Schlagwort: Jan Brueghel der Jüngere

  • Liebe, Tod und Backgammon

    Valentinstag im Palais Liechtenstein

    Meine Großmutter in Bregenz war Schneiderin.
    Ihr Mann war im Weltkrieg gefallen.
    Sie musste zwei Kinder allein großziehen.

    Sie nähte für viele Kundinnen – auch für Damen aus dem Umfeld der Liechtensteins.
    Und sie war ein großer Bewunderer des Fürsten. Nicht wegen des Glanzes, sondern wegen seiner Großzügigkeit und seines Denkens in Generationen. Davon hat sie mir als Kind oft erzählt.

    Viele Jahre später lernte ich die verstorbene Fürstin persönlich kennen, als sie das renovierte Stadt-Palais für Mary’s Meals öffnete.
    Seitdem gehe ich fast jedes Jahr zumindest einmal in eine der Sonderausstellungen. Dass diese Ausstellungen frei zugänglich sind, ist für mich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Zeichen von Großzügigkeit der fürstlichen Familie. Danke dafür!

    Heute, am Valentinstag, war ich mit Yuliya in der Ausstellung
    „DEALING IN SPLENDOUR. A History of the European Art Market“ im Gartenpalais Liechtenstein.

    Der Triumpf des Todes

    Dort hängt ein berühmtes Gemälde von
    Jan Brueghel der Jüngere:
    „Der Triumph des Todes“.

    Der Triumpf des Todes, Jan Brueghel der Jüngere, 1620, Fürstliche Sammlungen Liechtenstein

    Das Bild ist dicht, fast übervoll. Überall Skelette, Feuer, Menschen in Angst. Der Tod scheint alles zu beherrschen.

    Der Sieg der Liebe

    Und ganz unten rechts zwei Details:

    Ein Liebespaar.
    Und ein Backgammon-Brett.

    Kein Schach.

    Schach wäre reine Strategie.
    Backgammon ist anders. Es ist Strategie, Glück und Haltung zugleich. Man würfelt, man plant – und man nimmt an, was fällt.

    Yuliya und ich spielen seit Jahren fast täglich Backgammon. Es ist unser Spiel. Schach wäre uns zu rein strategisch, zu anstrengend. Backgammon ist lebendig.

    Im Bild scheint der Tod alles zu überrennen.
    Aber dieses Paar schaut gemeinsam in ein Buch. Völlig unbeeindruckt von den Skeletten ringsum.

    Liebe verhindert nicht die Endlichkeit.
    Aber sie gibt dem Leben Bedeutung.

    Am Abend sagte Yuliya zu mir:
    „Das war der schönste Valentinstag meines Lebens, mein Schatz.“

    Mehr braucht es nicht.

    Amor vincit.