Schlagwort: Besitz

  • Wer hat, dem wird gegeben

    Aus dem hl. Evangelium nach Markus    
    Mk 4, 21–25

    In jener Zeit sprach Jesus: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter? Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er!
    Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

    Impuls zum Evangelium

    Licht, das wissen wir, macht nur Sinn, wenn es sichtbar ist. Licht im Verborgenen, dort wo es niemandem nützt, wo es nichts erhellt, ist nutzlos. Im heutigen Evangelium erinnert Jesus daran, dass alle Menschen etwas in sich haben, das leuchten und ausstrahlen kann – Mitgefühl, Achtsamkeit, Gaben und Fähigkeiten. Warum lassen wir sie so oft nicht strahlen, hinausstrahlen zu den Mitmenschen und in die Welt? Warum verstecken wir – gleich dem Licht unterm Bett –, was Gott in uns gelegt hat und was eigentlich zu leuchten bestimmt ist? Aus Bequemlichkeit, Angst, Vorsicht oder anderen Gründen?
    Jesus erinnert daran, das (eigene) Licht ausstrahlen zu lassen, und ermahnt zugleich, aufs Hören, auf Maßstäbe und den mitmenschlichen Umgang zu achten. Er traut jedem und jeder von uns zu, zu leuchten, sichtbar zu sein, wahrhaftig, mutig und einmalig. Nicht perfekt, aber echt. Und unsere Zeit braucht Menschen, die Licht machen, die Licht sind – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 29.1.2026

  • Besitz

    Gedanken von Ambrosius von Mailand aus dem 4. Jhdt.

    Zum Evangelium vom 18. Sonntag im Jahreskreis, C, Lk 12, 13–21
    Ganz richtig weist er die irdischen Angelegenheiten zur Seite, da er doch um der göttlichen Dinge willen vom Himmel gekommen ist. Er lässt sich nicht dazu herbei, Richter in Streitsachen und Schlichter in Geldangelegenheiten zu sein, er, der Richter sein wird über die Lebenden und Toten und über alle Verdienste. … Dieser Bruder verdiente die Zurückweisung, weil er den Spender himmlischer Gaben für vergängliche Dinge in Anspruch nehmen wollte. Denn unter Brüdern sollte nicht ein Schiedsrichter das väterliche Erbe teilen, sondern die vermittelnde Bruderliebe; das Erbe der Unsterblichkeit, nicht Geld, sollen die Menschen erhoffen.

    Ambrosius von Mailand (Bischof, Kirchenlehrer, 339–397), hier nach: Thomas von Aquin, Catena Aurea. Kommentar zu den Evangelien im Jahreskreis, hg. v. Marianne Schlosser und Florian Kolbinger, 683, © EOS Verlag, St. Ottilien, 2. Auflage 2012, Quelle: Magnificat – das Stundenbuch


    Gedanken von P. Johannes Paul Abrahamowicz, OSB
    zum 18. Sonntag im Jahreskreis, C

    Der Sinn der Besitzverwaltung in drei Sätzen

    Kostet dich die Verwaltung deines Besitzes übermäßig viel Zeit und Nerven, dann ist es besser, du lässt die Finger davon, stellst jemanden an, der es für dich erledigt,
    bewahrst aber unbedingt den Überblick.

    Zahlt sich der Aufwand der Verwaltung deines Besitzes aus, dann häufe nicht mehr an,
    sondern danke Gott für das tägliche Brot.

    Tust du absolut gar nichts, um deinen Besitz zu verwalten, und bringt er dir dennoch viel ein, dann lebst du wohl auf Kosten eines anderen Verwalters,
    den du hoffentlich dafür entschädigst.


    Lebenshingabe aus Liebe

    „So geht es einem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber bei Gott nicht reich ist. Bei Gott ist man reich, in diesem Fall, wenn man auch für andere Schätze sammelt. Das ist mehr oder weniger die Zusammenfassung von allen drei Lesungen, allen drei Schriftlesungen, die wir gehört haben. Es geht also darum, dass wir wohl oder übel alle einen Besitz haben. Und wenn du verantwortlich bist, dann weißt du, wie das nach deinem Tod weitergeht mit diesem Besitz. Und da wird einem dann plötzlich ganz klar: Verantwortung hat mit Nächstenliebe zu tun. Wie werden meine Nachfolger diesen Besitz bekommen? Es ist so schwer, wenn das die Eltern nicht rechtzeitig mit ihren Kindern besprechen. Und dann gibt es die Erbschaftsstreitigkeiten in den besten Familien. Die Verantwortung hat also mit Nächstenliebe zu tun. Und das Schönste ist, dass wir heute feiern, wie Jesus mit seinem Besitz umgeht. Sein Besitz ist er selbst. Und er gibt sich uns hin und macht es dann auch noch so, dass wir Messe für Messe ihn empfangen können – seinen Leib, sein Blut. Und das ist seine Lebenshingabe aus Liebe. Und wenn wir uns davon ernähren, wirkt diese Liebe in uns ansteckend. Amen.“

    Evangelium und Predigt im Originalton

    Quelle: https://www.abrahamowicz.org/johannes.paul/index.html