Alma redemptoris mater ist die marianische Antiphon, die im Stundengebet der katholischen Kirche in der Advents- und Weihnachtszeit entweder zum Abschluss der Vesper oder der Komplet gesungen wird, je nachdem, welche dieser beiden Horen die letzte ist, die in Gemeinschaft gefeiert wird.
Alma Redemptoris Mater, quae pervia caeli | porta manes et stella maris, succurre cadenti, | surgere qui curat, populo: tu quae genuisti, | natura mirante, tuum sanctum Genitorem, | Virgo prius ac posterius, Gabrielis ab ore | sumens illud Ave, peccatorum miserere.
Erhabne Mutter des Erlösers, du allzeit offene Pforte des Himmels und Stern des Meeres, komm, hilf deinem Volke, das sich müht, vom Falle aufzustehn. Du hast geboren, der Natur zum Staunen, deinen heiligen Schöpfer. die du, Jungfrau davor und danach, aus Gabriels Mund vernahmst das selige Ave, o erbarme dich der Sünder.
Jesus, du Urgrund unseres Glaubens, wir bitten dich:
A: Erfülle uns mit deiner Liebe. – Dass alle, die deinen Namen tragen, glaubhafte Zeugen deiner Güte sind – Dass die Suchenden den Weg zum Sinn ihres Daseins finden. – Dass die Armen und Unterdrückten Helfer und Fürsprecher finden. – Dass die Glaubenden aller Kulturen gemeinsam dem Frieden dienen. – Dass unsere Verstorbenen unvergängliche Freude genießen. A: Erfülle uns mit deiner Liebe.
Gott des Erbarmens, du hast allen Völkern der Erde das Heil zugesagt. Lass uns voll Freude das Fest der Geburt Christi erwarten und das große Geheimnis seiner Menschwerdung feiern, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet vom 9.12.2025
Ich kann mich heute kürzer fassen als ursprünglich geplant, weil du, mein lieber Präsident, dankenswerterweise schon einiges angesprochen hast, das auch auf meiner Agenda stand.
1. Was „Advent“ eigentlich bedeutet
„Advent“ ist ein antikes Wort. Es bezeichnete ursprünglich den kommenden Herrscher, den Königseinzug, die erwartete Ankunft einer wichtigen Person.
Es hatte also zunächst überhaupt nichts mit der Kirche zu tun. Erst ab dem 4. Jahrhundert wurde „Advent“ christlich verstanden, und die eigentliche Adventszeit entstand dann im 6. Jahrhundert – als bewusste Vorbereitung auf Weihnachten, die Geburt der Liebe.
2. Dankbarkeit – die stärkste Antwort auf Leid
Als christlicher Trauerredner leite ich bewusst nur einige wenige Begräbnisse, weil ich mich den Menschen wirklich widmen möchte, die ich betreue. Ich nehme mir für die Menschen viel Zeit. Stunden zum Zuhören. Dann die Trauerfeier selbst. Und oft schöne Gespräche nachher.
Und in dieser Begleitung höre ich eines immer wieder: Dankbarkeit ist der Wert, der Leid und Schmerz nicht wegzaubert, aber kompensiert. Dankbarkeit trägt Menschen, die jemanden verloren haben. Sie ändert nichts am Verlust – aber alles daran, wie wir damit umgehen.
Der Benediktiner Bruder David Steindl-Rast – er ist heuer 99 geworden, hat Dankbarkeit zu seinem Lebenscredo gemacht.
Und er kann das sagen, weil er ursprünglich Kunst, Kultur- und Menschenkunde und Psychologie studiert hat – und erst später Benediktinermönch und spiritueller Lehrer wurde.
Er sagt sinngemäß:
„Dankbarkeit ist das, was uns widerstandsfähig macht — gegen Leid, gegen Krankheit, gegen all das, was das Leben schwer macht.“
Und Viktor Frankl hat auf seine Art Ähnliches gesagt:
„Lasst uns nach dem Sinn auch des Schweren fragen — dann entsteht Dank, dann Freude.“
3. Eine Minute der Dankbarkeit
Ich möchte euch — wenn ihr gestattet — zu einer ganz kurzen Erfahrung einladen.
Eine Minute. Zu zweit oder zu dritt.
Die Frage lautet: „Wofür bin ich dankbar?“
(Es folgte ein sehr angeregter Austausch.)
4. Was dann im Raum geschieht
Danke euch. Habt ihr gespürt, was in diesem Raum passiert?
Genau das erlebe ich auch, wenn ich Menschen im Stephansdom auf die Orgelempore hinaufbegleite und dort dieselbe Frage stelle.
Die Atmosphäre verändert sich. Der Raum verändert sich. Menschen werden weich. Wärme entsteht — (nicht nur, weil es hier wirklich warm ist, sondern) weil Herzen aufgehen.
Ich habe hier gerade gehört:
Gesundheit.
Familie.
Freunde. Mein Mann.
Freiheit, Wohlstand, Frieden.
Das sind genau die Antworten, die auch Menschen in schwierigen Situationen geben.
Dann kommt oft: die gute Luft, die Sicherheit, das saubere Trinkwasser, Wien als lebenswerteste Stadt der Welt.
Und dann — die dritte Gruppe: Vollbeschäftigung, keine sozialen Unruhen, kein Bürgerkrieg.
5. Ein Adventkalender der Liebe
Basteln wir einen etwas anderen Adventkalender miteinander.
Die Idee stammt von meinem Freund, Pater Johannes Paul Abrahamowicz OSB, Priester und Benediktiner Mönch in Stift Göttweig.
Er sagte schon am Allerheiligentag:
Jeder Mensch ist für diesen Moment heilig, wenn er eines dieser drei Dinge tut:
Milde handeln.
Barmherzig sein.
Frieden stiften.
Immer dann, wenn uns eines davon gelingt, zeichnen Yuliya oder ich zuhause mit ihrem Lippenstift ein kleines Herz auf den Badezimmerspiegel.
Und wir werden am Heiligen Abend nicht zählen, wie viele es sind. Wir wollen uns nur ganz bewusst machen: Heute ist uns ein Stück Liebe gelungen.
6. Eine stille Erinnerung
Ich möchte heute auch ganz bewusst an einen lieben Freund erinnern, der exakt vor einem Jahr, am 1. Dezember, voraus gegangen ist: Herbert Waibl.
Einige von euch kannten ihn gut. Manche sehr gut.
Am Morgen nach seinem Tod klopfte ein Vogel an Charlottes Fensterscheibe in Hainfeld. Zur gleichen Zeit klopfte ein Vogel an das Fenster einer Freundin in Tirol.
War das Zufall? Vielleicht.
Oder wie das bekannte — meist Albert Einstein oder Charles de Foucault zugeschriebene — Wort sagt:
„Zufall ist das Pseudonym Gottes, wenn er nicht unterschreiben will.“
Für mich war es eine Botschaft von Herbert:
„Ich bin gut angekommen. Es ist gut und schön hier. Und passt’s aufeinander auf.“
Und vielleicht sagt uns Herbert auch das, was Christus seinen Aposteln gesagt hat: „Ich gehe voraus um eine Wohnung bei meinem himmlischen Vater für Euch vorzubereiten…“ (nach Joh 14)
7. Abschließende Gedanken
Ich möchte euch einladen, in diesem Advent einen Raum vorzubereiten — nicht im äußeren Sinn, sondern in uns selbst:
für das Zuhören,
für das Begegnen,
für das liebevolle Wort,
für den Blick, der sagt: „Ich mag dich.“
Wir erzählen oft, wie großartig wir selbst sind. Vielleicht wäre es aufmerksamer, wenn wir weniger von uns erzählen – und mehr den Menschen sagen, wie wertvoll sie sind.
Von Herzen wünsche ich euch einen gesegneten Advent, Gottes reichen Segen, und alles Liebe — in dieser Zeit der Vorfreude.
Harald R. Preyer, geboren am 3. Mai 1963 in Innsbruck, war ab 1990 weltweit Unternehmensberater für Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Seit seinem 60. Gedburtstag arbeitet er aus innerer Berufung als christlicher Trauerredner.
Jeden Sonntag um 12:00 Uhr tut er im Wiener Stephansdom Dienst als Lektor und Kommunionspender in der Orgelmesse. Anschließend führt er regelmäßig kleine Gruppen im Rahmen seiner Sonderführung „Der Stephansdom – eine Liebesgeschichte“ zu Orten im Dom, die sonst verborgen bleiben.
Harald ist mit Yuliya verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern – und wird oft begleitet von seinem besten Freund „Teddy“, einem asiatischen Chow-Chow.
Gedanken zum Evangelium vom 1. Adventsonntag (Mt 24,37–44)
… „Dahinter steht aber nicht so sehr eine Droh- und Angstbotschaft, wie es vielleicht manche empfinden, sondern vielmehr eine große Trostbotschaft. Zwar gibt es im Leben Zeichen und Zeiten, die darauf hinweisen, dass alles einmal ein Ende haben kann und wird. Und es gibt auch Zeiten und Ereignisse, wo uns persönliche Tragödien und Schicksalsschläge tief treffen. Aber als Christen wissen wir, dass bei all den ‚Zeichen der Zeit‘, hinter all den Schicksalsschlägen uns ein letztlich immer treuer, naher, liebender und barmherziger Gott zur Seite steht.
Wir glauben als Christen auch, dass er es sein wird, der all das Bruchstückhafte, all das Halbfertige, all das Ungerechte, all die Sehnsüchte wenden und erfüllen wird. Das ist kein billiger Trost, sondern eine Grundaussage der Heiligen Schrift.
Auf diese Botschaft der Hoffnung auf Heil dürfen wir im Leben und durch den Tod hindurch vertrauen.“
Quelle: Pastoralassistentin Christine Gruber-Reichinger in „Die Woche in St. Stephan“, Dompfarre Wien, Ausgabe 1440 vom 28.11.2025
Der erste Advent lädt uns ein, die Zeit nicht als Ablauf, sondern als Beziehung zu verstehen. Hoffnung entsteht nicht durch Verdrängung, sondern durch die Erfahrung, dass unser Leben – gerade in seinen Brüchen – gehalten bleibt. Der Text erinnert daran, dass Trost nicht laut sein muss. Er kann leise kommen, wie ein Grundton. Wer wach bleibt, entdeckt inmitten der Unsicherheit eine stille Nähe, die trägt.