Schlagwort: Abendgebet

  • Abendgebet

    Lesung    Röm 12, 9–12

    Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten. Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung! Lasst nicht nach in eurem Eifer, lasst euch vom Geist entflammen und dient dem Herrn! Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet!

    Vaterunser

    Gütiger Gott, unser Abendgebet steige zu dir empor und dein Segen komme auf uns herab, damit wir mit deiner Hilfe das Heil erlangen und frei werden, hier und auf ewig. Darum bitten wir durch Jesus Christus.

    Eine ruhige Nacht und ein gutes Ende gewähre uns der allmächtige Herr.

    Salve Regina

    Salve, Regina, mater misericordiae;
    vita, dulcedo et spes nostra, salve.
    Ad te clamamus, exsules filii Evae.
    Ad te suspiramus, gementes et flentes
    in hac lacrimarum valle.
    Eia ergo, advocata nostra,
    illos tuos misericordes oculos
    ad nos converte.
    Et Iesum, benedictum fructum ventris tui,
    nobis post hoc exsilium ostende.
    O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

    Sei gegrüßt, o Königin,
    Mutter der Barmherzigkeit;
    unser Leben, unsre Wonne
    und unsre Hoffnung, sei gegrüßt!
    Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas;
    zu dir seufzen wir
    trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen.
    Wohlan denn, unsre Fürsprecherin,
    wende deine barmherzigen Augen uns zu
    und nach diesem Elend zeige uns Jesus,
    die gebenedeite Frucht deines Leibes!
    O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!

  • Der Mond ist aufgegangen

    Der Mond ist aufgegangen,
    die goldnen Sternlein prangen
    am Himmel hell und klar;
    der Wald steht schwarz und schweiget
    und aus den Wiesen steiget
    der weiße Nebel wunderbar.

    Wie ist die Welt so stille
    und in der Dämmrung Hülle
    so traulich und so hold!
    Als eine stille Kammer,
    wo ihr des Tages Jammer
    verschlafen und vergessen sollt.

    Seht ihr den Mond dort stehen?
    Er ist nur halb zu sehen
    und ist doch rund und schön.
    So sind wohl manche Sachen,
    die wir getrost belachen,
    weil unsre Augen sie nicht sehn.

    Wir stolzen Menschenkinder
    sind eitel arme Sünder
    und wissen gar nicht viel.
    Wir spinnen Luftgespinste
    und suchen viele Künste
    und kommen weiter von dem Ziel.

    Gott, lass dein Heil uns schauen,
    auf nichts Vergänglichs trauen,
    nicht Eitelkeit uns freun;
    lass uns einfältig werden
    und vor dir hier auf Erden
    wie Kinder fromm und fröhlich sein.

    Wollst endlich sonder Grämen
    aus dieser Welt uns nehmen
    durch einen sanften Tod;
    und wenn du uns genommen,
    lass uns in’ Himmel kommen,
    du unser Herr und unser Gott.

    So legt euch denn, ihr Brüder,
    in Gottes Namen nieder;
    kalt ist der Abendhauch.
    Verschon uns, Gott, mit Strafen
    und lass uns ruhig schlafen
    und unsern kranken Nachbarn auch.

    Matthias Claudius, Der Mond ist aufgegangen (1779)


    Quelle:
    Evangelisches Gesangbuch EG 482, Gotteslob GL 93


    Zum Autor

    Matthias Claudius (1740–1815) gehört zu jenen Dichtern der Aufklärung, die Einfachheit nicht als Naivität verstanden, sondern als geistige Reife.
    Seine Sprache ist bewusst schlicht, seine Bilder elementar – Nacht, Mond, Stille, Kindsein. Gerade darin liegt ihre Tiefe.

    Das Gedicht ist kein romantisches Naturbild, sondern ein Abendgebet:
    eine stille Kritik am menschlichen Hochmut, eine Erinnerung an Begrenztheit –
    und ein sanftes Vertrauen darauf, dass Geborgenheit nicht aus Wissen, sondern aus Hingabe wächst.

  • Abendgebet

    O Gott, komm mir zu Hilfe. Herr, eile, mir zu helfen.
    Ehre sei dem Vater … Halleluja.

    Innehalten am Abend

    Heiterer Sinn stärkt das Herz und macht uns beharrlich im Guten.
    Philipp Neri (Heiliger des Tages)


    • Wie kann ich mich und andere stärken und mehr und mehr heiteren Sinnes werden?
    • Mit wem zusammen kann ich mich auf diesen Weg begeben?

    Quelle: Magnificat – das Stundenbuch vom 26.5.2025