Heute vor 150 Jahren wurde in Dresden Paula Modersohn-Becker geboren, die den frühen deutschen Expressionismus maßgeblich geprägt hat. Ihre schlichte Formensprache und kontrastreiche Farbigkeit suchen ihresgleichen.
Paula Modersohn-Becker im Garten malend Otto Modersohn (1865 – 1943)
Bitten wir Gott, der uns mit unterschiedlichen Gaben beschenkt hat:
A: Bring unser Leben zum Leuchten. – Öffne unsere Augen für die Wirklichkeit, die uns umgibt – Lass uns die Farben, Töne und Gerüche aufnehmen und unser Herz erfüllen. – Bringe ihre Kraft in uns zur Entfaltung, dass wir unsere Welt für alle lebenswert gestalten. A: Bring unser Leben zum Leuchten.
Vaterunser
Oration
Gott, unser Vater, wir sind dein Eigentum und setzen unsere Hoffnung allein auf deine Gnade. Bleibe uns nahe in jeder Not und Gefahr und schütze uns. Darum bitten wir durch Jesus Christus. Das Licht Jesu Christi mache unsere Herzen hell und schenke uns ewige Freude.
Text: Magnificat – das Stundenbuch, Morgengebet vom 8.2.2026
In jener Zeit sprach Jesus: Zündet man etwa eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel oder unter das Bett? Stellt man sie nicht auf den Leuchter? Denn es gibt nichts Verborgenes, das nicht bekannt werden soll, und nichts Geheimes, das nicht an den Tag kommen soll. Wenn einer Ohren hat zum Hören, so höre er! Weiter sagte er: Achtet auf das, was ihr hört! Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden, ja, es wird euch noch mehr gegeben. Denn wer hat, dem wird gegeben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.
Impuls zum Evangelium
Licht, das wissen wir, macht nur Sinn, wenn es sichtbar ist. Licht im Verborgenen, dort wo es niemandem nützt, wo es nichts erhellt, ist nutzlos. Im heutigen Evangelium erinnert Jesus daran, dass alle Menschen etwas in sich haben, das leuchten und ausstrahlen kann – Mitgefühl, Achtsamkeit, Gaben und Fähigkeiten. Warum lassen wir sie so oft nicht strahlen, hinausstrahlen zu den Mitmenschen und in die Welt? Warum verstecken wir – gleich dem Licht unterm Bett –, was Gott in uns gelegt hat und was eigentlich zu leuchten bestimmt ist? Aus Bequemlichkeit, Angst, Vorsicht oder anderen Gründen? Jesus erinnert daran, das (eigene) Licht ausstrahlen zu lassen, und ermahnt zugleich, aufs Hören, auf Maßstäbe und den mitmenschlichen Umgang zu achten. Er traut jedem und jeder von uns zu, zu leuchten, sichtbar zu sein, wahrhaftig, mutig und einmalig. Nicht perfekt, aber echt. Und unsere Zeit braucht Menschen, die Licht machen, die Licht sind – nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 29.1.2026
„Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.“
David Hume (schottischer Philosoph und Ökonom, 1711–1776)
• Das Muster der Schneeflocken, eine schillernde Regenpfütze, die verschiedensten winterlichen Farbtöne, ob in Blau oder Grau – habe ich ihre Schönheit heute wahrgenommen? • Wenn schon die Welt so schön ist – wie schön muss Gott sein, der sie aus dem Nichts erschaffen hat?
Quelle: Magnificat – das Stundenbuch, Abendgebet am 26.1.2026
Achtsamkeit wird heute oft dem Buddhismus zugeschrieben. Dort wurde sie sorgfältig beschrieben, geübt und benannt – aber sie ist älter als jede einzelne Tradition. Achtsamkeit gehört zum Menschsein selbst. Sie beginnt dort, wo wir nicht nur funktionieren, sondern wahrnehmen.
Für mich ist Achtsamkeit die Schwester der Dankbarkeit. Wer wirklich achtsam ist, bleibt nicht neutral. Aus dem genauen Hinsehen wächst leise ein Staunen – und daraus Dank. Dank für das, was da ist. Für einen Augenblick, der sich nicht wiederholen lässt. Für einen Menschen, der uns berührt. Für ein Leben, das sich im Kleinen zeigt.
In der Trauer wird das besonders spürbar. Achtsamkeit heißt dann nicht, den Schmerz wegzuatmen. Sie heißt, ihm Raum zu geben, ohne sich von ihm verschlingen zu lassen. Und gerade darin entsteht Dankbarkeit: nicht für den Verlust, sondern für die gemeinsam gelebte Zeit, die sich jetzt verdichtet und trägt.
Achtsamkeit ist kein Technikprogramm. Sie ist eine Haltung. Eine stille Entscheidung, im Augenblick zu verweilen – und ihn nicht zu übergehen. Wer so lebt, merkt: Dankbarkeit ist keine Zugabe am Ende. Sie wächst mitten im Leben.
Es gibt Momente, in denen sich die Frage nach dem Wert eines Lebens, eines Gegenstandes oder einer Erfahrung unerwartet scharf stellt. Spätestens dann, wenn Auktionshäuser erneut Rekordpreise verkünden und ein Bild für eine dreistellige Millionensumme den Besitzer wechselt. Solche Ereignisse lenken den Blick auf die Frage, wie und woran wir Wert eigentlich messen. Und ob wir ihn überhaupt messen können.
Die beiden teuersten jemals in Auktionen verkauften Gemälde: Gustav Klimt und der zugeschriebene Leonardo da Vinci.
Die folgenden Thesen markieren einen Weg durch dieses Gelände – nicht als endgültige Antworten, sondern als seismografische Punkte einer Gesellschaft, die sich immer tiefer in symbolische Preisrekorde verstrickt.
Teil 1 – drei Thesen zum Wert der Dinge
**These 1
Was wirklich wertvoll ist, kann niemand kaufen – mit keinem Geld der Welt.**
Der Satz klingt schlicht, ist aber radikal. Denn er verschiebt den Fokus weg von allem, was handelbar ist, hin zu dem, was sich dem Markt entzieht: Zeit, Liebe, Vertrauen, Würde, innere Ruhe. Das sind Werte, die nicht produziert, nicht gelagert und nicht verkauft werden können. Sie entstehen nur, wo Menschen einander begegnen, sich zeigen, sich öffnen.
Philosophen aller Zeiten wussten das. Die antiken Stoiker nannten es das „in unserer Macht Stehende“ – jene inneren Güter, die unabhängig von Umstand und Schicksal bestehen. Christliche Traditionen sprechen von Gnade, Hingabe, geistiger Freiheit. Auch moderne Ökonomen wissen um den „intrinsischen Wert“, der jedem Preisschild entzogen bleibt.
Paradoxerweise wird das Unbezahlbare gerade in einer Zeit inflationärer Preise wieder sichtbar. Je teurer die Dinge werden, desto deutlicher wird, was sich ihrer Logik entzieht. Der eigentliche Wert beginnt dort, wo Geld keine Sprache mehr hat.
**These 2
Bereits ab einem relativ geringen Wert entkoppelt sich der Preis vom realen Wert.**
Der Markt tut selten das, was wir intuitiv annehmen. Er misst nicht den Gebrauch, sondern die Begehrlichkeit. Ein Bild, das 300 Millionen Euro kostet, erhellt keinen Raum mehr als eines für 300 Euro. Eine Uhr für 80.000 Euro zeigt die Zeit nicht präziser an als eine für 80. Und ein Auto für den Preis einer Wohnung bringt uns nicht schneller ans Ziel als eines für den Preis einer Küche.
Ab einer gewissen Schwelle repräsentiert der Preis nicht mehr das Objekt, sondern das Umfeld des Objekts: den Status, die Geschichte, die Seltenheit, die Rolle in einem sozialen Ritual. Menschen kaufen nicht Dinge, sondern Bedeutungen.
Die Entkoppelung von Preis und Wert ist daher keine Anomalie, sondern das Normalverhalten eines Marktes, der nicht Bedarfe misst, sondern Zeichen. Jedes Preisschild über ein paar tausend Euro erzählt weniger vom Gegenstand als vom Käufer.
**These 3
Das Verhältnis zwischen dem Auktionswert eines Bildes und seinem realen Wert ist – wie das Verhältnis zwischen Spitzengehältern und Durchschnittsgehältern – ein Maß für Realitätsverlust. Und ein Indiz fortschreitender Dekadenz.**
Wenn ein CEO das 300-Fache eines Mitarbeiters verdient, sagt das nichts über Produktivität, sondern viel über Machtverteilung. Und wenn ein Gemälde auf einer Auktion für eine halbe Milliarde verkauft wird, sagt das – ebenso – mehr über das Bedürfnis nach Symbolik aus als über künstlerische Bedeutung.
Auktionsrekorde sind Inszenierungen einer globalen Elite, die sich durch spektakuläre Preise gegenseitig ihre Präsenz bestätigt. Sie sind weniger Ausdruck von Kunstwert als Ausdruck von Hybris. Der Kunstmarkt ist nicht krank; er ist symptomatisch für eine Gesellschaft, die Wert und Preis zunehmend verwechselt.
Wo aber Preis und Realität auseinanderdriften, verliert eine Kultur ihren Boden. Das war im Rom der Spätantike nicht anders als im Paris der Belle Époque. Dekadenz zeigt sich nicht zuerst in Lastern, sondern in der Unfähigkeit, zwischen dem Wesentlichen und dem Schmückenden zu unterscheiden.
Teil 2 – Der Wert von Treue
Zwischen Standfestigkeit und Toleranz
Die heutige Lesung ist lange – mehr als drei Minuten. 1 Makk 2, 15–29. Es geht darin um Standfestigkeit, um Treue.
In alter Zeit um eine Treue, für die ein Weiser sogar bereit ist, zu töten. „Dieser Mord entspricht nicht mehr unserem Empfinden für Verhältnismässigkeit“ meinte Dompfarrer Toni Faber. Und das meine ich auch.
Aber die Frage dahinter bleibt bestehen: Wo beginnt meine Standfestigkeit? Wo endet meine Toleranz?
Was akzeptiere ich gerade noch – und wo sage ich klar Nein? Diese Fragen sind im 21. Jahrhundert nicht geringer geworden, sondern subtiler. Treue ist heute keine militante Tugend mehr, sondern eine alltägliche Entscheidung: zu Menschen, zu Werten, zu sich selbst. Vielleicht ist gerade diese stille Form der Treue die schwerste.
Teil 3 – Was wollen Trauernde zurück? Den Toten?
Der Verlust, der bleibt – und der Wert der Zeit
In Gesprächen mit Trauernden kurz nach dem Tod eines geliebten Menschen begegnen mir oft die Sätze: „Ich hätte den Toten so gerne zurück. Wie konnte das geschehen? Warum so früh?“
Das ist der rohe Schmerz des Verlustes, das Entsetzen der ersten Tage, das leere Zimmer, die plötzliche Unerreichbarkeit eines geliebten Menschen. Das tut weh und es dauert manchmal lange bis die Zeit die Wunden heilt.
Wenn ich dieselben Menschen zehn Jahre später wiedersehe, manchmal an der Seite eines neuen Partners, dann erzählt ihr Blick eine andere Wirklichkeit.
Sie wünschen sich nicht mehr den Toten zurück. Sondern die gemeinsame Zeit, die ihnen gefehlt hat.
Die Fragen, die sie damals nicht gestellt haben. Die Wege, die sie nicht mehr miteinander gegangen sind. Der Rosenstrauch, den sie immer pflanzen wollten, aber nie kauften. Das Bild, das sie gemeinsam geliebt, aber nie erworben haben. Die Entschuldigung, die unausgesprochen blieb.
Diese Gespräche mahnen mich an die Achtsamkeit im Umgang mit meiner Zeit. Und an die Behutsamkeit im Umgang mit der gemeinsamen Zeit von Yuliya und mir – gerade heute, an ihrem 41. Geburtstag.
Vielleicht ist es das, was Trauer uns lehrt: Der wahre Wert eines Menschen ist nicht seine Anwesenheit, sondern die Intensität der gemeinsam gelebten Augenblicke.
Was ist also das Wertvollste?
Vielleicht ist die Frage leichter gestellt als beantwortet. Doch jede Antwort, die nicht käuflich ist, weist in dieselbe Richtung:
Das Wertvollste ist das,
was sich nicht anhäufen lässt,
was nur in Beziehung existiert,
was sich nicht verkaufen und nicht vererben lässt,
was mit dem Menschen wächst und mit ihm vergeht.
Zeit. Liebe. Vertrauen. Würde. Bewusstheit. Mitgefühl. Und die Treue zu dem, was uns wirklich betrifft.
(Und natürlich die Gesundheit. Ein eigenes Thema für eine eigene Reflexion.)
All das sind Werte, die nicht an Märkte gebunden sind. Und vielleicht liegt genau darin ihre stille Kraft: Sie lassen sich nicht besitzen, sondern nur dankbar leben.