Schlagwort: glauben

  • Sehen, Wissen und Glauben

    Vor der heutigen Messe am Fest des Apostels Thomas am 3. Juli 2026 im Stephansdom habe ich mit KI dieses Bild generiert. Es fasst die erste Lesung und das Evangelium in meiner Interpretation zusammen. Anschließend habe ich die Predigt von Prof. Dr. Thomas Möllenbeck zusammengefasst, wie ich sie verstanden habe.

    Im Evangelium steht NICHT, dass Thomas niederkniete und dort steht auch NICHT, dass er die Wundmale Jesu tatsächlich berührt hat. Kirchenlehrer und viele Künstler interpretieren zwar, dass es diese Berührung gab – wohl auch um zu zeigen dass Jesus kein Geist ist. Ich glaube aber, dass Thomas der Blick in die Augen des Herrn genügt hat, um zu erkennen, dass der auferstandene Christus vor ihm steht, der sein Herr und sein Gott ist.

    Der Schlußstein mit dem Nimbus ist eine Referenz an die 1. Lesung und die Risse in der Mauer hinter Jesus sind eine Andeutung, dass er in den Raum kam, obwohl die Türen verschlossen waren.

    Lesung und Evangelium vom Fest des Hl. Thomas interpretiert und generiert von HRP mit KI.

    Predigt von Prof. Dr. Thomas Möllenbeck

    Zusammenfassung und Transkript mit Plaud AI.

    Die Geschichte des Apostels Thomas wird oft als Gegensatz zwischen Sehen und Glauben verstanden. Thomas gilt als der Zweifler, der erst glauben will, wenn er Jesus sieht und seine Wunden berührt. Doch diese Deutung greift zu kurz.

    Denn was Thomas sieht, muss er nicht mehr glauben. Er sieht den auferstandenen Jesus vor sich. Er kann sich davon überzeugen, dass Jesus kein Geist und keine bloße Erscheinung ist. Derselbe Jesus, der gestorben ist, steht leibhaftig und doch verwandelt vor ihm. Thomas erkennt: Jesus ist wirklich auferstanden.

    Aber dann sagt Thomas:

    „Mein Herr und mein Gott!“

    Und genau hier beginnt der Glaube. Denn dass Jesus Gott ist, kann Thomas nicht sehen. Gott ist Geist. Thomas sieht mit den Augen seines Leibes den auferstandenen Jesus – und erkennt mit den Augen des Glaubens in ihm seinen Herrn und seinen Gott.

    Deshalb gehört auch Thomas zu jenen, von denen Jesus sagt:

    „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

    Auch die Apostel mussten glauben, was sie nicht sehen konnten. Sie sahen den auferstandenen Christus. Aber sie konnten nicht sehen, dass auch wir alle auferstehen werden. Sie mussten Jesus auf sein Wort vertrauen: dass der Tod nicht das Ende ist, dass Leib und Seele zur ganzen Person gehören und dass Gott den Menschen zu einer neuen Daseinsform verwandeln wird.

    So gilt für Thomas, für die Apostel und für uns dieselbe Definition des Glaubens aus dem Hebräerbrief:

    „Glaube ist: Feststehen in dem, was man erhofft, Überzeugtsein von Dingen, die man nicht sieht.“
    (Hebr 11,1)

    Wir hoffen auf die Auferstehung des Fleisches, auf die Gemeinschaft der Heiligen und darauf, Gott eines Tages zu schauen. Wie dieses neue Leben sein wird, wissen wir nicht. Aber wir vertrauen auf die Verheißung, dass wir verwandelt werden und Gott schauen werden, wie er ist.

    Am Ende führt die Predigt mitten in die Eucharistie. Auch hier unterscheiden sich Sehen und Glauben:

    Unsere leiblichen Augen sehen Brot und Wein.
    Die Augen des Glaubens erkennen die Gegenwart Christi.

    So verbindet sich das Fest des Apostels Thomas unmittelbar mit jeder Eucharistiefeier:

    Thomas sieht den Auferstandenen und glaubt: „Mein Herr und mein Gott.“
    Wir sehen die eucharistischen Gestalten und glauben: Christus ist gegenwärtig.

    Der Glaube beginnt nicht dort, wo der Mensch nichts weiß. Er beginnt dort, wo das Sichtbare allein nicht ausreicht – und der Mensch sich auf Gottes Verheißung stellt.

    Glauben heißt: feststehen in dem, was man erhofft.

    Texte zum Fest des Apostels Thomas.

  • Vom Sehen zum Glauben

    Predigt von Militär-Erzdekan Dr. Harald Tripp, Stephansdom WIen, Ostersonntag, 5. April 2026, Orgelmesse um 12:00 Uhr

    00:00 Erste Lesung
    03:19 Zweite Lesung
    06:20 Hallelujah
    07:15 Evangelium
    09:35 Homilie / Predigt
    17:08 Glaubensbekenntnis
    18:10 Fürbitten

    Kernsynopse

    Die zentrale Botschaft dieses Ostergottesdienstes ist die Neudefinition des Todes durch die Auferstehung Christi. Während die menschliche Erfahrung – die Schwerkraft der Sorge, der Schuld und des Verfalls – diktiert, dass alles endet, stellt die Auferstehung diese Realität in Frage. Die Erzählung verfolgt den Übergang von einem rein physischen „Sehen“ (Maria Magdalena am leeren Grab) über ein nachdenkliches „Betrachten“ (Petrus, der die Grabtücher untersucht) bis hin zu einem transformativen „Glauben“ (der andere Jünger, der erkennt). Diese Entwicklung dient als Modell für die Gläubigen: Der Osterglaube ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein innerer Weg vom Wahrnehmen über das Fragen zum Vertrauen. Die Auferstehung wird somit nicht als eine Wiederherstellung des alten Lebens dargestellt, sondern als ein Durchbruch in eine neue Wirklichkeit, in der die endgültige Macht des Todes gebrochen ist.

    Pietro Perugino (1445-1523) Die Auferstehung Christi,
    Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Alte Pinakothek

    Die Logik der Auferstehung: Vom Sehen zum Glauben

    1. Das Zeugnis der Schrift

    Die Lesungen begründen die theologische Grundlage für das Osterereignis. Die Apostelgeschichte legt das Fundament, indem sie Petrus‘ Zeugnis von Jesu Wirken, seiner Kreuzigung und der von Gott bewirkten Auferstehung wiedergibt. Der Kolosserbrief gibt diesem Ereignis eine spirituelle Anwendung, indem er die Gläubigen auffordert, ihren Sinn „auf das, was oben ist“ zu richten, da ihr altes Leben gestorben und mit Christus in Gott verborgen ist. Diese Texte positionieren die Auferstehung nicht als isoliertes historisches Ereignis, sondern als zentrale Achse des christlichen Glaubens und Lebens.

    2. Der Weg zum Glauben: Eine dreifache Seh-Erfahrung

    Das Evangelium nach Johannes schildert einen stufenweisen Prozess der Erkenntnis, der die innere Reise des Glaubens widerspiegelt:

    • Stufe 1: Das Wahrnehmen (Maria Magdalena): Sie sieht nur eine Tatsache – „dass der Stein vom Grab weggenommen war“. Dies ist ein rein physisches Sehen ohne Verständnis, das zu einer schnellen, aber falschen Schlussfolgerung führt („Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen“).
    • Stufe 2: Das Betrachten (Petrus): Er geht in das Grab hinein und untersucht die Details genauer – die liegenden Leinenbinden und das ordentlich zusammengelegte Schweißtuch. Dies ist ein suchendes, überlegendes Sehen, das Fragen aufwirft, aber noch keine endgültige Antwort findet.
    • Stufe 3: Das Erkennen (Der andere Jünger): Nachdem er die gleichen Beweise gesehen hat, kommt er zum Glauben. Sein Sehen transzendiert die physische Beobachtung und wird zu einer inneren Erkenntnis, einem Durchbruch zum Vertrauen in die Auferstehung.

    3. Die theologische Deutung: Der Tod des Todes

    Die Predigt synthetisiert diese biblischen Erzählungen zu einer zentralen These, die auf ein Zitat von Meliton von Sardes zurückgreift: „Er ist es, der den Tod getötet hat.“ Ostern wird als ein Ereignis interpretiert, das die „Schwerkraft“ der Existenz – die unaufhaltsame Tendenz zu Verfall und Tod – durchbricht. Christi Auferstehung ist keine Rückkehr ins alte Leben, sondern der Beginn einer neuen Wirklichkeit, in der die Gesetze von Tod und Endgültigkeit überwunden sind. Dieses Ereignis ist nicht nur historisch, sondern eine gegenwärtige Verheißung für die Gläubigen, die sie einlädt, über ihre eigenen Sorgen und Grenzen hinaus auf eine neue, von Gott geschaffene Realität zu vertrauen.


    Und vor der Hl. Messe haben wir andächtig staunend der Pummerin gelauscht.

  • Wie geht glauben?

    Manche finden ihren Glauben früh. Andere erst spät. Und viele suchen ihr Leben lang.

    Ich glaube: Es ist nie zu spät, sich berühren zu lassen. Nie zu spät, still zu werden. Nie zu spät, sich anvertrauen zu dürfen.

    Es ist vielleicht gerade Zeit, eine Minute einfach still zu werden und dankbar zu sein.

    Vielleicht beginnt Glauben genau da, wo wir nicht mehr alles verstehen müssen, und einfach bereit sind, Danke zu sagen. Im ruhigen Atmen und ganz im Augenblick.

    Einfach so. Jetzt.

    „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
    (Johannes 20,29)