Schlagwort: Glaubensweg

  • Der Durst ist beidseitig.

    „Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde,
    wird niemals mehr Durst haben;
    vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe,
    in ihm zu einer Quelle werden,
    deren Wasser ins ewige Leben fließt.“

    — Joh 4,14

    Die Evangelien des dritten Fastensonntags führen in eine der großen Begegnungsgeschichten des Neuen Testaments: die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen.

    Drei Predigten desselben Tages zeigen drei Perspektiven desselben Geheimnisses.

    Der Priestermönch P. Johannes Paul Abrahamowicz OSB betont die geistliche Wachsamkeit: Der Mensch lässt sich leicht von Nebensachen ablenken. Jesus aber bleibt beim Wesentlichen – der Liebe Gottes, die wie lebendiges Wasser den Durst der Seele stillt.

    Der Regens des Wiener Priesterseminars Richard Tatzreiter beschreibt den existenziellen Durst des Menschen. Wie Wanderer in der Wüste suchen wir Orientierung, Ziel und Sinn. Der Durst nach Wasser wird zum Bild für den Durst nach Gott.

    Der Wiener Domkurat Johannes J. Kreier geht noch einen Schritt weiter: Nicht nur der Mensch dürstet nach Gott – auch Christus dürstet nach dem Glauben des Menschen. „Mich dürstet“, sagt Jesus am Kreuz. Er dürstet danach, dass der Mensch sich erkennen lässt, so wie er ist.

    In dieser Begegnung geschieht etwas Entscheidendes:
    Die Samariterin fühlt sich nicht bloßgestellt, sondern erkannt. Aus dieser Erfahrung wächst Vertrauen. Aus Vertrauen wächst Glaube. Und aus Glaube entsteht Zeugnis.

    Am Ende wird aus der suchenden Frau eine Verkünderin:
    „Er ist wirklich der Retter der Welt.“

    Das Evangelium zeigt damit eine überraschende Wahrheit:
    Der Mensch sucht Gott – aber Gott sucht ebenso den Menschen.

    Der Durst ist beidseitig.