Schlagwort: Gebet

  • Was ich bete?

    In letzter Zeit haben mich einige Menschen gefragt, was und wie ich bete. Manchmal sage ich darauf: „Dankbar, voller Vertrauen und wie ich manchmal mit meinem Vater oder meiner Mutter gesprochen habe.“ Wenn die Fragestellerin dann mehrmals nachfragt und es genauer wissen will, dann zeige ich ihr auf meinem Handy diese Rosette.

    Es gibt Orte, an denen Glauben plötzlich sichtbar wird — nicht als Satz, nicht als Gedanke, sondern als Licht. Die moderne Trinitätsrosette der neoromanischen Kirche von Saint-Antoine-des-Quinze-Vingts in Paris gehört für mich zu diesen Orten. Ich öffne dieses Bild manchmal auf meinem Bildschirm. Es ist ein Foto auf schwarzem Hintergrund, das leuchtet. Ich habe es hier in voller Auflösung gespeichert. Wenn Du darauf klickst, kannst Du alle Details sehen oder einfach im Vollbild eben nur die Rosette und alles andere auf dem Bildschirm wird dunkel – wird unwichtig.

    Ein Kreis aus Glas, aus Farben, aus Symbolen: die Gnadenstuhl-Trinität im Zentrum, umgeben von Engeln und den Evangelisten. Eine ganze Theologie in einem einzigen Blick.

    So wie diese Rosette die Dreifaltigkeit ins Licht setzt, so setzt das tägliche Gebet mein eigenes Leben in ein ruhiges, verlässliches Licht.

    Am Morgen bete ich seit 1994 mit dem Magnificat.
    Es ist keine Routine — eher eine sanfte Ausrichtung, bevor der Tag sich öffnet. Die Psalmen, die Lesungen, die kurzen Betrachtungen erinnern mich daran, dass Gott zuerst spricht und ich erst danach handle.

    Mittags bete ich den Angelus. Wenn Yuliya und ich zuhause sind, tun wir das gerne gemeinsam. Das erinnert uns an das Dreieck unseres Lebens. Gott – Yuliya – Harald. Und rundum haben wir beide im Stillen die Menschen, die wir sonst noch lieben, innerhalb dieses „Herzens-Dreiecks.“

    Für einen Moment wird die Welt still. Das Gebet unterbricht nicht — es sammelt. Es holt mich zurück zur Mitte.

    Irgendwann im Laufe des Tages, wenn gerade Raum ist, lese ich die Texte der Eucharistiefeier. Dann höre ich die Worte, die ich sonst im Gottesdienst mitvollziehe: das Evangelium, die Lesungen, die Gebete. Die Liturgie wird zu einem inneren Grundklang, der auch außerhalb des Kirchraums weiterklingt. Mir fällt es leichter, diese Texte in ihrer ganzen Tiefe annähernd zu erfassen, wenn ich sie inmitten einer Gottesdienst Gemeinschaft höre und dann eine gute Predigt dazu Stellung nimmt. Seit einigen Jahren fällt es mir leichter, auch alleine daraus Kraft zu schöpfen.

    In diesen Minuten mache ich mir gerne bewusst, dass viele Millionen Menschen heute in ihren Sprachen genau die gleichen Texte gelesen haben oder noch lesen werden wie ich. Eine Schwester oder ein Bruder betet sie vermutlich gerade jetzt gleichzeitig irgendwo auf dieser Welt. Und ich fühle mich zumindest mit meinen priesterlichen Freunden eng verbunden. Es gehört ja zu ihrem Versprechen bei der Priesterweihe, zumindest die täglichen Texte der Eucharistiefeier zu lesen.

    Abends, im Wohnzimmer, frage ich mich, wofür ich heute dankbar bin und manchmal notiere ich mir die Antworten am Handy. Diese Notiz habe ich angepinnt. Sie kommt daher als eine der ersten, wenn ich die Notizen öffne und sie hat schon mehrere hundert Einträge.

    Dann bete ich das Abendgebet aus dem Magnificat.
    Es ist mein täglicher Rückblick: Nicht streng, nicht prüfend, sondern dankbar. Ein guter Tag, ein schwieriger Tag — beides darf sein.

    Und kurz vor dem Einschlafen spreche ich die vertrauten Worte, die mich seit meiner Kindheit begleiten:
    ein Vater unser, ein Ave Maria, ein Kindheitsgebet und das Gebet des Jabez.
    Mehr braucht es nicht. Oft schlafe ich nach wenigen Sekunden ein.
    Vielleicht, weil diese Worte nicht nur Gebet sind, sondern Geborgenheit. Sonst bete ich diese Worte bis ich einschlafe. Ich kann mich in den letzten Jahrzehnten an keinen einzigen Tag erinnern, an dem ich nicht nach spätestens drei Minuten schlafe.

    Das Glaubensbekenntnis bete ich nur einmal in der Woche — bei der Sonntagsmesse.
    Welches Credo gesprochen wird, entscheidet der Priester. Aber das Nicäno-Konstantinopolitanische berührt mich am meisten: feierlich, weit, meditativ. Es trägt die Größe und die Schönheit einer Glaubenserfahrung, die älter ist als jede Kathedrale — und doch jeden Sonntag neu wird.


    Die Rosette, das Credo und der Rhythmus des Tages

    Wenn ich die Trinitätsrosette betrachte, sehe ich mein eigenes Beten darin wieder:

    • Im Zentrum die Dreifaltigkeit — wie das Credo, das mich trägt.
    • Rundherum die Evangelisten — wie die Worte der Schrift, die täglich zu mir sprechen.
    • Und ein Kranz von Engeln — wie die kleinen, wiederkehrenden Gebetsmomente des Tages, die mein Leben eher begleiten als unterbrechen.

    Die Rosette ist ein Bild des Glaubens, aber auch ein Bild der Treue Gottes.
    Sie erzählt, in Farbe und Licht, was das Glaubensbekenntnis in Worten sagt:
    Gott ist Ursprung, Weg und Vollendung.
    Er geht mit — im Rhythmus jedes Tages.

    Ich bete nicht, weil ich es muss.
    Ich bete, weil es mich sammelt.
    Weil es mir einen inneren Raum eröffnet, in dem ich bei mir selbst und bei Gott bin.
    Nicht außergewöhnlich, nicht spektakulär — eher wie ein regelmäßiger Atemzug.

    Jeder Mensch braucht eine Mitte.
    Für mich ist es das tägliche Gebet — und manchmal eine Rosette aus Glas, die mich daran erinnert, wer das Licht ist, das meinen Tag trägt.

    Und wenn ich merke, dass ich beginne, mich zu ärgern – über den Autofahrer vor mir, über jemanden, der einen Termin nicht einhält, über eine offene Rechnung – dann wird mir in letzter Zeit immer öfter bewusst, dass ich mich letztlich über mich ärgere, weil ich mich zu wichtig nehme.

    Dann bete ich: Herr, danke für Deine Liebe! Hilf mir, diesen Menschen zu segnen anstatt ihm böse zu sein. Das hilft mir sofort, ruhig und liebevoller zu werden.


    Vater Unser

    Vater unser im Himmel,
    geheiligt werde dein Name,
    dein Reich komme,
    dein Wille geschehe
    wie im Himmel so auf Erden.
    Unser tägliches Brot gib uns heute.
    Und vergib uns unsere Schuld,
    wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
    Und führe uns nicht in Versuchung,
    sondern erlöse uns von dem Bösen.


    Gegrüßet seist du, Maria

    Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
    der Herr ist mit dir.
    Du bist gebenedeit unter den Frauen,
    und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes,
    Jesus.
    Heilige Maria, Mutter Gottes,
    bitte für uns Sünder,
    jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.


    Der Engel des Herrn

    Der Engel des Herrn
    brachte Maria die Botschaft.
    – Und sie empfing vom Heiligen Geist.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Maria sprach: 
    Siehe, ich bin die Magd des Herrn.
    – Mir geschehe nach deinem Wort.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Und das Wort ist Fleisch geworden.
    – Und hat unter uns gewohnt.

    Gegrüßet seist du, Maria …

    Bitte für uns, heilige Gottesmutter.
    Dass wir würdig werden
    der Verheißungen Christi.

    Lasset uns beten.

    Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

    Ehre sei dem Vater …

    Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.


    Das Gebet des Jabez

    Herr segne mich und erweitere meine Gebiete.
    Halte Unglück und Schmerzen von mir fern.

    Darum bitte ich Dich durch Christus unseren Herrn.


    Quelle

    Die Grundgebete sind der offiziellen Medienseite des Vatikan entnommen. Das „Gebet des Jabez“ bete ich seit 2004 nach dem Erscheinen des gleichnamigen Buches in dieser meiner eigenen Version. Jabez kommt in der Bibel unbedeutend im ersten Buch der Chronik vor: 1 Chr 4, 9-11. Die Inspiration zu diesem Artikel kam mir durch einen Beitrag in der aktuellen Ausgabe des magazin KLASSIK (Nr. 39) von Radio Klassik Stephansdom. Dort ist diese Rosette als Illustration eines lesenswerten Artikel über das 1700 jährige Jubiläum des Konzils von Nizäa abgebildet.

    Doppelseite 10 und 11 in magazin KLASSIK Nr. 39. Download des Heftes.

  • Kondolieren

    Schwestern und Brüder! Wir, die vielen, sind ein Leib in Christus, als Einzelne aber sind wir Glieder, die zueinander gehören.
    Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben; hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der lehre; wer zum Trösten und Ermahnen berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig.

    Die Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn!

    Freut euch in der Hoffnung, seid geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet! Nehmt Anteil an den Nöten der Heiligen; gewährt jederzeit Gastfreundschaft! Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht!

    Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden! Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig!

    Röm 12, 5–16a

    Vor allem der letzte Absatz dieser Schriftstelle erklärt ganz gut, was mit „kondolieren“ gemeint sein könnte: mitleiden, „mitschmerzen“, mitfreuen.

  • Sorge Dich nicht – Lebe

    Ich hatte mein ganzes Leben viele Probleme und Sorgen.
    Die meisten von ihnen sind aber niemals eingetreten.

    Mark Twain (1835–1910)

    • Kenne ich das von mir? Welche Sorgen plagen mich heute?
    • Hilft mir die sanfte Erinnerung, dass ich alle diese Sorgen auf Gott werfen darf?

    „Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch.“
    (1 Petr 5, 7)

  • Psalm 31 – In der Bedrängnis

    Wie groß ist deine Güte, Herr,
    die du bereithältst für alle, die dich fürchten und ehren;
    du erweist sie allen, die sich vor den Menschen zu dir flüchten.
    Du beschirmst sie im Schutz deines Angesichts
    vor dem Toben der Menschen.
    Wie unter einem Dach bewahrst du sie
    vor dem Gezänk der Zungen.

    Gepriesen sei der Herr, der wunderbar an mir gehandelt
    und mir seine Güte erwiesen hat zur Zeit der Bedrängnis.
    Ich aber dachte in meiner Angst:
    Ich bin aus deiner Nähe verstoßen.
    Doch du hast mein lautes Flehen gehört,
    als ich zu dir um Hilfe rief.

    Psalm 31,   Verse 20–25

    Impuls

    Wie oft glauben wir in der Not, Gott habe uns vergessen.
    Doch später – manchmal erst viel später – erkennen wir:
    Er war da, auch im Schweigen, auch in der Angst.
    Dankbarkeit wächst aus dieser Rückschau:
    „Du hast mein lautes Flehen gehört.“

  • Meine Hoffnung und meine Freude

    Meine Hoffnung und meine Freude,
    meine Stärke, mein Licht.
    Christus, meine Zuversicht,
    auf dich vertrau ich
    und fürcht mich nicht,
    auf dich vertrau ich
    und fürcht mich nicht.

    Taizé nach Jes 12,2 – GL 365

    Impuls

    Manchmal reicht ein einziger Satz, um uns innerlich zu halten:
    „Auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht.“
    Dieser einfache Vers aus Taizé ist wie ein Atemgebet – ein leises Ja zu Gott mitten in der Angst.
    Er erinnert uns: Vertrauen ist kein Gefühl, sondern eine Entscheidung.
    Und wer sie trifft, spürt: Es trägt.

  • Segen. Bitten.

    Gesegnet der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Hoffnung der Herr ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn die Hitze kommt; seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, unablässig bringt er seine Früchte.

    Jer 17, 7–8

    Friedenstaube Friede

    Wir beten zu Christus, der uns heute nahe sein will:

    A: Erhöre uns, Christus.
    – Lass uns ein Segen sein für alle, denen wir heute begegnen.
    – Mache unser Leben zu einem Loblied deiner Gegenwart.
    – Lenke unsere Schritte auf dem Weg des Friedens.
    A: Erhöre uns, Christus.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 23.6.2025

  • Gebete

    Was ist ein Gebet?

    Ein Gebet ist mehr als Worte. Es ist ein stiller oder gesprochener Dialog mit Gott – ein Hinwenden, ein Lauschen, ein Sich-Anvertrauen. Wer betet, öffnet sein Herz für die Gegenwart des Göttlichen. Und dieser Gott, zu dem wir sprechen, ist nicht fern, nicht fordernd, nicht strafend. Gott ist die Liebe. Wer mit ihm spricht, tritt in Beziehung mit dem Ursprung allen Lebens, mit der Quelle von Trost, Kraft und Hoffnung. Mit Gott sprechen können wir in Liedern, in Gedichten, ganz einfach wie mit einem Freund – und in Stille.

    Beten heißt: sich der Liebe zuwenden, die immer da ist.

    Wenn nicht anders angegeben habe ich die Texte selbst verfasst. Du kannst Sie gerne honorarfrei zitieren, um anderen Menschen Trost und Freude zu schenken.


    Zwischen den Welten

    Zwischen den Welten liegt ein Flüstern,
    sanft wie der Hauch von Ewigkeit.
    Wenn du still wirst, kannst du’s hören:
    „Ich bin bei dir – zu jeder Zeit.“

    Kein Grab kann Liebe je begraben,
    kein Stein den Himmel je verdecken.
    Die Seele lebt in neuen Farben,
    um uns Hoffnung zuzusprechen.


    Ich steh vor dir in Leere, arm und bang

    Ich steh vor dir in Leere, arm und bang,
    fremd ist dein Name, spurlos deine Wege.
    Du bist mein Gott, Menschengedenken lang –
    Tod ist mein Los, hast du nicht andern Segen?

    Bist du der Gott, der meine Zukunft hält?
    Ich glaube, Herr, was stehst du mir dagegen.

    Mein Alltag wird von Zweifeln übermannt,
    mein Unvermögen hält mich eingefangen.
    Steht denn mein Name noch in deiner Hand,
    hält dein Erbarmen leise mich umfangen?

    Darf ich lebendig sein in deinem Land,
    darf ich dich einmal sehn mit neuen Augen?

    Sprich du das Wort, das mich mit Trost umgibt,
    das mich befreit und nimmt in deinen Frieden.
    Öffne die Welt, die ohne Ende ist,
    verschwende menschenfreundlich deine Liebe.

    Sei heute du mein Brot, so wahr du lebst –
    Du bist doch selbst die Seele meines Betens.

    Text: Huub Oosterhuis
    Melodie: GL 422 · GL 1975 621 · KG 544 · EG 382


    Gebet beim Hinübergehen

    Der Tod ist der heiligste Tag meines Lebens.
    Nicht das Ende – ein ewiger Anfang.
    Ein leiser Schritt ins Licht. Ein Heimkommen.

    Dankbar bin ich für mein Leben,
    für die Liebe, die ich empfangen habe
    und die Liebe, die ich geben durfte.
    Sie war mein Weg – und sie ist mein Ziel.

    Jetzt werde ich die Liebe sehen –
    nicht mehr in Zeichen und Menschen,
    sondern in ihrer ganzen Fülle:
    als meinen Gott.

    Für meine Lieben bleibe ich da.
    Jetzt in Gedanken.
    Bald in einem neuen Leib,
    wenn wir uns wiedersehen –
    jenseits der Zeit,
    im ewigen Paradies.


    Gebet beim Dableiben

    Dein Tod ist der heiligste Tag deines Lebens.
    Nicht das Ende – der Anfang.
    Ein leiser Schritt ins Licht. Ein Heimkommen.

    Dankbar bin ich für dein Leben,
    für die Liebe, die du gegeben hast
    und die Liebe, die du empfangen durftest.
    Sie war dein Weg – und sie bleibt mein Licht.

    Jetzt darfst du die Liebe schauen –
    nicht mehr nur in Zeichen und Menschen,
    sondern in ihrer ganzen Fülle:
    als deinen Gott.

    Für mich bleibst du da.
    Jetzt in Gedanken.
    Eines Tages wieder leibhaftig,
    wenn wir uns wiedersehen –
    jenseits der Zeit,
    im ewigen Paradies.


    Was bleibt

    Was bleibt von uns, wenn wir gegangen?
    Ein leiser Klang in and’ren Leben,
    ein Blick, ein Wort, ein Händedrücken –
    all das wird weitergegeben.

    Und ist auch unsere Zeit verflogen,
    bleibt doch die Liebe ungebrochen.
    Sie leuchtet weiter – still und klar,
    als wär’n wir immer noch ganz nah.

    Autor unbekannt


    Die Liebe hört niemals auf

    Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe –
    und Liebe bleibt zuletzt allein.
    Wenn alles fällt und alles bricht,
    wird sie der letzte Anker sein.

    In Tränen wächst ihr leiser Trost,
    in Dunkelheit ihr Morgenlicht.
    Sie spricht auch dort, wo Worte schweigen:
    „Ich bin bei dir – verlass dich nicht.“

    frei nach 1 Kor 13,13


    Ich bin nicht tot

    Ich bin nicht tot, ich tauschte nur die Räume.
    Ich leb in euch und geh durch eure Träume.

    Wenn ihr euch freut – ich lache mit.
    Wenn ihr euch sorgt – bin ich ganz nah.
    Die Liebe ist das Band, das nie zerreißt,
    auch wenn ich nicht mehr bei euch war.

    Zugeschrieben Michelangelo Buonarroti, ca. 16. Jh.
    (Zitatform seit dem 20. Jh. weit verbreitet)


    Auferstehung

    Ich bin von Gott und will wieder zu Gott,
    der liebe Gott wird mir ein Lichtlein geben,
    wird leuchten mir bis an das ewig selige Leben.

    O du mein Herz, du ruhst in Gottes Hand,
    der hält dich fest durch Tod und Zeit und Wandel.
    Es ist der Tod nur wie ein Flügelbrand –
    dann steigt die Seele auf zum Morgenhandel.

    Friedrich Rückert, 1834 (aus: Kindertotenlieder)


    Bis dann

    Gebet beim Hinübergehen

    Gebet beim Dableiben

    Der Tod – mein heiligster Moment.
    Ich gehe heim, ins Licht.

    Die Liebe, die ich gab – für die ich dankbar bin.
    Sie war mein Weg. Sie ist mein Ziel.

    Nun sehe ich Gott – die Liebe selbst.
    Ich bleibe euch – still, zärtlich, nah.

    In Gedanken. In der Ewigkeit.

    Bis dann

    Dein Tod – dein heiligster Moment.
    Du gehst heim, ins Licht.

    Die Liebe, die du gabst – für die ich dankbar bin.
    Sie bleibt mein Trost. Sie ist mein Weg.

    Nun weiß ich Dich bei Gott – der Liebe selbst.
    Du bleibst bei mir – still, zärtlich, nah.

    In Gedanken. In der Ewigkeit.

    Bis dann.