturlandschaft der Wachau in Niederösterreich passen?
Text-Quelle: Deng, Ming-Dao. 365 Tao: Meditationen für jeden Tag des Jahres (pp. 745-746). (Function). Kindle Edition.
Schwestern und Brüder! Wir, die vielen, sind ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören. Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig.
Die Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!
Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Nehmt Anteil an den Nöten der Heiligen; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht!
Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig!
Röm 12, 5–16a
Vor allem der letzte Absatz dieser Schriftstelle erklärt ganz gut, was mit „kondolieren“ gemeint sein könnte: mitleiden, „mitschmerzen“, mitfreuen.
1. Zur Ruhe kommen Setz dich hin, schließe die Augen. Atme dreimal tief ein und aus. Stell dir vor, mit jedem Ausatmen geht Spannung von dir weg.
2. Benennen Sag innerlich: „Herr, ich spüre Ärger. Er kommt von … (Name einsetzen). Ich lege dir dieses Gefühl hin.“
3. Loslassen Stell dir den Menschen in einem Boot vor, das langsam den Fluss hinuntertreibt. Du musst das Boot nicht halten. Es fährt einfach weiter.
4. Biblisches Wort Sprich leise: „Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,21)
5. Segen Segne zuerst dich selbst: „Herr, segne mich mit Frieden.“ Dann segne den Menschen, der dich stört: „Segne auch ihn – du weißt, was er braucht.“
6. Dank Beende mit einem Dank: „Danke, Herr, dass du mir Freiheit schenkst. Danke, dass ich meine Kraft für die Liebe nützen darf.“
Lesung aus dem Buch Rut (Rut 2, 1–3.8–11; 4, 13–17)
Noomi hatte einen Verwandten von ihrem Mann her, einen einflussreichen Mann; er war aus dem Geschlecht Elimelechs und hieß Boas.
Da sagte Rut, die Moabiterin, zu Noomi: Ich möchte aufs Feld gehen und Ähren lesen, wo es mir jemand erlaubt. Sie antwortete ihr: Geh, meine Tochter! Rut ging hin und las auf dem Feld hinter den Schnittern her. Dabei war sie auf ein Grundstück des Boas aus dem Geschlecht Elimelechs geraten.
Boas sagte zu Rut: Höre wohl, meine Tochter, geh auf kein anderes Feld, um zu lesen; entferne dich nicht von hier, sondern halte dich an meine Mägde; behalte das Feld im Auge, wo sie ernten, und geh hinter ihnen her! Ich habe den Knechten befohlen, dich nicht anzurühren. Hast du Durst, so darfst du zu den Gefäßen gehen und von dem trinken, was die Knechte schöpfen.
Sie sank nieder, beugte sich zur Erde und sagte zu ihm: Wie habe ich es verdient, dass du mich so achtest, da ich doch eine Fremde bin?
Boas antwortete ihr: Mir wurde alles berichtet, was du nach dem Tod deines Mannes für deine Schwiegermutter getan hast, wie du deinen Vater und deine Mutter, dein Land und deine Verwandtschaft verlassen hast und zu einem Volk gegangen bist, das dir zuvor unbekannt war.
Boas nahm Rut zur Frau und ging zu ihr. Der HERR ließ sie schwanger werden und sie gebar einen Sohn.
Da sagten die Frauen zu Noomi: Gepriesen sei der HERR, der es dir heute nicht an einem Löser hat fehlen lassen. Sein Name soll in Israel gerühmt werden. Du wirst jemand haben, der dein Herz erfreut und dich im Alter versorgt; denn deine Schwiegertochter, die dich liebt, hat ihn geboren, sie, die für dich mehr wert ist als sieben Söhne.
Noomi nahm das Kind, drückte es an ihre Brust und wurde seine Pflegemutter.
Die Nachbarinnen rühmten ihn und sagten: Der Noomi ist ein Sohn geboren. Und sie gaben ihm den Namen Obed. Er ist der Vater Isais, des Vaters Davids.
🌿 Impuls – als christlicher Trauerredner gelesen
Diese Geschichte erzählt von Treue, Dankbarkeit und Hoffnung. Rut bleibt in einer ausweglos scheinenden Situation nicht bei ihrer Trauer stehen, sondern macht das Beste daraus: Sie verlässt ihre Heimat, schenkt ihrer Schwiegermutter Noomi Halt und begegnet dem Leben mit Mut und Vertrauen.
Als christlicher Trauerredner höre ich oft ähnliche Erzählungen: von Menschen, die nicht verbittert wurden, sondern gerade in schweren Zeiten Liebe und Treue gezeigt haben. Solche Geschichten sind nicht nur Trost – sie sind kostbare Geschenke.
➡️ Sie erinnern uns daran, wie wertvoll Treue ist. ➡️ Sie zeigen, dass Liebe bleibt, auch wenn Wege schwer sind. ➡️ Sie lassen uns dankbar werden für das Leben, das wir teilen durften.
Mit solcher Dankbarkeit können wir lernen: Aus dem Schweren wächst Segen.
Ich steh vor dir in Leere, arm und bang, fremd ist dein Name, spurlos deine Wege. Du bist mein Gott, Menschengedenken lang – Tod ist mein Los, hast du nicht andern Segen? Bist du der Gott, der meine Zukunft hält? Ich glaube, Herr, was stehst du mir dagegen.
Mein Alltag wird von Zweifeln übermannt, mein Unvermögen hält mich eingefangen. Steht denn mein Name noch in deiner Hand, hält dein Erbarmen leise mich umfangen? Darf ich lebendig sein in deinem Land, darf ich dich einmal sehn mit neuen Augen?
Sprich du das Wort, das mich mit Trost umgibt, das mich befreit und nimmt in deinen Frieden. Öffne die Welt, die ohne Ende ist, verschwende menschenfreundlich deine Liebe. Sei heute du mein Brot, so wahr du lebst – Du bist doch selbst die Seele meines Betens.
Gesegnet der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn die Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.
Jer 17, 7–8
Wir beten zu Christus, der uns heute nahe sein will:
A: Erhöre uns, Christus. – Lass uns ein Segen sein für alle, denen wir heute begegnen. – Mache unser Leben zu einem Loblied deiner Gegenwart. – Lenke unsere Schritte auf dem Weg des Friedens. A: Erhöre uns, Christus.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 23.6.2025