„Entweder ich glaube Christus – oder ich glaube ihm nicht.
Dass ich einen Teil glaube und einen anderen nicht, hieße: Christus ist geteilt.
Und das kann nicht sein.“Univ.-Prof. Dr. Thomas Möllenbeck in seiner Predigt am 25.1.2026 im Wiener Stephansdom
Ausgehend von einer ökumenischen Erfahrung in der Woche der Einheit der Christen stellt Prof. Thomas Möllenbeck eine scheinbar einfache, aber grundlegende Frage:
Kann man mehr oder weniger glauben – und dennoch Christ sein?
Anknüpfend an ein theologisches Streitgespräch bei John Henry Newman (Verlust und Gewinn) verneint er dies für den Kern des Glaubens.
Der christliche Glaube ist kein abgestuftes Für-wahr-Halten einzelner Inhalte, sondern ein persönlicher Glaubensakt: jemandem glauben.
Mit Thomas von Aquin formuliert er: Glauben heißt, jemandem etwas glauben.
Am Ende dieses Vertrauens steht Christus selbst – der Einzige, der den Vater aus eigenem Wissen kennt. Darum gilt:
Wenn Christus wahr ist, dann ist er ganz wahr. Ein teilweises Glauben würde Christus teilen – und ihn damit seines göttlichen Anspruchs berauben.
Paulus bringt dies im ersten Korintherbrief auf den Punkt:
„Ist Christus denn geteilt?“
Für Möllenbeck ist klar: Christus ist nicht geteilt – und die Kirche ist es ihrem Wesen nach auch nicht, sofern sie der fortlebende Christus in der Geschichte ist.
Unterschiede im Verstehen, im Reifegrad oder im sakramentalen Zugang räumt die Predigt ausdrücklich ein.
Ein Mehr oder Weniger gibt es im Erkennen – nicht aber im Glauben als Akt.
Ökumene bedeutet daher nicht Reduktion, sondern gemeinsames Hören:
einander ernsthaft zuhören, was der andere glaubt – mit der gemeinsamen Ausrichtung auf den einen, ungeteilten Christus.
