Schlagwort: Anvertrauen

  • Tod eines Kindes

    Darstellung des Herrn

    Dieser Hymnus handelt nicht vom Tod Jesu,
    sondern von der Darstellung Jesu im Tempel
    einem Feiertag, einem Fest des Anfangs.

    Maria und Josef bringen ihr Kind in den Tempel.
    Nicht um es zu opfern, sondern um es Gott anzuvertrauen.
    Jesus wird nicht dem Tod übergeben,
    sondern in das Leben seines Volkes hineingestellt.

    Simeon erkennt in diesem Kind das verheißene Licht.
    Noch liegt kein Kreuz am Horizont.
    Noch ist alles Erwartung, Verheißung, Hoffnung.

    Gerade deshalb kann dieser Hymnus im Zusammenhang mit dem Tod eines Kindes gelesen werden –
    nicht erklärend, sondern behutsam deutend.
    Er beantwortet kein „Warum“.
    Er öffnet einen Raum, in dem ein kurzes Leben nicht sinnlos erscheint, sondern geborgen.

    Nicht die Länge eines Lebens entscheidet über seine Würde,
    sondern das Getragensein in Gott.

    Hymnus

    Auf, Zion, schmücke dein Gemach,
    der Herr ist da, den du ersehnt.
    Steh auf und mache dich bereit,
    empfange Bräutigam und Braut.

    Zu seinem Tempel kommt der Herr:
    Die Eltern bringen Christus dar.
    Der ohne alle Sünde ist,
    macht dem Gesetz sich untertan.

    Tritt, königliche Jungfrau, ein,
    bring mit dem Opfer dar dein Kind,
    des ew’gen Vaters wahren Sohn,
    der uns zum Heil erschienen ist.

    Was dir verheißen, Simeon,
    das ist in diesem Kind erfüllt.
    Nun mache allen Völkern kund
    das Licht, das ihnen leuchten soll.

    Herr, dir sei Preis und Herrlichkeit,
    der sich den Heiden offenbart,
    mit dir dem Vater und dem Geist
    durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

    Nach: „Adorna, Sion, thalamum“ –
    Petrus Abaelard († 1142)


    Für Eltern

    Beim Tod eines Kindes fehlen die Worte.
    Fragen nach dem Warum bleiben offen –
    und dürfen offen bleiben.
    Niemand muss sie beantworten.

    Dieser Hymnus spricht nicht vom Tod Jesu,
    sondern von seiner Darstellung im Tempel:
    Ein Kind wird Gott anvertraut – nicht geopfert, nicht verloren.

    So dürfen auch wir euer Kind Gott anvertrauen.
    Nicht weil wir es loslassen können,
    sondern weil wir es nicht festhalten können.

    Wir glauben:
    Euer Kind ist nicht im Nichts verschwunden.
    Es ist geborgen – im Licht Gottes, im Reich der Liebe.

  • Dein Wille geschehe

    Gütiger Vater, dein Sohn hat uns die frohe Botschaft vom Anbruch deiner Herrschaft gebracht. Deiner Weisung öffnen wir uns und bitten:
    A: Dein Wille geschehe.

    Wer vor deinem Angesicht lebt, braucht kein Gut zu entbehren;
    – öffne uns und allen Menschen die Sinne für deine Gegenwart.

    Du willst das Glück aller Menschen;
    – hilf uns erkennen, dass wir zur wahren Freiheit gelangen, wenn wir in deinem Geiste handeln.

    Viele haben nie gelernt, unter den vielen Geräuschen deine leise Stimme zu vernehmen;
    – hilf allen, die in der Seelsorge tätig sind, mit den Menschen deine Sprache zu lernen.

    Wer sich dir anvertraut, wird nicht enttäuscht;
    – vereine alle Verstorbenen in deiner ewigen Freude.
    A: Dein Wille geschehe.

    Quelle: Fürbitten aus dem Abendgebet in Magnificat – das Stundenbuch vom 20.8.2025