Schlagwort: Danke

  • Advent 2025

    * die stärkste Antwort auf Leid

    * Was dann im Raum geschieht

    * Vorausgegangen…

    Gedanken – gesprochen von Harald R. Preyer bei der Adventfeier des Club Tirol am Montag, dem 1. Dezember 2025 im Palais Esterhazy in Wien

    Liebe Musikanten, lieber Julian, liebe Charlotte,
    meine lieben Tiroler Freundinnen und Freunde!

    Ich kann mich heute kürzer fassen als ursprünglich geplant,
    weil du, mein lieber Präsident, dankenswerterweise schon einiges angesprochen hast, das auch auf meiner Agenda stand.

    1. Was „Advent“ eigentlich bedeutet

    „Advent“ ist ein antikes Wort.
    Es bezeichnete ursprünglich den kommenden Herrscher,
    den Königseinzug, die erwartete Ankunft einer wichtigen Person.

    Es hatte also zunächst überhaupt nichts mit der Kirche zu tun.
    Erst ab dem 4. Jahrhundert wurde „Advent“ christlich verstanden,
    und die eigentliche Adventszeit entstand dann im 6. Jahrhundert – als bewusste Vorbereitung auf Weihnachten, die Geburt der Liebe.

    2. Dankbarkeit – die stärkste Antwort auf Leid

    Als christlicher Trauerredner leite ich bewusst nur einige wenige Begräbnisse, weil ich mich den Menschen wirklich widmen möchte, die ich betreue. Ich nehme mir für die Menschen viel Zeit. Stunden zum Zuhören. Dann die Trauerfeier selbst. Und oft schöne Gespräche nachher.

    Und in dieser Begleitung höre ich eines immer wieder:
    Dankbarkeit ist der Wert, der Leid und Schmerz nicht wegzaubert, aber kompensiert. Dankbarkeit trägt Menschen, die jemanden verloren haben. Sie ändert nichts am Verlust – aber alles daran, wie wir damit umgehen.

    Der Benediktiner Bruder David Steindl-Rast – er ist heuer 99 geworden, hat Dankbarkeit zu seinem Lebenscredo gemacht.

    Und er kann das sagen, weil er ursprünglich Kunst, Kultur- und Menschenkunde und Psychologie studiert hat – und erst später Benediktinermönch und spiritueller Lehrer wurde.

    Er sagt sinngemäß:

    „Dankbarkeit ist das, was uns widerstandsfähig macht —
    gegen Leid, gegen Krankheit, gegen all das, was das Leben schwer macht.“

    Und Viktor Frankl hat auf seine Art Ähnliches gesagt:

    „Lasst uns nach dem Sinn auch des Schweren fragen —
    dann entsteht Dank, dann Freude.“


    3. Eine Minute der Dankbarkeit

    Ich möchte euch — wenn ihr gestattet —
    zu einer ganz kurzen Erfahrung einladen.

    Eine Minute. Zu zweit oder zu dritt.

    Die Frage lautet: „Wofür bin ich dankbar?“

    (Es folgte ein sehr angeregter Austausch.)


    4. Was dann im Raum geschieht

    Danke euch.
    Habt ihr gespürt, was in diesem Raum passiert?

    Genau das erlebe ich auch, wenn ich Menschen im Stephansdom auf die Orgelempore hinaufbegleite und dort dieselbe Frage stelle.

    Die Atmosphäre verändert sich. Der Raum verändert sich. Menschen werden weich. Wärme entsteht — (nicht nur, weil es hier wirklich warm ist, sondern) weil Herzen aufgehen.

    Ich habe hier gerade gehört:

    • Gesundheit.
    • Familie.
    • Freunde. Mein Mann.
    • Freiheit, Wohlstand, Frieden.

    Das sind genau die Antworten, die auch Menschen in schwierigen Situationen geben.

    Dann kommt oft: die gute Luft, die Sicherheit, das saubere Trinkwasser, Wien als lebenswerteste Stadt der Welt.

    Und dann — die dritte Gruppe: Vollbeschäftigung, keine sozialen Unruhen, kein Bürgerkrieg.


    5. Ein Adventkalender der Liebe

    Basteln wir einen etwas anderen Adventkalender miteinander.

    Die Idee stammt von meinem Freund, Pater Johannes Paul Abrahamowicz OSB, Priester und Benediktiner Mönch in Stift Göttweig.

    Er sagte schon am Allerheiligentag:

    Jeder Mensch ist für diesen Moment heilig,
    wenn er eines dieser drei Dinge tut:

    1. Milde handeln.
    2. Barmherzig sein.
    3. Frieden stiften.

    Immer dann, wenn uns eines davon gelingt, zeichnen Yuliya oder ich zuhause mit ihrem Lippenstift ein kleines Herz auf den Badezimmerspiegel.

    Und wir werden am Heiligen Abend nicht zählen, wie viele es sind. Wir wollen uns nur ganz bewusst machen: Heute ist uns ein Stück Liebe gelungen.


    6. Eine stille Erinnerung

    Ich möchte heute auch ganz bewusst an einen lieben Freund erinnern, der exakt vor einem Jahr, am 1. Dezember, voraus gegangen ist: Herbert Waibl.

    Einige von euch kannten ihn gut. Manche sehr gut.

    Am Morgen nach seinem Tod klopfte ein Vogel an Charlottes Fensterscheibe in Hainfeld. Zur gleichen Zeit klopfte ein Vogel an das Fenster einer Freundin in Tirol.

    War das Zufall?
    Vielleicht.

    Oder wie das bekannte — meist Albert Einstein oder Charles de Foucault zugeschriebene — Wort sagt:

    „Zufall ist das Pseudonym Gottes,
    wenn er nicht unterschreiben will.“

    Für mich war es eine Botschaft von Herbert:

    „Ich bin gut angekommen.
    Es ist gut und schön hier.
    Und passt’s aufeinander auf.“

    Und vielleicht sagt uns Herbert auch das, was Christus seinen Aposteln gesagt hat: „Ich gehe voraus um eine Wohnung bei meinem himmlischen Vater für Euch vorzubereiten…“
    (nach Joh 14)


    7. Abschließende Gedanken

    Ich möchte euch einladen, in diesem Advent einen Raum vorzubereiten — nicht im äußeren Sinn, sondern in uns selbst:

    • für das Zuhören,
    • für das Begegnen,
    • für das liebevolle Wort,
    • für den Blick, der sagt: „Ich mag dich.“

    Wir erzählen oft, wie großartig wir selbst sind.
    Vielleicht wäre es aufmerksamer, wenn wir weniger von uns erzählen –
    und mehr den Menschen sagen, wie wertvoll sie sind.

    Von Herzen wünsche ich euch
    einen gesegneten Advent,
    Gottes reichen Segen,
    und alles Liebe —
    in dieser Zeit der Vorfreude.


    Harald R. Preyer, geboren am 3. Mai 1963 in Innsbruck, war ab 1990 weltweit Unternehmensberater für Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit.
    Seit seinem 60. Gedburtstag arbeitet er aus innerer Berufung als christlicher Trauerredner.

    Jeden Sonntag um 12:00 Uhr tut er im Wiener Stephansdom Dienst als Lektor und Kommunionspender in der Orgelmesse. Anschließend führt er regelmäßig kleine Gruppen im Rahmen seiner Sonderführung „Der Stephansdom – eine Liebesgeschichte“ zu Orten im Dom, die sonst verborgen bleiben.

    Harald ist mit Yuliya verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern – und wird oft begleitet von seinem besten Freund „Teddy“, einem asiatischen Chow-Chow.

  • Danke

    Lesung aus dem Buch der Weisheit  

    Ohne Verstand waren von Natur aus alle Menschen, denen die Gotteserkenntnis fehlte. Aus den sichtbaren Gütern vermochten sie nicht den Seienden zu erkennen. Beim Anblick der Werke erkannten sie den Meister nicht, sondern hielten das Feuer, den Wind, die flüchtige Luft, den Kreis der Gestirne, die gewaltige Flut oder die Welt beherrschenden Himmelsleuchten für Götter.
    Wenn sie diese, entzückt über ihre Schönheit, schon für Götter hielten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel besser ihr Gebieter ist, denn der Urheber der Schönheit hat sie erschaffen.
    Und wenn sie über ihre Macht und Wirkkraft in Staunen gerieten, dann hätten sie auch erkennen sollen, wie viel mächtiger jener ist, der sie geschaffen hat; denn aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe wird in Entsprechung ihr Schöpfer erschaut.
    Dennoch trifft sie nur geringer Tadel: Vielleicht suchen sie Gott und wollen ihn finden, gehen aber dabei in die Irre. Sie verweilen bei der Erforschung seiner Werke und lassen sich durch den Augenschein täuschen; denn schön ist, was sie schauen.
    Doch auch sie sind unentschuldbar; wenn sie durch ihren Verstand schon fähig waren, die Welt zu erforschen, warum fanden sie dann nicht eher den Gebieter von alldem?

     Weish 13, 1–9

    Impuls zur Lesung

    Der Sternenhimmel in der klaren Sommernacht, die Kirschblüte, die mich eines Frühlingsmorgens überrascht hat, das Sonnenlicht, in dem auch die Nebel meiner Seele vergingen. Manchmal fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Diese Welt ist schön!

    Manchmal verbinden sich solche Augenblicke zu dem zarten und festen Gewebe der Dankbarkeit:

    Ich lebe, ich darf hier sein, darf diese Schönheit sehen, hören, spüren, schmecken. Du hast alles geschaffen, uns allen zur Freude. Dir bin ich dankbar. Dich bitte ich: Schenk mir auch morgen offene Augen für das Geschenk deiner Schöpfung. Öffne mir die Augen für dich, den Geber der Gabe. Heute und morgen und jederzeit. Amen.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 14.11.2025, Texte zur Eucharistiefeier

  • ÜBERFLUSS DES LEBENS

    So viele Farben und Formen – warum?

    Das Glitzern der Sterne – warum?

    Keine Schneeflocke gleicht der anderen! – warum?

    All das dient keinem sichtbaren Zweck!

    Es ist einfach da – damit ich staune und danke und singe

    Anton Rotzetter OFMCap (* 3. Januar 1939 in Basel; † 1. März 2016 in Freiburg im Üechtland[1]) war ein Schweizer Kapuziner und Buchautor.

  • Wie geht glauben?

    Manche finden ihren Glauben früh. Andere erst spät. Und viele suchen ihr Leben lang.

    Ich glaube: Es ist nie zu spät, sich berühren zu lassen. Nie zu spät, still zu werden. Nie zu spät, sich anvertrauen zu dürfen.

    Es ist vielleicht gerade Zeit, eine Minute einfach still zu werden und dankbar zu sein.

    Vielleicht beginnt Glauben genau da, wo wir nicht mehr alles verstehen müssen, und einfach bereit sind, Danke zu sagen. Im ruhigen Atmen und ganz im Augenblick.

    Einfach so. Jetzt.

    „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“
    (Johannes 20,29)