Wir legen den Leib – zurück in die Erde.
Geschaffen aus ihr – wird er, was er war.
Die Seele geht uns voraus.
Gerufen vom Vater – getragen vom Sohn.
Wir vertrauen der Liebe.
In ihr sind wir – gemeinsam geborgen.
Harald R. Preyer, 18.1.2026
Wir legen den Leib – zurück in die Erde.
Geschaffen aus ihr – wird er, was er war.
Die Seele geht uns voraus.
Gerufen vom Vater – getragen vom Sohn.
Wir vertrauen der Liebe.
In ihr sind wir – gemeinsam geborgen.
Harald R. Preyer, 18.1.2026
Liebe, die du mich zum Bilde
deiner Gottheit hast gemacht,
Liebe, die du mich so milde
nach dem Fall hast wiederbracht:
Liebe, dir ergeb ich mich,
dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die du mich erkoren,
eh ich noch geschaffen war,
Liebe, die du Mensch geboren
und mir gleich wardst ganz und gar:
Liebe, dir ergeb ich mich,
dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die für mich gelitten
und gestorben in der Zeit,
Liebe, die mir hat erstritten
ewge Lust und Seligkeit:
Liebe, dir ergeb ich mich,
dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die mich hat gebunden
an ihr Joch mit Leib und Sinn;
Liebe, die mich überwunden
und mein Herz hat ganz dahin:
Liebe, dir ergeb ich mich,
dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die mich ewig liebet
und für meine Seele bitt’,
Liebe, die das Lösgeld gibet
und mich kräftiglich vertritt:
Liebe, dir ergeb ich mich,
dein zu bleiben ewiglich.
Liebe, die mich wird erwecken
aus dem Grab der Sterblichkeit,
Liebe, die mich wird umstecken
mit dem Laub der Herrlichkeit:
Liebe, dir ergeb ich mich,
dein zu bleiben ewiglich.
Angelus Silesius 1657 – GL 787 (Anhang Köln)

Die Stunde lieb ich, wenn das Licht verglühte,
der Himmel weiß wird wie Holunderblüte
und das Geschiedne wieder Frieden schließt,
als habe Kampf und Zwietracht keinen Sinn.
Am braunen Hang die Dörfer nun verschwimmen,
erloschen sind des Tages grelle Stimmen,
und das Gebirge wird ein Meer und fließt
in dunklen Wogen still gewaltig hin.
Ricarda Huch (1864–1947)
Ricarda Octavia Huch, Pseudonym: Richard Hugo, (* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Kronberg im Taunus) war eine deutsche Schriftstellerin, Philosophin und Historikerin, die als eine der ersten Frauen im deutschsprachigen Raum im Fach Geschichtepromoviert wurde. Sie schrieb Romane und historische Werke, die durch einen konservativen und gleichzeitig unkonventionellen Stil geprägt sind.
Quelle: Wikipedia Eintrag abgerufen am 21.10.2025
„Das Geheimnis, tausend Hände am Tag schütteln zu können, besteht darin, selbst zu schütteln, nicht schütteln zu lassen.“
Anna Eleanor Roosevelt (amerikanische Menschenrechtsaktivistin und Diplomatin sowie Ehefrau des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, 1884–1962)
Oft tun mir die Witwen und Witwer leid, die nach einer hoffnungsfrohen schönen Abschiedsfeier die vielen Beileidsbekundigungen am offenen Grab ertragen müssen. Das monotone „Mein Beileid“ führt eher zu mehr Leid.
Kondolieren (lat., condolar = Mit-Leiden) ist alte Sitte und gut gemeint. Wie viel hilfreicher ist ein Anruf, ein Besuch in den ersten Tagen des Alleinsein – und wenn es nur eine stille Umarmung ist, die von Herzen kommt.
Jeder Mensch ist anders. Deshalb bespreche ich mit den engen Hinterbliebenen im Vorgespräch, welche Form des Kondolierens ihnen gut tut.
Wenn man das Grab nicht kennt, in dem er Ruh erworben
von Franz Grillparzer
Wenn man das Grab nicht kennt, in dem er Ruh erworben,
wen, Freunde, ängstet das? Ist er doch nicht gestorben!
Er lebt in aller Herzen, aller Sinn
und schreitet jetzt durch unsre Reihen hin.
Deshalb dem Lebenden, der sich am Dasein freute,
ihm sei kein leblos Totenopfer heute.
Hebt auf das Glas, das Mut und Frohsinn gibt,
und sprecht, es leerend, wie ers selbst geliebt:
»Dem großen Meister in dem Reich der Töne,
der nie zu wenig tat und nie zu viel,
der stets erreicht, nie überschritt sein Ziel,
das mit ihm eins und einig war: das Schöne!«

Ehrengrab Ludwig van Beethoven, Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32A, Grab 29). Die hohe weiße Obelisk‑Stele mit goldener Lyra markiert die letzte Ruhestätte eines der größten Komponisten der Musikgeschichte.
Dieses ergreifende Gedicht stammt aus der Feder von Franz Grillparzer (1791–1872). Es war ursprünglich Teil seiner Rede zur Beisetzung Ludwig van Beethovens (1770–1827), gehalten am 29. März 1827 auf dem damaligen Währinger Ortsfriedhof in Wien.

Ehrengrab Franz Grillparzer, Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32A, Grab 14). Der bedeutende Dichter ruht unweit von Beethoven, Schubert & Co. – mitten im Komponistenfeld des Zentralfriedhofs.
Grillparzer, selbst ein Meister des Wortes, würdigte mit diesen Zeilen einen Meister der Töne. Er sprach nicht von Trauer, sondern von bleibender Gegenwart, nicht von Tod, sondern von Schönheit, Kunst und Ewigkeit.
Beethoven wurde später auf den Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32A) umgebettet – in der Nähe seines musikalischen Bruders Franz Schubert. Auch Grillparzer fand dort seine letzte Ruhe – nur wenige Schritte entfernt.
Die Inspiration zu diesem Posting verdanke ich einem Gespräch mit Barbara M. Fischer, die mir das Gedicht mit feinem Gespür für Sprache und Gefühle in Erinnerung rief. Danke dafür.
Die beiden Fotos der Ehrengräber hat Hedwig Abraham gemacht, die mich 2024 mit Ihrem Fachwissen beeindruckt und durch den Zentralfriedhof geführt hat. Ich halte sie für eine hochkompetente und besonders engagierte Führerin durch Wien.
Wahrhaft, dies ist der Tag des Herrn,
verklärt von Gottes heil’gem Licht,
der Tag, an dem die Schuld der Welt
durch Jesu Blut wird ausgelöscht.
Verlorene lässt dieser Tag
das Licht der Hoffnung wieder sehn.
Wer ist nicht von der Angst erlöst,
wenn selbst der Schächer Gnade fand?
Er, dessen Schuld den Tod verdient’,
gab sich in Christi Hand und lebt.
Welch ein Gericht vollzieht sich hier,
welch ein Geheimnis tut sich kund!
Was könnte wunderbarer sein,
als dass aus Schuld nun Gnade wird,
dass Liebe von der Furcht befreit,
und Tod das neue Leben schenkt?
Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit,
der aus dem Grabe auferstand,
dem Vater und dem Geist zugleich
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.
Nach: Hic est dies verus Dei; Ambrosius, † 397
Melodie: GL 339 · GL 1975 229
Jerusalem, du neue Stadt,
gib deinen Liedern neuen Klang,
in reiner Freude darfst du jetzt
der Ostern hohes Fest begehn.
Des Todes Drache unterliegt,
der Held aus Juda siegt mit Macht,
da seiner Stimme heller Schall
die Toten aus den Gräbern ruft.
Was mit Gewalt der Tod geraubt,
gibt jetzt die Unterwelt zurück.
Befreit aus der Gefangenschaft,
folgt Jesus die erlöste Schar.
Er triumphiert in Herrlichkeit,
und weithin spannt sich seine Macht,
er eint den Himmel und die Welt
zum Reich, in dem er ewig herrscht.
Dem Herrn sei Preis und Herrlichkeit,
der aus dem Grabe auferstand,
dem Vater und dem Geist zugleich
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.
Nach: Chorus novae Ierusalem; Fulbert von Chartres, † 1029