Schlagwort: Hoffnung

  • Hl. Agatha und die Treue

    „Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Kinder Gottes.“

    Röm 8,19

    Die Heilige Agatha (5.2.) erinnert heute nicht an Heldentum, sondern an Treue.
    Treue zum eigenen Gewissen.
    Treue zur Würde des Lebens.
    Treue zu Gott – auch dort, wo es weh tut.

    Paulus weitet den Blick:
    Nicht nur der Mensch leidet.
    Auch die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen – und zugleich voller Hoffnung.
    Hoffnung darauf, dass Leid nicht das letzte Wort behält.
    Dass das Zerbrechliche nicht verloren ist.
    Dass Freiheit und Herrlichkeit größer sind als Angst und Gewalt.

    Darum ist dieser Tag nicht nur ein Gedenktag für Agatha.
    Er ist auch ein stiller Gruß an alle, die heute Namenstag haben:
    Adelheid. Heidi. Heidrun. Albina. Albuin.
    Namen von Menschen, die getragen sind – nicht von Stärke, sondern von Beziehung.

    Und wir alle dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns liebt.
    Auch wenn wir das manchmal im Augenblick nicht verstehen und deuten können. Am Ende wird immer alles gut.

    Glaube zeigt sich nicht im Lauten.
    Sondern im Bleiben.
    Im Aushalten.
    Im Vertrauen, dass Gott auch dort nahe ist,
    wo wir selbst keinen Halt mehr spüren.


    Faksimile der Legende: Magnificat – das Stundenbuch 2026/02

  • Wie eine Mutter sorgt

    Wie eine Mutter sorgt
    für Kinder, die ihr anvertraut,
    und einsteht, dass sie leben:
    So wirkt ein Gott der Liebe,
    keine Stund verlässt er uns.
    Nicht mehr verstummt das Wort,
    das er uns hat gegeben.

    Es nimmt uns bei der Hand,
    das Wort, geduldig führt es uns
    aus Angstland weg zur Freiheit.
    So trocken, heiß, so unbegehbar schräg,
    so hoch der Weg –
    zwing mich nicht, ihn zu gehn,
    wenn nicht du selbst mir nah bleibst.

    Ein Wasserfall von Licht,
    von Freude und bewährter Hoffnung,
    Einsicht und Vertrauen.
    So kommst du über Menschen
    und dein Wort treibt mich nun fort.
    Noch weiß ich nichts von dir,
    einst werde ich dich schauen.

    Huub Oosterhuis (Übersetzung: Annette Rothenberg-Joerges),
    aus: Ders., Solang es Menschen gibt auf Erden, 162,
    © 2023 Verlag Herder GmbH, Freiburg i. Br.

  • Salve Regina

    Salve, Regina, mater misericordiae;
    vita, dulcedo et spes nostra, salve.

    Ad te clamamus, exsules filii Evae.
    Ad te suspiramus, gementes et flentes
    in hac lacrimarum valle.

    Eia ergo, advocata nostra,
    illos tuos misericordes oculos
    ad nos converte.

    Et Iesum, benedictum fructum ventris tui,
    nobis post hoc exsilium ostende.

    O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

    Sei gegrüßt, o Königin

    Sei gegrüßt, o Königin,
    Mutter der Barmherzigkeit;
    unser Leben, unsre Wonne
    und unsre Hoffnung, sei gegrüßt!

    Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
    zu dir seufzen wir
    trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.

    Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,
    wende deine barmherzigen Augen uns zu
    und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
    die gebenedeite Frucht deines Leibes!

    O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

  • Tod eines Kindes

    Darstellung des Herrn

    Dieser Hymnus handelt nicht vom Tod Jesu,
    sondern von der Darstellung Jesu im Tempel
    einem Feiertag, einem Fest des Anfangs.

    Maria und Josef bringen ihr Kind in den Tempel.
    Nicht um es zu opfern, sondern um es Gott anzuvertrauen.
    Jesus wird nicht dem Tod übergeben,
    sondern in das Leben seines Volkes hineingestellt.

    Simeon erkennt in diesem Kind das verheißene Licht.
    Noch liegt kein Kreuz am Horizont.
    Noch ist alles Erwartung, Verheißung, Hoffnung.

    Gerade deshalb kann dieser Hymnus im Zusammenhang mit dem Tod eines Kindes gelesen werden –
    nicht erklärend, sondern behutsam deutend.
    Er beantwortet kein „Warum“.
    Er öffnet einen Raum, in dem ein kurzes Leben nicht sinnlos erscheint, sondern geborgen.

    Nicht die Länge eines Lebens entscheidet über seine Würde,
    sondern das Getragensein in Gott.

    Hymnus

    Auf, Zion, schmücke dein Gemach,
    der Herr ist da, den du ersehnt.
    Steh auf und mache dich bereit,
    empfange Bräutigam und Braut.

    Zu seinem Tempel kommt der Herr:
    Die Eltern bringen Christus dar.
    Der ohne alle Sünde ist,
    macht dem Gesetz sich untertan.

    Tritt, königliche Jungfrau, ein,
    bring mit dem Opfer dar dein Kind,
    des ew’gen Vaters wahren Sohn,
    der uns zum Heil erschienen ist.

    Was dir verheißen, Simeon,
    das ist in diesem Kind erfüllt.
    Nun mache allen Völkern kund
    das Licht, das ihnen leuchten soll.

    Herr, dir sei Preis und Herrlichkeit,
    der sich den Heiden offenbart,
    mit dir dem Vater und dem Geist
    durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

    Nach: „Adorna, Sion, thalamum“ –
    Petrus Abaelard († 1142)


    Für Eltern

    Beim Tod eines Kindes fehlen die Worte.
    Fragen nach dem Warum bleiben offen –
    und dürfen offen bleiben.
    Niemand muss sie beantworten.

    Dieser Hymnus spricht nicht vom Tod Jesu,
    sondern von seiner Darstellung im Tempel:
    Ein Kind wird Gott anvertraut – nicht geopfert, nicht verloren.

    So dürfen auch wir euer Kind Gott anvertrauen.
    Nicht weil wir es loslassen können,
    sondern weil wir es nicht festhalten können.

    Wir glauben:
    Euer Kind ist nicht im Nichts verschwunden.
    Es ist geborgen – im Licht Gottes, im Reich der Liebe.

  • Hoffnung und Zuversicht

    Gottes Maßstäbe sind andere als die, die unter uns Menschen gelten. Ihn bitten wir:

    Bitten

    A: Nimm uns an, du unser Vater.

    – Mit unseren Fehlern und Schwächen.
    – Mit unserem Kleinmut und unseren Ängsten.
    – Mit unserer Hoffnung und Zuversicht.

    A: Nimm uns an, du unser Vater.

    Vaterunser

    Oration

    Allmächtiger Vater, komm in unser Herz und erleuchte es durch dein Licht, damit wir deine Weisungen erkennen und dir als unserem König folgen auf dem Weg, den du uns führst. Darum bitten wir durch Jesus Christus.
    Der Herr segne uns, er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, aus dem Morgengebet vom 30.1.2026

  • keine Magie

    Der Glaube an Gott ist keine Magie: Wenn ich nur genug bete oder Opfer bringe, passiert alles, wie ich es will.

    Die Erfahrung zeigt, dass die Glaubenspraxis nicht vor einem schweren Schicksal bewahrt.

    Aber sie kann helfen, die Hoffnung zu bewahren.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch 2025 01

  • Visionen hören

    Gepriesen sei Gott, der heute wie jeden Tag zu uns sprechen will. Lasst uns bereit sein für ihn und rufen:

    V: Rede, Herr, A: dein Diener hört.

    In unserer Zeit sind deine Worte selten geworden;
    – gib, dass wir dein Wort annehmen und es weitersagen.
    Menschen mit Visionen braucht unsere Zeit mehr denn je;
    – gib uns Einsicht in das, was du mit uns vorhast.
    Dein Licht ist noch nicht erloschen;
    – öffne uns die Augen für deine Gegenwart auch dort, wo wir dich nicht vermuten.

    V: Rede, Herr, A: dein Diener hört.


    Diese Bitten sind kein lautes Fordern, sondern ein stilles Bereitsein. Sie gehen davon aus, dass Gott spricht – nicht nur gestern oder in außergewöhnlichen Momenten, sondern heute, im Gewöhnlichen. Die eigentliche Frage richtet sich nicht an Gott, sondern an uns: Sind wir hörfähig geworden?
    In einer Zeit, die von Meinungen übervoll ist, wird Hören zur geistigen Disziplin. Visionen entstehen nicht aus Lautstärke, sondern aus Aufmerksamkeit. Wer sich dem Licht anvertraut, lernt, Gegenwart auch dort zu erkennen, wo sie nicht erwartet wird. Glaube zeigt sich hier nicht im Besitz von Antworten, sondern im Mut, Zeuge zu sein – durch Haltung, Wahrhaftigkeit und ein Leben, das aus dem Licht kommt.

  • Frucht bringen und weiterleben


    Wir hören nicht auf, inständig für euch zu beten, dass ihr in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den Willen des Herrn ganz erkennt. Denn ihr sollt ein Leben führen, das des Herrn würdig ist und in allem sein Gefallen findet. Ihr sollt Frucht bringen in jeder Art von guten Werken und wachsen in der Erkenntnis Gottes. Er gebe euch in der Macht seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt.

    Kol 1, 9b–11


    Kommentar
    Dieser Text spricht Trauernden nicht von schnellen Antworten, sondern von innerer Kraft. Er verheißt keine Abkürzung aus dem Schmerz, sondern Geduld und Ausdauer – Tugenden für einen Weg, der Zeit braucht. „Frucht bringen“ meint hier nicht Leistung, sondern das leise Weiterleben trotz Verlust: ein Atemzug nach dem anderen, ein Schritt nach dem anderen.

    In der Trauer wächst Erkenntnis oft nicht durch Erklärungen, sondern durch das Getragen-Sein. Der Segen liegt darin, dass Kraft geschenkt wird – gerade dann, wenn die eigenen Kräfte fehlen.

  • durch den Tod hindurch vertrauen

    Gedanken zum Evangelium vom 1. Adventsonntag (Mt 24,37–44)

    … „Dahinter steht aber nicht so sehr eine Droh- und Angstbotschaft, wie es vielleicht manche empfinden, sondern vielmehr eine große Trostbotschaft. Zwar gibt es im Leben Zeichen und Zeiten, die darauf hinweisen, dass alles einmal ein Ende haben kann und wird. Und es gibt auch Zeiten und Ereignisse, wo uns persönliche Tragödien und Schicksalsschläge tief treffen. Aber als Christen wissen wir, dass bei all den ‚Zeichen der Zeit‘, hinter all den Schicksalsschlägen uns ein letztlich immer treuer, naher, liebender und barmherziger Gott zur Seite steht.

    Wir glauben als Christen auch, dass er es sein wird, der all das Bruchstückhafte, all das Halbfertige, all das Ungerechte, all die Sehnsüchte wenden und erfüllen wird. Das ist kein billiger Trost, sondern eine Grundaussage der Heiligen Schrift.

    Auf diese Botschaft der Hoffnung auf Heil dürfen wir im Leben und durch den Tod hindurch vertrauen.“

    Quelle: Pastoralassistentin Christine Gruber-Reichinger in „Die Woche in St. Stephan“, Dompfarre Wien, Ausgabe 1440 vom 28.11.2025

    https://www.dompfarre.info

    Der erste Advent lädt uns ein, die Zeit nicht als Ablauf, sondern als Beziehung zu verstehen. Hoffnung entsteht nicht durch Verdrängung, sondern durch die Erfahrung, dass unser Leben – gerade in seinen Brüchen – gehalten bleibt. Der Text erinnert daran, dass Trost nicht laut sein muss. Er kann leise kommen, wie ein Grundton. Wer wach bleibt, entdeckt inmitten der Unsicherheit eine stille Nähe, die trägt.

  • In der Liebe, die alles umfängt

    Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
    und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt,

    dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut,
    dann wohnt er schon in unserer Welt.
    Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht
    in der Liebe, die alles umfängt.

    Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt,
    und die Not, die wir lindern, zur Freude wird,
    dann hat Gott unter uns …

    Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält,
    und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt,
    dann hat Gott unter uns …

    Wenn der Trost, den wir geben, uns weiterträgt,
    und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird,
    dann hat Gott unter uns …

    Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist,
    und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt,
    dann hat Gott unter uns …

    Claus Peter März (1947 – 1921), © Rechtenachfolge – GL 470


    Screenshot von Magnificat – das Stundenbuch
    Ausgabe November 2025
    Verlag Butzon & Bercker, Kevelaer